Altöttinger Liebfrauenbote

Altmühlmünster fiebert der Neuauflage der Passionsspiele entgegen

Eine Glaubens-Gemeinschaft

Ein kleiner Ort fiebert einem großen Ereignis entgegen: nach fünf Jahren Pause werden in Altmühlmünster wieder die Passionsspiele aufgeführt, die hier seit 1983 Tradition haben. Doch heuer ist alles etwas anders. Aufgrund der Sanierung des Gotteshauses waren eine neue Bühne und die Erneuerung der Technik nötig. Fast standen die Passionsspiele vor dem Aus.

Passionsspiel Altmuehlmuenster: Jesus im Gespräch mit einer Frau.
Passionsspiel Altmuehlmuenster: Jesus im Gespräch mit einer Frau.
Hier gelangen Sie zur offiziellen Website der Passionsspiele.

Schon die Entstehung der Passionsspiele in Altmühlmünster ist ungewöhnlich – fußen sie doch nicht wie sonst gewöhnlich auf jahrhundertealten Pestgelübden. Vielmehr war es im Jahr 1982 – auf Anregung des damaligen Pfarrers Dietmar Schindler – die Beschäftigung im Pfarrgemeinderat mit Ansätzen, wie man wieder mehr Leute in die Kirche bringen könnte. Mit anderen Worten: Wie die Pfarrei und die Menschen der Region wieder zu einer Einheit zusammenfinden könnten. Der damalige Pfarrgemeinderat Günther Schlagbauer schlug die Begründung eines Passionsspieles vor. "Ich war überzeugt, dass man die Leute, wenn man ihnen eine große Aufgabe gibt, auch begeistern kann", blickt Schlagbauer zurück. Seine Idee wurde eine von Altmühlmünster nicht mehr wegzudenkende Tradition. Das erste Spiel hatte vom 26. März bis 2. April 1983 acht ausverkaufte Vorstellungen. Weitere erfolgreiche Zyklen gab es 1984, 1988 und 1997 mit kontinuierlicher Steigerung der Aufführungstermine. Seit 1997 kehren die Passionsspiele im fünfjährigen Turnus wieder – mit nunmehr bis zu 20 Präsentationen.

Der Aufführungsort ist der Innenraum der früheren Klosterkirche und heutigen Pfarrkirche. Doch nach einer aufwändigen Renovierung des Gotteshauses schien hier im Herbst 2015 die Fortführung des Passionsspieles nicht mehr möglich. Denn mit der Sanierung waren besondere Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen für die Durchführung der Veranstaltung zu ergreifen. Konkret hieß das: die Bühne, die Beleuchtung und das Bühnenbild waren nicht mehr zu verwenden. Ein anderer Aufführungsort kam für die Passionsspielgemeinschaft nicht in Frage. Daher galt es, Fördermittel zu finden, um für die nächsten Aufführungen im Jahr 2017 planen zu können.

Nach vielen Gesprächen konnten EU-Fördermittel ausfindig gemacht werden, die genau solche Projekte unterstützen – und das sogar mit 50 Prozent: die sogenannten LEADER-Maßnahmen, bei denen der Gedanke "Bürger gestalten ihre Heimat" ein zentraler Aspekt der Förderung ist. Und das ist bei den Passionsspielen gegeben, wo die Darsteller aus der unmittelbaren Region (zehn bis 15 km um Altmühlmünster) stammen. Derartige Projekte tragen zudem zur Stärkung des ländlichen Raumes bei. Der Löwenanteil der Förderung – 34.500 Euro – kommt aus EU-LEADER-Mitteln, die zweite Hälfte der Kosten teilen sich die Stadt Riedenburg und die Passionsspielergemeinschaft. Weitere für die Förderung wichtige Faktoren sind u.a. die Nachhaltigkeit und die Altersspanne der Mitwirkenden. Vom Säugling bis zum Rentner sind bei den Mitwirkenden alle Generationen vertreten.

Diözesanbischof Rudolf Voderholzer übernimmt Schirmherrschaft

Mitwirkende des Passionsspiels Altmühlmünster in der aktuellen Kulisse.
Mitwirkende des Passionsspiels Altmühlmünster in der aktuellen Kulisse.

Mit dabei, in einer Nebenrolle als Apostel, ist auch der seit Herbst 2016 in Altmühlmünster wirkende Pfarrer Christian Stock. "Ich freue mich sehr, dass die Passionsspiele weitergehen. In der Liturgie wird die Passion nur gelesen. Die Darstellung ist noch weit eindringlicher", verweist der Priester auf den pastoralen Aspekt. Bei der Inszenierung wird von Anfang an darauf Wert gelegt, dass ausschließlich Bibeltexte zum Vortrag kommen – also keinerlei Interpretationen, Zeit- bzw. Sozialkritik etc. Auch freut es den Seelsorger, dass viele Kinder und Jugendliche dabei sind und Diözesanbischof Rudolf Voderholzer die Schirmherrschaft übernommen hat. Der Oberhirte wird selbst der Aufführung am 18. März beiwohnen.

Drei Generationen, 100 Aktive vor und hinter der Bühne, Proben seit Anfang Oktober inkl. Barterlass bei den Männern (wachsen lassen der Haare und Bärte für bestimmte Rollen), 130 bis 140 Stunden Aufwand für eine Sprechrolle – das sind einige der Fakten. Der Kirchenchor Dietfurt hat für die Aufführungsreihe mehrere Passionslieder auf CD eingesungen, die während der gut dreistündigen Aufführung (inkl. Pause) zu hören sind. Die Haupt- bzw. Sprechrollen sind traditionell doppelt besetzt, da bei den ca. 20 Aufführungen nicht jeder Jesus-Darsteller oder jede Maria-Mimin an jedem Termin Zeit hat. Dabei sind auch 30 Kinder, die beim großen Einzug auf die Bühne marschieren.

Den Glauben zu fördern und die Tradition aufrechtzuerhalten, ist ein wichtiges Motiv für die Darsteller. Während Jesus-Darsteller Matthias Schadt – auch vor fünf Jahren schon in dieser Rolle – im echten Leben seine Haare ebenfalls länger und einen Bart trägt, hat Sebastian Danner sein für mehrere Monate verändertes Äußeres in Sachen Haartracht mit seinem Arbeitgeber abgestimmt. Im Berufsalltag wird er immer wieder darauf angesprochen – und das Gespräch kommt dann auf die Passionsspiele und die Passion, das Leiden Christi. Aus einer anderen Perspektive betrachtet Maria-Darstellerin Renate Schwarzmeier ihre schauspielerische Tätigkeit. Sie ist auch Kirchenpflegerin und kann somit das Engagement der Beteiligten noch besser einordnen. "Das Passionsspiel fördert auch die Gemeinschaft in der Pfarrei", stellt sie fest. Und Regina Sturm, die bereits zum dritten Mal die Mutter Jesu spielt, hat im echten Leben ihre eigene Tochter beim Sterben begleitet. "Ich weiß, wie es einer Mutter geht, die ihren Sohn beim Sterben begleiten muss."

Text: Markus Bauer, Fotos: Markus Bauer 2, Screenshot 1

Premiere ist am 11. März um 18 Uhr. Bis einschließlich Karfreitag (14. April) sind 18 weitere Aufführungen geplant. Die Karte kostet 25 Euro, weitere Infos unter www.passionsspiele-altmuehlmuenster.de.