Altöttinger Liebfrauenbote

Eucharistisches Stundengebet der Kapuziner blickte auf Maria und Jesu' Kindheit

"Maria, Königin der Familien"

Traditionell läutete am 4. und 5. März das Eucharistische Stundengebet der Kapuziner die österliche Bußzeit in Altötting ein. In insgesamt vier Predigten in der Kirche St. Magdalena erklärte P. Norbert Schlenker, Guardian der Klöster St. Magdalena und St. Konrad sowie stellvertretender Wallfahrtsrektor in Altötting, unter anderem, wieso selbst in der Heiligen Familie nicht immer "idyllische Verhältnisse" herrschten und wieso die Gottesmutter Maria dennoch als "Königin der Familien" verehrt wird.

P. Norbert setzt die konsekrierte Hostie in die Monstranz ein.
P. Norbert Schlenker setzt die konsekrierte Hostie in die Monstranz ein.

"Mit Maria zu Jesus" lautet heuer das Altöttinger Wallfahrtsmotto, und während sich die diesjährigen Fastenpredigten auf die Begegnung Mariens mit dem erwachsenen Jesus und ihr Mitwirken in den Anfängen der Kirche konzentrieren werden, stand beim Eucharistischen Stundengebet die Begegnung Mariens mit ihrem Sohn Jesus in den Kindheitsgeschichten des Lukasevangeliums im Blickpunkt.

Als "Marienmaler" stellte P. Norbert in seiner ersten Predigt den Evangelisten Lukas vor, der so genannt wird, da "er uns am meisten über Maria" berichtet. Als einen "Gruß, der unter die Haut geht" bezeichnete der Prediger die Botschaft des Engels bei der "Verheißung der Geburt Jesu" an Maria – laut Lk 1, 28: "Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir". P. Norbert erklärte: "Gott will Maria reich beschenken. Gnade ist Geschenk, unverdientes Geschenk Gottes ... Ja, der Herr will selbst mit ihr sein."

Nicht nur mit Maria, mit allen Menschen wolle Gott sein, wie P. Norbert ausführte. Marias "Ja" zu Gott habe eine neue Zeit eingeläutet, in der zuallererst die "Bereitschaft, sich beschenken zu lassen" gefragt sei. Marias Haltung sei eine "bejahende" Haltung; insgesamt sei die christliche Haltung eine bejahende Haltung, wie der Prediger betonte. "Unser Ja ist nicht das erste Wort. Es ist Antwort, wie bei Maria. Das Ja Gottes zur Welt und zum Menschen geht dem voraus", erklärte er.

Fehle jedoch diese Antwort, stellten die Menschen sich selbst ins Abseits; mit Verweis auf die Bitte "um uns Sünder" im "Ave Maria" erklärte P. Norbert: "Das 'Ave Maria' sieht es ganz realistisch: obwohl wir erlöst sind, sind wir immer noch Sünder. Die Versuchung, mit der das erste Menschenpaar Adam und Eva konfrontiert war, sein zu wollen wie Gott, ist auch heute noch die Urversuchung." Viele einzelne Sünden gingen von dieser Urversuchung aus. P. Norbert erläuterte: "Das Wort 'Sünde' kommt von 'sich absondern', ja, wer sündigt, der sondert sich von Gott und von der Gemeinschaft ab (...) Gott aber will die Gemeinschaft, das Miteinander, die Kommunikation und die Kommunion, das Miteinander der Menschen untereinander und mit ihm, das unserem Leben einen tiefen Sinn gibt." Als Vorbild für einen solchen sinnvollen Lebensweg diene wiederum die Gottesmutter: "Dass wir auf diesem Weg bleiben, dass wir mit Maria zu Jesus finden, dazu will der Herr uns seine Gnade schenken", stellte P. Norbert fest.

Wie Maria Segen in eine Familie bringt

Eucharistisches Stundengebet in der Kirche St. Magdalena.
Eucharistisches Stundengebet in der Kirche St. Magdalena.

Die Geschichte von der Begegnung Mariens mit Elisabeth (Lk 1, 39ff) war Thema der zweiten Predigt. P. Norbert bezeichnete diese als "eine der schönsten Familien- und Beziehungsgeschichten in der ganzen Bibel". P. Norbert fasste zusammen: Obwohl Maria selbst schwanger war, machte sie sich auf den langen Weg zu ihren Verwandten, die ob der späten und völlig unerwarteten Schwangerschaft Elisabeths vor allem mit Sorgen und auch mit Zweifel belastet waren. Maria blieb lange, packte mit an und brachte mit ihrem "Magnificat" erneut die Frohe Botschaft ins Haus. P. Norbert: "In dieses Haus bringt Maria den Erlöser, und damit bringt sie neue Hoffnung und Freude in diese Familie." Die als "Heimsuchung" (von "Visitatio" = "Besuch") bezeichnete Geschichte bringe rundherum Erfreuliches: "Gott ist da und er tut uns etwas Gutes. Auch wenn es zunächst düster aussieht."

P. Norbert appellierte an die Gottesdienstbesucher: "Laden wir doch die Gottesmutter ein, dass sie zu uns und in unsere Familien kommt und hilft, mit uns einen Glaubensweg geht und uns zeigt, was zu tun ist!" Nicht umsonst habe der hl. Johannes Paul II. der Lauretanischen Litanei die Anrufung "Maria, du Königin der Familien" hinzugefügt – P. Norbert: "Maria ist also nicht nur die Königin aller Heiligen, sie ist auch die Königin der Familien. Sie hilft gerade dort, wo sie am meisten gebraucht wird."

Als "Hauptbaustelle der heutigen und künftigen Gesellschaft und Kirche" bezeichnete P. Norbert die Familie und mahnte, Untreue nicht mit Untreue zu beantworten, sondern stets nach Gottes Liebe und Gottes Gnaden zu suchen.

"Wir müssen vor Gott staunen können"

Kapuzinerbruder Michael während des andächtigen Gebets.
Kapuzinerbruder Michael während des andächtigen Gebets.

"Das Zeugnis des Simeon und der Hanna über Jesus" (Lk 2, 21ff) stellte P. Norbert in den Mittelpunkt seiner dritten Predigt. Lange hatten die beiden alten Menschen auf Jesus gewartet, nun zieht Jesus in den Tempel ein und dieser erfuhr "seine neue Erfüllung", wie P. Norbert erklärte: "Jesus selbst ist der neue Tempel. (...) Gottesbegegnung spielt sich nicht mehr in einem starren Ritus und in einem Haus ab, sondern zwischen Menschen und dem lebendigen Gott selbst." Der Prediger resümierte: "Es gibt keinen Ort auf dieser Welt, wo ich Gott nicht begegnen könnte und es gibt keinen Menschen, der mir Christus nicht bringen könnte." Hierbei bat er insbesondere die Eltern, ihre Kinder "zur Gottesbegegnung zu führen".

Dabei gehe es nicht allein um die Vermittlung von Glaubenswissen, sondern den Glauben zu leben – wozu auch das Staunen gehört, wie P. Norbert mit Verweis auf das Evangelium anführte: Josef und Maria "staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden", zitierte P. Norbert und erklärte: "Aber gerade da sehen wir an Maria, wie unsere Gotteserfahrung und unsere Gottesbeziehung aussehen kann: Wir können Gott nicht bis ins letzte erfassen und begreifen. Einen Gott, den ich ganz genau kenne, den ich berechnen kann, der ist nicht mehr Gott, der wird zu einem Götzen. (...) Wir müssen vor Gott staunen können. Er ist immer der Größere. Das hat Maria verstanden, ihr ganzes Leben lang, bis hinein ins Leid."

"Glaube ist Herzenssache"

P. Norbert Schlenker während der Eucharistiefeier.
P. Norbert Schlenker während der Eucharistiefeier.

"Der zwölfjährige Jesus im Tempel" (Lk 2, 41ff) war schließlich Thema der vierten und letzten Predigt von P. Norbert – keine "sonderlich erbauliche" Geschichte und "keine idyllischen Verhältnisse in der Heiligen Familie", wie der Prediger feststellte, denn auf Jesu Wegbleiben ohne Abmeldung bei seinen Eltern reagierten diese vor allem mit Unverständnis. Doch gehe es dem Evangelisten Lukas in seinen Schilderungen auch nicht um ein schönes Familienportrait, sondern: "Es geht um das Geheimnis Jesu", erklärte P. Norbert.

P. Norbert fasste zusammen: "Nein, keine Idylle! Dieser Jesus ist und bleibt ein Stachel im Fleisch dieser Welt. Er ist zwischen den Welten zu Hause. Er ist hier in der Familie, aber er bleibt auch im Hause beim Vater, im Tempel, in der Welt Gottes." Umso erstaunlicher sei schließlich die Reaktion Marias; P. Norbert zitierte aus dem Evagelium: "Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen."

Eine Reaktion, die nicht an der Oberfläche bleibt, sondern auf das Wesentliche, auf das Innere abziele. Eine Reaktion, die sich somit alle Menschen zueigen machen sollten: "Denn alles, was mit Gott und unserem Glauben zu tun hat, ist nicht in erster Linie Sache des Wissens und des Denkens, sondern Sache des ganzen Menschens, vor allem seines Herzens, Ja, Glaube ist Herzenssache", stellte P. Norbert fest.

P. Norbert resümierte schließlich: "Auf diesen Weg dürfen wir uns gerufen wissen wie Maria, als Suchende und Fragende unseren Weg zu finden im Vertrauen auf den Gott des Lebens, der denen, die er beruft, auch die Kraft gibt, diesen Weg zu gehen. Und wenn wir diesen Weg mit Maria gehen, dann finden wir durch sie und mit ihr zu Jesus."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner