Altöttinger Liebfrauenbote

Die Kapuziner wollen ihre Kräfte in Altötting stärker bündeln – Schließung von St. Magdalena geplant

"Dieser Ort ist uns wichtig"

Auf dem jüngsten Provinzkapitel im Juni vergangenen Jahres haben die Kapuziner weitreichende Beschlüsse zur Zukunft des Ordens in Deutschland gefasst. Weil die Gemeinschaft immer älter wird und Berufungen nicht ausreichender Zahl erfolgen müssen die Kräfte gebündelt werden. Das bedeutet unter anderem auch die Schließung ganzer Klosterstandorte. Altötting jedoch soll jedoch in jedem Fall erhalten bleiben als spirituelles Zentrum und Heimat des hl. Br. Konrad.

Provinzial Br. Marinus Parzinger (M.), Guardian Br. Norbert Schlenker (l.) und Bauleiter Manfred Schwaiger (r.) in der St. Konradkirche, deren umfassende Neugestaltung in Kürze beginnt.
Provinzial Br. Marinus Parzinger (M.), Guardian Br. Norbert Schlenker (l.) und Bauleiter Manfred Schwaiger (r.) in der St. Konradkirche, deren umfassende Neugestaltung in Kürze beginnt.

Dies bekräftigten Provinzial Br. Marinus Parzinger und Guardian Br. Norbert Schlenker in einem Gespräch mit dem Altöttinger Liebfrauenboten am 12. Mai – die in Kürze beginnende groß angelegte Renovierung der St. Konrad-Kirche setzt dazu das passende Ausrufezeichen. Dennoch wird es auch am Gnadenort Verluste geben: das Kloster St. Magdalena soll, so der bisherige Zeitplan, bis zum Jahr 2022 in eine andere Trägerschaft übergeben werden.

"Altötting ist ein Schwerpunktort, wo wir langfristig bleiben wollen", unterstreicht Br. Marinus. Doch auch dieser Ort müsse sich verändern, wolle er weiter im Sinne der Ordensgemeinschaft leistungsfähig bleiben. Die zumeist älteren Mitbrüder seien durch vielfältige Aufgaben in der Seelsorge (Wallfahrt, Beichte, Männerkongregation, Dienste in den Pfarrgemeinden) stark gefordert. Gerade in der Wallfahrtspastoral "sind wir entschieden dafür, zusammenzuarbeiten", so der Ordensprovinzial – und ergänzt: "Wir wollen vom Ziel her denken, vorausschauen". Er kann sich zum Beispiel gut die Kooperation mit anderen Gemeinschaften/Einrichtungen am Ort vorstellen sowie eine deutlich stärkere Einbindung von Laien. Besonders mit Blick auf die notwendige Abgabe des St. Magdalenaklosters betonte Br. Marinus jedoch: "Es ist uns nicht egal, was passiert!" Da lege man sich am Ende auch nicht ganz genau auf eine Jahreszahl fest, wichtig sei eine spirituelle Nutzung des Klosters unmittelbar am Kapellplatz, "die der Wallfahrt vor Ort dient". St. Magdalena selbst beispielsweise solle möglichst Beichtkirche bleiben. Insgesamt gehe es um ein stimmiges Gesamtkonzept, inhaltlich wie wirtschaftlich. "Wir wollen keinen Unfrieden stiften, aber unsere Sache vertreten", so Br. Marinus: "Dieser Ort ist uns wichtig!". Der Ball liege nun beim bischöflichen Ordinariat in Passau, erläutert der Guardian von St. Magdalena und St. Konrad, Br. Norbert. Dabei gebe es keine fertigen Lösungen, fügt Br. Marinus hinzu: "Wir sind gesprächsbereit".

Mit dem dann verbleibenden Konvent St. Konrad wolle man in jedem Fall weiter ganz im Sinne des heiligen Klosterbruders Gastfreundschaft pflegen, erklärt Br. Norbert. Schon aus Platzgründen wird man dann so manches Engagement nicht im bisherigen Umfang beibehalten können, etwa die Betreuung von Flüchtlingen. Die 2014 in Altötting angesiedelte Berufungspastoral ist inzwischen bereits dezentralisiert worden – es gibt Angebote an verschiedenen Standorten in Teamarbeit, koordiniert von Br. Stefan Walser. In jedem Fall aber sieht Kapuzinerprovinzial Br. Marinus Parzinger die Veränderungen nicht nur negativ: "Wir haben Reduzierung, ja, aber wir entdecken Chancen, die wir vorher nicht gesehen haben." Chancen der Konzentration und der Kooperation.

Text und Foto: Wolfgang Terhörst