Altöttinger Liebfrauenbote
Bischof Andrzej Czaja begrüßt oberschlesische Pilger vor der St. Anna-Basilika.
Bischof Andrzej Czaja begrüßt oberschlesische Pilger vor der St. Anna-Basilika.

64. St. Anna-Wallfahrt der Oberschlesier mit Bischof Czaja und Bischof em. Mixa

Vertrauen auf die Kraft des Glaubens

Das Wochenende am 22. und 23. Juli in Altötting stand erneut im Zeichen der landsmannschaftlichen Wallfahrt: zu ihrer 64. St. Anna-Wallfahrt kamen etwa 2.000 Oberschlesier, die in Bayern und darüber hinaus eine neue Heimat gefunden haben. Gleich zwei Bischöfe, gebürtige Oberschlesier, standen den Gottesdiensten vor: Bischof Andrzej Czaja, Oppeln sowie Bischof em. Walter Mixa; außerdem ein Diamantener Priesterjubilar: Pfarrer BGR Reimund Schrott, Nördlingen feierte sein 60. Priesterjubiläum.

Oberschlesische Trachten- und Fahnenabordnungen.
Oberschlesische Trachten- und Fahnenabordnungen.
Pilger in Bergmannstracht.
Pilger in Bergmannstracht.

"Wie schön seid ihr in den Trachten Eurer oberschlesischen Heimat", stellte Altöttings Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl fest – u.a. war heuer auch wieder die Trachtenjugendgruppe aus Gütersloh dabei. Mandl begrüßte die Pilger zur Andacht in der Stiftspfarrkirche am Sonntagnachmittag und zur abschließenden Statio vor der Gnadenkapelle. Er betonte: "Tradition darf in der deutschen und bayerischen Gesellschaft nicht verloren gehen."

Mandls Dank galt vor allem dem Wallfahrts-Organisations-Team mit Damian Schwider und Norbert Gröner (Vorsitzender und Stellvertreter der Landsmannschaft Kreisgruppe München) sowie Gertrud Müller und dem Kreuzltrager Robin.

In der Verehrung der hl. Mutter Anna und ihrer Tochter, der Gottesmutter Maria, sieht Mandl ein wichtiges Glaubenszeugnis – egal ob bei der Wallfahrt nach Altötting oder zum schlesischen Annaberg. "Möge Gott Euch schützen und die hl. Mutter Anna stets bei Euch sein."

Am Sonntagvormittag waren die Trachten- und Fahnenabordnungen sowie Bischöfe und Priester zum festlichen Pontifikalgottesdienst in die dicht gefüllte St. Anna-Basilika eingezogen. Die Altöttinger Hofmusik unter Leitung von Karlmann Kanzler stimmte das Lied: "Sankt Anna voll der Gnade, du Bild der Heiligkeit" an.

Die "Herzen für Jesus und sein Evangelium öffnen"

Bischof Andrzej Czaja erteilt den Schlusssegen nach dem Pontifikalamt.
Bischof Andrzej Czaja (r.) erteilt den Schlusssegen nach dem Pontifikalamt.

"Der Geist Gottes möge Eure Herzen, Augen und Ohren öffnen für Gottes Wort und Liebe zu uns Menschen. Möge dieses Erkennen, wie bei der hl. Mutter Anna, auch in unserem Leben reiche Früchte bringen", betonte der Prediger und Hauptzelebrant Bischof Andrzej Czaja und verwies auf das Sonntagsevangelium nach Matthäus (Mt 13, 1-23): "Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören ...". Wie die Apostel, die Jesus gesehen und mit ihm zusammengelebt hätten, so könnten auch wir Jesus erfahren und erleben, "wenn wir unsere Herzen für Jesus und sein Evangelium öffnen". Denn, so Bischof Czaja, "ohne Glauben können wir nicht sehen, nicht richtig einschätzen, was wir von Gott empfangen – wir setzen uns der Gefahr aus, die Nähe Gottes zu verschwenden, seine Liebe und Gebote zu missachten." Bischof Czaja warnte: Viele Christen seien blind für Gott und taub für sein Rufen. Eine Rettung aus Glaubensträgheit und Atheismus sieht er im Glauben unserer Väter und er empfahl, diesen Schatz weiterzuleben. Die Erfahrung der Kraft des Glaubens an Kinder und Enkel weiterzugeben, sei Auftrag Gottes.

"Heimat begreift man erst in der Fremde"

Bischof Czaja mit einem Votivbild der Altöttinger Gnadenmutter.
Bischof Czaja mit einem Votivbild der Altöttinger Gnadenmutter.
Bischof em. Walter Mixa spendet den Schlusssegen vor der Gnadenkapelle- Rechts neben ihm sind Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und Priesterjubilar Reimund Schrott zu sehen.
Bischof em. Walter Mixa spendet den Schlusssegen vor der Gnadenkapelle- Rechts neben ihm sind Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und Priesterjubilar Reimund Schrott zu sehen.

Der Landesvorsitzende Damian Schwider übergab Bischof Czaja schließlich ein Bildnis der Gnadenmutter von Altötting, "für Schutz und Segen hüben und drüben", denn so Schwider, "Heimat begreift man erst in der Fremde, erst wenn man sie verloren hat." Bischof Mixa bat am Schluss des Gottesdienstes, besonders auf die Familien zu achten.

Jubilar Pfr. Reimund Schrott – geboren 1931 im oberschlesischen Hindenburg und am 23. Juni 1957 in Oppeln zum Priester geweiht – erzählte von seiner Berufung: Da sein Vater kein Parteimitglied der NSDAP gewesen war, durfte er als kleiner Junge keine Sportkarriere einschlagen. So habe er einen wesentlich sinnerfüllenderen, den geistlichen Weg gewählt. Dann zitierte er den Eichstätter Bischof, der einen Kandidaten trotz "Gegenwinds" wegen dessen früherer, politischer Haltung, zum Priester geweiht habe mit der Bemerkung: "Ich weihe Menschen zu Priestern und keine Heilige." Pfr. Schrott weiter: "Auch wir sind Menschen und bitten Gott um sein Erbarmen."

Bischof em. Mixa hielt bei der Samstagvorabendmesse in der St. Anna-Basilika vor der feierlichen Lichterprozession die Festpredigt. Er erinnerte rückblickend an die schwierige Situation in der alten Heimat während des Zweiten Weltkriegs und an die Flucht und die Vertreibung danach. Mixa mahnte, "dass der Weg ohne liebenden Gott und Vater, ohne den guten Hirten Jesus Christus, der Sinn und das Ziel des Lebens nicht zu finden ist, um auch prüfungsvolle Tage zu bewältigen." Nur das Gebet würde Kinder und Jugendliche zu Jesus führen – so wie damals Reimund Schrott, der als junger Bursche mit 26 Jahren zum Priester geweiht worden und seinen priesterlichen Weg humorvoll, direkt und überzeugend gegangen sei. Bischof em. Walter Mixa war es auch, der als Offiziator der Andacht am Sonntag-Nachmittag in der Stiftspfarrkirche vorstand.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

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