Altöttinger Liebfrauenbote

Ihr Glaube half Mirjam George, einen schweren Unfall zu überstehen

"In Gottes Hand geborgen"

Mirjam George ist eine hochmusikalische Frau aus Halle. Bereits mit elf Jahren entschied sie sich für ein Leben mit Gott. Sie erlernte den Beruf der Kinderkrankenschwester in Garmisch-Partenkirchen. Ab 2000 studierte sie an der Musikhochschule in München Gesang. 2005 hatte sie einen schrecklichen Unfall; sie wurde von einer Tram mit 60 km/h mitgeschleift und überrollt. Die ärztliche Diagnose: Wachkoma, Rollstuhl, Ende der Gesangskarriere. In der Folgezeit erfuhr sie Gottes besonderen Schutz und Hilfe. Heute kann sie sich wieder voll bewegen und wunderbar singen – und sie möchte andere ermutigen, auf Gottes starke Hilfe in schwierigen Situationen zu vertrauen. Lesen Sie nachfolgend ihr berührendes Glaubenszeugnis, das sie auch anlässlich eines Besuchs bei "Christen im Beruf e.V." im Altöttinger Hotel Plankl anschaulich vermittelte.

Mirjam George.
Mirjam George.
Die Retter mussten einen Teil des Bahnsteigs aufgraben, um Mirjam George unter der Straßenbahn retten zu können.
Die Retter mussten einen Teil des Bahnsteigs aufgraben, um Mirjam George unter der Straßenbahn retten zu können.

"Der Glaube an Jesus Christus war mein Fundament. Ich hatte das große Glück, mit meinen drei Geschwistern in einem gläubigen Elternhaus aufzuwachsen. Zu DDR-Zeiten brachte dies zwar viele Nachteile, aber ich lernte damit umzugehen. Mit elf Jahren ließ ich mich nach biblischem Vorbild taufen und erlebte Jahre voller Freude und Glück.

Als besonderes Geschenk Gottes entdeckte ich schon als Kind mein musikalisches Talent, das meine Eltern durch Gesangsunterricht förderten. Sehr gerne hätte ich ein Gesangsstudium absolviert, aber auf Wunsch meiner Eltern lernte ich erstmal einen 'richtigen Beruf', nämlich Kinderkrankenschwester. Meinen Traum behielt ich aber immer noch – und gewann drei Jahre hintereinander den ersten Preis bei 'Jugend musiziert'. Höchst motiviert bewarb ich mich im Jahre 2000 an der Musikhochschule in München und wurde zum Hauptstudium zugelassen – arbeitete aber nebenbei weiter als Kinderkrankenschwester.

Um mich auf einen Gesangswettbewerb in Hamburg optimal vorzubereiten, fuhr ich eines Tages zu meinen Eltern nach Halle, um dort mit meiner ehemaligen Gesangslehrerin zu arbeiten. Auf dem Weg zum Gesangsunterricht, es war der 25. Januar 2005, ereignete sich dann der tragische Verkehrsunfall, der mein Leben total veränderte. Im Haltestellenbereich hat mich eine einfahrende Straßenbahn frontal erfasst, sieben Meter mitgeschleift und schließlich unter den Wagen gezogen. Ich war zwischen Schiene und Gehsteig eingeklemmt – über mir die Tram! Um mich zu bergen waren Hydraulikheber und ein Kran nötig, die Gehsteigplatten mussten abgetragen werden. Das dauerte ca. 45 Minuten bei eisiger Kälte von minus fünf Grad. Später erzählte mir der Einsatzleiter der Feuerwehr, ich hätte Folgendes zu ihm gesagt: 'Machen Sie sich keine Sorgen um mich! Gott hält seine Hand über mir!'

Nach Aussagen der Ärzte hätte ich eigentlich nicht überleben können: Schädelbasisbruch, Becken zertrümmert, Wirbelverletzungen, Kiefertrümmerfraktur, Leber- und Lungenriss, starker Blutverlust (75 Blutkonserven in zwei Tagen!). Während der fünfstündigen Operation warteten meine Eltern vergeblich darauf, mich sehen zu dürfen. Nur ihr Wissen darum, dass Jesus mir in diesem dunklen Tal ganz nahe ist und ich ein Gotteskind bin, gab ihnen Kraft und Trost zum Durchhalten. Rund um den Erdball wurde in dieser Zeit für mich von unzähligen Christen gebetet. Auf Grund der schweren Verletzungen und Schmerzen versetzte man mich in ein künstliches Koma, aus dem ich schließlich wie durch ein Wunder erwachte.

Der Heilungsprozess begann mit unerträglichen Schmerzen und großer Angst vor dem Alleinsein. Ärzte und Schwestern kümmerten sich rührend um mich. Ein junger Arzt überlegte sich täglich eine Überraschung und so wurde ich in meinem Intensiv-Bett auf den Hubschrauberlandeplatz, in die Uni-Bibliothek und zu anderen interessanten Plätzen gefahren. Neben vielen lieben Besuchern war dies mein tägliches Highlight. Unter Tränen lernte ich die ersten Schritte zu gehen und dankte Gott für jeden kleinen Fortschritt von ganzem Herzen.

Während dieser vielen Wochen war das Gespräch mit Jesus meine Hauptbeschäftigung. Ich fühlte mich trotz aller Widrigkeiten in Gottes Hand geborgen. Am meisten betete ich jedoch für meine Stimme. Die Ärzte machten mir keinerlei Hoffnung, dass ich jemals wieder würde singen können, nach einem Luftröhrenschnitt und dem Kiefertrümmerbruch. "Aber Gott kann – wir werden sehen" war meine Meinung und ich betete und betete!

Mit Entschlossenheit nahm ich zum verordneten Kurklinik-Aufenthalt meine Notentasche mit und fuhr täglich im Rollstuhl zum Klavier. Von meiner schönen Stimme blieben lediglich zwei Töne übrig, die wie bei einer Maus klangen. Ich war untröstlich, übte aber trotzdem fleißig weiter. Bei einer Abendveranstaltung, einem Volkslieder-Singen, gratulierte mir eine Dame zu meiner schönen Stimme. Und das war der Durchbruch! Als erstes sang ich mein Lieblingslied: 'Auf Adlers Flügeln getragen!' Gott hatte alle Gebete erhört und meine Stimme wurde immer kräftiger!

Nach drei Monaten brauchte ich keinen Rollstuhl mehr. 2006 lernte ich meinen dritten Beruf. Inzwischen arbeite ich gerne als Logopädin. Noch lieber singe ich – und auch das ist wieder möglich! Ich hatte schon einige Konzertauftritte und singe auch Hauptrollen auf professioneller Ebene in kleineren Produktionen. Ich bin Gott für alles sehr dankbar. Anfangs dachte ich, er mache keine halben Wunder und alles wird so sein wie vorher. Jetzt weiß ich, er macht die Wunder anders als wir sie uns je vorstellen können!"

Mirjam George, Fotos: privat

"Gott ist einfach genial"

Auf Nachfrage des Altöttinger Liebfrauenboten bestätigte Mirjam George erst kürzlich, dass es ihr nach wie vor sehr gut gehe – und mehr als das: "Gott ist einfach genial und unfassbar groß, größer als alles was wir je verstehen und begreifen können. Mir ging es vier Wochen im Februar/März nicht gut und davor hin und wieder mal müde, schlapp, fiebrig, hatte Bauchschmerzen. Zunächst sei keine Ursache erkennbar gewesen, doch wenig später habe sie gewusst, was los war, so Mirjam George: "Wir bekommen ein Kind, ich bin schwanger – wenn ich mich nicht so fühlen würde könnte ich es fast nicht glauben! Hat der große Boss auch noch dieses Wunder vollbracht." Die Ärzte hätten ihr und ihrem Mann gesagt, dass sie wohl keine eigenen Kinder bekommen würden aufgrund des Unfalls und zusätzlich der starken Herzmedikamente, die ihr Mann nehmen musste. "Wir sind so unglaublich dankbar und überwältigt von der Gnade unseres Heilandes. Am 22.11. ist der errechnete Geburtstermin", freut sich Mirjam George. Dazu auch von uns alles erdenklich Gute und Gottes Segen!

Text: Wolfgang Terhörst