Altöttinger Liebfrauenbote

Ausstellung in Altötting – Interview: Nikolaus Hipp zur Verbindung von Glaube und Kunst – und zur Zukunft der Kirche

"Nicht jedem Trend hinterherlaufen"

Unter dem Titel "Bilderwelten" zeigt die Stadtgalerie Altötting vom 13. April bis 3. Juni über 60 Werke des Unternehmers und Künstlers Nikolaus Hipp (79). Zu sehen sind Ölbilder, Aquarelle und Lithographien. Hipp malt abstrakt – weil er wisse, dass sich viele Phänomene zwischen Himmel und Erde spätestens seit Einstein gar nicht anders als ungegenständlich ausdrücken ließen. Daneben sind aber auch die tiefe Religiosität des Künstlers und seine Bewunderung für die Schöpfung Grund und Auslöser für sein Schaffen. Im Interview spricht er Glaube und Kunst.

Nikolaus Hipp am 12. April vor einem seiner Gemälde in der Stadtgalerie Altötting.
Nikolaus Hipp am 12. April vor einem seiner Gemälde in der Stadtgalerie Altötting.

Herr Prof. Hipp, Sie sind bekennender Christ und im Glauben verwurzelt: Was bedeutet für Sie ein Marienwallfahrtsort, ein Gnadenort wie Altötting?
Hipp: Ein Wallfahrtsort wie Altötting, der in der Gnadenkapelle einen Platz hat, zu dem viele Generationen von Bayern ihre Sorgen hingetragen haben, der hat schon was Besonderes – auch die ganze Umgebung, das ist schon ein geweihter Ort.

Haben Sie auch schon mal an Wallfahrten teilgenommen?
Als Kind, ja, nach Maria Eck im Chiemgau, von Vachendorf aus – für ein Kind eine ordentliche Strecke (ca. zehn Kilometer).

"Eins nach dem anderen – und bei keinem zu lang verweilen"

Hipp gibt seinen abstrakten Werken bewusst keine Namen – aber welcher gläubige Mensch würde hier nicht eine Monstranz sehen ...?
Hipp gibt seinen abstrakten Werken bewusst keine Namen – aber welcher gläubige Mensch würde hier nicht eine Monstranz sehen ...?
Bürgermeister Herbert Hofauer während der Vernissage vor einem großformatigen Hipp-Gemälde.
Bürgermeister Herbert Hofauer während der Vernissage vor einem großformatigen Hipp-Gemälde.
Ein großes Plakat weist auf die Ausstellung "Bilderwelten" mit Werken von Nikolaus Hipp in der Altöttinger Stadtgalerie hin.
Ein großes Plakat weist auf die Ausstellung "Bilderwelten" mit Werken von Nikolaus Hipp in der Altöttinger Stadtgalerie hin.

Gibt es für Sie Schnittmengen von Glaube und Kunst, Ihrer Kunst?
Aber sicher! Es ist interessanter, zur Ehre Gottes zu arbeiten, als um Geld damit zu verdienen. Ich versuche schon, spirituell an manche Dinge heranzugehen. Aber weil meine Bilder ja abstrakt sind, können sie jedem Betrachter das sagen, was er sucht.

Kunst, Malerei – war das immer eine Seite, die zu Ihnen gehört, oder haben Sie das irgendwann als Ausgleich zu Ihrer Unternehmertätigkeit entdeckt?
Nein, das war immer in mir drin und es ist ein Zweitberuf, der auch Kraft erfordert.

Ich frage mich ohnehin, wie Sie all Ihre Tätigkeiten unter einen Hut bekommen ...
Eins nach dem anderen – und bei keinem zu lang verweilen.

Was bedeutet Ihnen als Bio-Unternehmer die Umwelt-Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus?
Grundsätzlich ist es eine Bestätigung meiner Entscheidungen, wobei ich manche Details anders sehe – die grüne Gentechnik etwa sehe ich kritischer. Aber grundsätzlich, dass er die Umweltfragen thematisiert, das ist gut!

Abschließend: Wie hat Kirche in unserer sich schnell wandelnden Welt eine Zukunft?
Kirche hat große Zukunft, wenn sie nicht jedem modernen Trend hinterherläuft, wenn sie sich treu bleibt. Wenn sie den Menschen das bietet, was diese dort suchen, dann ist das gut. Wenn aber die Beeinflussung durch Trends zu stark wird, wenn es ein Hinterherlaufen wird, dann wird es problematisch.

Interview und Foto: Wolfgang Terhörst

Nikolaus Hipp erhielt seine künstlerische Ausbildung bei Heinrich Kropp und war dessen Meisterschüler. Zugleich absolvierte er ein Jurastudium und übernahm 1968 die Geschäftsleitung des Familienunternehmens. Außerdem hat er Lehraufträge an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und an der Staatlichen Universität Tiflis in Georgien. Darüber hinaus ist Hipp ein begabter Musiker an Oboe und Englischhorn.