Altöttinger Liebfrauenbote

2.000 Pilger bei der 46. Malteserwallfahrt der bayerischen Diözesen

Gottesmutter Maria: "Heil der Kranken"

"Jeder Wallfahrer hat ein bestimmtes, ganz persönliches Anliegen. Wer nach Altötting kommt, der trägt sein Rucksäckl", sagt Martha von Toggenburg. Sie gehört zu einer Pilgergruppe aus der Ostschweiz und Liechtenstein, die am Sonntag an der 46. Malteserwallfahrt der bayerischen Diözesen teilnahm und dieser – zusammen mit einigen Österreichern – auch internationales Flair gab. Rund 2.000 Teilnehmer und Helfer zählte die Wallfahrt, der überwiegende Teil kranke, behinderte und alte Menschen. Begleitet wurden sie von Ehrenamtlichen aus den Reihen der Maltesern. Der Prozession schritten die Ordensvertreter in ihren schwarzen Messgewändern und die Frauen in ihren schwarzen, weiten Mänteln voran – alle, wie die zahlreichen Fahnen, geziert mit einem Malteserkreuz.

Malteser Ritter und Ordensdamen mit u.a. Bischof Stefan Oster und Wallfahrtsorganisator Franz-Josef Freiherr von der Heydte.
Malteser Ritter und Ordensdamen mit u.a. Bischof Stefan Oster und Wallfahrtsorganisator Franz-Josef Freiherr von der Heydte.

"Den Glauben bezeugen und den Bedürftigen helfen" ist der Leitspruch der Malteser – Hilfsdienst wie Orden. Und diesen zu leben haben sie sich für ihre Wallfahrt in Altötting ein passendes Ziel gewählt, sagte Diözesanbischof Stefan Oster in seiner Predigt in der Basilika St. Anna: "Die Muttergottes ist das Heil der Kranken." Die Malteser dienten "aus Liebe zu Gott und zu den Menschen". Und so seien sie Gebende, aber auch Nehmende, denn, so Oster: "Ein jeder ist dem Anderen immer zugleich ein Kranker und ein Krankenpfleger." Wer anderen helfe, dem werde auch geholfen.

"Da fährt man gerne zur Muttergottes nach Altötting, das ist wunderbar"

Einzug der Pilger über den Kapellplatz.
Einzug der Pilger über den Kapellplatz.

Wie dieser Leitgedanke jeden Tag erfüllt wird, erlebe sie jeden Tag, sagt Karolina Nachtmann (92), die  ihren Lebensabend im Malteserstift St. Nikola in Passau verbringt. "Schon 20 Mal oder öfter" war sie bei der Malteser-Wallfahrt dabei. Ihre Anliegen betreffen vor allem die große Familien, die Kinder, zwölf Enkel und vier Urenkel. Für sich selbst hofft Karolina Nachtmann, die auch schon an Pilgerreisen nach Fatima und Lourdes teilgenommen hat, dass sie auch weiter ohne allzu große fremde Hilfe ihren Alltag meistern und auch noch an ein paar Fahrten der Malteser teilnehmen kann – "und dann auf einen gnädigen Tod".

Probleme mit den Augen, Folgeerkrankungen einer Embolie, Schmerzen: "Da fährt man gerne zur Muttergottes nach Altötting, das ist wunderbar", sagt Rosa Poxrucker aus Waldkirchen (Lkr. Freyung-Grafenau). Die 83-Jährige hat einen Rollstuhl gestellt bekommen bei der Wallfahrt, weil sie aufgrund von Ischiasbeschwerden nicht mehr lange stehen kann. Vier Kinder hat Rosa Poxrucker, acht Enkel und sieben Urenkel, einer davon erst eine Woche alt – sie werden alle ins Gebet eingeschlossen. Schließlich sei es das Verdient der großen Familie, dass sie mit ihrem Leben zufrieden ist. Nur ihr Ehemann fehlt ihr, er ist 2008 gestorben. Auch er ist Inhalt ihrer Gebetsanliegen.

"Von der Malteserwallfahrt fahre ich immer gestärkt heim"

Malteser Ritter und Ordensdamen ziehen über den Kapellplatz.
Malteser Ritter und Ordensdamen ziehen über den Kapellplatz.

"Die Muttergottes steht mir bei und gibt mir Mut und Kraft, meine Krankheit besser zu tragen. Von der Malteserwallfahrt fahre ich immer gestärkt heim", sagt auch Elisabeth Röckl aus Walchsing (Lkr. Passau). Die 76-Jährige ist gehbehindert, im Alltag auf einen Rollator angewiesen. Bei der Wallfahrt wird sie von Ehrenamtlichen unterstützt, die beispielsweise den Rollstuhl schieben; dafür ist sie sehr dankbar. Und wenn sie in Altötting andere Teilnehmer mit weit schwererem Schicksal sieht, als sie es zu tragen hat, dann versteht sie das auch als Auftrag, sich selbst nicht hängen zu lassen.

Die Malteser organisieren nicht nur die Altötting-Wallfahrt, sie stellen auch ehrenamtliche Helfer. Betreuerin ist beispielsweise Anna Tonino aus Büchlberg (Lkr. Passau): "Der größte Dank für mich ist, wenn die Pilger sagen: Schön war's. Ich tu das für die Leute", erklärt die 49-Jährige, die während der Woche für den Malteser-Fahrdienst arbeitet und bei Ausflügen oder auch Wallfahrten Rollstühle schiebt. Wenn sie nach Altötting kommt, nutzt Anna Tonino das auch für Gebete. Für den verstorbenen Vater und Angehörige zündet sie Kerzen an.

"Ich kriege jedes Mal eine Gänsehaut"

Gottesdienst in der St. Anna-Basilika.
Gottesdienst in der St. Anna-Basilika.

"Ich kriege jedes Mal eine Gänsehaut", gesteht Ursula Bauer. Die 59-Jährige aus Salzweg bei Passau beobachtet, wie viel Kraft der Besuch bei der Altöttinger Gnadenmutter gebe – "mir übrigens auch". Sie hat vor drei Jahren eines ihrer erwachsenen Kinder verloren – Sekundentod. Das Gebet bei der Schwarzen Madonna gebe Hoffnung. Und sie ist auch dankbar, dass ihre verbliebene Familie gesund ist, vor allem die fünf Enkelkinder. Als Mitarbeiterin im Fahrdienst für die St.-Severin-Schule, eine Behinderteneinrichtung in Passau, weiß Ursula Bauer, wie hart das Schicksal zuschlagen kann.

Schon als Kind war sie in Altötting, ihre Söhne haben an mindestens einer Fußwallfahrt teilgenommen. Dass sie jetzt regelmäßig mit den Maltesern hierherfährt, symbolisiert für sie auch ein sich rundendes Leben. Wie alle anderen auch will sie an diesem Erlebnis noch oft teilhaben. "Auch wenn es Kraft kostet, einen Rollstuhl zu schieben, viel mehr Kraft gibt es, hier zu sein", sagt Ursula Bauer.

Text und Fotos: Erwin Schwarz

Andacht in der "guten Stube der Mutter Gottes" auf dem Kapellplatz

Prälat Günther Mandl (am Mikrofon), Malteser Ritter und Ordensdamen sowie Wallfahrtsorganisator Franz-Josef Freiherr von der Heydte bei der Andacht auf dem Kapellplatz.
Prälat Günther Mandl (am Mikrofon), Malteser Ritter und Ordensdamen sowie Wallfahrtsorganisator Franz-Josef Freiherr von der Heydte (rechts neben Prälat Mandl) bei der Andacht vor der Gnadenkapelle.

In der "guten Stube der Mutter Gottes" auf dem Kapellplatz, wie er erklärte, begrüßte Günther Mandl die Pilger zur abschließenden Andacht. Musikalisch wurde die Andacht, wie schon die Prozession am Vormittag, von der Malteser-Kapelle aus Mellrichstadt umrahmt.

Mandl betonte: "Wir alle sind Lieblingsjünger Jesu und deshalb hat uns Jesu allen Maria zur Mutter gegeben. Sie weiß die Lasten um unsere Ängste und Sorgen, sie weiß aber auch um unsere Hoffnung und Zuversicht. Maria kennt die Lösung für dein ganz persönliches Problem. Ein Rest von Kreuz wird immer bleiben, denn ohne Kreuz gibt es keine Christusnachfolge." Doch jeder habe einen Simon von Cyrene zur Seite, der Jesus beim Tragen des Kreuzes half. "Und diesem Simon möchte ich heute Dank sagen", so der Prälat an die vielen Malteser gewandt, die die Wallfahrt für die beeinträchtigen Pilger Jahr für Jahr ermöglichen.

Den Abschluss bildete, nach den Marienliedern zuvor, ein kräftig und voller Innbrunst gesungenes "Großer Gott wir loben dich."

Text und Fotos: Rosmarie Krenn (Malteser)

Bischof Stefan Oster mit Malteser-Ritter und Pilgern.
Bischof Stefan Oster, Malteser Diözesanseelsorger Stadtpfarrer Johannes B. Trum (rechts daneben), Diözesangeschäftsführer Rainer F. Breinbauer (rechts hinter Pfarrer Trum) und der stellvertretende Diözesanleiter Ludwig Berger (2.v.l.) sowie weitere Pilger aus der Diözese Passau nach dem Gottesdienst.
Besonders schön fanden es die Pilger, dass der Bischof während der Predigt mit ihnen auf Tuchfühlung ging.
Besonders schön fanden es die Pilger, dass der Bischof während der Predigt mit ihnen auf Tuchfühlung ging.
Bischof Stefan Oster spendet den Pilgern den Segen.
Bischof Stefan Oster spendet den Pilgern den Segen.