Altöttinger Liebfrauenbote

Hubertusmesse in der St. Anna-Basilika – Predigt von Kapuzinerpater Norbert Schlenker

Auf der "Jagd" nach Gott

Dass eine Jagd sehr viel mehr sein kann als Vergnügen und Zerstreuung und dass sie ein Ziel haben muss, erklärte Kapuzinerpater Norbert Schlenker am 4. November bei der alljährlichen Hubertusmesse in der St. Anna-Basilika, die die Jagdhornbläser der Kreisgruppe Altötting eindrucksvoll musikalisch gestalteten.

Die Jagdhornbläser bei der Hubertusmesse in der St. Anna-Basilika.
Die Jagdhornbläser bei der Hubertusmesse in der St. Anna-Basilika.

Hubertus von Lüttich, Patron der Jäger, Forstleute und Schützen, ist ein beliebter Heiliger in Bayern, und die traditionelle Messe rund um seinen Gedenktag im deutschen Sprachgebiet am 3. November gerne besucht – zur traditionellen Hubertusmesse in Altötting kamen heuer über 900 Gläubige. Gut war die Bläsermusik, schön anzusehen der "waidmännische" Altarschmuck, zusammengestellt von Michael und Sonja Jansen, und aufrüttelnd war die Predigt: "Sind wir auf der Jagd nach Gott?", fragte P. Norbert. Suchen wir überhaupt noch nach einem tieferen Sinn im Leben wie dies der hl. Hubertus tat?

"Jäger können warten, beobachten, die Stille aushalten und sie können im konturlosen Dickicht ihr Ziel ausmachen"

P. Norbert Schlenker bei der Eucharistiefeier.
P. Norbert Schlenker bei der Eucharistiefeier.

Der stellvertretende Wallfahrtsrektor P. Norbert äußerte sich skeptisch mit Blick auf die vielen Jagden nach dem schnellen Glück oder den "letzten Kick"; erst recht beim Blick auf "Treibjagden" unter Menschen – ja, der Mensch könne dem Menschen ein Wolf sein, stellte er mit Verweis auf einen Ausspruch des Philosophen Thomas Hobbes fest. Ein wunderbares Gegenbeispiel zu diesen sinnlosen Jagden ist die Legende des hl. Hubertus, dem ein "Schlüsselerlebnis" widerfuhr, als ihm auf der Jagd ein mächtiger Hirsch mit dem Kruzifix zwischen dem Geweih erschien; P. Norbert erinnerte: "Der wirre Knoten seines Lebens wird von außen gelöst. Nicht die Jagd, sondern die wundervolle Begegnung weist Auswege. Im Tier leuchtet das Zeichen der Erlösung auf; Kreuzverehrung mitten im Wald, an einem Ort, wo man mit solchen Begegnungen nicht rechnet. Im Mittelpunkt des Hubertustages steht eine Bekehrung, ein Sinneswandel, ein Mensch, der erkennt, was es mit seinem Leben auf sich hat, damit er es nicht vergebens lebt."

Ausführlich schilderte P. Norbert, was eine gute Jagd ausmache: "Jäger haben Beute vor Augen. Aber sie ballern nicht wild drauflos. Es gehört zu ihrer Aufgabe, dem Wild Ruheräume zu schaffen, Schonfristen zu gönnen. Leben braucht Schonungen, Biotope, Rückzugsgebiete, Refugien." Außerdem: "Jäger können warten, beobachten, die Stille aushalten und sie können im konturlosen Dickicht ihr Ziel ausmachen ..." Und schließlich: "Gott sei Dank gibt es Jagdhornbläser und ihre Signal- und Weckrufe. Manchmal muss man zum Aufbruch und zur Sammlung gerufen werden, wie die Glocken die Gläubigen zum Gottesdienst sammeln. Manchmal müssen uns Fanfaren aufhorchen lassen, sie müssen uns zur Besinnung bringen, die Jagd zu beenden, die Hetzjagd, die Treibjagd."

Hubertus ist "Nothelfer in dieser Zeitkrankheit, die alles will, und zwar sofort"

Kapuzinerpater Norbert Schlenker mit den Jagdhornbläsern der Kreisgruppe Altötting in der Basilika.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker (l.) mit den Jagdhornbläsern der Kreisgruppe Altötting in der Basilika.

P. Norbert erklärte: der heilige Hubertus sei "Nothelfer in dieser Zeitkrankheit, die alles will, und zwar sofort". In einem entscheidenden Moment seines Lebens habe der Heilige verstanden, "dass nicht er die Krone der Schöpfung ist, sondern Christus, der ihm in der 'Krone' des Hirsches entgegenleuchtete". Hubertus habe im Geschöpf die Spur des Schöpfers entdeckt. P. Norbert fasste zusammen: "Und dann geht er hin, legt weltliche Ämter nieder, verschenkt das Vermögen, zieht sich in die Einsamkeit der Ardennen zurück, wird Priester, geht auf Romwallfahrt, erfährt von der Ermordung des Lambertus, wird auf Wunsch des Volkes zum Bischofsamt gedrängt und stirbt nach segensreicher Tätigkeit am 30. Mai 727." Wann seine Schlüsselbegegnung mit dem Hirsch im Walde stattgefunden habe – "irgendwann um 675" –, sei nicht genau überliefert. Doch auch dies habe eine Botschaft: "Wir wissen nie genau, wann uns Gott in den Weg tritt. Jesus sagt uns im Evangelium: 'Der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet!' (vgl. Lk 12,40)" Und eben jener Herr sei "das letzte und eigentliche Ziel, das ins Visier zu nehmen ist".

Am Ende resümierte P. Norbert: "Im Zeichen des Kreuzes haben ein Paulus, ein Hubertus, ein Bruder Konrad und viele andere den Sinn ihres Lebens entdeckt und sie haben damit zur Fülle des Lebens gefunden. Mögen auch wir in unserer unruhigen Zeit, die geprägt ist von der Jagd nach Glück, in der Begegnung mit dem Herrn neu Erfüllung und den Weg finden, den der Herr uns im Evangelium zeigen will."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner