Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Ob zu Fuß, mit dem Bus, auf dem Rad oder auf dem Rücken eines Pferdes – Arten zu pilgern gibt es viele und entsprehend vielfältig sind auch die Wallfahrtsgruppen, die Altötting begrüßen darf. Nach den heißen Sommertagen kommen nun wieder mehrere Pilger ins "Herzen Bayerns" – eine kleine Auswahl der Gruppen, die Ende August und Anfang September den Gnadenort erreichten:

Mit neuem Pilgerkreuz – Reiter-Wallfahrt aus Poing bei München

Lautes Wiehern am Kapellplatz:  Bruder Jeremias Borgards OFMCap wurde bei seinen Begrüßungsworten für die 22 Reiter/innen aus Poing bei München, die am 27. August gegen 13 Uhr "hoch zu Roß" den Gnadenort erreicht hatten, durch einen tierischen Zwischenruf unterbrochen und meinte schlagfertig: "Stimmst du mir zu oder rede ich schon zu lange?" Jedenfalls kam seine lockere Art bei den Pferdefreunden gut an. Gerne habe er, wie er bestätigte, die Wallfahrer mit dem Altöttinger Kreuzlträger Markus Dorfner einbegleitet, und noch sympathischer fand er, "dass die Poinger Reitergruppe vorwiegend aus Westernreiter besteht". Gott habe uns die Verantwortung für die ganze Schöpfung übertragen und dies werde gerade angesichts der edlen Tiere auf dem Kapellplatz erneut bewusst. "Nicht für einen Sauerbraten, sondern zur Erholung und als Nutztiere für die bäuerliche Arbeit wurden uns die Tiere geschenkt", war Br. Jeremias' nachdrücklicher, hintergründiger Appell, und damit sprach er gewiss nach dem Sinn der anwesenden Tierfreunde. Mit den Worten aus dem Buch Genesis 2, 19 – "... Gott der Herr formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie den Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde ... und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen" – stellte Br. Jeremias die Notwendigkeit einer Namensgebung heraus. Denn: "das macht uns mit den benannten Dingen erst vertraut!" Besonders legte Br. Jeremias den Gläubigen am Kapellplatz nochmals die Verantwortung für Gottes Schöpfung ans Herz, "gerade durch Glaubensvorbilder wird uns aufgezeigt, wie wir mit Gottes Schöpfung umgehen müssen." Nach einem gemeinsam gebeteten "Vaterunser" und Anrufung insbesondere der "Tierheiligen" wurden Roß und Reiter gesegnet und mit Weihwasser besprengt. Segen gab's auch für das neue Pilgerkreuz, gestaltet von Martin Holl. Die diesjährige, 13. Reiterwallfahrt stand unter neuer Leitung: Andreas Dümper und Manuela Gschliesser aus Peißenberg auf den Kaltblütern "Ramon" und "Anke" und zum siebten Mal dabei, haben ab heuer die Organisation übernommen. Sie dankten ihrem Vorgänger Georg Kirchbichler aus Peiting, der auch heuer wieder auf seinem 20-jährigen Araberwallach "Azar" mitritt, "aber von jeglicher Hauptbürde der Verantwortung entledigt", wie er lächelnd erklärte. Mit dabei war auch wieder Urgestein Franz Bosch aus Ulm auf Achal-Thekkiner "Dzuzi", das Pilgerkreuz hoch erhoben, der sich auch für die geistlichen Impulse am Morgen vor jedem Abritt verantwortlich zeichnete. Andreas Dümper freute sich nicht nur über die treuen Wallfahrtsteilnehmer, sondern auch über einige Neuzugänge, darunter Antonie Franz, die den dreitägigen Pilgerweg auf "Leihpferd Wanda" zurückgelegt hatte und begeistert erklärte: "Es war eine tolle Erfahrung als Pilger hoch zu Roß unterwegs und ich bekam Gänsehaut, als ich unter dem Glockengeläut auf dem Rücken des Pferdes auf den Kapellplatz einritt."

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Christus-verbunden – Buspilgergruppe aus Ottobeuren/Erkheim-Unterallgäu

Eine Buspilgergruppe aus Ottobeuren/Erkheim-Unterallgäu weilte am 27. August am Gnadenort und feierte mit Abt em. Paulus Weigele OSB und Pfarrvikar Franz Finkenzellner aus Attl/Inn (Bild) einen Gottesdienst in der Basilika – festlich musikalisch gestaltet von Kapellchor und -orchester mit der Messe von F.X. Richter in C unter Leitung von Kapellmeister Max Brunner. Außerdem feierten die Pilger, die jedes Jahr nach Altötting kommen, je eine Andacht zuerst im Kongregationssaal und bei der Gnadenmutter in der Gnadenkapelle. Altabt Weigele sprach in seiner Predigt von theoretischen und praktischen Prüfungen im Leben, von Glaubenswissen und Glaubenspraxis – er bezeichnete diejenigen als glücklich, die beides gut zusammenbringen. Der Glaube als Geschenk Gottes an uns Menschen sei unser höchstes Gut, betonte er. Die Gottesmutter Maria haben uns den Glauben vorgelebt. "Seien auch wir mit Christus verbunden", ermunterte er die Zuhörer.

Text und Foto: Roswitha Dorfner

Glaubenszeichen – Pilgergruppe aus Laubach/Grünberg

Der stellvertretende Wallfahrtsrektor P. Norbert Schlenker begleitete am 25. August eine Pilgergruppe aus Laubach/Grünberg zum Kapellplatz. Bis 27. August war diese in Altötting zu Gast. Die Pilger aus Mittelhessen hatten eine Votivkerze mitgebracht, die beim Gottesdienst mit Pfarrer Clemens Matthias Wunderle, assistiert von Diakon Hans-Joachim Schaaf, in St. Magdalena aufgestellt wurde. Die Gottesmutter Maria sei eine Frau auf dem Weg gewesen; sie habe ihren Sohn auf dessen Lebensweg bis zum Tod begleitet, erinnerte P. Norbert. Maria habe an Pfingsten unter den Apostel geweilt und begleite auch die Menschen heute. Glaubensvorbild sei außerdem der hl. Bruder Konrad, dessen 200. Geburtstag im nächsten Jahr in Altötting gefeiert werde, erinnerte P. Norbert und wies darauf hin, dass die St. Konrad-Kirche derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen sei, rechtzeitig zum Jubiläum aber wieder geöffnet werde.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Tage der Gemeinschaft – Buswallfahrt aus Alzenau-Hörstein

Dreimal im Jahr, im Juli, September und Dezember organisiert Familie Stolzenberger – allen voran Michael Stolzenberger im Amt des Pilgerleiters – eine Buswallfahrt aus Alzenau-Hörstein und Umgebung zum Gnadenort unserer Lieben Frau. Am 2. September war ihnen bei der Ankunft am Gnadenort nicht gerade das Wetterglück hold. Es goss in Strömen als die 30-köpfige Pilgergruppe, einbegleitet vom stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker, in kleiner Prozession den Kapuzinerberg hinauf zur Gnadenkapelle zog. So wurde die Begrüßung mit kurzer Andacht ins Innere der Gnadenkapelle verlegt. P. Norbert bedankte sich herzlich fürs Kommen insbesondere bei Michael Stolzenberger, der, wie er verriet, ein Jubiläum begehen konnte: zum 55. Mal organisierte er die Buswallfahrt. P. Norbert stellte die Gottesmutter Maria als Wegbegleiterin für die Kirche und Christenheit durch all die Jahrhunderte heraus. Abwechselnd mit den Pilgern sprach dann Michael Stolzenberger einen marianischen Glaubensimpuls: "... Maria, du siehst tiefer, bis ins Herz und immer wieder dürfen wir deine mütterliche Hilfe und Nähe erfahren ..." Höhepunkt für die Wallfahrer war neben Gottesdiensten am Gnadenort auch die Teilnahme an der Lichterprozession am Samstagabend, wobei sich Vorbeter Kapuzinerpater Br. Andreas Kaiser herzlich beim "trompetenden Michael und seiner Frauencombo" für die musikalische Gestaltung bedankte. Das ist auch eine Besonderheit bei der Pilgergruppe Alzenau-Hörstein: für musikalische Gestaltung ist während der familiären "Tage der Gemeinschaft" in Altötting aufs Beste gesorgt.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Zur Mutter der "drei guten Tugenden" – 13. Radwallfahrt aus Beratzhausen-Pfraundorf

Weil am 3. September Kapuzinerpater Br. Georg Greimel zur Einbegleitung der 54 Radpilger aus dem oberpfälzischen Beratzhausen/Pfraundorf eingeteilt war, schwang er sich kurzerhand selber aufs Fahrrad. Glockengeläut und Fahrradgeklingele am Kapellplatz machten lautstark auf die ankommenden Radpilger aufmerksam; gut gelaunt an der Spitze trat Br. Georg in die Pedale. "Wenn wir mit Maria auf den Weg sind", stellte Br. Georg fest, "dann werden auch wir als Glaubenszeugen zum Segen für die Welt." Vor der Pilgerbegrüßung gab es dieses Mal "Gedanken zum Mitnehmen", abwechselnd vorgetragen von Pilgerleiterin Barbara Wittmann und Gemeindereferentin Lea Schäfer (3. Bild), wobei die Gottesmutter Maria als "Mutter der drei guten Tugenden 'Glaube, Hoffnung und Liebe'" bezeichnet wurde. Heuer war es die 13. Radwallfahrt der Beratzhauser/Pfraundorfer, wobei die 180 km Wegstrecke in zwei Tagen – mit Übernachtung in Wörth/Isar – zurückgelegt wurde. Als ältester Teilnehmer wieder mit dabei war der 70-jährige Wolfgang Gabler. Zur gemeinsamen Gottesdienst-Feier trafen sich die Wallfahrer dann abends im Kongregationssaal.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Aus dem Bayerischen Oberland – 13. Fußwallfahrt der Kolpingfamilie Wolfratshausen

Fast zeitgleich mit den Beratzhauser/Oberpfraundorfer Radpilgern erreichten die Fußpilger der Kolpingfamilie Wolfratshausen nach 128 km und vier Tagen Fußmarsch bei regnereischem Wetter den Wallfahrtsort. Nach dem Motto "der Stärkere gibt nach" ließen die 21 Fußpilger aus dem Bayerischen Oberland der Radlergruppe aus der Oberpfalz den Vortritt. Im Gegenzug mussten dann die Radler bei der Statio vor der Gnadenkapelle mit der Begrüßung warten, denn das Einzugsgeläut der Altöttinger Kirchenglocken bei der Wolfratshauser Gruppe über den Kapellplatz zum Kongregationssaal hätte ein "hörbares" gemeinsames Beten und Singen unmöglich gemacht. Zum 13. Mal hatten sich die Wallfahrer der Kolpingfamilie aus dem Landkreis Bad Tölz unter Leitung von Karin Wandinger und Vorbeter Ludwig Schwibbacher auf den Weg nach Altötting gemacht. Pilgerverstärkung gab's auf den letzten sieben Kilometern von Tüssling aus durch einige Zugänge, darunter auch Pfarrer Helmut Eisele, der mit den Pilgern in Altötting auch eine hl. Messe feierte. Zum ersten Mal mit dabei war heuer Kolping-Präses Diakon Christian Horak (1. Bild, l.). Kapuzinerbruder Ernst-Konrad Mackenbrock dankte den Pilgern für ihr Glaubensvorbild. Mit einem Augenzwinkern kommentierte er das Pilgerwetter: "Vier Tage seid's bei schönstem Wetter gepilgert ..."; nach lautem "Protest" der Pilger aus den Kirchenbänken fuhr er schmunzelnd fort: "Nicht zu heiß und nicht zu kalt – aber zu nass!"

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Gerader Weg zu Gott – Buswallfahrt aus Hanau-Steinheim

Über 400 Kilometer hatten die Buspilger aus Hanau-Steinheim unter der geistlichen Leitung von Pfarrer Lukasz Szafera und Organisatorin Cornelia Gieles zurückgelegt, als sie am 4. September gegen 17.30 Uhr am Altöttinger Busparkplatz Gries eintrafen, um für fünf Tage am Gnadenort zu verweilen. Kapuzinerbruder Ernst-Konrad Mackenbrock hieß die Pilger aus Hessen herzlich Willkommen und geleitete diese "richtungsweisend" über den Prälatenweg zum Kapellplatz. Nach Umrunden der Gnadenkapelle verwies Br. Ernst-Konrad bei einer kurzen Statio auf das diesjährige Wallfahrtsmotto "Mit Maria zu Jesus" und versicherte, dass uns die Gottesmutter stets als Wegbegleiterin und Fürsprecherin zur Seite stehe: Maria sei "der gerade Weg zu Gott, die Mutter unserer Liebe, die Hilfe in aller Not, Licht und Hoffnung in dunklen Stunden, der Hoffnungsstern der Verzweifelten, Kompass für alle Richtungslosen ...". Auch einen Besuch beim zweiten großen Fürsprecher am Gnadenort, beim hl. Bruder Konrad, legte Br. Ernst-Konrad den Pilgern ans Herz.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner