Altöttinger Liebfrauenbote

Meißen widmet Benno, Sachsens erstem Heiligen, eine beeindruckende Ausstellung

"Schätze, kostbarer als Gold"

Glaubt man den Wunderberichten, überquerte Bischof Benno von Meißen trockenen Fußes die Elbe, verwandelte Wasser in Wein und erschien gleichzeitig an zwei Orten. Mit diesen am Vorbild Christi orientierten Phänomenen begründete Papst Hadrian VI. in seiner 1523 ausgestellten Urkunde die Heiligsprechung Bennos. Ihm ist in der Albrechtsburg und im evangelischen Dom auf dem Meißner Burgberg eine großartige Schau gewidmet. Sie umfasst erlesene Kunstwerke, großartige Objekte und aufschlussreiche Dokumente aus den letzten 1.000 Jahren. Ihr Titel bezieht sich auf die ausgestellten Reliquien, ein Partikel von einer Rippe Bennos, seinen Bischofsstab und seine Mitra. Kuratorin Claudia Kunde: "Im Bewusstsein zahlreicher Gläubiger sind sie Schätze, kostbarer als Gold."

Hl. Benno: Wandgemälde in der Schlosskapelle auf der Albrechtsburg Meißen.
Hl. Benno: Wandgemälde in der Schlosskapelle auf der Albrechtsburg Meißen.
Die Krümme des Bischofsstabs des hl. Benno.
Die Krümme des Bischofsstabs des hl. Benno.

Benno war Kaplan an der Goslarer Pfalzkapelle bevor ihn König Heinrich IV. im Jahre 1066 zum Bischof von Meißen beförderte. Das Amt bekleidete Benno etwa 50 Jahre lang. Allerdings mit Unterbrechungen. Weil er sich dem inzwischen zum Kaiser erhobenen Heinrich und Papst Clemens III. nicht beugen wollte, ereilte ihn 1085 die Exkommunikation und Amtsenthebung. Benno gab klein bei und erhielt das Bistum Meißen zurück. Er starb um 1106. Seine Beisetzung erfolgte im Dom zu Meißen.

Bischof Withego I. ließ die im Grab Bennos vorgefundenen sterblichen Überreste und Objekte in ein Hochgrab im Mittelschiff seines Domneubaus beisetzen. Zu den Gegenständen gehörte der nun ausgestellte Messergriff (9./10. Jh.). Den montierten die Geistlichen als Krümme auf den ebenfalls im Grab entdeckten Bischofsstab (um 1100). Benno trug entscheidend zum Fortschritt des Neubaus bei, wie eine von Withego 1285 ausgestellte Ablassurkunde verrät: Sie versprach den Besuchern von Bennos Grab, die für den Dombau spendeten, einen Nachlass ihrer zeitlichen Sündenstrafen von 40 Tagen.

Die nur regional verbreitete Benno-Verehrung war dem von 1488 bis zu seinem Tod 1539 herrschenden Georg von Sachsen nicht genug. Der letzte romtreue Regent des Herzogtums setzte seit 1499 alles daran, Benno zum ersten päpstlich anerkannten Heiligen Sachsens erheben zu lassen. Das langwierige Verfahren kam eher zufällig erst in der Reformationszeit zum Abschluss. Zwei zentrale Anforderungen mussten erfüllt werden: Der Nachweis des heiligengemäßen Lebens und die Belegung von Wundern. Georg betraute seinen Hofkaplan Hieronymus Emser mit Bennos Lebensbeschreibung. Im Hildesheimer Kloster St. Michael lernte Emser den Benediktiner Henning Rose kennen. Der übergab ihm seine Handschrift, die in Meißen als "Fabulöse Vita Bennonis" (Anf. 16. Jh.) zu sehen ist. Sie wartet mit zahlreichen von Rose erfundenen Details aus Bennos Leben auf: Er sei 1010 zur Welt gekommen und der heilige Bischof Bernward von Hildesheim habe ihn in seine Obhut genommen. Die falschen Behauptungen Roses übernahm Emser in seine 1512 gedruckte Schrift "Leben und Wunder Bischof Bennos von Meißen". Auf die wiederum bezieht sich Papst Hadrians Heiligsprechungsurkunde für Benno. Somit haben Rose und Emser mit ihren unbewiesenen "Erzählungen" ganz maßgeblich zum erfolgreichen Abschluss des römischen Kanonisationsverfahrens beigetragen.

Ein Jahr nach der 1523 erfolgten Heiligsprechung Bennos war für den 16. Juni in Meißen die feierliche Erhebung der Reliquien und ihre Wiederbestattung nach einer Festprozession anberaumt. Bis dahin sorgte Herzog Georg für die Vollendung der Albrechtsburg. Im Dom ließ er Bennos Hochgrab neu herrichten und seine eigene Grabkapelle fertig stellen. Martin Luther war Bennos Erhebung unter die Heiligen ein Dorn im Auge. Kurz vor Beginn des Festes veröffentlichte er seine Schmähschrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden".

"Wir haben Bennos Gebeine, Gewand, Mitra und Stab seiner Hoheit als einem katholischen Fürsten gern und untertänig zur Verhinderung einer Verunehrung demütig übergeben"

Silbernes Büstenreliquiar des Heiligen Benno, 1601, plastisches Wolkenband: Ergänzung 18. Jh.
Silbernes Büstenreliquiar des Heiligen Benno, 1601, plastisches Wolkenband: Ergänzung 18. Jh.
Emailtafel mit Investiturdarstellung, um 1160/70 oder um 1185/90, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.
Emailtafel mit Investiturdarstellung, um 1160/70 oder um 1185/90, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.
Mitra des Bischofs Benno von Meißen; Kathedrale Ss. Trinitatis, Dresden.
Mitra des Bischofs Benno von Meißen; Kathedrale Ss. Trinitatis, Dresden.

Kaum war Herzog Georg 1539 gestorben, führte sein Bruder und Nachfolger Heinrich zügig die Reformation in Sachsen ein. Steinmetze schlugen auf seinen Befehl Bennos Hochgrab kurz und klein. Die vermeintlichen Reliquien ließ er unter den Augen der Einwohnerschaft in der Elbe versenken. Aber Heinrich hatte nicht mit den Vorsichtsmaßnahmen des Meißner Bischofs Johann VIII. gerechnet. Der hatte die Reliquien auf seiner Bischofsburg Stolpen versteckt. Sein Nachfolger Bischof Johann IX. sorgte für ihre Übersiedlung in den Dom von Wurzen, wo er sie in einem Grab verbarg. Das geht aus der am 1. April 1576 von Johann IX. ausgestellten Urkunde hervor, mit der er die Echtheit der Herzog Albrecht V. nach München überbrachten Reliquien bestätigte: "Wir haben Bennos Gebeine, Gewand, Mitra und Stab seiner Hoheit als einem katholischen Fürsten gern und untertänig zur Verhinderung einer Verunehrung demütig übergeben".

Nach dem Tod Albrechts ließ sein Nachfolger Herzog Wilhelm V. die Reliquien 1580 in die Münchner Frauenkirche überführen. Benno erklärte er zum Stadtpatron Münchens und Schutzheiligen Bayerns. Die durch Benno bei Gott erwirkten Gebetserhörungen machten den heiligen Bischof schnell populär. Die Gläubigen dankten es ihm mit Geschenken. Zu ihnen gehören die kniend beim Gebet dargestellten lebensgroßen Wachsfiguren zweier junger Prinzen. Mit ihnen dankte Kurfürst Maximilian I. dem Heiligen für die beiden Söhne, die ihm seine zweite Gemahlin geboren hatte. Aus der Benno-Kapelle der Frauenkirche hat die eindrucksvolle Wachsfigur (1644), die den fünfjährigen Prinzen Maximilian Philipp verewigt, die Reise nach Meißen angetreten. Weitere Leihgabe aus München ist das büstenförmige Silberreliquiar des heiligen Benno (1604). Die Linke des Bischofs ruht auf einem Fisch, aus dessen Maul ein Schlüsselbund hängt. Der Fisch mit den Schlüsseln ist Bennos Attribut. Nach seiner Absetzung soll Benno den Dom abgeschlossen und die Schlüssel in die Elbe geworfen haben. Nach seiner Wiedereinsetzung brachten ihm die Meißner einen großen Fisch, der zur großen Verwunderung aller die Domschlüssel ausspie.

Zur Heilung von Kopfkrankheiten ließen sich die Gläubigen früher in der Frauenkirche die sogenannte "Mitra des Bischofs Benno" – eine Neuanfertigung zur Grabumbettung 1276 – aufsetzen. Aus Anlass der Weihe des Hochaltars der Dresdner Trinitatiskirche schenkte der Münchner Erzbischof Julius Kardinal Döpfner die Mitra 1962 dem Bistum Dresden-Meißen. Normalerweise hat sie ihren Stammplatz auf dem Altar der Benno-Kapelle der Trinitatiskirche. Nun ist sie in Meißen ausgestellt.

Text: Veit-Mario Thiede, Fotos: Veit-Mario Thiede 1, Schlösserland Sachsen 3, Wolf-Christian von der Mülbe (Erzbistum München und Freising) 1

"Ein Schatz nicht von Gold. Benno von Meißen, Sachsens erster Heiliger", noch bis 5.11.2017 in der Albrechtsburg, Domplatz 1, Meißen, täglich 10-18 Uhr, im November 10-17 Uhr. Informationen: Tel.: 03521 47070, Internet: www.albrechtsburg-meissen.de. Eintritt Sonderschau 6 Euro, Kombiticket mit Dom 10,50 Euro.

Die Benno-Route

Die Albrechtsburg Meißen mit dem dahinterliegenden Dom bei Nacht.
Die Albrechtsburg Meißen mit dem dahinterliegenden Dom bei Nacht.

Anlässlich der Ausstellung über den hl. Benno hat Sachsens Schlösserverwaltung die von Meißen über Dresden und Stolpen nach Bautzen führende Benno-Route eingerichtet.

Sie beginnt in der einstigen Wirkungsstätte des Bischofs, dem Dom zu Meißen. Das Gotteshaus war für Benno nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Zuhause. Noch heute zieren Bennos Attribute – Fisch und Schlüssel – das Wappen des Bistums von Meißen. Gleich gegenüber des Meißner Doms steht die Albrechtsburg Meißen, die als "Wiege Sachsens" wie kein anderes Schloss für die mehr als 1.000 Jahre alte Kulturgeschichte des Bundeslands steht.

Hoffnungssymbol Benno-Kapelle

Die Dresdner Hofkirche.
Die Dresdner Hofkirche.
Burg Stolpen beherbergte kurzzeitig die Benno-Reliquien.
Burg Stolpen beherbergte kurzzeitig die Benno-Reliquien.
Domschatzkammer Bautzen.
Domschatzkammer Bautzen.

Gut 20 Kilometer südöstlich von Meißen liegt als nächste Station die sächsische Landeshauptstadt Dresden. In der Elbestadt ist die katholische Hofkirche (Kathedrale Dresden Ss. Trinitatis) – ganz in der Nähe von Dresdner Zwinger und Theaterplatz – die nächste Station auf der Bennoroute. Auch hier treffen Besucher auf Ehrerweisungen an den heiligen Benno. So ist ihm zum Beispiel eine eigene Kapelle gewidmet. Als einige der wenigen Bauten überstanden die Kapelle sowie der dazugehörige Glockenturm die Bombenangriffe auf Dresden im Zweiten Weltkrieg fast unversehrt und wurden dadurch zu einem Hoffnungssymbol.

Weiter führt die Route ihre Besucher zur Burg Stolpen, wo die Gebeine des hl. Benno während der Reformation zeitweilig versteckt wurden. Heute sind von der einst reich geschmückten Burgkapelle nur noch wenige Reste erhalten geblieben. Eine kleine Ausstellung erinnert jedoch an die Zeit, als Burg Stolpen bischöfliche Residenz und Verwaltungsmittelpunkt des Amtes Stolpen war. In den 50er-Jahren hat die katholische Kirche eine neue Kapelle in Stolpen eingeweiht. Unter dem Altar ist dort heute wieder eine Reliquie des hl. Bischofs zu finden.

Das Ziel der Benno-Route ist schließlich der Bautzener Dom St. Petri. Er wurde im 13. Jahrhundert gegründet und gilt seitdem als das katholische Zentrum der Oberlausitz. Nachdem das Bistum Dresden-Meißen mit der Reformation protestantisch wurde, wurden alle katholisch gebliebenen Gebiete Bautzen zugesprochen. Die Domschatzkammer von Bautzen erinnert noch heute, zum Beispiel mit religiöser Kunst, an den heiligen Bischof von Meißen.

Text: red, Fotos: Schlösserland Sachsen

Informationen zur Benno-Route: benno.schloesserland-sachsen.de/benno-route/.