Altöttinger Liebfrauenbote
1.474 Fußpilger aus der Hallertau kamen heuer in Altötting an.
1.474 Fußpilger aus der Hallertau kamen heuer in Altötting an.

57. Hallertauer Fußwallfahrt mit 1.474 Teilnehmern

Wer glaubt, gewinnt

Mit der Ankunft der Hallertauer Fußpilger am ersten Sonntag im Oktober endet zugleich die Saison der großen Fußwallfahrten nach Altötting. 1.474 Teilnehmer konnte Pilgerleiter Klaus Nöscher heuer vermelden; am 1. Oktober gegen 12 Uhr mittags zogen diese betend und singend über den Kapellplatz zur Basilika. Mit Pfr. Johann Braun, Pfr. Dr. Przemyslaw Nowak und Pfr. Franz Stadler feierten sie einen Pilgergottesdienst in der St. Anna-Basilika.

Einzug der Hallertauer Fußpilger über den Kapellplatz – heuer wurde ihnen zu Ehren erstmals die Kopie des Gnadenbildes vor der Hl. Kapelle aufgestellt.
Einzug der Hallertauer Fußpilger über den Kapellplatz – heuer wurde ihnen zu Ehren erstmals die Kopie des Gnadenbildes vor der Hl. Kapelle aufgestellt.
Feier der Eucharistie in der Basilika mit Pfr. Johann Braun, Pfr. Dr. Przemyslaw Nowak, der heuer zu Fuß mitgepilgert war, und Pfr. Franz Stadler.
Feier der Eucharistie in der Basilika mit Pfr. Johann Braun (M.), Pfr. Dr. Przemyslaw Nowak (r.), der heuer zu Fuß mitgepilgert war, und Pfr. Franz Stadler (l.).

Großen Respekt und Dank zollte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl den Fußpilgern aus Wolnzach und Umgebung, die sich dem hopfengeschmückten Pilgerkreuz folgend drei Tage auf den Weg zur Gnadenmutter nach Altötting gemacht hatten – heuer zum 57. Mal. "Möge Euch der Pilgergottesdienst stärken, damit die Zugehörigkeit zu Jesus und der römisch-katholischen Kirche immer mehr wachse", wünschte Mandl abschließend, bevor Pilgerleiter Nöscher seine Freude kund tat: "Es ist einfach schee, Euch in der Basilika zu sehen, hier zur Ruhe zu kommen in einer hektischen und unseligen Zeit." Sich in einer Glaubensgemeinschaft auf den Weg zu machen, bedeute auch ein Wachsen im Glauben. Wer am Pilgerziel bei der Muttergottes von Altötting ankomme, der finde "offene, weite Tore" vor, stellte der Hauptzelebrant Pfarrer Braun im abschließenden Pilgergottesdienst in der Basilika fest. Ruhig werden, sich vertrauensvoll in Gottes Hände fallen zu lassen, gehöre ebenso dazu wie die Seele hochkommen zu lassen. Als ein Zeichen der Hoffnung sah es Pfr. Braun, in der Gnadenkapelle bei der Gnadenmutter Fürsprache zu halten.

Zwiesprache mit den Gläubigen hielt dann Pfarrer Nowak auf humorvolle Art: "Sind Sie müde? – Ich auch!"; schmunzelnd folgte die Bitte, "falls einige während der Predigt zu schlafen anfangen sollten, nicht zu laut zu schnarchen". Dann begab sich Pfr. Nowak auf Spurensuche im Wald. Pessimisten sähen hinter jedem Baum lauernd ein wildes Tier und könnten somit die wohltuende Natur gar nicht genießen. Angst aber sei ein schlechter Ratgeber im Leben, denn "die Angst lähmt Körper und Geist". Pfr. Nowak erklärte: "Positives Denken verhilft zu persönlichem Glück, was auch durchaus mit dem Glauben zu tun hat." Gott ziehe in die positive Bahn, zeige uns den richtigen Weg und "ist immer für uns da". Aber da müssten auch wir unseren Beitrag leisten, uns Zeit nehmen für Gott, ihn suchen im Gebet, in der Feier der hl. Eucharistie. "Wer glaubt, gewinnt – und heute sind wir unter lauter Gewinnern", stellte Pfr. Nowak an die Pilger gewandt fest. Und zur Gottesmutter kämen wir alljährlich in kindlichem Vertrauen, so schloss Pfr. Nowak mit etwas abgeändertem Refrain des Liedes von der Schwarzen Madonna: "... wie gut ist es, dein Kind zu sein, in deinen Armen zu sein!"

Zwei "Pilgeroriginale"

Die beiden "Pilger-Brüder" Rul (Rupert) und Leo (Leonhard) Kipfelsberger bei einem kurzen Zwischenstopp.
Die beiden "Pilger-Brüder" Rul (Rupert) und Leo (Leonhard) Kipfelsberger bei einem kurzen Zwischenstopp.
Leo (Leonhard) Kipfelsberger trug heuer das hopfenumrankte "Original"-Pilgerkreuz.
Leo (Leonhard) Kipfelsberger trug heuer das hopfenumrankte "Original"-Pilgerkreuz.
Die Hl. Kapelle im Blick: Einzug der Hallertauer Pilger.
Die Hl. Kapelle im Blick: Einzug der Hallertauer Pilger.

In diesem Jahr durfte Leo (Leonhard) Kipfelsberger beim Einzug der Hallertauer Fußwallfahrer über den Kapellplatz zur St. Anna-Basilika das hopfenumrankte "Original"-Pilgerkreuz tragen, neben ihm marschierte auch sein Bruder Rul (Rupert). Diese Ehre wird eigentlich nur "Pilgerjubilaren" zuteil. Weil Leo Kipfelsberger am 2. Oktober seinen 80. Geburtstag feiern konnte, wurde er fürs Vortragskreuztragen am Pilgerziel auserkoren. Bruder Rul hatte das Nachsehen, obwohl auch er dazu prädestiniert gewesen wär: feierte er doch sechs Tage später, am 8. Oktober, seinen 75. Geburtstag.

Brigitte Häglsperger kennt die beiden "Pilger-Originale" sehr gut. Sie kümmert sich bereits seit Jahren als "Herbergsmutter" im Weiler Leonberg außerhalb Neumarkt/St. Veit ums Übernachtungsquartier der Kipfelsberger-Brüder und sie und ihr Mann haben die beiden die letzte Wegetappe von Neumarkt nach Alt-ötting auch schon begleitet: Die beiden kommen aus der Gemeinde Lenting. Der Ältere der Kipfelsberger-Brüder wird voraussichtlich nächstes Jahr sein 40-jähriges Wallfahrtsjubiläum begehen, seit 1978 marschiert er mit. Wenige Jahre darauf überredete er auch seinen Bruder und seither wurde kaum eine Wallfahrt ausgesetzt, wie Brigitte Häglsperger zu berichten wusste. "Die beiden sind heuer seit 30 Jahren bei uns in der Herberge – die ersten 23 Jahre bei den Schwiegereltern Juliane und Franz Häglsperger in Neumarkt St. Veit." Seit die beiden verstorben sind, übernachten die Pilger-Brüder wie auch Gruppenführer Ludwig Helfer nun schon das siebte Jahr bei "Herbergsmutter" Brigitte Häglsperger und deren Ehemann.

Dass die beiden trotz des "Seniorenalters" so gut zu Fuß unterwegs sind – immerhin marschieren sie jedes Jahr um die 120 Kilometer in drei Tagen – kommt nicht von ungefähr: die beiden wandern gerne; Leo hat erst heuer wieder den Klettersteig zur Zugspitze erklommen; begeisterter Skifahrer ist er auch. Rul ist vor einigen Jahren von Frankreich aus den Jakobsweg (920 km) gepilgert.

Erzählt haben die beiden Brüder schon viele Anekdoten vom Wallfahren. Die Geschichten könnten ein ganzes Buch füllen, wie Brigitte Häglsperger schmunzelnd erklärte; sie erzählte: Auch wenn es die Kipfelsberger-Brüder mittlerweile während ihres "Nachtlagers" in Leonberg/Neumarkt etwas ruhiger angehen lassen, bis vor drei Jahren sei der Besuch des Trachtenvereinsabend eine Selbstverständlichkeit gewesen. "Dabei ist es durchaus vorgekommen", berichtete Brigitte Häglsperger, "dass die beiden erst um 2 Uhr früh den Heimweg zur Herberge angetreten haben, obwohl es um halb vier Uhr rum zeitig zum Aufstehen fürs Wallfahrten war." Dabei soll es vorgekommen sein, dass der Leo einmal seinem Bruder mit einem Eimer Wasser etwas unsanft aus den Federn half.

Brigitte Häglsperger erzählte auch vom Wander- bzw. Pilgerstock, den Rul bei der Wallfahrt immer bei sich hat. "Auf diesem ist jedes Wallfahrtsjahr eingeschnitzt und mit Symbolen markiert: wie das Wetter war, wie es gelaufen ist, ob es Besonderheiten gab, etc." Dieser Stock sei fast wie ein kleines Tagebuch. "Dieses Jahr", bedauerte die Herbergsmutter, "musste Rul seinen Pilgerstock im Rucksack mittragen, da am zweiten Wallfahrtstag der Griff abgebrochen ist. Bis zum nächsten Jahr sei er aber wieder repariert", sagte er.

Text: Roswitha Dorfner, Fotos: Roswitha Dorfner 29, privat 1

Impressionen

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)