Altöttinger Liebfrauenbote

Einsiedeln, größter Marienwallfahrtsort der Schweiz, ist neues Mitglied der "Shrines of Europe"

"Mit Stolz und Tatkraft"

Begrüßt durch eine Jodlerin und beschienen von der Gebirgssonne fand am Montag, 18. September im "Großen Saal" des Benediktinerklosters Einsiedeln der Festakt zur Aufnahme des Schweizer Marienwallfahrtsortes in die Vereinigung "Shrines of Europe" statt. Altöttings Bürgermeister Herbert Hofauer sagte in seiner Ansprache, Altkanzler Willy Brandt zitierend: "Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört."

Stolz präsentieren Altöttings Bürgermeister Herbert Hofauer Bezirksammann Franz Pirker aus Einsiedeln im Kreis ihrer Kollegen die Urkunde zur Aufnahme des Schweizer Marienwallfahrtsorts in die "Shrines of Europe".
Stolz präsentieren Altöttings Bürgermeister Herbert Hofauer (2.v.l.) Bezirksammann Franz Pirker aus Einsiedeln (3.v.l.) im Kreis ihrer Kollegen die Urkunde zur Aufnahme des Schweizer Marienwallfahrtsorts in die "Shrines of Europe".

In den "Shrines" sind die wichtigsten Marienwallfahrtsorte Europas vereinigt. Einsiedeln fehlte da einfach bisher, zeigte sich Hofauer schon geraume Zeit überzeugt. Vor eineinhalb Jahren wurden deshalb erste Kontakte geknüpft, vor knapp einem Jahr, bei der 20-Jahr-Feier der "Shrines", war Einsiedeln schon dabei. Nun ist die Gemeinde im Kanton Schwyz unweit des Zürichsees ganz offiziell Mitglied, eine Urkunde zeugt davon – unterschrieben von den sechs bisherigen Gemeinde- und Stadtoberhäuptern.

"Ein neues, wichtiges, lang ersehntes Mitglied" sei Einsiedeln, so Hofauer in seiner Ansprache. Die Shrines of Europe seien zwar zuvorderst ein Netzwerk der touristischen Zusammenarbeit, trügen aber auch ganz stark zur Völkerverständigung bei. Hofauer nannte Jugendaustauschaktionen und sportliche Events, erinnerte aber auch an das 20-Jahr-Jubiläum sowie an aktuelle bzw. bevorstehende Feiern wie 100 Jahre Fatima 2017 oder die 160. Wiederkehr der Erscheinungen von Lourdes im kommenden Jahr. "In unseren Städten berühren sich Himmel und Erde mehr als anderswo", so Hofauer weiter. Es wohne ein besonderer Geist in dieser Partnerschaft zwischen Altötting, Mariazell, Tschenstochau, Lourdes, Fatima, Loreto und jetzt Einsiedeln, die auch synonym für das vereinte Europa stehe.

Bezirksammann Franz Pirker von Einsiedeln – in der Funktion vergleichbar einem Bürgermeister – betonte, Einsiedeln mit seinem "größten und schönsten Kloster der Schweiz" freue sich über diese Mitgliedschaft. Mit Stolz und Tatkraft wolle man sich einbringen.

"Lebendige Wallfahrt"

Das Einsiedler Gnadenbild.
Das Einsiedler Gnadenbild.

Das versprach auch Abt Urban für das Benediktinerkloster. Das Heiligtum von Einsiedeln ziehe jedes Jahr über eine Million Pilger an, sagte er und sprach von einer "lebendigen" Wallfahrt: "Die Menschen werden immer kommen." Launig erzählte er, dass Papst Franziskus zwar Einsiedeln in der Schweiz nicht kenne, dafür aber einen Ableger des Klosters in Argentinien, wo auch eine Kopie der Schwarzen Madonna steht. Eine solche erhielt auch Bürgermeister Hofauer als Gastgeschenk; er will sie im Wallfahrtsmuseum in Altötting aufstellen lassen.

Zum Abschluss des Festaktes wurde in der Klosterkirche die "Votivmesse Unserer Lieben Frau von Einsiedeln" gefeiert. In seiner Predigt strich Abt Urban die Internationalität der Marienfrömmigkeit heraus. Da war es dann konsequent und stimmig, dass der Organist zum Auszug Beethovens "Ode an die Freude" anstimmte, auch bekannt als Europahymne.

Bei der Arbeitstagung am folgenden Dienstag wurde Altöttings Stadtoberhaupt Herbert Hofauer auf Vorschlag von Krzysztof Matyjaszczyk, dem Oberbürgermeister von Tschenstochau, für vorerst zwei Jahre zum ersten Vorsitzenden der Shrines of Europe gewählt. Angesichts der steigenden Zahl von zu erledigenden Aufgaben und der dafür bereitgestellten Mittel hatten die Bürgermeister des Gremiums beschlossen, diesen Posten zu etablieren.

Text und Fotos: Erwin Schwarz (Alt-Neuöttinger Anzeiger)