Altöttinger Liebfrauenbote

Erste Altöttinger Fastenpredigt mit Kapuzinerpater Norbert Schlenker

Freude und Leben in Fülle

Am 9. März hat Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Guardian der Klöster St. Magdalena und St. Konrad sowie stellvertretender Wallfahrtsrektor in Altötting, in der Stiftspfarrkirche die erste Altöttinger Fastenpredigt gehalten. Bereits am Wochenende zuvor hatte P. Norbert die Beziehung von Maria zu ihrem Sohn in Jesu' Kindheitstagen im traditionellen Eucharistischen Stundengebet beleuchtet – und damit die diesjährige Reihe der insgesamt vier Fastenpredigten zum Wallfahrtsmotto 2017 "Mit Maria zu Jesus" eingeläutet. Zum Evangelium über die Hochzeit in Kana (Joh 2,1-12) erklärte er nun, wieso sich Jesus ausgerechnet auf einer Feier offenbarte und was "Marias Vernunft des Herzens" damit zu tun hat.

Kapuzinerpater Norbert Schlenker.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker.

Regelrechte Dorffester seien Hochzeiten in Israel zur Zeit Jesu gewesen, erläuterte P. Norbert. Und wenn der Wein ausging, war der Bräutigam bis auf die Knochen blamiert. So weit der Hintergrund der Geschichte von der Hochzeit zu Kana. Selber schuld der Bräutigam? Maria hätte es auch dabei bewenden lassen können, merkte auch der Prediger an. Doch das tat sie nicht.

Im Gegenteil: Maria sei achtsam gewesen, habe "das Ganze" im Blick gehabt, darunter auch die Verlegenheit des Bräutigams. Es sei dies zurückzuführen auf die "kontemplative Veranlagung Mariens, ihre Kombinationsgabe, der Blick für das Besondere – ein echt fraulicher Zug: den Kern einer Sache nicht nur mit dem Verstand, sondern mit der Vernunft des Herzens erfassen können", erklärte P. Norbert Marias Initiative für die Verwandlung von Wasser zu Wein durch Jesus. Mehr noch: Maria trete als Fürsprecherin der Menschen bei ihrem Sohn auf, und: "Als Mutter möchte sie auch, dass sich die messianische Macht des Sohnes offenbart, nämlich seine erlösende Kraft, die darauf gerichtet ist, dem Menschen im Unglück zu Hilfe zu eilen", erklärte P. Norbert. Und viertens zeige sich Maria als "Wegweiserin": "Was er (Jesus) euch sagt, das tut", habe sie den Menschen mit auf den Weg gegeben.

Weil "jetzt wirklich 'Hochzeit' ist"

Eucharistiefeier mit Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Guardian und stellvertertender Wallfahrtsrektor P. Norbert Schlenker und Stiftskanoniker Johann Palfi.
Eucharistiefeier mit (v.l.) Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Guardian und stellvertertender Wallfahrtsrektor P. Norbert Schlenker und Stiftskanoniker Johann Palfi.

Aber warum der ganze Aufwand für eine Hochzeitsfeier? P. Norbert: Weil "jetzt wirklich 'Hochzeit' ist". Der Prediger erklärte: "Feiern der ehelichen Liebe zwischen Himmel und Erde, zwischen Göttern und Menschen waren bisher Zeichen unerfüllter Wunschträume" – zu oft sei der alte Bund gebrochen worden, "weil Israel anderen Göttern nachgelaufen war". Nun aber sei in Jesus, in "der Menschwerdung des Wortes der neue und ewige Bund begründet worden". P. Norbert: "Mangel und Trauer werden verwandelt in überströmende Fülle und Freude, Wasser wird zu Wein, Notzeit wird zur Hochzeit. Warum? Weil der Messias da ist." In der Hochzeitserzählung von Kana werde "geheimnisvoll und verschlüsselt von der Erlösungsgeschichte der Menschheit berichtet". P. Norbert führte weiter aus: "Ebenfalls mit dem Mahl und mit dem Letzten Abendmahl hat der Wein zu tun. Er ist Zeichen der Freude." Jesus bringe "Freude in Fülle", denn: "Er will, dass wir Menschen das Leben haben und es in Fülle haben."

Besonderes Augenmerk legte P. Norbert auch auf den Schlusssatz dieses Joh-Evangeliums: "... und seine Jünger glaubten an ihn." Der Prediger betonte: "Die Wandlung der Jünger ist dem Evangelisten wichtiger als die des Wassers."

An die Gottesdienstbesucher gewandt erklärte P. Norbert: "Wenn wir diesen Rat Mariens 'Was er euch sagt, das tut' Tag für Tag befolgen, dann finden wir mit Maria zu Jesus und werden gewandelt zu Menschen nach seinem Bild."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Termine der nächsten Fastenpredigten