Altöttinger Liebfrauenbote

Bischof Reinhard Lettmann † zum Geheimnis des Rosenkranzes

"Bilder des Heils – Bilder der Erlösung"

Erst kürzlich erinnerte der Passauer Bischof Stefan Oster beim Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation an die Bedeutung des Rosenkranz-Gebetes. Bischof Reinhard Lettmann (Münster, † 2013) erklärte anlässlich der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens über den Rosenkranz, "Rosarium Virginis Mariae" von Johannes Paul II. im Jahr 2002, das Geheimnis des Rosenkranzes – der Text im Wortlaut:

Die Pfarrkirche St. Marien in Duisburg-Rumeln feiert am 7. Oktober, am Gedenktag "U.L.F. vom Rosenkranz" ihr Patrozinium. Den Altarraum schmückt ein ungewöhnliches Werk zu den Rosenkranzgeheimnissen.
Die Pfarrkirche St. Marien in Duisburg-Rumeln feiert am 7. Oktober, am Gedenktag "U.L.F. vom Rosenkranz" ihr Patrozinium. Den Altarraum schmückt ein ungewöhnliches Werk des Künstlers Karl Franke †, der im Jahr 1993 die 15 Bronzetafeln mit den freudenreichen, glorreichen und schmerzhaften Rosenkranzgeheimnissen geschaffen hat. Die große Bronzeskulptur wird durch die künstlerische Gestaltung der Kirchenfenster, die eine stilisierte Rose andeuten, weitergeführt. Herzlichen Dank an Pfr. Andreas König für die Zusendung.

"Johannes Bours, lange Jahre hindurch Spiritual im Priesterseminar in Münster, wies immer wieder darauf hin, wie wichtig es sei und wie gut es tue, in der Kompliziertheit des Lebens Äußerungen des Glaubens zu haben, die einfach und wiederholbar sind.

Eine solche einfache und wiederholbare Äußerung des Glaubens ist das Rosenkranzgebet. Auch die Perlen, die wir durch die Hände gleiten lassen, kommen unserem Bedürfnis entgegen: Wir haben etwas in der Hand und verlieren uns nicht allein in Gedanken. Die Gebetsschnur in den Händen vieler frommer Muslime weist auf eine ähnliche Erfahrung hin.

Das Rosenkranzgebet ist in seinem tiefsten Wesen ein Jesusgebet. Die Geheimnisse des Rosenkranzes lenken unseren Blick auf ihn. Jesus, dieser hebräische Name, bedeutet: Gott ist unser Heil. Mit dem Gebet, das Jesus selbst uns gelehrt hat, wenden wir uns an ihn, den Gott und Vater Jesu Christi: 'Vater unser'.

Im Rosenkranzgebet betrachten wir gleichsam wie in einem Film Bilder des Heils. Jesus Christus – das menschliche Gesicht Gottes: Im Leben und Sterben, in der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu leuchtet uns das Geheimnis Gottes auf.

Bilder des Heils – Bilder der Erlösung: Das wird besonders deutlich, wenn wir in den Geheimnissen des schmerzhaften Rosenkranzes hinzufügen: 'Für uns'.

Dankbar können wir im Credo bekennen: 'Für uns und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen ..., gekreuzigt wurde er sogar für uns.'

"Ein Jesusgebet und zugleich ein marianisches Gebet"

Blick auf den Altarraum in der Pfarrkirche St. Marien in Duisburg-Rumeln.
Blick auf den Altarraum in der Pfarrkirche St. Marien in Duisburg-Rumeln.

Das Rosenkranzgebet ist ein Jesusgebet, zugleich ist es ein marianisches Gebet. Maria, die Mutter Jesu, steht ihm besonders nah. Sie ist hineingenommen in das Werk der Erlösung. Immer wieder grüßen wir sie mit dem Gruß des Engels: 'Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.' Wir fügen den Gruß ihrer Verwandten Elisabet hinzu: 'Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.'

Wir betrachten die Bilder des Heils gleichsam an der Hand Marias und lassen uns von ihr zu ihrem Sohn führen. 'Was er euch sagt, das tut.' Dieses Wort an die Wasserträger bei der Hochzeit zu Kana sagt sie auch uns.

Maria ist unsere Schwester im Glauben. In ihrem Leben sehen wir, wie der Glaube sich äußert. Sie öffnet sich für das Wort Gottes, lässt es in ihr Leben ein und bleibt ihrem Sohn treu, bis unter dem Kreuz. Sie gibt uns ein Beispiel des Glaubens.

Maria ist das Bild des erlösten Menschen. In ihr sehen wir, was auch unsere Zukunft ist. Gott hat sie mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen. Er will auch uns teilgeben an der Fülle seines Lebens. In dieser frohen Hoffnung gipfelt unser Glaubensbekenntnis: 'Ich glaube an die Auferstehung der Toten und an das Leben der kommenden Welt.'

Maria hat das ewige Ziel erreicht. Sie lebt bei Gott. Wir rufen sie um Fürsprache an auf unserem Lebensweg. Wir empfehlen ihr unser Leben und Sterben: 'Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.'

Die Besinnung im Gebet des Rosenkranzes auf unsere Erlösung und unser Heil kann uns helfen, dass der Glaube in uns wachse, die Hoffnung in uns gestärkt und die Liebe entzündet werde.

Wir danken Gott für das Große, das er an uns tut: 'Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.'"

Fotos: Pfr. Andreas König