Altöttinger Liebfrauenbote

Festliches Pontifikalamt zu Mariä Himmelfahrt in Altötting mit Bischof Stefan Oster

Kämpferin an unserer Seite

Der weiß-blaue Himmel leuchtete über dem Herzen Bayerns, als Bischof Stefan Oster um 9.45 Uhr die Übertragung der Gnadenbildkopie von der Heiligen Kapelle zur Basilika St. Anna anführte. Es war ein würdiger Auftakt zur Feier des Hochfests Mariä Himmelfahrt am Mittwoch, 15. August, der im anschließenden Pontifikalgottesdienst seinen Höhepunkt fand und mit der feierlichen Marienvesper um 15 Uhr in der Stiftspfarrkirche samt AVE in der Gnadenkapelle endete.

Lichterband des Glaubens: Die "Große Lichterprozession" um den Kapellplatz in der Langzeitbelichtung.
Lichterband des Glaubens: Die "Große Lichterprozession" um den Kapellplatz in der Langzeitbelichtung.

Mariä Himmelfahrt, das ist in Altötting mehr als ein gewöhnlicher Marienfeiertag: Als Feier des Patroziniums der Gnadenkapelle zählt der 15. August zu den Höhepunkten im Wallfahrtsjahr. Schon am Vorabend wird er mit der "Großen Lichterprozession" eingeläutet, bei der heuer Tausende Teilnehmer den Weg von der Basilika zur Gnadenkapelle in ein stimmungsvolles Lichterband des Glaubens verwandelten.

"Liebe Kinder der Muttergottes"

Bischof Stefan Oster segnet die Gläubigen im Gottesdienst mit der Gnadenbildkopie.
Bischof Stefan Oster segnet die Gläubigen im Gottesdienst mit der Gnadenbildkopie.

Nicht minder stimmungsvoll geriet das Pontifikalamt am Feiertag um 10 Uhr in St. Anna. Sonnenstrahlen mischten sich im voll besetzten Gotteshaus mit Weihrauchschwaden und die von Kapellchor und -orchester samt Solisten berührend intonierte Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart bildete den passenden musikalischen Rahmen. "Liebe Kinder der Muttergottes", begrüßte Bischof Stefan die Gläubigen, die Konzelebranten – darunter Wallfahrtsrektor Stiftspropst Prälat Günther Mandl und den stellvertretenden Wallfahrtsrektor Guardian P. Norbert Schlenker –, Vertreter von Politik wie MdL Martin Huber und Ersten Bürgermeister Herbert Hofauer sowie Vereinen samt Fahnenabordnungen.

Mit seiner Anrede setzte der Passauer Bischof sogleich den Ton seiner Predigt, die er in freier Rede durch die Mittelreihe der Basilika schreitend hielt und in deren Verlauf er die Gläubigen mehrfach in der vertrauensvollen "ihr"-Form ansprach. Der Inhalt war dafür weniger vertraut, vielleicht sogar für so manchen ungewohnt schwere Kost, wie der Prediger selbst vermutete, als er ankündigte über Maria als "Kriegerin, Streiterin, Kämpferin" zu sprechen – jenseits vieler in der Kunst verbreiteten Bilder von Maria als sanft auf einer Wolke (ent-)schwebender Königin. Bischof Stefan nahm Bezug auf die 1. Lesung aus der Offenbarung des Johannes, nachdem der Tempel Gottes im Himmel geöffnet wurde und die – wohl seit babylonischer Zeit verschollene – Bundeslade sichtbar wurde, samt einer Frau, "mit der Sonne bekleidet, der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt": Maria, schwanger mit Jesus. Ein Drache versuchte, das Kind nach der Geburt zu verschlingen – was ihm jedoch nicht gelang, denn "ihr Kind wurde zu Gott und seinem Thron entrückt". Für das Volk Israel sei die Bundeslade stets der Ort gewesen, an dem Gott wohne, so der Prediger. Sie habe ihnen die Gewissheit gegeben, dass Gott mit ihnen sei, ihnen helfe, alle Kämpfe zu bestehen und schließlich ins Gelobte Land zu ziehen.

Diese Gewissheit sei mit dem verschollen gehen der Lade und der Zerstörung des Tempels in Jerusalem äußerlich erschüttert worden. Aber: "Nun erschien die Lade erneut, als die Frau, in der Gott wohnt". Maria sei es fortan, die mit den Mitgliedern der Kirche gehe und kämpfe, legte Bischof Stefan die Lesung aus: "Allerdings ist es ein anderer Kampf, nicht mehr mit militärischen Mitteln, sondern ein geistlicher Kampf." Denn wir Gläubige seien vielen Gefahren ausgesetzt, es gebe viele Götzen in der Welt.

Moderne Götzen

Bischof Stefan Oster sparte nicht mit Weihwasser, als er gut gelaunt am Ende des Pontifikalamts die mitgebrachten Kräuterbuschen segnete.
Bischof Stefan Oster sparte nicht mit Weihwasser, als er gut gelaunt am Ende des Pontifikalamts die mitgebrachten Kräuterbuschen segnete.

Mit seinem Beispiel rüttelte er die Gläubigen dann auf: Wer habe nicht schon einmal gesagt, "das wichtigste ist, das wir gesund sind"? Aber was täten dann die Kranken, wenn ihnen das offenbar wichtigste genommen sei? "Dieser Satz ist ein Götze!", so der Bischof mit Bestimmtheit. Das allerwichtigste sei nämlich, "dass wir Gott im Herzen haben, damit wir einmal ganz gesund werden". Und weiter: "Wenn es dir gelingt, den ersten Platz im Herzen Gott zu geben, dann bist du weniger verführbar". Die Waffen für unseren geistlichen Kampf seien dabei Demut, Buße, Gebet und Rosenkranz - der "kleine Weg".

Am Ende seiner aufrüttelnden Predigt sprach der Bischof den Gläubigen Mut zu: "Dass Maria diesen Weg immer mit uns geht, das wünsche ich uns und dazu segne uns Gott!" Nach der Eucharistiefeier und dem Schlussgebet dankte Prälat Günther Mandl dem Bischof für seine richtungweisende Predigt und den Musikern für ihre großartige Darbietung. Anschließend segnete Bischof Stefan die mitgebrachten Kräuterbuschen mit Gebet und Weihwasser sowie die Gläubigen mit der Gnadenbildkopie – bevor diese dann von Geistlichkeit und Gläubigen in einer langen Prozession wieder "nach Hause", zur Heiligen Kapelle geleitet wurde, zu einem abschließenden "Engel des Herrn".

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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