Altöttinger Liebfrauenbote

Neue Doppelspitze des Altöttinger Marienwerks: Vorsitzender Domkapitular Msgr. Josef Fischer und Geschäftsführer Josef Herrmann im Interview

"Vernunft und Gemüt zusammenführen"

Das Altöttinger Marienwerk hat seit diesem Jahr eine neue "Doppelspitze": Vorsitzender Msgr. Josef Fischer ist neuer Vorsitzender, Josef Herrmann neuer Geschäftsführer. Im Interview verraten sie, was ihnen die Gebetsgemeinschaft bedeutet, die sich am Gnadenort vor allem auch um die Kirchenmusik verdient gemacht hat. Außerdem sprechen sie über die Herausforderungen der Zukunft.

Interview im Gebäude des Altöttinger Marienwerkes: Geschäftsführer Josef Herrmann, Vorsitzender Msgr. Josef Fischer, "Boten"-Chefredakteur Wolfgang Terhörst und Redakteur Michael Glaß.
Interview im Gebäude des Altöttinger Marienwerkes (v.l.): Geschäftsführer Josef Herrmann, Vorsitzender Msgr. Josef Fischer, "Boten"-Chefredakteur Wolfgang Terhörst und Redakteur Michael Glaß.

Herr Domkapitular Fischer, Herr Herrmann, Ihre offizielle Einführung als Vorsitzender bzw. Geschäftsführer des Marienwerks war zwar erst vor zwei Wochen, doch die übliche 100-Tage-Frist bis zur ersten kleinen Zwischenbilanz können wir abkürzen, da Sie beide schon etwas länger im Amt sind. Daher die erste Frage: Haben Sie sich schon etwas eingelebt, konnten Sie einen Überblick gewinnen?
Josef Herrmann (seit 1. April 2017 im Amt): Ja, die Schonfrist ist jetzt eigentlich vorbei (lacht). Tatsächlich habe ich die ersten Monate nicht nur dazu genutzt, mir ein kaufmännisches Bild zu verschaffen. Auch wenn ich beruflich zuletzt in diesem Bereich tätig war, finde ich am Altöttinger Marienwerk gerade die Vielfältigkeit der Aufgaben besonders interessant: Das Selbstverständnis als Gebetsgemeinschaft und dabei die vielen Gebetsanliegen an Unsere Liebe Frau in Altötting, die uns täglich erreichen; die Nähe zur Wallfahrt und natürlich die Kirchenmusik. Neben dem Kennenlernen weiterer zahlreicher Aktivitäten des Altöttinger Marienwerkes war es mir in den ersten Monaten sehr wichtig, insbesondere auch meine Mitarbeiter kennenzulernen, außerdem war die Konzerttour unserer "Altöttinger Kapellsingknaben und der Mädchenkantorei" mit zu organisieren sowie der "Tag des Marienwerkes". Als neuer Geschäftsführer habe ich natürlich auch eigene, neue Vorstellungen – diese möchte ich jedoch sukzessive und in Teamarbeit umsetzen.
Msgr. Josef Fischer (seit 1. Juni 2017 im Amt): Die Mitarbeiter kennenzulernen war mir natürlich sehr wichtig. Geschäftsführer Josef Herrmann ist ja schon etwas länger im Amt und hat mich sehr gut eingeführt. Durch den Umbau des Marienwerks-Gebäudes am Kapellplatz haben wir perfekte strukturelle Voraussetzungen. Wir dürfen jetzt keine Zeit verstreichen lassen – schließlich haben wir Mitglieder im ganzen süddeutschen Raum und sogar darüber hinaus.

Herr Msgr. Fischer, Sie sind beruflich als Direktor des Hauses der Begegnung Heilig Geist in Burghausen (HdB) und als Domkapitular sehr gefordert. Mussten Sie ein wenig mit sich ringen, als die Anfrage kam, den Vorsitz des Marienwerks zu übernehmen? Wie bekommen Sie all die Aufgaben unter einen Hut?
Msgr. Fischer: Das Altöttinger Marienwerk ist jetzt noch einmal eine neue Herausforderung für mich; eine neue Aufgabe, die ich mir längerfristig vorstellen kann. Meine Arbeit im Domkapitel etwa wird ja zeitnah enden – mit 70 Jahren bieten Domkapitulare dem Bischof traditionell ihren Rücktritt an. Die vielen Aufgaben unter einen Hut zu bringen geht vor allem deshalb, weil ich überall gute und kompetente Mitarbeiter habe. Ähnlich wie als Direktor des Hauses der Begegnung HEILIG GEIST (HdB) und als Leiter der theologischen Fortbildung in Passau geht es mir als Vorsitzender des Altöttinger Marienwerks vor allem darum, einen Überblick zu gewinnen und Anregungen zu geben. Natürlich musste ich auch mit mir ringen, als vor etwa zwei Jahren die Anfrage kam; seither habe ich viele Gespräche geführt. Doch ich kann in diesem Bereich viel Gutes bewirken. Auch weil ich in Marktlberg geboren und aufgewachsen und im Landkreis Altötting sozusagen beheimatet bin, habe ich nicht sehr lange überlegen müssen.

Herr Herrmann, der Wechsel vom Management in einem Industrieunternehmen zum Marienwerk erscheint auf den ersten Blick zumindest ungewöhnlich – manche würden es vielleicht sogar despektierlich als Abstieg bezeichnen. Wie kam es dazu, welchen Bezug zu Altötting, zum Marienwerk hatten Sie zuvor?
Herrmann: Auf den ersten Blick scheint dieser Schritt tatsächlich ungewöhnlich, durch meine Lebensgeschichte erklärt er sich aber sehr gut. Vor allem seit meiner Zeit als Regensburger Domspatz habe ich einen engen Bezug sowohl zum Glauben als auch zur Musik. Am Gymnasium der Domspatzen habe ich neben dem Singen auch Klavier und Orgel gelernt. Während meiner Tätigkeit als Kaufmännischer Leiter habe ich – obwohl ich beruflich sehr viel unterwegs war – privat meine Ader zur Musik, zum Glauben sowie zur Kunst und Kultur nie verloren. Schon seit längerem singe ich etwa im Männerchor der Altöttinger Kapellsingknaben mit – soweit ich dem Chor damit helfen kann. Seit 2007 wohne ich in Altötting, hier bin ich u.a. als Pilgerbetreuer aktiv. Das Altöttinger Marienwerk selbst ist sehr viel größer und in seinen Aufgaben vielfältiger als es viele wahrnehmen. Da ist ja nicht nur der Verein als Gebetsgemeinschaft "zu Ehren Unserer Lieben Frau von Altötting" mit rund 58.000 Mitgliedern, sondern auch die Stiftung des Altöttinger Marienwerkes – und wie bereits erwähnt die zahlreichen nicht "nur kaufmännischen" Aufgaben, die mich reizen. Insgesamt würde ich sagen: Was Besseres hätte mir gar nicht passieren können. Auch wenn der kaufmännische Bereich meine Arbeit als Geschäftsführer bestimmen wird – darüber hinaus habe ich hier mit dieser engen Verbindung von Glaube, Musik und Kultur quasi mein Hobby zum Beruf machen dürfen. Ein Privileg, welches nur sehr wenigen Menschen zu Teil wird.

Josef Herrmann: "Ich habe einen sehr engen Bezug zur Wallfahrtsstadt und der Marienfrömmigkeit"

Gerschäftsführer Josef Herrmann und Vorsitzender Msgr. Josef Fischer im Gespräch auf dem Altöttinger Kapellplatz.
Gerschäftsführer Josef Herrmann (l.) und Vorsitzender Msgr. Josef Fischer im Gespräch auf dem Altöttinger Kapellplatz.

Eine Frage außer der Reihe, weil es immer wieder Thema in der Öffentlichkeit war: Wie haben Sie die Zeit bei den Domspatzen und den langjährigen Domkapellmeister Georg Ratzinger erlebt?
Herrmann: Ich selbst hatte bei den Domspatzen eine tolle Zeit. Damit will ich jetzt keinen Gegenpol bilden zu der Untersuchung von Missbrauchsfällen – eine Aufarbeitung solcher Fälle, wie sie offenbar insbesondere an der Vorschule stattgefunden haben, finde ich sehr wichtig. Ich persönlich kann aber nur über meine Zeit am Gymnasium und im Chor bei Domkapellmeister Georg Ratzinger sprechen und da gab es nichts. Vielmehr hat mich diese Zeit sehr positiv und nachhaltig für meinen weiteren Lebensweg geprägt, indem mir neben der Musik und der schulischen Ausbildung vor allem auch christliche Werte und soziales Bewusstsein vermittelt wurden. Ich bin sehr dankbar dafür.

Welche Rolle spielt die Gottesmutter, die Marienverehrung in Ihrem Glaubensbild, Herr Herrmann?
Herrmann: Sie spielte schon sehr früh eine Rolle für mich. Ich stamme aus einer sehr gläubigen Familie. Zur marianischen Frömmigkeit bin ich über meinen Vater – ein gelernter Braumeister und Geschäftsführer von Brauereien – gekommen, der damals in unserer Heimatgemeinde Train einen Ortsverband der Marianischen Männerkongregation (MC) gegründet hat und viele Jahre als Obmann fungierte. Privat habe ich nicht zuletzt durch meine Heirat mit einer Altöttingerin und den Umzug 2007 einen sehr engen Bezug zur Wallfahrtsstadt und der Marienfrömmigkeit. Ich selbst bin bereits seit meiner Regensburger Zeit Mitglied der Marianischen Männerkongregation und auch seit vielen Jahren Mitglied beim Altöttinger Marienwerk.

Wie ist das bei Ihnen, Herr Domkapitular: wie sehen Sie von Burghausen bzw. Passau auf Altötting? Was bedeutet Ihnen die Gnadenmutter?
Msgr. Fischer: Die Gnadenmutter ist mir von zuhause her sehr vertraut; schon als Kind habe ich ein ungebrochenes Verhältnis zur Muttergottes von Altötting gehabt. Ich hatte übrigens auch schon sehr früh einen engen Bezug zur Marianischen Congregation: Ich war Mitglied der "MC – Studierende Jugend". Als Seelsorger und Theologe ist mir gerade auch die emotionale Seite der Religion sehr wichtig, die sich leider oft außerhalb der amtlichen Kirchlichkeit vorfindet. Viele Menschen sind in diesem Sinne religiös, jedoch ohne kirchlich zu sein. Hierbei ist es wichtig, die theologische Vernunft mit dem Gemüt wieder zusammenzuführen und auszusöhnen. Dies ist auch eine Chance für den Wallfahrtsort Altötting. Die Gottesmutter Maria war übrigens auch die erste Beterin der Kirche – allein schon deshalb könnten wir uns nie von ihr trennen!

Sowohl über Ihren Vorgänger, Prälat Furtner, als auch nun über Sie ist das Marienwerk gut an die Diözese Passau angebunden. Wie wichtig ist das für die Arbeit und die Zukunft des Marienwerks, wo sehen Sie Berührungspunkte?
Msgr. Fischer: Es war dem Bischof und dem Generalvikar sehr recht, dass ich als Mitglied des Domkapitels dieses Amt übernehme. Die Anfrage aber kam vom Vorstand in Altötting. Grundsätzlich habe ich als Leiter des HdB in Burghausen die Erfahrung gemacht: wenn eine kirchliche Institution wirklich Erfolg haben will, dann muss sie allein schon aus strukturellen Gründen mit dem Bistum zusammenarbeiten.

Msgr. Josef Fischer: "Dass wir eine qualitativ hochwertige Kirchenmusik fördern, harmoniert ganz natürlich damit, dass wir uns als Gebetsgemeinschaft verstehen"

Die Kirchenmusik ist ein wesentliches Element des Altöttinger Marienwerkes. Aushängeschild sind sicherlich die Altöttinger "Kapellsingknaben und Mädchenkantorei", die weit über Bayern hinaus bekannt sind.
Die Kirchenmusik ist ein wesentliches Element des Altöttinger Marienwerkes. Aushängeschild sind sicherlich die Altöttinger "Kapellsingknaben und Mädchenkantorei", die weit über Bayern hinaus bekannt sind (im Bild bei einem Konzert im Jahr 2011).
Der Kapellchor der Bischöflichen Administration und das Kapellorchester des Altöttinger Marienwerkes unter der Leitung von Kapellmeister Max Brunner gestalten Festgottesdienste am Wallfahrtsort hochprofessionell.
Der Kapellchor der Bischöflichen Administration und das Kapellorchester des Altöttinger Marienwerkes unter der Leitung von Kapellmeister Max Brunner gestalten Festgottesdienste am Wallfahrtsort hochprofessionell.
Das "Ensemble Altes Blech" gestaltete den Ave-Mariengruß vor der Hl. Kapelle am "Tag des Altöttinger Marienwerkes heuer am 10. September.
Das "Ensemble Altes Blech" gestaltete den Ave-Mariengruß vor der Hl. Kapelle am "Tag des Altöttinger Marienwerkes heuer am 10. September.

Generalvikar Klaus Metzl hat das Marienwerk bei Ihrer Einführung als ein Netzwerk des Glaubens, als ein Instrument der Neuevangelisierung bezeichnet. Worin spiegelt sich für Sie die Bedeutung des Marienwerks für die Marienverehrung, den Glauben im Allgemeinen und den Wallfahrtsort Altötting im Besonderen wider?
Msgr. Fischer: Bereits bei meiner Predigt zum "Tag des Marienwerks" am 10. September habe ich bewusst betont, dass wir uns als eine Gebetsgemeinschaft verstehen. Beide Aspekte sind hierbei wichtig: das Gebet und der Grundgedanke einer Gemeinschaft. Mit der Kraft des gemeinsamen Gebets wollen wir der zunehmenden Vereinzelung in unserer Gesellschaft entgegenwirken. Auch dass wir eine qualitativ hochwertige Kirchenmusik fördern, harmoniert ganz natürlich mit diesem Anliegen, denn es heißt ja nicht umsonst: "Gesungen ist doppelt gebetet". Wichtig in diesem Zusammenhang ist für mich vor allem auch die historisch gewachsene (Pfarr-)Vereins-Struktur des Marienwerks: wir haben auch heute noch vor Ort in den Pfarrgemeinden ehrenamtliche Mitarbeiter, die Mitglieder des Marienwerks betreuen. So können wir auf die Lebensgeschichte jedes Einzelnen achten und dennoch deutlich machen, dass wir alle in einem Raum Platz haben. So ist das Marienwerk natürlich auch eine Brücke zur Wallfahrt: über die Anliegen an die Gnadenmutter von Altötting, die uns täglich erreichen und die wir an die Gnadenkapelle weitergeben, bleiben Pilger auch über weite Entfernungen mit dem Wallfahrtsort verbunden. Diese Vereins-Struktur des Marienwerks mit Kontakt zur Muttergottes in der Gnadenkapelle ist meines Wissens einmalig in Europa.

Welche Aufgaben des Marienwerks stehen für Sie im Fokus Ihrer Arbeit, Herr Herrmann?
Herrmann: Oberste Prämisse ist es, den Gedanken der Gebetsgemeinschaft und die Förderung der Wallfahrt – auch verwaltungstechnisch – so gut wie möglich zu unterstützen. An zweiter Stelle kommt die Kirchenmusik: Wir sind ja nicht nur für das Kapellorchester verantwortlich, sondern die Stiftung ist auch Träger der "Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei" (KSK) und bieten in unserer 2003 eingerichteten Singschule, der Ausbildungsstätte unserer Kinder und Jugendlichen der KSK, auch Instrumentalunterricht an. Dann wollen wir natürlich für die museal völlig neu konzipierte Dioramenschau und die Marienfilme in unserem Haus verstärkt werben. Unsere kunstvoll gestaltete Kreuzweganlage hinter der Stiftspfarrkirche soll zukünftig mehr Wahrnehmung erfahren – unter anderem als Ort der Ruhe und Besinnung in unmittelbarer Nähe zum Kapellplatz. Sehr wichtig ist mir die Kooperation mit den anderen Institutionen und Gemeinschaften am Kapellplatz, die in jeder Hinsicht gestärkt werden muss. Hier gibt es viele mögliche Formen der Zusammenarbeit, von denen alle profitieren können.

Es ist kein Geheimnis, dass sich das Marienwerk – wie wohl alle kirchlichen Institutionen – schwer tut, neue Mitglieder zu finden. Ihre Mitgliederzahl ist in den vergangenen Jahren auf etwa 58.000 zurückgegangen. Wie wollen Sie beide dieser Entwicklung entgegentreten? Welche Maßnahmen sind eventuell schon konkret geplant?
Msgr. Fischer: Hierbei wollen wird den Blick zunächst nach innen richten und die Daten, die wir haben, genau analysieren. Nach wie vor haben wir ja noch viele Mitglieder, um die wir uns kümmern. Darüber hinaus müssen wir aber unbedingt überlegen: wo sind die Menschen, die als Christen mit der Kirche denken und fühlen und die wir für ein gemeinsames Anliegen gewinnen können? Hierbei ist es wichtig, nicht zum hunderttausendsten Mal dieselben Menschen anzusprechen, sondern auch auf andere zuzugehen. Wir müssen den Menschen mehr zutrauen – auch in religiöser Hinsicht; die wenigsten dürften "religiös unmusikalisch" sein. Wir wollen auch bei vermeintlich "unwahrscheinlichen" Menschen um ihr Engagement werben.
Herrmann: Nur kurz zur Information: wir registrieren auch in den vergangenen Jahren sowie aktuell noch immer jährlich 600 und mehr Neu-Eintritte, nur können diese die Anzahl der verstorbenen Mitglieder bei weitem nicht kompensieren. Konkret konnten wir erst vor kurzem einige neue Mitglieder werben, denen wir nach einem Konzert der "Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei" in Aschaffenburg unsere Flyer gegeben haben. Die Anknüpfungspunkte und Motivation, dem Altöttinger Marienwerk beizutreten, sind sehr vielfältig. Ich denke, die Bandbreite und die Vielfältigkeit des Marienwerkes müssen wieder viel mehr ins Bewusstsein der Leute. Wir haben auch vor, wieder mehr in die Pfarreien zu gehen und uns vor Ort zu präsentieren. Unser Mitgliederstamm verteilt sich über ganz Süddeutschland. Neben Bayern und Baden-Württemberg, haben wir auch sehr viele Mitglieder in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Westen von Deutschland. Vor kurzem erst hatten wir Mitglieder aus Köln und Essen bei uns zu Besuch, die die heilige Messe in der Gnadenkapelle zu "Ehren Unserer Lieben Frau von Altötting" feierten.
Msgr. Fischer: Gerade bei der Kirchenmusik, die hier in Altötting so gut aufgestellt ist, müssen wir auch mehr Klartext reden und den Leuten deutlich machen: Die Musik fällt nicht vom Himmel.

Das Altöttinger Marienwerk: eine sehr traditionsreiche Einrichtung am Wallfahrtsort Altötting

Msgr. Josef Fischer und Josef Herrmann vor dem Gebäude des Altöttinger Marienwerkes am Kapellplatz.
Msgr. Josef Fischer (l.) und Josef Herrmann vor dem Gebäude des Altöttinger Marienwerkes am Kapellplatz.

Eine "Baustelle" jedenfalls ist bereits geschlossen: In Altötting selbst ist das Gebäude des Marienwerks am Kapellplatz in den zurückliegenden Jahren grundlegend renoviert und umgebaut worden. Unter anderem wurde die Präsentation und Zugänglichkeit der berühmten Dioramenschau verbessert. Die Schau und auch die Marienfilme sind ein Pfund, mit dem sich wuchern ließe. Wie kann es gelingen, mehr Menschen darauf aufmerksam zu machen – vor Ort in Altötting selbst (z.B. durch bessere Beschilderung) und überregional?
Herrmann: Ohne Zweifel ist dies ein nächster wichtiger Schritt nach dem Umbau, zu zeigen: was ist denn eigentlich in dem Gebäude. In diesem Zusammenhang haben wir etwa erst in den vergangenen Sommerferien im Rahmen des "Ferienpasses" Führungen für Kinder durch die Dioramenschau durchgeführt – mit sehr guter Resonanz. Bereits seit längerem können in Kombination mit den von der Stadt Altötting organisierten Stadtführungen auch Museumsbesuche gebucht werden. Im Sinne der bereits angesprochenen Stärkung der Kooperation am Kapellplatz gibt es mehrere Überlegungen, etwa wie das Potenzial unseres Filmsaals auch für andere Gemeinschaften genutzt werden kann, z.B. wird dort im kommenden Jahr anlässlich der 200 Jahr Feier zur Geburt des heiligen Br. Konrad ein Film über das Leben und Wirken des Br. Konrad regelmäßig gezeigt. Wir sind hier in enger Abstimmung mit den Kapuzinern. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an konkreten Überlegungen, wie wir unsere Außendarstellung verbessern können, etwa durch Werbung, auch im Internet.

Zum Abschluss: Wenn Sie einen oder mehrere Wünsche für Ihre Tätigkeit beim Marienwerk formulieren dürften: welche wären das?
Msgr. Fischer: Gute ehrliche Begegnungen – intern und extern.
Herrmann: Mich hat man in Altötting überall mit offenen Armen empfangen. Ich wünsche mir, dass diese Offenheit bleibt und dass wir – am Kapellplatz, aber auch darüber hinaus – weiterhin gut kooperieren und das Gemeinsame weiter ausbauen.

Interview: Wolfgang Terhörst und Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

 

Das Altöttinger Marienwerk ist eine sehr traditionsreiche Einrichtung am Wallfahrtsort Altötting: Prälat Ludwig Uttlinger, dem Seelsorger und damaligen Stiftskapellmeister am Wallfahrtsort, gelang es bereits im Jahr 1946, kurz nach dem II. Weltkrieg, mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung die Altöttinger Musikgemeinde zu gründen. 1955 ging aus ihr das Altöttinger Marienwerk hervor, ein gemeinnütziger Verein, der sich in erster Linie als Gebetsgemeinschaft versteht und die Marienverehrung sowie die Wallfahrt fördert. Die Pflege der traditionellen Kirchenmusik ist nach wie vor eines der Hauptaugenmerke des Vereins und der 1999 gegründeten Stiftung; unter dem Dach des Marienwerks probt nicht nur das Kapellorchester; die Marienwerks-Stiftung ist auch Träger der "Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei" (Internet: www.kapellsingknaben.de). Außerdem brachte das Marienwerk Marienfilme heraus und es beherbergt die Dioramenschau, die in insgesamt 22 dreidimensionalen Schaubildern und -kästen entscheidende Szenen der Altöttinger Wallfahrts- und Stadtgeschichte beleuchtet. Die Öffnungszeiten des Altöttinger Marienwerkes, Kapellplatz 18, sind von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und Montag bis Donnerstag von 13 bis 17 Uhr; Samstag/Sonntag/Feiertage: 10 Uhr bis 15:00 Uhr, sowie auf Anfrage. Mehr Infos im Internet unter www.altoettinger-marienwerk.de

Zur Person

Msgr. Josef Fischer (im Bild mit der Gnadenbild-Kopie beim Ave-Mariengruß vor der Hl. Kapelle am „Tag des Altöttinger Marienwerkes“ am 10. September) wurde am 11. Dezember 1948 in Marktlberg (Ldkr. Altötting) geboren und besuchte in Gumpersdorf die Volksschule. Nach dem Abitur in Passau studierte er Theologie in Passau und Münster/Westfalen, wurde 1974 im Passauer Dom zum Priester geweiht und feierte in Zeilarn mit seiner Heimatpfarrei Primiz. Zunächst war er Kaplan im Pfarrverband Aufhausen, und dann Subregens am Passauer Priesterseminar. In den 1980er-Jahren baute er die Gemeindeberatung für Pfarrer, pastorale Mitarbeiter und die Pfarrgemeinden im Bistum auf und war gleichzeitig Pfarrer in Dommelstadl bei Passau. Seit 1990 ist er Direktor des Hauses der Begegnung "Heilig Geist" in Burghausen. Seit August 2000 wirkt er zusätzlich als Domkapitular in Passau und ist mit der Aufgabe des Ordensreferenten und des Leiters der theologischen Fortbildung und beruflichen Begleitung der Priester, Ständigen Diakone und Pastoralen Mitarbeiter betraut.

Josef Herrmann (im Bild als Kantor beim Festgottesdienst am "Tag des Altöttinger Marienwerkes am 10. September) wurde am 10. Mai 1969 in Regensburg geboren. Zwischen 1979 und 1988 besuchte er das Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen, wo er auch Klavier und Orgel lernte. Nach seiner Bundeswehr-Zeit in Landshut studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Regensburg und schloss 1995 als Diplom-Kaufmann ab. Er arbeitete zunächst in einer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei in München, ehe er 2003 zur OMV Deutschland GmbH nach Burghausen wechselte; seit 2011 war er dort auch Mitglied der Geschäftsleitung. Bereits seit 2007 lebt der verheiratete Vater einer Tochter in Altötting, wo er sich u.a. als ehrenamtlicher Pilgerbetreuer am Kapellplatz engagiert; seit mehreren Jahren ist er Vorsitzender des Fördervereins der "Kapellsingknaben und Mädchenkantorei".