Altöttinger Liebfrauenbote

Referentin Birgit Kelle spricht in Altötting über "Gender Studies"

"Wenn ich groß bin, werde ich Mama"

Zum Thema "Herausforderungen für die Familien" hat die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) zusammen mit Dekanat und Pfarrverband Altötting und der Gemeinschaft Emmanuel namhafte Referenten/Innen gewinnen können: den Anfang machte am 10. Februar Birgit Kelle, die im Begegnungszentrum St. Christopherus die Zusammenhänge "Frau – Mutter – Gender" erklärte.

Birgit Kelle.
Birgit Kelle.

"Wenn man sich zum Muttersein entscheidet, d.h. freiwillig zu Hause bleiben und für die Erziehung der Kinder Sorge tragen möchte, dann ist man in der heutigen Gesellschaft ein Exot", stieg Referentin Birgit Kelle, Mutter von zwei Mädchen und zwei Buben ins Thema ein und erzählte aus ihrem Leben: "Als ich als emanzipierte junge Frau mit 23 Jahren mit dem ersten Kind schwanger war, bekam ich von Freunden und Arbeitskollegen, die selber kinderlos waren, den Ratschlag, doch gleich wieder ins Berufsleben einzusteigen." Der Druck von außen, die Erwartungen der Gesellschaft seien groß gewesen und das Erstaunen und Entsetzen dieser "gutgemeinten Berater" über Kelles Antwort noch viel größer: "Ich bleibe drei Jahre zu Hause." Für eine "Frau im Haus" sei im persönlichen und öffentlichen Umfeld kaum Akzeptanz da gewesen, daran habe sich bis heute nichts geändert, klagte Birgit Kelle. Sie resümierte: Frauenrechtlerinnen der sog. 1968er hätten vor allem für die Entscheidungsfreiheit der Frau gekämpft, sich von Kind und Mann und Ehe "zu befreien", "aber Kinder groß zu ziehen, dafür wurde nicht gekämpft!" Die Folgen seien verheerend, so Kelle, immer weniger Frauen hätten sich fürs Kinderkriegen und Daheim-Bleiben zum Wohle der Familie entschieden.

Der demographische Wandel habe jedoch die Kehrseite dieser Politik zutage gefördert: die Geburten gingen zurück. Durchschnittlich 1,38 Kinder zur Sicherung der deutschen Gesellschaft sind laut Kelle zu wenig, es müssten mindestens 2,1 Kinder sein. Auch der heute vielfach monierte Fachkräftemangel sei eine Folge dieser Entwicklung. Die ökonomische Sicherheit durch Fachkräfte aus dem Ausland und Zuwanderung ausländischer Familien allein seien keine Lösung.

Kelle forderte ein Ende des übertriebenen Kampfes um Emanzipation. Damit sprach sie das Thema "Gender Mainstreaming" an (siehe Infokasten), das sie als unnatürliche "Gleichmacherei" kritisierte. "Was ist denn eigentlich weiblich im Leben des Mannes", hinterfragte die Referentin mit Verweis auf typische männliche Berufe wie bei Polizei oder Bundeswehr; dass auch Frauen in diesen Berufen arbeiten, hat laut Kelle nur zu enormer Erleichterung von Eignungstests geführt, damit "weibliche Einsteiger" den männlichen Kriterien standhalten könnten. Sie kritisierte auch, dass manche auf "politisch korrekten" Berufsbezeichnungen mit den Endungen "/In" oder "/Innen" beharrten.

Nicht nur eine Frage der Soziologie

Zum Thema "Gender Studies" kritisierte sie: Hierbei werde die Behauptung in den Raum gestellt, dass die Universalität der Weiblichkeit und Männlichkeit von der Gesellschaft anerzogen werde; sie zitierte Simone de Beauvoir – "Man wird nicht zur Frau geboren, man wird zur Frau gemacht" – und stellte fest, dass die Frage des Geschlechts laut Genderforschung allein zu einer Frage der Soziologie reduziert werde. Es sei jedoch weniger die Geschlechterrolle (englisch: "gender"), als vielmehr das biologische Geschlecht (englisch: "sex"), das eine Frau oder einen Mann ausmache. Natürlich sei das Rollenverhalten einer Frau in Deutschland anders als das einer Frau in Afghanistan, erklärte die Referentin. Menschen seien stets geprägt durch Erziehung, Gesellschaft, Religion und Kultur. Diese Feststellung sei nicht das Problem. Gefährlich werde es jedoch dann, wenn im Zuge einer Ideologisierung des Themas die Grenzen der biologischen Geschlechter aufgeweicht würden.

Vehement wandte sich Kelle gegen eine radikale Form des "Gender Mainstreamings", die das Geschlecht einzelner Personen lediglich auf kulturell geprägte Rollen reduziere und dadurch die Grenzen der biologischen Geschlechter aufhebe. Kelle warnte, dass diese "gefährliche Theorie des Gender Mainstreamings" auch nicht vor Schulen und Universitäten halt mache, in Gesetzgebung und Verwaltung bereits Einzug gehalten habe und für allgemeine Verwirrung sorge. Als Beispiel nannte sie u.a. soziale Medien im Internet wie Facebook: wer sich dort anmelden möchte, könne nicht mehr nur zwischen männlich und weiblich, sondern zwischen 60 "sozialen Geschlechtern" ankreuzen. Diese Form der "Gender-Theorie" sei aus christlicher Sicht scharf abzulehnen, denn wenn man selber entscheide, "wie man geschaffen ist", ob man männlich oder weiblich sei, dann stelle man sich automatisch über Gott.

Als "Supergau" für diese Art der "Gender Studies" nannte Birgit Kelle lächelnd die Aussage ihrer Tochter: "Wenn ich groß bin, werde ich Mama!" Für Kelle ist diese Aussage eine Bestätigung dafür, wie wichtig es sei, als Mutter für die Kinder da zu sein und eine Vorbildsfunktion weiterzureichen. Ihre Tochter habe ganz ohne Zwang geredet und somit ihr biologisches Geschlecht nicht in geringste Zweifel gestellt – "und das ist gut so!"

Text und Foto: Roswitha Dorfner

"Gender – Geschlechterforschung – Gender Theorien – Gender Mainstreaming"

Die sog. "Gender Studies" sind ein recht junger Wissenschaftszweig – und ein sehr schnell wachsender. Kein Wunder, dass mittlerweile nicht mehr nur an Universitäten über das Thema "Gender" diskutiert wird, sondern auch im Fernsehen, an Stammtischen und auch in der Kirche. Doch was genau ist eigentlich mit "Gender" gemeint? Und überhaupt: gibt es denn dafür kein deutsches Wort?

Die zweite Frage ist am einfachsten zu beantworten: beim Thema "Geschlecht" unterscheidet die englische Sprache ein bisschen präziser als die deutsche, was dazu geführt hat, dass die englischen Begriffe auch hierzulande übernommen wurden. So gibt es im Englischen für das deutsche Wort "Geschlecht" zwei Begriffe: "sex" (= biologisches Geschlecht) und "gender" (= soziales, bzw. soziokulturelles Geschlecht oder einfacher ausgedrückt: die Geschlechterrolle).

Letzteres, also die "Geschlechterrolle" ist Forschungsgegenstand der sog. "Gender Studies", also der Geschlechterforschung. Diese setzt sich mit dem Verhältnis von Geschlecht zu Kultur, Gesellschaft sowie Wissenschaften auseinander und beschäftigt in jüngster Zeit etwa zunehmend die Geschichtswissenschaft. Denn dass sich die Rollen von Frau und Mann in der Gesellschaft von Kultur zu Kultur unterscheiden und sich im Laufe der Zeit immer wieder verändern, ist unumstritten.

Umstritten sind dagegen gewisse "Gender Theorien", die so weit über ihr Ziel hinausschießen, dass sie biologische Geschlechterunterschiede völlig außer Acht lassen. Diese ideologisch geprägten "Gender-Theorien" sind oft Gegenstand öffentlich ausgetragener Kontroversen, spielen in der Wissenschaft jedoch eine geringe Rolle.

Festzustellen bleibt: Den Prototyp Frau oder den "perfekten Mann" gibt es nicht; Grauzonen zwischen männlich und weiblich sind die Realität. Vereinfacht gesagt: Auch Mädchen können Mathe und auch Jungs können kochen. Dennoch verdienen Frauen z.B. in den als "typisch männlich" angesehenen technischen Berufen durchschnittlich sehr viel weniger als ihre männlichen Kollegen; auf der anderen Seite werden auch heute noch etwa männliche Pflegekräfte oder Männer, die zuhause kochen, schief angesehen. Dem will das sog. "Gender Mainstreaming" entgegenwirken. Es handelt sich hierbei um eine politische Strategie, die die Ungleichbehandlungen sowohl von Frauen als auch von Männern von vornherein in allen Bereichen verhindern möchte. Dass Frauen und Männer gleichberechtigt leben und arbeiten sollen, ist auch von der katholischen Kirche gewünscht. Die Kritik der Kirche richtet sich lediglich gegen eine Minderheit an ideologischen Positionen, die alle natürlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen am liebsten komplett wegwischen würden. Also Gleichberechtigung ja, Gleichmacherei nein.

Text: red