Altöttinger Liebfrauenbote

23. Forum der Gemeinschaft Emmanuel in Altötting

Mit Gott die Angst besiegen

"Angst lähmt", heißt es. In diesem Fall ist das Forum der Gemeinschaft Emmanuel vom 2. bis 5. August in Altötting offenbar ziemlich angstfrei verlaufen. Frisch und lebendig präsentierten sich die über 1.000 Teilnehmer bei Gottesdienst, Lobpreis, Gebet und in Workshops auch bei der 23. Auflage des Glaubensfestes in der Wallfahrtsstadt – heuer unter dem Motto "Fürchtet Euch nicht!". Höhepunkt waren ein Impuls und eine hl. Messe mit dem Innsbrucker Bischof Hermann Glettler am Sonntag, als er u.a. zehn Punkte für eine "geistvolle Furchtlosigkeit" vorstellte.

Einzug zum Gottesdienst mit Bischof Hermann Glettler (r.).
Einzug zum Gottesdienst mit Bischof Hermann Glettler (r.).

Nein, völlig angstfrei komme niemand voran, dies sei sogar gefährlich, erklärte Bischof Glettler in seinem Impuls auf dem Kapellplatz. Doch sollte jeder darauf achten, dass sich Ängste nicht zu Phobien steigern. Um etwa Glaubensängste zu steuern, helfe regelmäßiges Beten wie "Jesus, ich vertraue auf dich!", empfahl der Bischof. Furcht wiederum sei notwendig, stellte er fest: sie lasse uns bei Gefahr rechtzeitig reagieren. Vor allem betonte der Bischof die "Gottesfurcht", die vielfach abhanden gekommen sei; nicht die Furcht vor dem strafenden Gott sei damit gemeint, sondern die "Ehrfurcht" vor einem liebenden Gott. Zehn Punkte legte der Innsbrucker Bischof also den Zuhörern ans Herz: Den Auftrag Jesu hören; an Gottes Vorsehung glauben; den Auferstandenen im Blick haben; in der Liebe bleiben sowie Zeit und Nähe des Herrn suchen (Furcht gibt es in der Liebe nicht); mit Gottes Geist rechnen; die Hingabe leben (unsere Antwort auf den Ruf des Herrn); sich gegenseitig tragen; Vertrauen zusprechen; in Verbundenheit leben (in Gemeinschaft bleiben mit den Menschen); in der Zuversicht bleiben.

Stimmung trotz Hitzewelle

Lobpreis auf dem Kapellplatz.
Lobpreis auf dem Kapellplatz.

Zehn Punkte, die sich auch recht gut auf das Selbstverständnis der Forums-Gemeinschaft übertragen lassen, denn Begegnung, Austausch und Miteinander waren an den vier Tagen in Altötting ebenso zentrale Elemente wie Gottesdienst, Lobpreis und Gebet oder der "Barmherzigkeitsabend" am Samstag in der St. Anna-Basilika. Vor allem Familien nahmen teil, für Kinder und Teenies gab es ein Extra-Programm. In den Workshops ging es um Themen des Glaubens und der Lebensgestaltung wie etwa "Beten – wie geht das" oder "Mit der Bibel leben". Die hl. Messen am Kapellplatz waren gewohnt stimmungsvoll und ausdrucksstark, wie immer eindrucksvoll unterstützt von Musik und Gesang. Einziger Wermutstropfen war die seit Tagen andauernde Hitzewelle mit Temperaturen von weit über 30 Grad und wenig Abkühlung über Nacht.

"Kein Museum, sondern ein lebendiges Haus"

Pfr. Martin Sinnhuber, Prediger bei der Pontifikalmesse mit Bischof Glettler.
Pfr. Martin Sinnhuber, Prediger bei der Pontifikalmesse mit Bischof Glettler.
Bischof Herrmann Glettler sandte am Ende der Pontifikalmesse Absolventen der "Emmanuel School of Mission Altötting" aus.
Bischof Herrmann Glettler sandte am Ende der Pontifikalmesse Absolventen der "Emmanuel School of Mission Altötting" aus.
Barmherzigkeitsabend in der Basilika.
Barmherzigkeitsabend in der Basilika.

Dennoch präsentierte sich die Forums-Gemeinschaft auch beim Abschlussgottesdienst am Sonntagvormittag so, wie sich Pfr. Martin Sinnhuber, Prediger bei der Pontifikalmesse mit Bischof Glettler, die Kirche wünscht: "Kein Museum, sondern ein lebendiges Haus" solle sie sein. Die Gegenwart Gottes müsse nicht erst herbeigebetet werden, erinnerte er, denn Gott selbst mache sich den Menschen nahbar. Es liege an uns, diese Nähe zuzulassen. Pfr. Sinnhuber betonte: "Jesus ist der eigentliche Tempel Gottes. Wer Jesus in sich aufnimmt, der wird selbst ein Ort der Gegenwart Gottes." Durch Beziehungen werde dieser Tempel getragen, erläuterte der Prediger und betonte: "Gott ist kein Museumsstein, sondern er lebt und er ist am Werk." An den Gläubigen liege es, dies zu bezeugen. "Lasst euch aufbauen", gab er den Teilnehmern mit auf den Weg - aufbauen als "lebendige Steine", die die Gegenwart Gottes bezeugen. In diesem Sinne sandte Bischof Glettler am Ende der Pontifikalmesse 12 von 13 Absolventen der "Emmanuel School of Mission Altötting" aus.

Um Zeugnis zu geben von der Anwesenheit des Herrn, braucht es jedoch nicht unbedingt einen "Schulabschluss" – dies wurde deutlich etwa bei den öffentlichen Glaubenszeugnissen beim Barmherzigkeitsabend am Samstag. Dabei erzählte z.B. Alexander, wie er als Atheist über die Mitarbeit bei den Maltesern und vor allem über eine engagierte Katholikin zum Glauben fand; die vierfache Mutter Ute schilderte wie sehr sie durch den plötzlichen Tod ihres Mannes geprüft worden sei und wie sie schließlich durch ihren Glauben die Prüfung bestanden und nun wieder einen neuen Partner fürs Leben gefunden habe.

Festzustellen bleibt: Angst gehört dazu, doch – wie es Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl formulierte, als er die Teilnehmer des Forums gemeinsam mit seinem Stellvertreter Kapuzinerpater Norbert Schlenker und Bürgermeister Herbert Hofauer am Donnerstagnachmittag begrüßte:  "Glaube und Gebet vertreiben die Angst". Prälat Mandl zitierte Worte von Papst Johannes Paul II., die das diesjährige Forum gut zusammenfassen: "Habt doch keine Angst – öffnet die Tür für Christus."

Text: Michael Glaß und Roswitha Dorfner, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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