Altöttinger Liebfrauenbote

Über 300 Ungarn pilgern nach Altötting und erneuern Marienweihe

Als Christen "treffen wir uns"

Dass Ungarn rund um den Gedenktag an die "Magna Domina Hungarorum - Große Frau Ungarns" am 8. Oktober die Weihe ihres Landes an die Gottesmutter erneuern, ist keine Überraschung im Land des hl. Stephan I. (969-1038); dass ungarische Pilger diese Weihe nicht nur in ihrem Land, sondern auch im "Herzen Bayerns" erneuern, hingegen "ist neu", wie Weihbischof Ferenc Cserháti am 21. Oktober beim Empfang im Altöttinger Rathaus erklärte. Der Weihbischof aus dem Erzbistum Esztergom-Budapest und Beauftragter der ungarischen Bischofskonferenz für die Seelsorge der im Ausland lebenden Ungarn war mit über 300 Pilgern in den Wallfahrtsort gekommen und zelebrierte auch einen Gottesdienst in der St. Anna-Basilika.

Weihbischof Ferenc Cserháti bei der Marienweihe vor der Hl. Kapelle; neben ihm Pfarrer János Merka.
Weihbischof Ferenc Cserháti bei der Marienweihe vor der Hl. Kapelle; neben ihm Pfarrer János Merka.

Dass Ungarn und Bayern viel verbindet, ist nicht neu: die bayerisch-ungarische Freundschaft hat vor allem auch dank der seligen Gisela von Bayern (um 985-1060) eine lange Tradition; die Erneuerung der Marienweihe fand 70 Jahre nach einer Wallfahrt von Exil-Ungarn nach Altötting statt. Rund 10.000 ungarische Vertriebene waren im August 1947 ins "Herz Bayerns" gepilgert und "hatten in der Not und nach der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Madonna in Altötting Schutz gesucht und gefunden", blickte Weihbischof Cserháti beim Rathausempfang zurück. Das 70-Jahr-Gedenken an dieses Ereignis war für die Initiatoren der diesjährigen Wallfahrt, der Ungarischsprachigen Katholischen Mission in München, Anlass für die Erneuerung der Marienweihe – die feierliche Zeremonie fand im Anschluss an einen Gottesdienst in der Basilika vor der Gnadenkapelle statt. Bereits für den Gottesdienst war eine Kopie des Gnadenbildes in die Basilika übertragen worden; diese wurde anschließend in einer feierlichen Prozession zur Gnadenkapelle zurückgebracht. Mit der Gnadenbild-Kopie spendete Weihbischof Cserháti den ungarischen Pilgern auch den Segen.

476 km von Sopron zu Fuß nach Altötting gepilgert

Die fünf Fußpilger (siehe Text).
Die fünf Fußpilger (siehe Text).

Die meisten der Pilger, darunter eine ungarische Pfadfindergruppe aus München, kamen aus Deutschland, aber auch aus Ungarn selbst waren einige angereist – drei pilgerten eine 476 km lange Strecke von Sopron (dt. Ödenburg) in der Nähe des Neusiedler Sees im Nordwesten Ungarns zu Fuß nach Altötting; zwei weitere schlossen sich ihnen in Sankt Gilgen bei Salzburg an. Ausdrücklich würdigte Bürgermeister Herbert Hofauer "diese grandiose Leistung" und überreichte den Fußpilgern im Rathaus neben einer Infotasche zu Altötting eine Pilgerflasche; eine Infotasche bekamen auch die weiteren Gäste im Rathaus, darunter Konsulin Krisztina Spiller, das Organisationsteam der Wallfahrt mit Anna Budai und Lukács Tibor, Vertreter einer Volkshochschule und ein ungarisches Fernsehteam, das die Wallfahrt dokumentierte. Weihbischof Cserháti, Pfarrer János Merka und Pilgerleiter Attila Funke überreichte Bürgermeister Hofauer außerdem einen Altötting-Bildband. Hofauer selbst bekam eine Flasche ungarischen Weißwein geschenkt sowie ein Bild von einer Kopie der Altöttinger Madonna im ungarischen Bakonyszentiván. Insgesamt fünf Altöttinger Gnadenbild-Kopien befinden sich in Ungarn, wie Attila Funke auf Nachfrage informierte – "Donauschwaben", im 17. und 18. Jahrhundert ausgewanderte Deutsche, hatten diese zum Schutz mitgebracht. An Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl überreichte Funke einen Kranz zur Erinnerung sowie eine Gedenkschrift an die Wallfahrt 1947 für das "Haus Papst Benedikt XI. – Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum".

Als "Mitchristen und Bürger im Vereinten Europa" nach Altötting gekommen

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt: stellv. Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Konsulin Krisztina Spiller, Bürgermeister Herbert Hofauer, Weihbischof Ferenc Cserháti, Pilgerleiter Attila Funke.
Eintrag ins Goldene Buch der Stadt (von links): stellv. Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Konsulin Krisztina Spiller, Bürgermeister Herbert Hofauer, Weihbischof Ferenc Cserháti, Pilgerleiter Attila Funke.
Kranz im Umgang der Gnadenkapelle ...
Kranz im Umgang der Gnadenkapelle ...
... unter der Gedenktafel zur Erinnerung an die Wallfahrt der Exil-Ungarn im August 1947.
... unter der Gedenktafel zur Erinnerung an die Wallfahrt der Exil-Ungarn im August 1947.

Weihbischof Cserháti sprach im Rathaus von einem "besonders schönen Tag" und erinnerte an den heiligen Stephan I., erster König des von ihm begründeten Königreich Ungarns und Nationalheiliger, der das Land unter die Schutzherrschaft der Gottesmutter gestellt hatte. Ausdrücklich betonte der Weihbischof, dass an der Christianisierung und Modernisierung des Landes im 11. Jahrhundert eine bayerische Frau – Stephans Ehefrau Gisela, bayrische Herzogstochter – "tatkräftig mitgewirkt hatte". Die selige Gisela würdigte später vor dem Gottesdienst in der Basilika auch Wallfahrtsrektor Prälat Mandl: sie sei eine "Brücke zur Versöhnung und Freundschaft im gemeinsamen Haus Europa".

Dabei war die gemeinsame Geschichte zwischen Bayern und Ungarn nicht immer friedlich, wie Bürgermeister Hofauer beim Rathausempfang erinnerte: als Ungarn im Jahr 907 Altötting verwüsteten – das Oktogon der Gnadenkapelle blieb erhalten –, beendeten sie damit auch eine Zeit "großer geopolitischer Bedeutung Altöttings" unter den Karolingern. Ausdrücklich dankte Hofauer den "mutigen ungarischen Politikern", die 1989 die Grenze öffnen ließen und mit ihrer Entscheidung "das Gesicht Europas total veränderten". Hofauer betonte auch seine persönliche Wertschätzung Ungarns und verwies u.a. auf die sehr gute Verbindung des Roten Kreuzes (BRK) im Landkreis mit der ungarischen Partnerstadt Pécs sowie auf die Europapreisverleihung im Jahr 2013: Preisträger war neben Altötting die ungarische Stadt Tata. Zur aktuellen Beziehung sagte er: "Auch wenn wir in der Flüchtlingsfrage die Entscheidung der ungarischen Regierung nicht nachvollziehen können, (...) hoffen wir, dass wir im Haus Europa eng zusammenbleiben, um Frieden und Freiheit zu sichern".

Weihbischof Cserháti erklärte, dass die Pilger als "Mitchristen und Bürger im Vereinten Europa" nach Altötting gekommen seien. Wichtig sei, dass demokratische Entscheidungen respektiert würden, auch dort, "wo Bürger noch nicht so viele Erfahrungen mit der Demokratie haben wie im Westen". Er betonte den Wert des Vereinten Europas und äußerte sich zuversichtlich, dass gegenwärtige Meinungsverschiedenheiten überwunden werden können. "Wenn wir alle Christus suchen, dann treffen wir uns", stellte Weihbischof Cserháti im Rathaus fest. Bei der Marienweihe vor der Gnadenkapelle würdigte er die Bedeutung der Gottesmutter und wünschte, "dass die Gebete der Pilger in Erfüllung gehen" – unabhängig davon, an welchem Gnadenort, ob in Ungarn oder in Bayern gemeinsam gebetet werde.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner 16, Michael Glaß 1

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