Altöttinger Liebfrauenbote
Bruder Konrad-Fest: ein erstaunter Blick in den Br. Konrad-Schrein.
Bruder Konrad-Fest: ein erstaunter Blick in den Br. Konrad-Schrein.

Altötting: Bruder Konrad-Fest im Jubiläumsjahr – Br. Mauro Jöhri, Generalminister der Kapuziner, predigte:

"Heiligkeit zieht Menschen an"

"Heiligkeit spricht an und zieht Menschen an", stellte Br. Mauro Jöhri fest. Der Generalminister der Kapuziner war extra aus Rom angereist, um am 21. und 22. April mit seinen Ordensbrüdern in Altötting Bruder Konrad zu feiern. Der Festtag des heiligen Klosterpförtners war in dessen Jubiläumsjahr besonders feierlich und sehr gut besucht.

Zahlreiche Priester und Kapuziner standen bei der Festmesse zu Ehren des hl. Br. Konrad am Altar.
Zahlreiche Priester und Kapuziner standen bei der Festmesse zu Ehren des hl. Br. Konrad am Altar.

Auch das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite: Sonnenschein, blauer Himmel und sommerliche Temperaturen mit fast 30 Grad sind im April sehr ungewöhnlich, doch es war ja auch kein gewöhnlicher Feiertag: das Bruder Konrad-Fest, das alljährlich rund um den Todestag des Heiligen am 21. April (1894) gefeiert wird, hat im Wallfahrtsort seinen fest verankerten Platz im Kalander; heuer stand der Tag unter ganz besonderen Vorzeichen: am 22. Dezember dieses Jahres jährt sich Br. Konrads 200. Geburtstag und die Diözese Passau hat gemeinsam mit den Altöttinger Kapuzinern ihm zu Ehren ein ganzes Jubiläumsjahr ausgerufen. Viele Gläubige kamen, viele Pilger, Bruder Konrad-Verehrer und Besucher aus Nah und Fern, viele Kapuziner nicht nur aus Deutschland, sondern weit darüber hinaus, und natürlich auch kirchliche Prominenz: Bischof Stefan Oster weihte den Altar in der frisch renovierten St. Konrad-Kirche und begleitete auch den diesjährigen Weltgebetstag um geistliche Berufungen.

Heiligkeit: "Jetzt seid ihr dran!"

Prediger Br. Mauro Jöhri, Generalminister der Kapuziner.
Prediger Br. Mauro Jöhri, Generalminister der Kapuziner.
Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl (l.) begrüßt Generalminister Br. Mauro Jöhri (M.) am Basilika-Vorplatz.
Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl (l.) begrüßt Generalminister Br. Mauro Jöhri (M.) am Basilika-Vorplatz.
Nach Festmesse und Prozession am Sonntag gab es traditionell Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränke.
Nach Festmesse und Prozession am Sonntag gab es traditionell Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränke.

Höhepunkt des Bruder Konrad-Festes freilich waren wie jedes Jahr die feierliche Vorabendmesse am Samstagabend und die Festmesse am Sonntagvormittag mit Br. Mauro Jöhri in der St. Anna-Basilika – feierlich gestaltet von Kapellchor und -orchester – sowie die anschließenden Reliquienprozessionen. Auch in dieser Hinsicht war das schöne Wetter erfreulich, denn die Bruder Konrad-Hauptreliquie war heuer häufiger unterwegs als sonst: Wie jedes Jahr übertrugen sie die Kapuziner zunächst von der St. Konrad-Kirche für die beiden Gottesdienste in die Basilika, am Sonntag nach der Festmesse schließlich hinauf zur Gnadenkapelle und nach der feierlichen Statio zurück in die St. Konradkirche. Dann hatte die Reliquie am Nachmittag einen weiteren "Einsatz" zum Weltgebetstag für geistliche Berufe. Nicht nur viele Gläubige nahmen teil, sondern auch etliche Fahnenabordnungen vor allem der Altöttinger Vereine und der Marianischen Männerkongregation.

Der Weltgebetstag war ein passender Rahmen für einen Kapuziner, der zwar selbst kein Priester war, aber für einen Weg in einen geistlichen Beruf durchaus als Vorbild dienen kann, wie auch die Schilderungen der Predigt von Br. Mauro Jöhri bei der Vorabendmesse belegten. Als Menschen mit einer "ausgeprägten Opferbereitschaft" stellte er den Heiligen vor, als jemand, der sein strenges Leben "mit Menschenfreundlichkeit und Güte verband", der über seine Opferbereitschaft keine Spur verhärtet oder verbittert sei, und der "über seine Leiden und alles Schmerzliche" vor allem "mit Gott im Gebet" sprach. "Wie gehen wir mit dieser Heiligkeit um?", fragte Br. Mauro Jöhri und stellte fest: "Bewundern können wir sie wohl, nachahmen aber kaum."

Und dennoch seien alle Christen zur Heiligkeit berufen: "Heiligkeit beginnt im Alltag", erklärte Br. Mauro Jöhri mit Verweis auf das aktuelle apostolische Schreiben von Papst Franziskus "Gaudete et Exultate – Freut euch und jubelt", aus dem er auch einige Zitate wiedergab. "Füreinander da sein und Verantwortung übernehmen", riet er seinen Zuhörern und fügte hinzu: "Der heilige Bruder Konrad sagt uns zum Schluss: Mit Gottes Hilfe habe ich versucht den Ruf zur Heiligkeit möglichst getreu zu leben. Bestimmt war meine Zeit anders als die eurige, jetzt seid ihr dran!"

Bruder im Geiste: seliger Solanus Kasey

Reliquienprozession über den Kapellplatz.
Reliquienprozession über den Kapellplatz.
Am Samstagabend nach der Vorabendmesse fand traditionell eine Lichterprozession statt.
Am Samstagabend nach der Vorabendmesse fand traditionell eine Lichterprozession statt.
Beste Laune: Anlässlich des Br.-Konrad-Jubiläums hat die Deutsche Post einen Sonderstempel herausgegeben, die Stadt Altötting eine Postkarte. Einige der Karten stempelte Bischof Stefan Oster vor der Pontifikalmesse zur Wiedereröffnung der St. Konradkirche im Beisein von (v. l.) Administrator Prälat Günther Mandl, Guardian P. Norbert Schlenker, Generalminister Br. Mauro Jöhri, Bürgermeister Herbert Hofauer und Provinzial Br. Marinus Parzinger.
Beste Laune: Anlässlich des Br.-Konrad-Jubiläums hat die Deutsche Post einen Sonderstempel herausgegeben, die Stadt Altötting eine Postkarte. Einige der Karten stempelte Bischof Stefan Oster vor der Pontifikalmesse zur Wiedereröffnung der St. Konradkirche im Beisein von (v. l.) Administrator Prälat Günther Mandl, Guardian P. Norbert Schlenker, Generalminister Br. Mauro Jöhri, Bürgermeister Herbert Hofauer und Provinzial Br. Marinus Parzinger.

"Heiligkeit spricht an und zieht Menschen an", sagte Br. Mauro Jöhri in seiner Predigt in der Festmesse am Sonntagvormittag. Viele Menschen hätten an Br. Konrads Pforte geklopft – "weil sie wussten, dass sie dort einem Mann Gottes begegnen würden". Br. Mauro Jöhri sprach nicht nur über den hl. Bruder Konrad. Wie schon am Vortag berief er sich u.a. auch auf den hl. Franziskus, aus dessen Leben er erzählte. "Wir wissen, dass Bruder Konrad im Rahmen seiner Möglichkeiten den Armen gegenüber sehr freizügig war. Auch darin hat er sich als echter Sohn des Poverello von Assisi erwiesen", erklärte er etwa.

Schließlich stellte er einen hierzulande sehr unbekannten Kapuziner vor: Solanus Kasey, der 1957 starb und im November 2017 in Detroit in den USA seliggesprochen wurde. Dieser sei zwar Priester gewesen, doch weil er als "nicht besonders begabt" gegolten habe, sei ihm wenig erlaubt worden. Schließlich sei er zum Hilfspförtner bestellt worden und ebenso wie Br. Konrad habe er ohne Klagen seinen Dienst getan und dabei vor allem den vielen Armen geholfen, die "in Strömen zu ihm" gekommen seien. Über 70.000 Menschen nahmen an seiner Seligsprechung teil.

Br. Mauro Jöhri stellte fest: "Heute darf ich ruhig sagen, dass zwischen den beiden, zwischen dem heiligen Bruder Konrad und Bruder Solanus eine tiefe geistige Verwandtschaft besteht. Wir können Gott für diese Menschen nur danken, denn sie haben etwas von Seiner Menschenfreundlichkeit lebendig werden lassen." Für Br. Mauro Jöhri steht fest: Gerade in ihrem Umgang mit den verschiedenen Formen der Armut – heute seien es vor allem auch Flüchtlinge, die Hilfe benötigten – sei die Kirche immer wieder neu herausgefordert. Der Einsatz des hl. Br. Konrad diene dabei auch weiterhin als Vorbild.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Auch die Marianische Männnerkongregation aus Reischach mit Pfr. Ludwig Samereier nahm am Bruder Konrad-Fest teil.
Auch die Marianische Männnerkongregation aus Reischach mit Pfr. Ludwig Samereier nahm am Bruder Konrad-Fest teil.
Kapuzinerprovinzial Br. Marinus Parzinger in der Basilika.
Kapuzinerprovinzial Br. Marinus Parzinger in der Basilika.
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Bruder Konrad-Postkarten, herausgegeben von der  Stadt Altötting.
Bruder Konrad-Postkarten, herausgegeben von der Stadt Altötting.
Präsentation von Postkarte und Poststempel zum Bruder Konrad-Jubiläum.
Präsentation von Postkarte und Poststempel zum Bruder Konrad-Jubiläum.
Großer Andrang vor dem Stand der Deutschen Post, im Bild Bischof Stefan Oster (M.) und Kapuzinerpater Norbert Schlenker (r.).
Großer Andrang vor dem Stand der Deutschen Post, im Bild Bischof Stefan Oster (M.) und Kapuzinerpater Norbert Schlenker (r.).
Feierliche Lichterprozession am Samstagabend.
Feierliche Lichterprozession am Samstagabend.
Feierliche Lichterprozession am Samstagabend.
Feierliche Lichterprozession am Samstagabend.
Geselliges Beisammensein mit Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränken.
Geselliges Beisammensein mit Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränken.
Geselliges Beisammensein mit Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränken.
Geselliges Beisammensein mit Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränken.
Geselliges Beisammensein mit Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränken.
Geselliges Beisammensein mit Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränken.
Ein "Salut für Bruder Konrad".
Ein "Salut für Bruder Konrad".
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Feierliche Prozession mit der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Geselliges Beisammensein mit Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränken.
Geselliges Beisammensein mit Bruder Konrad-Weckerl und Freigetränken.
Eine Ordensschwester mit Jubiläums-Postkarte und -Stempel.
Eine Ordensschwester mit Jubiläums-Postkarte und -Stempel.