Altöttinger Liebfrauenbote

Klausur deutschsprachiger Wallfahrtsrektoren in Altötting

"Wir passen zusammen"

Im deutschsprachigen Raum sind neben Altötting auch Kevelaer, Mariazell (Österreich) und Einsiedeln (Schweiz) als Marienwallfahrtsorte von überregionaler Bedeutung. Die Wallfahrtsrektoren dieser vier großen Gnadenorte sind nun auf Einladung von Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl zu einer Klausur vom 15. bis 17. März in Altötting zusammengekommen. Der Erfahrungsaustausch, die Intensivierung des derzeit losen Kontaktes und eine gemeinsame Pastoral waren die Leitlinien für diese 1. Wallfahrtsklausur.

Gruppenbild der Wallfahrtsrektoren.
Gute Stimmung unter den Vertretern der größten deutschsprachigen Marienwallfahrtsorte (v.l.n.r.): P. Michael Staberl (Mariazell), P. Norbert Schlenker, Prälat Günther Mandl (beide Altötting), Domkapitular Rolf Lohmann (Kevelaer), Diakon Thomas Zauner (Altötting), P. Christoph Pecolt (Mariazell) und P. Philipp Steiner (Einsiedeln).

Das Zusammentreffen am Gnadenort sollte der Auftakt für eine zukünftige geistliche Arbeitsgemeinschaft nach dem Modell der Shrines of Europe sein. Unter dieser Marke sind die großen Marienwallfahrtsorte Europas bereits seit über 20 Jahren auf der kommunalen Ebene verbunden. "Macht doch mal was", habe ihm Bürgermeister Herbert Hofauer gesagt, so Prälat Mandl: "Und da hat er Recht!" Man habe sich gemeinsam mit dem stellvertretenden Altöttinger Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker und Diakon Thomas Zauner intensiv ausgetauscht und dabei festgestellt: "Wir passen gut zusammen". Menschlich verstehe er sich bestens mit seinen Kollegen Domkapitular Rolf Lohmann von Kevelaer (Nordrhein-Westfalen), Superior Pater Michael Staberl OSB von Mariazell (Österreich) und Pater Philipp Steiner OSB von Einsiedeln (Schweiz). Darüber hinaus stünden alle auf dem Boden des zweiten Vatikanischen Konzils – gleichermaßen traditionsbewusst und bereit, immer wieder Neues zu versuchen. Schon das Vatikanum habe in der abschließenden Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" von der Kirche gefordert, allzeit "nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten". In diesem Sinne wolle man sich nun einmal im Jahr treffen, um gemeinsam nach Ansätzen zu suchen, um die Herausforderungen an katholische Wallfahrtsorte im Lichte der fortschreitenden Säkularisierung zu meistern. Die nächste Klausur findet 2018 in Mariazell statt.

Gerade die unterschiedliche Tradition und Ausprägung der Wallfahrt in den vier Orten könne bereichernd sein, so Wallfahrtsrektor Mandl. Sein Kollege P. Philipp Steiner aus Einsiedeln erklärte, dass die dortige Wallfahrt sehr traditionell geprägt sei und die Identität der Eidgenossenschaft stark geprägt habe. Umgekehrt sei die Schweiz aber ein stark säkulares Land, der Übergang vom Touristen zum Pilger verlaufe in Einsiedeln oft fließend. Hinzu kämen viele Arbeitsmigranten aus verschiedenen Ländern mit ihren jeweiligen kulturellen Hintergründen. Kevelaer wiederum besitze einen stark europäischen Akzent, betonte Domkapitular Rolf Lohmann. Ein Viertel aller Pilger komme aus den Benelux-Staaten. Grundsätzlich spiele der Trost-Gedanke in Kevelaer eine große Rolle: "Mit Blick auf das Gnadenbild von Maria, "Trösterin der Betrübten", kommen Menschen zu uns, die Trost suchen". Obwohl die Pilger noch zu 60 Prozent in Gruppen kämen, so Lohmann, müsse man doch auch in Kevelaer zunehmend über niederschwellige Angebote für Individualpilger und Menschen nachdenken, die der Kirche nicht so nahe stünden.

Evangelisierung in einer säkularen Zeit

Diskussion unter den Wallfahrtsrektoren.
Viel Gesprächsbedarf: Gemeinsam wollen sich die Wallfahrtsrektoren den Herausforderungen der Zukunft stellen.

Für Mariazell schließlich habe die Beziehung zu den mitteleuropäischen Staaten im Osten eine große Bedeutung, schilderte Superior P. Michael Staberl. Es gebe einen völkerverbindenden Aspekt basierend auf der gemeinsamen Vergangenheit in der ehemaligen Habsburger Monarchie. "Wir sind der größte ungarische Wallfahrtsort", machte Staberl auf einen überraschenden Aspekt aufmerksam. Als Herausforderung sah er wie seine Kollegen die Säkularisierung, aber auch die Abgelegenheit Mariazells, die es beispielsweise erschwere, genügend ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden.

Zum Abschluss ihrer Klausur in Altötting verabschiedeten die vier Wallfahrtsrektoren eine Resolution mit gemeinsamen Herausforderungen und Fragestellungen. Dazu zählen die Stärkung einer Willkommenskultur, die bessere Zusammenarbeit untereinander, die Rolle Mariens ("wie können wir marianisch sein, ohne in eine Schieflage zu geraten" – schließlich sei immer Jesus das Ziel), abgestufte – auch niederschwellige – liturgische Angebote, die Förderung der Kirchenmusik, die Einbindung von Kindern und Jugendlichen. Der übergeordnete Gedanke müsse immer sein, wie Evangelisierung in einer säkularen Zeit gelingen könne, so Prälat Mandl. Dabei gebe es durchaus auch eine politische Dimension – schließlich sei die Diskussion um den europäischen Gedanken und damit verbundene gemeinsame Werte heute drängender denn je. Die Resolution soll auch den jeweiligen Bischöfen zugehen, als Zeichen der Verbundenheit, betont Wallfahrtsrektor Mandl: "Wir stehen an Ihrer Seite, und an der Seite des Papstes!"

Text und Fotos: Wolfgang Terhörst