Altöttinger Liebfrauenbote

Altöttinger Pfarrkirche St. Josef feiert 50. Geburtstag

"Seht Gottes Zelt auf Erden"

Die Altöttinger Pfarrkirche St. Josef feiert am 19. März ihren "50. Geburtstag". Die junge Kirche nahe des altehrwürdigen Marienheiligtums ist den Altöttinger Gläubigen längst ans Herz gewachsen und lohnt auch einen Besuch für Pilger.

Blick vom Taufbecken in den Kircheninnenraum.
Blick vom Taufbecken in den Kircheninnenraum.
Blick vom Altar in den Kircheninnenraum.
Blick vom Altar in den Kircheninnenraum.

"Zelt Gottes unter den Menschen", überschrieb der "Bote" Nr. 44 im Jahr 1967 sein Portrait der frisch geweihten Kirche St. Josef und manch Leser mag sich damals vielleicht gedacht haben: "Ui, noch eine Pilgerkirche ... Haben denn die Altöttinger derer nicht schon genug?" Freilich, an Kirchen mangelte es in der Wallfahrtsstadt auch damals schon nicht – nicht auf dem Platz und in den Klöstern und Gemeinschaften rund um das altehrwürdige Marienheiligtum, jedoch schon in der rasch wachsenden Gegend südlich der Bahnlinie. Aus "Fünfhausen" – so nannte der Volksmund Altötting-Süd scherzhaft, weil dort um die Jahrhundertwende nur fünf Anwesen gestanden hatten – war durch die Neu-Ansiedlung vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg ein eigener Stadtteil geworden, in dem Mitte der 1960er-Jahre bereits rund ein Viertel der Altöttinger Bürger lebte – und diese Neu-Bürger wollten lieber ein eigenes "Zelt Gottes" als ständig über eine seinerzeit schlechte Verbindung in die rund zwei Kilometer entfernte Stiftspfarrkirche laufen zu müssen. Und so entstand eine neue Pfarrkirche, die passend zum nahen altehrwürdigen Marienheiligtum dem heiligen St. Josef geweiht wurde.

Heute freilich ist Altötting viel mehr zusammengewachsen, auch auf Pfarrei-Ebene (siehe Interview unten). Zwar ist St. Josef nicht in erster Linie als Kirche für Pilger gedacht – dennoch ist auch Wallfahrern ein Besuch des Gotteshauses zu empfehlen. Allein schon deshalb, weil der zeltartige Bau der Kirche an das im II. Vatikanischen Konzil geprägte Bild des "pilgernden Volkes Gottes" erinnert. Aber auch, weil es gelang "ein Bauwerk zu schaffen, das den Stempel unserer Zeit trägt und trotzdem Tradition und Herkommen nicht verleugnet", wie es Matthias Geyer in der Festschrift zur Einweihung der Kirche im Oktober 1967 formulierte – als Pfarrkurator war Geyer zwischen 1963 und 1967 maßgeblich für den Bau der Kirche verantwortlich und danach über zwei Jahrzehnte lang Pfarrer in St. Josef.

"Nichts trennt nun mehr Gemeinde und Liturgen (...) und ganz klar ist der Altar allein der Tisch des Herrn."

Der Tabernakel verbindet die Kirche mit der angrenzenden Rupertikapelle.
Der Tabernakel verbindet die Kirche mit der angrenzenden Rupertikapelle.

Die von Matthias Geyer angesprochene Zeit war eine Zeit des Aufbruchs nach dem II. Vatikanischen Konzil und dessen Leitgedanken etwa zur Liturgie sind klar erkennbar. In dem quadratisch errichteten Kirchenraum bildet der Altar ganz klar den Mittelpunkt, um den sich die Gemeinde wie in einem Halbkreis versammeln kann. Priesterbank und Ambo sind etwas zurückversetzt, sodass alle auf den Kirchenbänken die (Kon-)Zelebranten, Ministranten und Lektoren im Blick haben, die den Kreis um den Altar schließen. Architekt Peter Leonhardt schrieb dazu in der Festschrift von 1967: "Nichts trennt nun mehr Gemeinde und Liturgen (...) und ganz klar ist der Altar allein der Tisch des Herrn."

Großen Wert legte der Architekt auch auf den Tabernakel, der "wie ein Edelstein" an der Stirnwand der Kirche nicht nur im Kirchenraum von allen gut sichtbar sei, sondern auch von der angrenzenden Rupertikapelle aus geöffnet werden könne und so "einen ganz intimen und festlichen Ort" erhalte, "der zur persönlichen Andacht und Verehrung einlädt".

Zwölf Bildern auf Glas unter dem Motto "Der Herr ist im Kommen"

Dieses Glasfenster zeigt "Das Letzte Abendmahl".
Dieses Glasfenster zeigt "Das Letzte Abendmahl".

"Seht Gottes Zelt auf Erden! Verborgen ist er da; in menschlichen Gebärden bleibt er den Menschen nah (...)", heißt es in der modernen Fassung des Kirchenlieds "Ein Haus voll Glorie". Andächtiges Gebet und feierliche Eucharistie in einem "Zelt" mag sich mancher vielleicht etwas ungemütlich vorstellen, nicht jedoch in St. Josef. Der Bau, der von außen recht schlicht aussieht, beeindruckt umso mehr im Inneren. Bemerkenswert ist die Größe und Weite des Kirchenraums, dessen Wände – in Gedanken an den Zimmermann St. Josef? – in dunklem und hellem Holz umkleidet sind. Durch die großen Kirchenfenster erhält der große Raum nicht nur Licht und Wärme, der Besucher kann in den insgesamt zwölf Bildern auf Glas unter dem Motto "Der Herr ist im Kommen" eintauchen in wesentliche Ereignisse der biblischen Geschichte – Paradies, Moses, Jesus, Hl. Geist – über die jüngere Kirchengeschichte mit dem II. Vatikanischen Konzil bis hin zur prophezeiten Wiederkunft Christi am jüngsten Tag.

Doch eine Kirche soll kein bloßes Denkmal sein, merkte Pfr. Geyer in der Festschrift von 1967 an. Er wünschte sich "eine blühende, lebendige, aktive Pfarrgemeinde (...), die ihre Kirche schätzt und liebt".

Für eine solche stehen Prälat Günther Mandl, der als Altöttinger Stadtpfarrer auch für die Gemeinde St. Josef verantwortlich ist, sowie die Pfarrgemeinderatsvorsitzende von St. Josef, Maria Stemmer. Im Interview äußern sie sich zum Jubiläum und zu ihren Wünschen für die Zukunft der Kirche:

"Gott wohnt bei uns – Gott geht mit uns"

Auf dem Gruppenbild sind Pfarrvikar Deva Gudipalli, Pfarrgemeinderatsvorsitzende Maria Stemmer und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl zu sehen.
Auf dem Gruppenbild sind (v.l.) Pfarrvikar Deva Gudipalli, Pfarrgemeinderatsvorsitzende Maria Stemmer und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl zu sehen. Übrigens: Heuer feiert nicht nur die Pfarrkirche St. Josef Jubiläum, sondern auch Pfarrvikar Deva Gudipalli wird im März 50 Jahre alt.

Herr Prälat Günther Mandl, liebe Maria Stemmer, die Kirche St. Josef in Altötting-Süd feiert ihr 50. Patrozinium. Was wünschen Sie dem Gotteshaus zum "Geburtstag"?
Maria Stemmer: Eine lebendige, wachsende Pfarrgemeinde!
Prälat Günther Mandl: Ich wünsche dem Gotteshaus St. Josef, dass es weiterhin die Aufbruchsstimmung nach dem Konzil in unserer Diözese und auch am Gnadenort anzeigen möge.

Wer die Kirche von außen betrachtet, dem fällt vor allem das zeltähnliche Dach auf, im Inneren erwartet den Besucher ein hoher Raum mit dem Altar klar erkennbar im Zentrum. Was gefällt Ihnen persönlich an der Kirche?
Maria Stemmer: Ich bin mit dieser Kirche groß geworden – mir gefällt das Weite und Helle, dass z.B. keine Säulen den Blick nach vorne behindern und dass sich die Gemeinde auf drei Seiten um den Altar versammeln kann. Etwas ganz besonderes sind die großen, bunten Fenster, vor allem das Weihnachts- und das Osterfenster auf der Ostseite. Und dann natürlich noch unser schöner Taufbrunnen, aus dem in der Osternacht das Wasser sprudelt – und die liebevoll gestalteten Jahreskrippen in St. Josef und in der Rupertikapelle.
Prälat Günther Mandl: Die Kirche St. Josef greift das Lieblingskirchenbild des II. Vatikanischen Konzils auf: Wanderndes Volk Gottes, Gott wohnt bei uns – Gott geht mit uns! Einmalig sind die schönen aussagekräftigen Fenster zu Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, darunter das Konzilsfenster mit den Bischöfen in der Konzilsaula; in der Tat ist alles auf den Altar und auf den Ambo konzentriert: Tisch des Brotes und Tisch des Wortes.

Pfr. Matthias Geyer, lange Jahre Pfarrer in St. Josef und maßgeblich am Bau der Kirche beteiligt, schrieb in der Festschrift zur Einweihung der Kirche: "Ohne Kirchengemeinde wäre ja die schönste Kirche höchstens ein Denkmal ..." Wie steht es heute um das Gemeindeleben in St. Josef?
Maria Stemmer: Auch 50 Jahre später ist in unserer Gemeinde noch eine Vielzahl an Ehrenamtlichen aktiv, das ist ein schönes und wertvolles Vermächtnis von Pfr. Geyer. Trotzdem mangelt es an vielen Stellen an Nachwuchs, ganz besonders bei den sozialen Diensten wie Caritas, Wohnviertelhelfern oder Altenheimbesuchsdienst. Jede/r, der/die sich engagieren möchte wird von uns mit offenen Armen empfangen!
Prälat Günther Mandl: In den Anfangszeiten unter dem Gründungspfarrer Msgr. M. Geyer war die Kirche überfüllt durch die vielen jungen Familien, die in diesem neuen Siedlungsgebiet in Altötting-Süd wohnten; die Liturgie war sehr niveauvoll und traf den Nerv der 1970er-Jahre; heute sind die Bewohner von Altötting-Süd in die Jahre gekommen, der jugendliche Elan der Gründerjahre ist etwas verflogen; bemerkenswert ist das unermüdliche Engagement vieler treuer Laien, die sich im Ehrenamt, besonders in der Kirchenverwaltung und im Pfarrgemeinderat, um das Gemeindeleben kümmern und uns hauptamtliche Seelsorger entscheidend unterstützen.

"Wir würden jederzeit gerne mehr Pilger in St. Josef willkommen heißen!"

Glasfenster mit einer Darstellung des II. Vatikanischen Konzils.
Glasfenster mit einer Darstellung des II. Vatikanischen Konzils.

Seit 2008 bilden die Pfarreien St. Josef, St. Philippus und Jakobus (Altötting-Stadt) und Mariä Heimsuchung in Unterholzhauses einen einzigen Altöttinger Pfarrverband. Sind die Pfarrgemeinden seither gut zusammengewachsen?
Maria Stemmer: Auf organisatorischer Ebene, wo es notwendig und sinnvoll ist, ja – aktuelles Beispiel ist der Zusammenschluss der beiden Pfarrcaritasvereine St. Josef und St. Philippus u. Jakobus. Ansonsten durften sich dank unseres Herrn Stadtpfarrers alle Pfarreien ein eigenes Gemeindeleben bewahren, was uns auch nach wie vor sehr wichtig ist.
Prälat Günther Mandl: Es war am Anfang nicht ganz leicht, die Befürchtungen zu zerstreuen, dass Altötting-Süd von der Stiftspfarrei "geschluckt" wird; ich habe mich immer bemüht, die Selbständigkeit der drei Pfarreien im Pfarrverband Altötting zu erhalten und die Zusammenarbeit zu fördern, wo es sinnvoll ist und Synergien erbringt; der Pfarrverband ist gut zusammengewachsen, es gibt ein angstfreies Miteinander auf Augenhöhe; die zweimaligen Pfarrverbands-Konferenzen bezeugen sehr deutlich diesen Zustand und Trend.

Die noch recht junge Pfarrkirche St. Josef steht nahe des altehrwürdigen geschichtsträchtigen Marienheiligtums in Altötting. Kommen auch manchmal Pilger nach St. Josef?
Maria Stemmer: Pilger verirren sich eher selten nach St. Josef – eine Ausnahme sind die Wallfahrer aus Pförring, die seit zehn Jahren jeden Pfingstmontag zu uns kommen. Wir würden jederzeit gerne mehr Pilger in St. Josef willkommen heißen!
Prälat Günther Mandl: Darüber hinaus gibt es noch weitere Gruppierungen, die die große Kirche St. Josef aufsuchen, z.B. das Jugendforum der Gemeinschaft Emmanuel in der Osternacht; unsere Schulgottesdienste sind oft auch in St. Josef, besonders die der Haupt- und der Realschule.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Kirche?
Maria Stemmer:
Dass auch jüngere Menschen wieder einen Zugang zum Glauben finden und die Gemeinschaft der Gläubigen wieder wachsen kann.
Prälat Günther Mandl: Ich wünsche dem Gotteshaus, dass es auch in Zukunft am Gnadenort den Geist des II. Vatikanischen Konzils widerspiegeln und in Erinnerung halten möge und der Pfarrgemeinde eine Neubelebung des Gründergeistes, der ursprünglichen Begeisterung für Christus und seine Botschaft, eine Neuevangelisierung, von welcher der Heilige Vater und unser Bischof Stefan bei jeder Gelegenheit sprechen.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner 20, red 1

Daten und Fakten zur Kirche St. Josef

  • Am 30. September 1963 erhielt der damalige Kaplan von Neuötting, Matthias Geyer, den Auftrag zum Kirchenneubau und zum Aufbau einer neuen Seelsorgegemeinde in Altötting-Süd; am 1. Januar 1964 wird Altötting-Süd Pfarrkuratie.
  • Der Bauausschuss der Diözese Passau empfiehlt Dipl.Ing. Peter Leonhardt aus Nürnberg als Architekten – er ist Schwiegersohn von Hans Riehl, der 1945 von der SS in Altötting erschossen wurde.
  • Der Aufbau der Gemeinde beginnt mit einer Baracke als behelfsmäßige Notkirche.
  • Spatenstich zum Kirchenneubau ist am 1. Mai 1965, Grundsteinlegung am 25. Juli 1965.
  • Am 2. Oktober 1967 öffnet der Kindergarten St. Josef seine Pforten.
  • Am 15. Oktober 1967 weiht der damalige Bischofskoadjutor Dr. Anton Hofmann die Kirche.
  • Am 30. Juni 1968 wird die Pfarrkuratie zur Stadtpfarrei erhoben.
  • In der Osternacht 1974 läuten zum ersten Mal die neuen Glocken vom eben fertiggestellten Kirchturm.
  • Der Innenraum der Kirche St. Josef misst 30 mal 30 Meter, die Innenhöhe beträgt 18 Meter, die Dachfirsthöhe 22 Meter. Der Turm ist 26 Meter hoch. In den Kirchenbänken ist Platz für 500 Besucher.
  • Die farbigen Glasfenster malte Robert Rabolt aus München; den Tabernakel schuf Herbert Stern aus Altötting; Altar, Ambo, Priesterbank und Taufstein stammen von Curt Porzky aus Altötting; die Orgel erbaute Franz Wappmannsberger aus Prien.

Termine

  • Sonntag, 19. März, 9.30 Uhr: Festgottesdienst zum 50. Patrozinium.
  • Sonntag, 1. Oktober, 18 Uhr: Benefizkonzert für die Renovierungsarbeiten zum 50. Kirchweihjubiläum.
  • Sonntag, 15. Oktober, 9.30 Uhr: Pontifikalamt mit Bischof Stefan Oster.

Impressionen

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Kirche St. Josef von außen.
Kirche St. Josef von außen.
Darstellung des hl. Josef in der St. Josefskirche.
Darstellung des hl. Josef in der St. Josefskirche.
Darstellung der Muttergottes mit Kind in der St. Josefskirche.
Darstellung der Muttergottes mit Kind in der St. Josefskirche.
Kruzifix in der St. Josefskirche.
Kruzifix in der St. Josefskirche.
Darstellung der Muttergottes mit Kind in der Rupertikapelle.
Darstellung der Muttergottes mit Kind in der Rupertikapelle.
Darstellung des hl. Rupert in der Rupertikapelle.
Darstellung des hl. Rupert in der Rupertikapelle.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Adam und Eva.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Adam und Eva.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Mariae Verkündigung.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Mariae Verkündigung.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Osterchristus.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Osterchristus.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Pfingstereignis.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Pfingstereignis.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Jüngstes Gericht.
Glasfenster in der Kirche St. Josef: Jüngstes Gericht.
Orgel in der St. Josefskirche.
Orgel in der St. Josefskirche.
Blick in die Rupertikapelle.
Blick in die Rupertikapelle.
Kreuzwegdarstellung in der Rupertikapelle.
Kreuzwegdarstellung in der Rupertikapelle.
Kreuzwegdarstellung in der Rupertikapelle.
Kreuzwegdarstellung in der Rupertikapelle.