Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Nein, das war kein perfektes Pilgerwetter in den Juni-Wochen – oft stiegen die Temperaturen auf über 30°C. Dennoch: Zahlreiche Fuß- und auch Rad-Wallfahrer hielt dies nicht davon ab, ins "Herz Bayerns" nach Altötting zu pilgern – eine kleine Auswahl der Gruppen:

Mit oder ohne Pilgerleiter ... – Wallfahrt aus Zeilarn

"Was uns net kaputt macht, macht uns hart", so die schmunzelnde Feststellung von Ludwig Spermann – er ist übrigens der Bruder von Altöttings Malermeister Franz Spermann – bei der etwas verspäteten Ankunft der 50 Fußpilger aus Zeilarn am 10. Juni um 8.45 Uhr in Altötting. Seit 4.30 Uhr waren die Fußpilger unterwegs gewesen – teils bei schweißtreibenden Temperaturen und dank einer Baustelle in Neuötting mit einem kleinen Umweg. Aber die Zeilarner sind hart im Nehmen, wie man auch bei Franz Gartmeier feststellen kann: zum 36. Mal hatte er heuer das Vortragskreuz nach Altötting getragen (1. Bild). Auf die Frage von Kapuzinerpater Alexander Madathil, wer denn der Pilgerleiter sei, kam die spontane Antwort der Zeilarner Mesnerin Christine Huber (im 3. Bild im Gespräch mit P. Alexander Madathil, der die Pilger eingeleitet hatte), die während der Wallfahrt auch vorbetete: "Hätt ma denn einen solchan braucht?" – Nein, die Zeilarner finden auch ohne Wallfahrtsleitung zur Gnadenmutter nach Altötting und stimmten dann eingangs beim Pilgergottesdienst in der Br. Konradkirche an: "Seht an, wer ist doch diese ..."

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Kreuz mit Reißnägeln – KAB-Wallfahrt aus Schönberg

Fürbitten können in verschiedenen Formen vor die Gnadenmutter getragen werden: Die Pilger aus Schönberg im Bayerischen Wald, die – organisiert von Mitgliedern der KAB – alljährlich von Perach aus zu Fuß nach Altötting kommen, haben sich da was Besonderes einfallen lassen: In Form von Reißnägeln, in das Holzkreuz gedrückt, wurden die Anliegen der 130 Wallfahrer auf dem 15 km-Fußweg mitgetragen. Flott unterwegs waren die Schönberger am 10. Juni allemal, denn fast 20 Minuten zu früh kamen sie am Gnadenort an. Kapuzinerbruder Ernst-Konrad Mackenbrock empfahl die Gottesmutter als Wegbegleiterin, denn Jesus habe sie uns vom Kreuz herab zur Mutter gegeben, wohlwissen, dass Maria "ein Auge auf uns habe". Später nahmen die Pilger an der Samstagsvorabendmesse mit Pfarrer BGR Michael Bauer in der St. Anna-Basilika mit anschließender Lichterprozession teil.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Ziel erreicht – Wallfahrt aus München-Sendling

Mit Maria zu Jesus gehen, um unser Leben entsprechend zu gestalten, riet am 11. Juni Kapuzinerpater Ludwig Wörle bei der kurzen Statio vor der Gnadenkapelle. "Ihr Ziel erreicht" hatten die 25 Wallfahrer aus München-Sendling/Pfarrei St. Margaret, die nach dreieinhalbtägiger Fußwallfahrt zur Gnadenkapelle zogen. Sie waren sich einig, dass sich die Strecke bei der 27. Wallfahrt nach Altötting wegen der Hitze teils zu einem "Kreuzweg" gestaltet hatte. Und doch sei es immer wieder aufs Neue ergreifend, wenn man unter Glockengeläut das Heiligtum Unserer Lieben Frau umrunde, wie Pilgerleiterin Helene Seefried feststellte. Mit P. Ludwig feierten die Pilger im Kongregationssaal eine hl. Messe.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Von FFW-Vorstand gegründet – Radpilger aus Bernhardswald

Da war beim Johannes (13 Monate) die Freude groß, als sein Papa Michael Minchl mit den 21 Radpilgern aus Bernhardswald am Kapellplatz eintraf (2. Bild). Um 5 Uhr morgens waren sie am 17. Juni aufgebrochen und kurz vor 15 Uhr am Pilgerziel angekommen. Mit dabei auch ein Jubilar: Hans Fellner als "dienstältester" Wallfahrtsteilnehmer war zum 25. Mal dabei! Gegründet hatte die Bernhardswalder Radwallfahrt vor 26 Jahren der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, Josef Janker.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Wallfahrtspremiere – Wallfahrt aus Vilsbiburg

Das Wallfahren zur Gnadenmutter nach Altötting ist dem Vilsbiburger Pfarrer Peter König ein echtes Herzensanliegen – ungezählte Male ist der ehemalige Pfarrer von Straubing/St. Peter bereits ins "Herz Bayerns" gepilgert. Heuer kam er am 17. Juni mit 29 Vilsbiburger Pfarrangehörigen – darunter drei aus Geisling/Aufhausen. Rund 40 km waren sie zum Heiligtum Unserer Lieben Frau marschiert; von 4 Uhr früh bis 14.30 Uhr am Nachmittag waren sie unterwegs gewesen, ehe sie die Gottesmutter vor der Gnadenkapelle knieend mit einem Gebet begrüßten. Im Kongregationssaal feierten sie schließlich eine hl. Messe. Pfarrer König sagte allen Mitpilgern ein aufrichtiges Vergelt's Gott fürs gemeinsame Aufbrechen, Beten und Singen. Auch die Vilsbiburger haben auf dem Mariahilfberg ein Marienbild, zu dem sich viele auf den Weg machen, wie der Prediger erinnerte. Pfr. König betonte in seiner Predigt, wie wichtig es sei, sich im Glauben auf den Weg zu machen und von Maria führen zu lassen. "Durch Maria zu Jesus" laute das Wallfahrts-Motto hier am Altöttinger Gnadenort und so stehe es auch in großen Buchstaben in der Rosenkranzbasilika von Lourdes, erinnerte Pfr. König. Mit Blick auf die vielen Anliegen der Pilger an die Gnadenmutter zeigte sich Pfr. König zuversichtlich: "Maria ist die Mutter Jesu, aber auch unsere Mutter. Sie weiß um unsere Dunkelheit, doch sie führt uns sicher zum Licht." Ein Licht hatte der Vilsbiburger Pfarrer auch symbolisch in Form einer Lourdeskerze nach Altötting mitgetragen. Besonders stolz war heuer übrigens die elfjährige Sonja, die neben ihrem Bruder Simon (13) beim Pilgergottesdienst im Kongregationssaal zum ersten Mal ministrieren durfte.

Text und Foto: Roswitha Dorfner

Um unseres Heiles Willen – Anbetungstag der Herz-Jesu Familie

Für die Herz-Jesu Familie im Diözesanbereich Passau fand am 17. Juni wieder ein eucharistischer Anbetungstag in der St. Anna-Basilika mit Pfarrer Johannes Bäumle statt – ein Rosenkranz mit Aussetzung, eine Pilgermesse, sowie ein Rosenkranz mit Eucharistischer Andacht standen auf dem Programm. Nach Wunsch wurde auch ein Einzelsegen mit einer Reliquie der großen hl. Theresa von Avila gespendet (Bild). Pfarrer Bäumle verwies neben der Herz-Jesu Verehrung im heurigen Marienjubiläumsjahr auch auf die Verehrung des Herzens Marias. Beide – das gottmenschliche Herz Jesu und das mütterliche Herz Mariens – seien zutiefst vereint und dies komme auch im Evangelium zum Ausdruck, als der greise Simeon zu Maria sprach: "Deine Seele wird ein Schwert des Schmerzens durchstoßen" (vgl. Lk 2,35). Als der Soldat das Herz Jesu am Kreuz öffnete, habe er auch das die Seele Mariens durchstoßen. Pfarrer Bäumle resümierte: "Mariens Herz ist mit dem Herzen Jesu gerade durch das Mit-Leiden mit ihrem Sohn zur Miterlöserin geworden. Hier wurden beide über die Mutter-Kind-Verbindung hinaus durch das gemeinsame Leiden für uns Menschen und um unseres Heiles Willen verbunden." Weiter führte der Prediger aus: Die Muttergottes habe in Fatima den Willen Gottes über die Verehrung des unbefleckten Herzens Mariens offenbart.

Text und Foto: Roswitha Dorfner

Hörende Menschen werden – Pro Sancta-Ecclesia-Wallfahrt mit Erzbischof Wolfgang Haas

Am späten Samstagnachmittag, 17. Juni, versammelten sich etwa 400 Teilnehmer der Pro Sancta-Ecclesia-Wallfahrt mit Erzbischof Wolfgang Haas aus Vaduz/Liechtenstein (2. Bild, M.) zur kurzen Statio vor der Gnadenkapelle. Organisiert hatte die Wallfahrt der Altöttinger Stiftsmesner Thomas Kowatschewitsch. Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl sprach einen herzlichen Willkommensgruß und versicherte nach den Worten von Papst em. Benedikt XVI.: "Wo die Mutter ist, da sind wir zu Hause." Er ergänzte: "Bei der Muttergottes in der Gnadenkapelle spüren wir Nestwärme und Geborgenheit." Im Anschluss führte der Prozessionszug mit vielen Gläubigen aus ganz Bayern und Österreich, mit Vertretern des Mercedarierordens, mit einer Gruppe Pfadfinder und Fußpilger sowie mit vielen Geistlichen hinunter zur St. Anna-Basilika. Hier feierten sie traditionsgemäß eine hl. Messe nach überliefertem Ritus, musikalisch gestaltet vom Bundessingekreis der katholischen Pfadfinder. Erzbischof Haas verglich die prächtige St. Anna-Basilika mit dem Abendmahlssaal, wo Maria mit den Aposteln vereint die Herabkunft des Hl. Geistes erwartete. "Gottes Geist erfahren wir nicht nur zu Pfingsten, sondern immer wieder aufs Neue, wenn wir uns für dessen Eingebungen öffnen", bekräftigte der Erzbischof. Dies geschehe aber nicht in unserer lauten, hektischen Welt, sondern in der Stille. "Die Kraft der Stille" habe ein Kardinal sein erst kürzlich veröffentlichtes Buch benannt (Anm.d.Red., Robert Kardinal Sarah); es sei ein Plädoyer gegen die Diktatur des Lärms. "Wir müssen wieder zu hörenden Menschen werden wie die Gottesmutter Maria, die als Signum Magnum – als großes Himmelzeichen erschien, von der Sonne umkleidet – und die unser Herz berührt." Erzbischof Haas empfahl nach dem Vorbild Mariens zu Dienern Gottes zu werden, denn nur Diener Gottes besäßen die Befähigung zum Dienst am Menschen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Mit weichem "d" – Buspilger aus Weiden-Rothenstadt

"Was wäre Altötting ohne die treuen Pilger aus der Oberpfalz", freute sich Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, als er die 91 Buspilger aus Weiden-Rothenstadt/St. Marien am 24. Juni zum Kapellplatz einbegleitete. Auch Firmlinge und Erstkommunionkinder waren dabei. Als er nach dem Namen des Rothenstadter Pfarrers fragte, erhielt Mandl die humorvolle Antwort: "Heribert Engelhard", also "harter Engel, aber mit weichem 'd'" und dieser war es auch, der am Nachmittag mit seinen Pfarreiangehörigen in der St. Anna-Basilika Pilgergottesdienst feierte.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Maria: Vielfache Mutter – Wallfahrt der Kroatisch-Katholischen Mission Regensburg

Der letzte Juni-Sonntag stand wieder im Zeichen der in Bayern lebenden Kroaten. Die Kroatisch-Katholische Mission Regensburg unter Leitung von Pfr. Josip Antonac hatte am 25. Juni zur Nationalwallfahrt nach Altötting eingeladen und viele waren gekommen, besonders junge Familien mit ihren Kindern. Den Festgottesdienst in der Basilika, gestaltete der eigene Chor mit Instrumentalgruppe. Eine Trachtengruppe aus München schwang die kroatische und bayerische Fahne und bahnte der Geistlichkeit mit dem Hauptzelebranten Erzbischof Dr. Nikola Eterovic (2. Bild, r. mit Mitra), dem Apostolischen Nuntius in Berlin, den Weg zum Altarraum. In der kroatischen Landessprache richtete Eterovic dann die Predigt an seine Landsleute. Dabei betonte er die Bedeutung des Marienwallfahrtsortes Altötting. Maria sei uns vielfach zur Mutter geschenkt worden, die wir in besonderer Weise verehrten: als Mutter Gottes, als unsere irdische und himmlische Mutter und als Mutter der Kirche und der ganzen Christenheit. Am Nachmittag wurde der Wallfahrtstag mit einer Andacht in der Basilika beschlossen. Nuntius Eterovic hatte am Sonntag persönlich Grund bei der Gnadenmutter in Altötting Dank zu sagen: für sein 40-jähriges Priesterjubiläum, das er am darauffolgenden Tag, 26. Juni, begehen konnte.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Glaubensfreude – Fußpilger aus Michaelbeuern

Der Basilika-Mesner Br. Vinzenz Müller erwartete am 24. Juni die Fußpilger aus Michaelbeuern. Als er diese um die Mittagszeit sichtete, spurtete er zur Gnadenkapelle und ließ vom Mesner die Altöttinger Kirchenglocken läuten. Eigentlich kommen nur Pilgergruppen mit Einbegleitung in den Genuss des "Glockengrußes", aber bei der 15. Fußwallfahrt der Michaelbeuerer mit Abt Mag. Johannes Perkmann OSB war eine Ausnahme berechtigt. Zwei Tage waren die 42 Pilger aus dem Salzburger Land unter der bewährten Organisation von Hermann Wallmann zu Fuß zum Gnadenort marschiert. Teilgenommen hatte auch der Basilika- und jetzt Br. Konrad-Kirchen-Bauleiter Manfred Schwaiger. Es sei zwar sommerlich heiß gewesen, aber ein ständig wehendes Lüftchen habe die Wallfahrt erträglich gemacht, erzählte Abt Johannes. Beim Pilgergottesdienst in der Gnadenkapelle zitierte er den berühmten Schriftsteller Mark Twain: "Man kann die ganze Welt verändern, aber sich selber am schwersten." Die Gläubigen ermutigte er: "Die Freude am Glauben, an Gott, ist die Botschaft unserer Wallfahrt und gibt uns Kraft!"

Text und Foto: Roswitha Dorfner