Altöttinger Liebfrauenbote
Ein Blick in die frisch renovierte St. Konradkirche bei der festlichen Altarweihe.
Ein Blick in die frisch renovierte St. Konradkirche bei der festlichen Altarweihe.

Pontifikalmesse mit Altarweihe in Altötting am Hochfest des heiligen Bruder Konrad

"Was für ein schöner Tag"

Wer jemals die feierliche Altarweihe in einer katholischen Kirche miterleben durfte, der vergisst den eindrucksvollen Ritus nicht wieder. Am Samstag, 21. April verfolgten zahlreiche Gläubige, wie Bischof Stefan Oster am Hochfest des heiligen Bruders Konrad den neuen Altar in der Altöttinger St. Konradkirche weihte. Das Gotteshaus – einst Wirkungsort des Ortsheiligen und dritten Passauer Diözesanpatrons – war in den Monaten zuvor anlässlich dessen 200. Geburtsjahres grundlegend renoviert und umgestaltet worden.

Kapuzinerbruder Ägidius Schönsmaul neben dem frisch renovierten Bruder Konrad-Schrein mit der Hauptreliquie und – vorne im Bild – mit der Fingerreliquie.
Kapuzinerbruder Ägidius Schönsmaul, Sakristan von St. Konrad, neben dem neuen Bruder Konrad-Schrein mit der Hauptreliquie und – vorne im Bild – mit der Fingerreliquie.
Die Zelebranten ziehen in die frisch renovierte St. Konradkirche ein; im Vordergrund Bischof Stefan Oster wie er die Besucher segnet.
Die Zelebranten ziehen in die frisch renovierte St. Konradkirche ein; im Vordergrund Bischof Stefan Oster wie er die Besucher segnet.
Blick in den Chorraum; im Hintergrund die Sängerinnen und Sänger der Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei.
Blick in den Chorraum; im Hintergrund die Sängerinnen und Sänger der Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei.
Bischof Stefan Oster segnet Kirche und Besucher.
Bischof Stefan Oster segnet Kirche und Besucher.
Über 1.000 Besucher verfolgten die Altarweihe über eine Videoleinwand von Allround TV in der St. Anna-Basilika.
Über 1.000 Besucher verfolgten die Altarweihe über eine Videoleinwand von Allround TV in der St. Anna-Basilika.

Obwohl in der St. Konradkirche im Zuge der Neugestaltung mehrere Bankreihen hinzugewonnen werden konnten, reichte der Platz während des Festgottesdienstes dort nur für geladene Gäste. Die Kapuziner hatten jedoch vorgesorgt und so wurde die Feier auf einem Großbildschirm in die benachbarte St. Anna-Basilika übertragen – ein Angebot, von dem Tausende gerne Gebrauch machten. Auch im Internet konnte die Altarweihe live mitverfolgt werden, unter anderem über die Homepage des Liebfrauenboten.

Ganz gleich ob in St. Konrad selbst, in der Basilika oder im World Wide Web: Der Ritus der Altarweihe nimmt gefangen, hat zugleich etwas Archaisches und zutiefst Emotionales. In ihm wird die Grundfeste des Glaubens buchstäblich erlebbar: Christi Opfertod zu unserem Heil. Es rührt an, wenn der Bischof den Altartisch mit bloßer Hand voller Andacht und Sorgfalt mit heiligem Chrisam salbt, wenn er die Wachsdochte mit Weihrauch auf den fünf Weihekreuzen der Altarplatte entzündet und die ganze Gemeinde ein Heilig-Geist-Lied anstimmt, wenn die Kapuzinerbrüder Ägidius und Ernst-Konrad nach dem Verlöschen der Flammen den Tisch des Herrn liebevoll, beinahe innig säubern und mit einem Wachstuch bedecken – und wenn dann am frisch geweihten Altar erstmals die Eucharistie gefeiert wird.

Die Altarweihe war der Höhepunkt einer insgesamt berührenden, feierlichen, dem Anlass gerechten Pontifikalmesse – musikalisch großartig gestaltet durch die Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei mit Instrumentalisten unter der Leitung von Herbert Hager, an der Orgel Maximilian Jäger. Zu Beginn begrüßte Kapuzinerprovinzial P. Marinus Parzinger herzlich Bischof Stefan Oster als Hauptzelebrant und Prediger sowie die geladenen Gäste, Konzelebranten und Mitfeiernden: Bischof Stefan, Bischof em. Wilhelm Schraml, Kapuziner-Generalminister Mauro Jöhri, Generalrat Br. Pio Murat, weitere Kapuzinerprovinziale aus der Schweiz, Irland und Österreich-Südtirol, Dekan Heribert Schauer, Wallfahrtsrektor und Stadtpfarrer Günther Mandl, das Passauer Domkapitel mit Generalvikar Klaus Metzl, das Stiftskapitel Altötting, die Diakone Georg Hifinger und Thomas Zauner, Landrat Erwin Schneider, Bürgermeister Herbert Hofauer sowie zahlreiche weitere Priester, Ordensleute und Ehrengäste. "Wir dürfen die Bruder-Konrad-Kirche nun den Verehrern, den Gläubigen und Pilgern zurückgeben", sagte Br. Marinus und dankte allen, die zum Gelingen der Baumaßnahmen in einem engen Zeitrahmen beigetragen hatten. Doch, so wünschte sich der Provinzial für den Gottesdienst: "Möge uns nicht nur das Äußere beeindrucken, sondern uns vor allem auch der hl. Br. Konrad innerlich, im Herzen berühren!"

Symbol für das Unverrückbare

Bischof Stefan Oster segnet den neuen Ambo mit dem Wasser der Tauferneuerung.
Bischof Stefan Oster segnet den neuen Ambo mit dem Wasser der Tauferneuerung.
Bischof Stefan Oster bei seiner Predigt.
Bischof Stefan Oster bei seiner Predigt.
Bischof Stefan Oster präsentiert die Bruder Konrad-Reliquie, die anschließend im Altar beigesetzt wurde.
Bischof Stefan Oster präsentiert die Bruder Konrad-Reliquie, die anschließend im Altar beigesetzt wurde.
Bischof Stefan Oster salbt den neuen Altar mit hl. Chrisam – links die neue Grablege Br. Konrads.
Bischof Stefan Oster salbt den neuen Altar mit hl. Chrisam – links die neue Grablege Br. Konrads.
Bischof Oster entzündet den Weihrauch am Altar.
Bischof Oster entzündet den Weihrauch am Altar.
Bischof Stefan spricht das Weihegebet für den neuen Altar, auf dem Weihrauch entzündet wurde.
Bischof Stefan spricht das Weihegebet für den neuen Altar, auf dem Weihrauch entzündet wurde.
Br. Ernst-Konrad (l.) und Br. Ägidius bedecken den Altar mit einem Wachstuch.
Br. Ernst-Konrad (l.) und Br. Ägidius bedecken den Altar mit einem Wachstuch.
Höhepunkt der Pontifikalmesse: die erste Eucharistiefeier am neugeweihten Altar.
Höhepunkt der Pontifikalmesse: die erste Eucharistiefeier am neugeweihten Altar.
Abschließend segnete Bischof Stefan den neuen Tabernakel und entzündete das Ewige Licht.
Abschließend segnete Bischof Stefan den neuen Tabernakel und entzündete das Ewige Licht.

Dabei gibt es allen Grund, sich von der neugestalteten Kirche gefangen nehmen zu lassen: hell strahlt der zuvor bisweilen ein wenig düster wirkende Kirchenraum, wird in seiner ganzen Dimension erlebbar – vor allem durch die Anordnung der vom Laufener Bildhauer Siegfried Koller geschaffenen neuen liturgischen Elemente wie Altar, Ambo, Tabernakel und Bruder-Konrad-Schrein in einer logischen Achse hin zum Hochrelief mit Motiven des himmlischen Jerusalems an der Stirnseite des Chorraums. Die frisch gekalkten Wände, die restaurierten, nun wieder hellen Kirchenbänke, die gereinigten Fenster und das neue Lichtkonzept tun ein Übriges. Noch dazu strahlte die Sonne am Festtag des heiligen Bruders Konrad, als wäre es bereits Hochsommer.

"Was für ein schöner Tag!" So begrüßte dann auch Bischof Stefan die versammelte Gemeinde in St. Konrad und in der Basilika St. Anna. Eine Altarweihe sei immer etwas Besonderes, denn am Altar werde der Herr stets neu gegenwärtig, so der Hauptzelebrant. Zunächst aber segnete er zur Verlesung des Evangeliums den neuen Ambo und besprengte ihn mit dem Wasser der Tauferinnerung.

In seiner Predigt ging Bischof Stefan dann auf die Bedeutung des Altars ein. Dieser stehe einerseits für das Unverrückbare, das, was die Zeit überdauere – als Symbol für Christus, geopfert auf dem Altar des Kreuzes. "Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht", zitierte Oster den Wahlspruch des Karthäuser-Ordens. Leider aber werde ein Altar oft auch mit Starrheit und Unbeweglichkeit assoziiert. "Wenn der Altar das Herz der Kirche ist, hat die Kirche dann ein Herz aus Stein, kalt und tot?", fragte der Bischof rhetorisch. Ihn beschäftige die Frage, wie das Feste und Verlässliche des Altares so gelebt werden könne, dass es nicht beliebig werde.

Und an dieser Stelle kommt für den Prediger der heilige Bruder Konrad ins Spiel. Vermutlich habe jeder, der ihn ehrlich kannte, seine große Treue und Verlässlichkeit gespürt: "Bruder Konrad war immer ansprechbar für jeden, er hat verlässlich geholfen – stets ausgeglichen, nie aufbrausend, immer gütig, in sich ruhend, stets dem Anderen zugewandt, besonders dem Bedürftigen." Diese Art sei nicht einfach so dagewesen, sondern habe eine innere Quelle gehabt, einen inneren Altar, erläuterte der Bischof: "Bruder Konrad war bei Christus daheim, beim Gekreuzigten, und bei der Muttergottes, die ihm immer wieder geholfen hat, auf Christus zu schauen." Wer innerlich bei Jesus bleibe, wer im Gebet, im Vertrauen, in der Liebe mit ihm verbunden bleibe und lebe, schlussfolgerte Oster, den könne äußerlich und innerlich nicht mehr viel aus der Ruhe bringen.

Der Gekreuzigte sei gleichsam auf dem Altar des Herzens von Br. Konrad gewesen, auf dem Altar, den der Heilige in einem langen gläubigen Leben und im intensiven geistlichen Training freigeräumt habe von allem, "was so gern Gottes Stelle in uns einnehmen möchte": in erster Linie von den Ansprüchen unseres Egos nach Beachtung, Einfluss, Wohlbefinden und materiellen Gütern. Br. Konrads erste Frage aber sei immer gewesen: Was willst DU Herr, was willst du hier und heute und in diesem Augenblick von mir?

Die Welt frage sich, so Bischof Stefan, ob ein Leben wie das von Bruder Konrad nicht entgegen aller Beweglichkeit, Dynamik, Spontaneität sei. "Ist es nicht viel zu eingesperrt in seine ärmliche Klosterzelle oder in seine Pfortenkammer?" Aber die christliche Realität sei eine andere: "Der Gekreuzigte, der Unbewegliche am Kreuz ist der, der am meisten Liebe und am meisten Fruchtbarkeit freisetzt." Und weil Br. Konrads ganzes Leben auf das Kreuz hin ausgerichtet war, habe er immer ganz bei seinem Gegenüber sein können, "ein wahrer, zutiefst menschlicher Mensch."

Br. Konrad sei jemand gewesen, in dem man die Gegenwart dessen spüren konnte, der wollte, "dass Menschen wieder Menschen werden, frei von ihrer Gebrochenheit und Sünde, wahrhaftig, liebevoll und gut." Bischof Stefan schloss seine Predigt mit den Worten: "Hilf uns, Bruder Konrad, dass wir immer mehr Dienerinnen und Diener unserer Mitmenschen werden, wie du einer warst und hilf uns, dass auch dieser Ort, Altötting, immer neu für viele zum Trostort werden kann; zum Ort, wo die Menschen dir begegnen, wo sie unserer geliebten Muttergottes begegnen und vor allem unserem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der will, dass wir alle das Heil erlangen!"

Nach der anschließenden Altarweihe folgten die Segnung des neuen Tabernakels mit Entzünden des Ewigen Lichts an der Osterkerze und die Dankesworte von Guardian P. Norbert Schlenker, bevor Bischof Stefan die Gottesdienstgemeinde mit seinem Segen in einen sonnig-warmen Festtag hinein entließ.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner 20, Michael Glaß 1

Impressionen

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)

Altarweihe: Die Bruder Konrad-Reliquie wird im Altar beigesetzt.
Altarweihe: Die Bruder Konrad-Reliquie wird im Altar beigesetzt.
Altarweihe: der Weihrauch ist entzündet.
Altarweihe: der Weihrauch ist entzündet.
Eucharistiefeier.
Eucharistiefeier.
Kapuzinerpater Alexander Mathadil verliest die Weiheurkunde.
Kapuzinerpater Alexander Mathadil verliest die Weiheurkunde.
Kapuziner vor der Kreuzigungsgruppe von Siegfried Moroder im Kirchenschiff über dem seitlichen Portal zum Klostergang.
Kapuziner vor der Kreuzigungsgruppe von Siegfried Moroder im Kirchenschiff über dem seitlichen Portal zum Klostergang.
Blick auf das große Kreuz im Torbogen.
Blick auf das große Kreuz im Torbogen.