Altöttinger Liebfrauenbote

332. Oberpfälzer Fußwallfahrt mit fast 1.400 Teilnehmern

"Ich schau auf Maria ..."

Als ein "geistliches Ereignis  zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten" bezeichnete Kapuzinerpater Br. Georg Greimel die Oberpfälzer Fußwallfahrt bei seinem Willkommensgruß. Mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl hatte er die 1.378 Wallfahrtsteilnehmer, die am Dienstag, 30. Mai an ihrer "Sammelstelle" beim Altöttinger Franziskushaus eingetroffen waren, über den Kapellplatz zur St. Anna-Basilika einbegleitet.

Einzug der Oberpfälzer Pilger in Altötting.
Einzug der Oberpfälzer Pilger in Altötting.

Vier Gruppen waren es wieder, die sich an drei, bzw. vier Tagen auf den Weg zur Gnadenmutter gemacht hatten – aus Beilngries (540), Günching (388), Daßwang (270) und Hemau (180); exakt in dieser Reihenfolge erfolgte auch der Einzug mit Pilgerleiter Richard Bögerl vorbetend an der Spitze. Jedes Jahr kommt die hintere Gruppe nach vorn, dem Bibelwort angelehnt: "Die Letzten werden die Ersten sein!"

"Das war schon extrem, da kommt man an seine Grenzen"

Mesner Rudi Böllet.
Mesner Rudi Böllet.
Vorbeter Markus Niedermeier und im Hintergrund Johann Rückert.
Vorbeter Markus Niedermeier und im Hintergrund Johann Rückert.

"Das Wetter mit seinen hochsommerlichen Temperaturen war schon zum Aushalten", erzählte ein gutgelaunter Rudi Böllet – der Mesner von Pavelsbach stach mit seinem blumengeschmückten Hut aus der Menge heraus und fügte hinzu: Nur eine Teilstrecke sei schwierig gewesen: diese führte über eine frisch geteerte Straße und dazu brannte die Sonne vom Himmel – "das war schon extrem, da kommt man an seine Grenzen". An Aufgeben war für ihn jedoch nicht zu denken; bald wird sich Böllet wieder fußpilgernd auf den Weg machen, erst Richtung Schweiz und dann im August eine Woche lang mit der Kastler Gruppe aus der Oberpfalz nach Altötting.

Wen der "Pilgervirus" packt, der ist eben immer wieder dabei, egal wie das Wetter ist. Das kann auch Johann Rückert bestätigen, der heuer zum 35. Mal teilnahm und mit dem Kreuz an der Spitze der Beilngrieser Gruppe mitmarschierte. Außerdem waren wir heuer mit "Schweißtüchern" ausgestattet, erzählte Vorbeter Markus Niedermeier lachend und erklärte: man habe in München angerufen, ob sie nicht 100 übrige blaue Schals anlässlich "100 Jahre Patrona Bavariae" für die Fußpilger zur Verfügung stellen könnten – und diese wurden dann prompt geliefert.

Aber letztlich ist eine Wallfahrt keine "schweißtreibende" Sportveranstaltung, wie Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl betonte. Man komme schließlich nicht als Tourist, sondern als Bittsteller zur Gnadenmutter, "jeder trägt sein persönliches Sorgenpackerl nach Altötting". "Dazu haben wir auch ein sogenanntes Anliegenbuch dabei", merkte der Günchinger Pilgerleiter Christian Weigert an, "da kann jeder reinschreiben was ihn bedrückt"; so würden die sichtbaren und unsichtbaren Kreuze die ganze Wegstrecke gemeinschaftlich mitgetragen.

"Da wird das Herz berührt"

Pfarrer Artur Wechsler bei der Feier der Eucharistie.
Pfarrer Artur Wechsler bei der Feier der Eucharistie.

Freude und Dankbarkeit empfand der Hauptzelebrant und Prediger Pfarrer Artur Wechsler in der St. Anna-Basilika darüber, "in der großen Glaubensgemeinschaft der Oberpfälzer Fußpilger die hl. Messe als Quelle und Höhepunkt feiern zu dürfen – im Vertrauen auf Gott und darauf, dass wir das Leben in Fülle erlangen". Pilgerziel sei das Gnadenbild Unserer Lieben Frau, die uns Jesus entgegenhält. Bei den vielen Mariendarstellungen komme es nicht auf den künstlerischen oder materiellen Wert an, erläuterte er. Vielmehr gehe es darum, in Marienbetrachtungen die Wahrheit unseres Glaubens zu erkennen. "Ich schau auf Maria, um heute am Leben nicht zu verzweifeln", habe der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski beim Museumsbesuch in Dresden einem Aufseher erklärt; letzterer habe sich gewundert, dass der Autor trotz all der anderen Kunstwerke immer nur das eine Marienbildnis betrachtete.

Pfarrer Artur Wechsler umschrieb die ausdrucksvolle Darstellung dieses Marienbildnisses, das uns aus einem "himmlischen" Vorhang entgegentritt. Diese Muttergottes sei nicht starr dargestellt, sondern komme förmlich auf einen zu. "Immer wieder neu auf Maria zu blicken, im Gebet zu verweilen, wie wir es heute als Pilger in der Gnadenkapelle von Altötting tun, um Heil für Leib und Seele zu erbitten und um zu danken", das gab Pfarrer Wechsler den Wallfahrtsteilnehmern als Empfehlung mit auf den Weg.

Auch die weit über den Wallfahrtsort hinaus bekannte ehemalige Altöttinger Chorleiterin Sr. Avita Bichlmaier war vom Oberpfälzer Pilger-Einzug beeindruckt, wie sie dem "Boten" anvertraute: Dieser sei "ergreifend" gewesen, sagte sie und wiederholte eine Aussage, die sie erst kürzlich in einem Interview machte: Man spüre, dass dieser Ort "durchbetet" sei, "da wird das Herz berührt" – "Heute habe ich das Besondere am Kapellplatz wieder neu erfahren dürfen. Ich bin dankbar, dass ich in Altötting leben darf."

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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