Altöttinger Liebfrauenbote

Leuchtenburg in Thüringen weiht Kirche nach 145 Jahren der Umnutzung wieder

Andachtsraum aus Porzellan

Ein außergewöhnlicher Ort der Besinnung und inneren Einkehr ist in Thüringen entstanden – hell, klar und zauberhaft gelegen: Deutschlands erste Porzellankirche. Während anderswo in Deutschland Kirchen entweiht und umgenutzt werden, setzt die Leuchtenburg in Seitenroda damit ein neues Zeichen. Nach rund 145 Jahren anderweitiger Nutzung wurde die alte Burgkapelle im vergangenen Jahr umgestaltet und wieder als Gotteshaus geweiht.

Seit 800 Jahren thront die Leuchtenburg hoch über dem Thüringer Holzland und dem Saaletal.
Seit 800 Jahren thront die Leuchtenburg hoch über dem Thüringer Holzland und dem Saaletal.

"Wir wollten dieses historische Gebäude nicht einfach der Vergangenheit hingeben, sondern in die Gegenwart bringen. Durch die neue und moderne Gestaltung konnten wir einen besonderen Ort der Besinnung schaffen", sagt Stiftungsdirektor und Ideengeber Sven Erik Hitzer. Die Pläne für den Raum mit seiner einzigartigen Atmosphäre lieferte der in Los Angeles lebende Architekt Michael J. Brown, ein Schüler des Star-Architekten Daniel Libeskind.

Ein meterhoher Vorhang aus mit weißem Porzellan und Spiegeln beschichteten Lamellen schafft einen Raum im Raum, bildet eine Art Wand und löst sie gleichzeitig auf. Die Kapelle erhält somit eine ganz spezielle Optik in Anlehnung an die gotischen Kathedralen. Durch die Spiegel wird zusätzlich ein besonderer Effekt geschaffen: von allen Standpunkten aus ergibt sich ein neues Bild. "Nichts scheint so wie auf den ersten Blick. Alles ist in Bewegung – wie die Geschichte dieses Ortes", so Hitzer weiter.

Eigene Pfarrstelle

Einzigartiger Sakralraum.
Einzigartiger Sakralraum ...
Den Besuchern der Porzellankirche zeigen sich immer wieder neue Perspektiven.
... Den Besuchern der Porzellankirche zeigen sich immer wieder neue Perspektiven.
Blick in die Porzellankirche.
Blick in die Porzellankirche.

Die Burgkapelle auf der Leuchtenburg stammt aus dem 13. Jahrhundert. Während der erste Bau 1658 durch einen Brand zerstört wurde, geht der heutige Raum auf die Nutzung der Leuchtenburg als Gefängnis zurück. Die Kapelle und eine eigene Pfarrstelle, die bis heute besteht, sorgten von 1746 bis 1871 für die seelsorgerischere Betreuung der Häftlinge. Von Montag bis Sonntag waren Gesänge, Gebete und Andachten in den Tagesablauf der Gefangenen eingebaut. In den erhalten gebliebenen Listen der Burgpfarrer sind knapp 5.200 Namen von Häftlingen mit Geburtsort, Grund der Einlieferung und anderen Details vermerkt.

Nach der Schließung des Gefängnisses wurde die Kapelle bis in die 1930er-Jahre nur noch sporadisch als Kirchenraum genutzt. Anschließend diente sie als Museum (1954 bis 2014) und so fanden die ersten regionalen Gottesdienste, die dort ab 2008 wieder gefeiert wurden, zwischen Kanonen und Spießen statt.

Der Umbau der Kapelle war eines der ersten Projekte, denen sich die Stiftung Leuchtenburg nach ihrer Gründung vor zehn Jahren widmete. Am 8. Oktober 2016 wurde schließlich die neue Porzellankirche feierlich ökumenisch geweiht. Seitdem finden hier wieder regelmäßig Gottesdienste statt. Auch als Veranstaltungsort ist die Porzellankirche sehr beliebt: Es gibt zahlreiche Anfragen für Hochzeiten und Taufen. Bis Ende Oktober wird die Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1930 immer sonntags um 14 Uhr durch regionale Organisten und Kantoren zum Klingen gebracht. Und im Juli ist die Porzellankirche zum ersten Mal Veranstaltungsstätte des Thüringer Orgelsommers.

Neben der Kirche bietet die Leuchtenburg noch weitere besondere Orte der Einkehr und zugleich den Blick nach vorn: Mit dem 20 Meter über die mittelalterlichen Burgmauern herausragenden Steg aus Glas und Stahl – dem Steg der Wünsche – verfügt sie über einen der spektakulärsten Aussichtspunkte in Thüringen. In den 2014 fertiggestellten "Porzellanwelten Leuchtenburg" wird schließlich in sieben innovativen Erlebnisräumen die über 250-jährige Geschichte des Thüringer Porzellans erzählt. Zu den Attraktionen zählen die größte Vase und die kleinste Kanne der Welt.

Text und Fotos: red