Altöttinger Liebfrauenbote
Begeisterung beim Einzug der Passauer Pilger in Altötting.
Begeisterung beim Einzug der Passauer Pilger in Altötting.

Rund 7.000 Pilger der Passauer Jugend-Fußwallfahrt in Altötting – Bischof Stefan Oster mit dabei

"Hier ist Leben" in der Kirche

"Unser ganzes Leben ist eine Wallfahrt", betonte Bischof Stefan Oster in seiner Predigt beim Vorabendgottesdienst am Samstagabend, 14. April, in der St. Anna-Basilika. So gesehen ist die alljährliche Passauer Jugendfußwallfahrt ein ganz besonderes "Training": nicht nur, weil auch heuer wieder eine sehr große Gemeinschaft mit rund 7.000 Pilgern in Altötting ankam, sondern vor allem, weil die sichtbare Freude der Pilger beim Einzug am Ziel darauf hindeutet, dass sich so eine Wallfahrt auch wirklich lohnen kann.

Mitten unter den Pilgern: vorne von links, Jugendpfarrer Wolfgang de Jong und Bischof Stefan Oster; im Hintergrund von links, Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und Kapuzinerpater Br. Georg Greimel.
Mitten unter den Pilgern: vorne von links, Jugendpfarrer Wolfgang de Jong und Bischof Stefan Oster; im Hintergrund von links, Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und Kapuzinerpater Br. Georg Greimel.
Bischof Stefan Oster begrüßt in der Basilika die Pilger.
Bischof Stefan Oster begrüßt in der Basilika die Pilger.

"Hier ist Leben", schilderte Bischof Oster in seiner Predigt seine Eindrücke vom Einzug. Jubel, Gebet und Gesang wechselten sich ab, als die Pilger mit Fahnen und Kreuzen über den Kapellplatz zogen. Auch Tränen habe er beim ein oder anderen entdeckt, sagte Bischof Oster – aus Schmerz, Erschöpfung und Freude – "alles miteinander"; ein über 90 Kilometer-Marsch an zwei Tagen verlangte dem Körper einiges ab, auch wenn das Wetter sich von seiner besten Seite gezeigt hatte. Bischof Oster war auch heuer – dieses Mal mit der Gruppe aus Osterhofen – eine Teiletappe von Perach nach Altötting mitgegangen und war beeindruckt u.a. vom Tempo, das diese vorlegte. Er habe eigentlich mitsingen wollen, erzählte er nach dem Einzug in die Basilika, doch dafür seien die Pilger für ihn zu schnell unterwegs gewesen.

Gewohnt schwungvoll und kreativ gestaltet waren die beiden Gottesdienste am Samstagabend mit dem Bischof und am Sonntagvormittag mit Jugendpfarrer Wolfgang de Jong. Die Musikgruppe Samico unter Leitung von Günter Meier sorgte für stimmungsvolle Musik. Bischof Oster sprach mehrmals seinen Dank aus an die vielen Pilger, an die vielen Helfer und an die Organisatoren vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend Passau (BDKJ) und vom Bischöflichen Jugendamt der Diözese Passau. Im Jubiläumsjahr des hl. Bruder Konrad waren die Pilger unter dem Motto "#mitKonrad" unterwegs gewesen und waren ihm zuliebe einen Umweg über seinen Geburtsort in Parzham gegangen. Und auch der heilige Klosterpförtner sei tatsächlich mit dabei gewesen, versicherte der Bischof. Denn dies ist schließlich eine Kernaussage des christlichen Glaubens, dass die Menschen als "Pilger auf Erden" nicht alleine wandern. Bischof Oster stellte fest: "Das ist unser Leben als Christen: unterwegs sein mit Jesus." In einer Wallfahrt erlebten die Teilnehmer nicht nur Gemeinschaft, sondern auch die "Gegenwart des Herrn". "Schön, dass wir diese Wallfahrts-Tradition haben", freute sich Bischof Oster über deren 73. Auflage.

"Er ist wahrhaft auferstanden!"

Bischof Stefan Oster mit zwei sehr jungen Pilgerinnen in der Basilika.
Bischof Stefan Oster mit zwei sehr jungen Pilgerinnen in der Basilika.
Während seiner Predigt ging Bischof Stefan Oster durch die Reihen und sprach die Leute direkt an.
Während seiner Predigt ging Bischof Stefan Oster durch die Reihen und sprach die Leute direkt an.
Bischof Stefan Oster (l.), Pfarrer Wolfgang de Jong (r.) und Jugendseelsorger Hubertus Sterflinger (2.v.l.) bei der Lichterprozession.
Bischof Stefan Oster (l.), Pfarrer Wolfgang de Jong (r.) und Jugendseelsorger Hubertus Sterflinger (2.v.l.) bei der Lichterprozession.

Überhaupt, die Freude. Diese merkte man auch dem deutschen Jugendbischof Stefan Oster an, als er während seiner Predigt durch die Reihen ging und die Gottesdienstteilnehmer direkt ansprach, nicht selten mit Humor. Doch gerade von der österlichen Freude sei in der Kirche ansonsten viel zu wenig zu spüren, stellte er in seiner Predigt fest. "Wir sind vielleicht manchmal ein bisschen nüchtern in dem, was wir feiern", erklärte er, als er seine Erfahrungen bei einer Einkehr in einem Kloster schilderte, in dem Schwestern nach einer östlichen Liturgie feiern. Wenn er als Zelebrant vorgesagt habe, "Christus ist auferstanden", sei die Antwort der Schwestern überraschend laut und begeistert gewesen: "Er ist wahrhaft auferstanden!" Bischof Oster fragte: "Wie geht es, dass diese österliche Freude so in unsere Herzen kommt?" Eine konkrete Antwort auf diese Frage ist schwierig, der Bischof versuchte es mit einem Vergleich aus dem "modernen" Leben: Junge Technologien wie etwa das Smartphone "lassen wir wie selbstverständlich in unser Leben", keiner beschwere sich hierbei: "Jetzt muss ich das auch noch machen". Die Faszination für die Technik und deren Möglichkeiten ziehe uns an. Bischof Oster schlussfolgerte: "Wenn uns im Herzen aufgeht, wie faszinierend Jesus ist, dann würden wir uns ganz selbstverständlich mit ihm beschäftigen. Dann kommt er in unser Leben hinein, sodass er anfängt, es zu tragen und zu verändern." Im Gegensatz zu Smartphones mache Jesus aber nicht süchtig, im Gegenteil: "Jesus macht frei", betonte er. "Christus ist wahrhaft auferstanden. Amen", beendete Bischof Oster seine Predigt und erntete Applaus.

Mit der österlichen Freude beschäftige sich auch der Passauer Jugendpfarrer de Jong in seiner Predigt am Sonntag, die u.a. auch vom Initiativkreis Junge Wallfahrt Altötting (IK) mitgestaltet wurde – die Jugendmesse der Passauer war zugleich der Auftakt für die wöchentlichen Altöttinger Jugendgottesdienste im Kongregationssaal am Sonntagvormittag, die der IK organisiert. Pfarrer de Jong betonte mit Bezug auf das Tagesevangelium zur "Erscheinung Jesu in Jerusalem" (Lk 24, 35-48): "Zeugen braucht das Evangelium! Ihr alle miteinander seid Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung des Herrn." "Keine Leute, die wissenschaftlich fundiert und gescheit daherreden" seien hierbei gefragt, sondern "Zeugen, die Feuer gefangen haben und dieses Feuer weitergeben wie eine Fackel". Und diese Zeugen dürften durchaus auch Zweifel haben, dies zeigten die Osterberichte über die Jünger, über die es immer wieder heiße: "Sie hatten Angst (...) sie hatten Zweifel (...) sie waren voller Schrecken ..." "Einer aus unserer Mitte" könne "Helfer und Vorbild sein", die Zweifel und Ängste zu zerstreuen: Der hl. Bruder Konrad, "Bauer aus dem Rottal und ein Sohn seiner Heimat" könne gerade "in seiner Einfachheit Zeuge sein der Auferstehung". Vier Tipps gab Pfarrer de Jong den Gottesdienstteilnehmern mit auf den Weg: den Glauben leben, bodenständig bleiben, sich regelmäßig Auszeiten nehmen und den Blick auf das Kreuz richten.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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