Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Einen "goldenen Oktober" hatte der Wetterdienst vorausgesagt und tatsächlich konnten sich die meisten Pilger in der ersten Monatshälfte über bestes Pilgerwetter und eine sonnige Herbststimmung freuen. Viele Gruppen kamen in Altötting an – eine kleine Auswahl:

An der Hand Mariens – Wallfahrer aus Sarching

Bevor die fast 1.500 Hallertauer Fußpilger am 1. Oktober über den Kapellplatz zogen, kündeten die Altöttinger Kirchenglocken von der Ankunft der Wallfahrergruppe aus Sarching. Zum 35. Mal waren die Fußpilger aus dem Raum Regensburg zur Gnadenmutter nach Altötting marschiert, zum 22. Mal unter Leitung von Josef Saller; drei Tage waren sie unterwegs. Das Wetter habe gepasst, wie sich der Pilgerleiter freute, nur am Sonntagmorgen hat's ein wenig geregnet. "Der unsichtbare Pilgerrucksack wird während des Gehens mit Bitten und Dank gefüllt, den wir der Muttergottes in der Gnadenkapelle getrost zu Füßen legen dürfen", versicherte Diakon Thomas Zauner. Hier sind unsere Sorgen und Nöte, aber auch unser Dank gut aufgehoben, denn Maria als "unsere Fürsprecherin, nimmt uns stets an der Hand und führt uns zu Jesus." Die kurze Statio vor der Gnadenkapelle fand mit dem Lied "Segne du Maria" einen würdigen Abschluss.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Sprache der Kirche – Dekanatswallfahrt aus Neunburg-Oberviechtach

Die Gottesmutter sei uns stets Vorbild durch das Rosenkranz-Gebet, so sollten auch wir mit- und füreinander beten, betonte Dekan Alfons Kaufmann (2. Bild, M.), der am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober, anlässlich der Dekanatswallfahrt aus Neunburg-Oberviechtach in der St. Anna-Basilika mit weiteren Konzelebranten Pilgergottesdienst feierte. "Die Gnadenmutter von Altötting betet mit", versicherte Kaufmann. Der Rosenkranz sei ein meditatives einfaches und wirksames Gebet, erklärte Kaplan Martin Popp in seiner Predigt. Die Art, wie der Rosenkranz gebetet werde, ob auf altherkömmliche Weise, Perle für Perle, oder für die jüngere "Handy/I-Phone-Generation" mit einer App zum Runterladen – für Kaplan Martin Popp kommt es darauf an, dass wir als Christen beten, mit Jesus in Verbindung treten, uns konzentriert auf ihn einlassen. Der Rosenkranz sei "Sprache der Kirche", lasse einen zur Ruhe kommen, nachdenken über das eigene Leben und Jesu Leben hier auf Erden. Jesus sagt: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht ins Reich Gottes kommen" (Mt 18,3). Der Wunsch des Kaplans: Mit kindlichem Herzen den Glauben bewahren, vertrauensvoll an der Hand der Gottesmutter das "Vater unser/Ehre sei dem Vater und Gegrüßet seist du Maria" sprechen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Jesu Wege sind unsere Wege – Propädeutiker am Gnadenort

Bischof em. Wilhelm Schraml begrüßte am 3. Oktober zwölf Priesteranwärter, auch Propädeutiker genannt, aus den Diözesen Passau, Regensburg, Augsburg und München-Freising; gemeinsam mit dem Regens des Passauer Priesterseminars St. Stephan, Martin Dengler, waren diese nach Altötting gepilgert. Beim Gottesdienst in der Gnadenkapelle legte Bischof Schraml den Gläubigen ans Herz: "Beten Sie für die jungen Männer, sie brauchen Ihr Gebet." Gleichzeitig empfahl er die Propädeutiker fürbittend der Gnadenmutter an, die stets auf ihren Sohn verweise. Der Monat Oktober sei eine Einladung Mariens zum Rosenkranzgebet – ein Begleiter, der den Weg kennt, der zum Ziel führt, der Halt und Stütze im Leben gebe, betonte Schraml. "Von Perle zu Perle gehen wir diesen Lebensweg Jesu mit, die Geheimnisse seiner Menschwerdung – denn: Seine Wege sind unsere Wege!" Dieser Weg, so Bischof Schraml, sei ein Weg der Perspektive, der Hoffnung, auch wenn er nicht immer leicht und mit dem Kreuz verbunden sei.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Schäfchen mit dabei – Wallfahrer aus Pfarrkirchen

Am 3. Oktober um 5.30 Uhr haben sich ab Tann 80 Wallfahrer aus Pfarrkirchen/Pfarrei St. Simon und Judas Thaddäus mit Pfarrvikar Rupert Wimmer und Gemeindereferent Josef Adler auf den Weg gemacht. Gegen 13 Uhr, nach Ankunft in Altötting und der Begrüßung mit dem "Kreuzkuss" (Berührung des Pilgerkreuzes und des Altöttinger Vortragkreuzes), geleitete Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl die Fußpilger aus Niederbayern zum Kapellplatz. Nach alter Tradition wurde die Gnadenkapelle umrundet und bei der kurzen Statio zur Ehre Mariens "Gegrüßet seist du Königin" angestimmt. Mandl dankte fürs Kommen und lobte insbesondere Pfarrvikar Wimmer, einen gebürtigen Altöttinger: "Ein Pfarrer ist nur ein Pfarrer, wenn er seine Schäfchen mitnimmt." Besonderer Dank Mandls galt den jungen Pilgern. Im Kongregationssaal feierte Pfarrvikar Wimmer mit den Pilgern abschließend einen Gottesdienst.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Frauen pilgern: "weltoffen – bayrisch – bunt"

Zur traditionellen Sternwallfahrt hat der Diözesanverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) München-Freising unter der Vorsitzenden Regina Braun (1. Bild, untere Reihe l. und 5. Bild, l.) für den 4. und 5. Oktober eingeladen. Viele waren zur Andacht in die St. Anna-Basilika gekommen; die bekannte Schauspielerin Uschi  Glas (1. Bild, untere Reihe 2.v.l. und 5. Bild, r.) stellte in einem Vortrag ihr Sozialprojekt/Kinderhilfe "brotZeit" vor. P. Dr. Korbinian Linsenmann OSB (1. Bild, r. und 3. Bild), St. Bonifaz/München, und der kfd-Präses Pfr. Sebastian Heindl aus Rosenheim standen als Hauptzelebranten und Prediger den jeweiligen Gottesdiensten am Nachmittag vor. Am 5. Oktober war auch Abt Markus Eller (4. Bild) vom Kloster Scheyern als Konzelebrant zugegen, der mit einer Pilgergruppe am Gnadenort weilte.

Vor der Basilika wurde in Großlettern an einem geparkten Pkw auf die kfd aufmerksam gemacht: "Frauen.Macht.Zukunft". Zum Verweilen einladen sollten die aufgestellten Liegestühle mit werbenden Aufschriften wie "Häng dich rein ins Netz, das Frauen trägt". Regina Braun verwies bei ihren herzlichen Grußworten auf den diesjährigen Leitgedanken der kfd-Sternwallfahrt: "weltoffen – bayrisch – bunt".
Dieses Thema sei nicht von ungefähr gewählt worden, erklärte die kfd-Diözesanvorsitzende. Dabei lag ihr Augenmerk vor allem auf bayrischen Frauen, die ihr Leben noch tief verwurzelt in der Tradition des Glaubens und Brauchtums ausrichteten. In ihren bunten Dirndln stünden diese für Lebensvielfalt und Weltoffenheit sowie für die Bereitschaft, sich auf Menschen mit anderer Weltanschauung, Religion, Kultur einzulassen. Regina Braun warf auf humorvolle Art einen Blick auf ihr eigenes Leben und stellte fest, dass es mit der bayerischen Weltoffenheit manchmal so eine "Sach'" ist: Als sie sich, als sogenannte Preußin in ein "gstandenes bayerisches Mannsbild" verliebt hatte, war der damals zukünftige Schwiegervater wenig begeistert: "Eine Preißin als Schwiegertochter kommt mir nicht ins Haus, dann schon lieber eine Schwarze!" Mittlerweile habe sie sich in ihrer angeheirateten Heimat gut integriert, wie sie schmunzelnd resümierte und es sogar bis zur Zweiten Bürgermeisterin geschafft. Die Feststellung: "Es ist nichts unmöglich mit Bereitschaft für Anerkennung, Akzeptanz und auch Wertschätzung anderer." Für Regina Braun ist es wichtig, nach außen offen zu sein und doch den eigenen Standpunkt nicht zu verleugnen.

Die diesjährige Kollekte der Sternwallfahrt ging an das Projekt "brotZeit"; die "Kinderhilfe-Schirmherrin" Uschi Glas berichtete über ihre bundesweite, in München ansässige Schülerhilfe und deren Geburtsstunde im Jahr 2008: in einem Radiobeitrag hatte sie damals gehört, dass es in München 3.000 vernachlässigte Kinder gebe, die morgens ohne Frühstück in die Schule gingen. Die von ihr und ihrem Mann Dieter Hermann gegründete Initiative sorgt mittlerweile bundesweit für rund 8.500 Kinder in fast 200 Schulen für ein ordentliches Frühstück. Das Projekt, betonte Glas, sei nicht nur auf Spenden angewiesen, sondern sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen: Während viele Rentner durch ihr ehrenamtliches Engagement etwa in der Mithilfe bei Essensausgabe und Schülerbetreuung das Gefühl haben, immer noch "gebraucht" zu werden, bekämen vernachlässigte Kinder durch die betreuenden Senioren einen regelrechten Familienersatz.

P. Korbinian Linsenmann, der am Nachmittag des 4. Oktober beim kfd-Gottesdienst besonders an den Festtag des hl. Franziskus erinnerte, zeigte sich angesichts des Lukasevangeliums, da Jesus eine kranke Frau heilte, zuversichtlich: "Gott richtet auf – trotz mancher verkrümmter Lebenssituation!"

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Bitten abarbeiten – Buspilger aus Auerbach

Wegen Straßensperrungen mit Umleitungen am 7. Oktober, mussten die etwa 100 Buspilger bzw. die beiden Busfahrer aus Auerbach einige Umwege in Kauf nehmen und steuerten eine Dreiviertelstunde später als gemeldet den Parkplatz Gries in Altötting an. Kapuzinerbruder Ernst-Konrad Mackenbrock sprach herzliche Grußworte vor der Gnadenkapelle nach dem feierlichen Einzug mit Kreuz, Fahnen und eigener Musikkapelle; mit dabei waren Dekan Marek Lasinski CR, Diakon Franz-Josef Reck und P. Samuel Patton. "Gut, dass wir Maria haben", betonte Bruder Ernst-Konrad bei der kurzen Statio vor der Gnadenkapelle, denn die Muttergottes würde all unsere Bitten abarbeiten und zu ihrem Sohn tragen. Wenn wir Gott in uns tragen, dann werden wir auch von ihm getragen, erklärte Dekan Lasinski.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Dem Regen "davongepilgert" – Fußwallfahrt aus Kirchdorf bei Kelheim

Am 7. Oktober, dem Rosenkranzfest, kamen viele Pilgergruppen nach Altötting; auch die traditionelle Fußwallfahrt aus Kirchdorf bei Kelheim zog mit 26 Wallfahrern zum Kapellplatz. Heuer hatten sie, wie Pilgerleiter Sepp Bauer und Kreuzträgerin Sabine Brandl erklärten, erstmals keine offizielle Einbegleitung, da sie sich zu spät dafür angemeldet hatten. Aber als die Auerbacher Buspilger kurz Statio vor der Gnadenkapelle hielten, gesellten sich die Kirchdorfer dazu und wurden von Kapuzinerbruder Ernst-Konrad "mitbegrüßt". Ihren Pilgergottesdienst feierten die Kirchdorfer dann wie gewohnt, mit dem Regensburger MC-Präses Msgr. Thomas Schmid in der Institutskirche der Congregatio Jesu. Glücklich zeigten sich die beiden Brandl-Töchter Sarah und Luisa über den guten Wallfahrtsverlauf und das passende Wetter. Trotz schlechter Wetterprognose waren sie dem Regen einfach "davongepilgert".

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

"Maria mitten unter uns" – Wallfahrt der Pfarreiengemeinschaft Ering

Seit Mai dieses Jahres macht anlässlich "100 Jahre Erscheinung in Fatima" eine Figur der Fatima-Madonna "Statio zur Anbetung" in den Pfarreien der Diözese Passau. Momentan befindet sich die Statue in der Pfarreiengemeinschaft Ering und so war es naheliegend, dass die Pilger aus dem Pfarrverband Ering, die am 7. Oktober mit Pfarrer Peter Kieweg zu Fuß nach Altötting marschiert waren, diese Fatima-Madonna ab Neuötting – getragen von Legionären Christi – über den Kapellplatz zur St. Anna-Basilika mitführten. "Maria ist als unsere Mutter mitten unter uns, und da geht auch Jesus mit", versicherte Diakon Thomas Zauner den Eringer Wallfahrern und dankte vor allem den jungen Pilgern (Erstkommunionkinder und Firmlingen) fürs Mitpilgern. "Dass uns die Gnadenmutter gerade am 7. Oktober, ihrem Festtag, das Rosenkranzgebet besonders innig ans Herz legt, ist wohl selbstverständlich", und so appellierte der Hauptzelebrant Pfr. Peter Kieweg beim Pilgergottesdienst in der Basilika an die Offenheit der Menschen: Mariens Ja sollte sich in unserem Ja zu Christus wiederholen, denn das ist die Botschaft der Kirche.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Das Heil eingefangen – Buspilger aus der Regensburger Pfarrei St. Albertus Magnus

Am Tag des Rosenkranzfestes, am 7. Oktober, begleiteten Kapuzinerpater Siegbert Mayer und die Altöttinger Musikkapelle rund 50 Buspilger aus der Regensburger Pfarrei St. Albertus Magnus zum Platz vor der Gnadenkapelle. "Ich würde mir nicht zu helfen wissen, wenn Gott nicht Mensch geworden wäre", zitierte P. Siegbert den Kartäusermönch Adolf von Essen (†1439); der große Förderer der Volksfrömmigkeit sei einer "der ersten Beter des Rosenkranzes" gewesen, erinnerte P. Siegbert und erklärte: Der Rosenkranz könne allen Gläubigen "helfen, die Antwort der Liebe zu geben auf die Frage unseres Gottes: 'Was soll ich noch tun?' (vgl. Jes 5,4)". Denn Gott habe in Jesus viel für uns getan; im Rosenkranz sei "das Heil eingefangen, das Jesus Christus an uns gewirkt hat und wirken will". Mit Maria gelangten "wir zu Jesus", versicherte P. Siegbert weiter. Unterstützt von der Altöttinger Musikkapelle begrüßten die Pilger die Gottesmutter mit dem Lied "Salve regina". Anschließend feierten sie in der St. Anna-Basilika einen Gottesdienst mit mehreren anderen Wallfahrtsgruppen.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner 2, Michael Glaß 1

Bewegliche Kirche – Buspilgergruppe der KAB aus Bruck/St. Ägidius

Schnell sind die Ministranten/innen, die mit der Buspilgergruppe der KAB aus dem oberpfälzischen Bruck/St. Ägidius unter Leitung von Pfarrer Andreas Weiß am Samstag, 14. Oktober, den Busparkplatz Gries erreicht hatten, in die Ministrantengewänder geschlüpft, damit der Einzug zur Gnadenkapelle "auch was gleich sah". Altöttings stellvertretender Wallfahrtsrektor, Kapuzinerpater Norbert Schlenker erklärte: "Ihr habt Euch im Bus, den Rosenkranz betend, mit Maria auf den Weg gemacht". Und die Gnadenmutter gebe immer einen guten Rat: "Was Er (Jesus) euch sagt, das tut!" Christen auf dem Weg zeugten von einer "beweglichen Kirche", die wir auf der ganzen Welt so dringend brauchen. Auch der hl. Bruder Konrad sei Zeit seines Lebens als "Pilger unterwegs" gewesen, ob als Bauer in seiner Rottaler Heimat oder als Klosterpförtner am Gnadenort. Pfarrer Weiß dankte für die herzliche Begrüßung und erwiderte mit den Worten von Papst Benedikt XVI.: "Da wo die Mutter ist, ist man daheim – sind wir alle daheim!"

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

"... o reich uns die Hand" – Buspilgergruppe aus der Pfarrei Maria Bildeich

Aus dem Bistum Speyer, der Pfarrei Maria Bildeich, kam eine Buspilgergruppe am frühen Samstagnachmittag, 14. Oktober, zum Gnadenort – und damit sich der weite Weg lohne und zur Glaubensvertiefung beitrage, wie Pfarrer Marco Richtscheid erklärte, verweilten sie für drei Tage bei der Gnadenmutter von Altötting. "Ihr habt's den Goldenen Oktober" mitgebracht, freute sich Kapuzinerpater Siegbert Mayer, der die Wallfahrer zur Gnadenkapelle einbegleitet hatte und verwies zugleich auf den Oktober als "Marienmonat". Ankommen bei der Mutter des Herrn im Gebet verdeutliche das Gebet "O Mutter der Gnade, o reich uns die Hand ...", denn Maria führe uns stets zu ihrem Sohn. Hineingetaucht ins "Ja" Mariens zum Dreifaltigen Gott dürften wir erfahren, wie weit Gott in seiner Liebe zu uns Menschen gegangen sei. Tiefe Glaubenserfahrung erleben konnten die Pilger aus der Pfalz in den Eucharistiefeiern und eine der eindrucksvollsten Erlebnisse am Gnadenort wird wohl auch die Teilnahme an der abendlichen Lichterprozession gewesen sein.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner