Altöttinger Liebfrauenbote

Münchner Hypo-Kunsthalle zeigt starke Stücke aus "Spaniens Goldener Zeit"

Verblüffend und überwältigend

Schautheater, Blut und Tränen, Martyrien und geschundene heilige Leiber – die Münchner Hypo-Kunsthalle führt starke Stücke der Malerei und Skulptur aus dem "Siglo de Oro" vor, dem 17. Jahrhundert, das man auch Spaniens "Goldenes Zeitalter" nennt. Kunstgeschichtlich lässt die von der Spree an die Isar geholte Ausstellung, kuratiert von Nerina Santorius, keine Wünsche offen. Italiener und Niederländer dominierten einst die Kunstszene in Spanien. Die einheimischen Künstler mussten um Anerkennung kämpfen. Dabei spielte die katholische Kirche als Auftraggeber eine wichtige Rolle.

El Greco: Unbefleckte Empfängnis.
El Greco: Unbefleckte Empfängnis (Inmaculada Oballe), 1608-1613, Öl/Leinwand, 348 x 174,5 cm.

In chronologischer Anordnung geht es – mit Leihgaben eindrucksvollster Provenienz – in die zentralen Kunstmetropolen der iberischen Halbinsel: von Madrid über Toledo, Valencia, Sevilla bis Valladolid. Die Herrscher des 17. Jahrhunderts setzten die bildende Kunst als Propagandainstrument ein, um den Staatsbankrott, Kriegsverluste und Pestepidemien zu kompensieren – darunter auch so manch profane Kunstwerk: etwa das prachtvolle Amsterdamer "Küchenstück" von 1625, Genrebilder wie "Drei Musikanten" des großen Diego Velasquez, Antonio Pugas "Junge Händler" oder Murillos "Pastetenesser". Dazu kommen Stillleben von außerordentlicher Naturidentität.

Wem die geballte Präsenz des Sakralen mit Darstellungen drastischer Kreuzigungen und grausamer Leidensszenen Christi zu viel ist, kann sich "Gefälligeres" suchen: eine schöne Immaculata des Juan de Mesa y Velasco, eine liebreizende Teresa von Ávila von Gregorio Fernandez oder die polychromierte Terrakotta-Gruppe der einzigen Frau in der Runde, Luisa Ignacia Roldàn.

Irdisches und Himmlisches, Realistisches und Theatralisches

Francisco de Zurbarán: Der hl. Franziskus von Assisi nach der Vision von Papst Nikolaus V.
Francisco de Zurbarán: Der hl. Franziskus von Assisi nach der Vision von Papst Nikolaus V., um 1640, Öl/Leinwand.

Irdisches und Himmlisches, Realistisches und Theatralisches mischt diese opulente Ausstellung. Ihren Höhepunkt hat sie zweifellos in El Grecos monumentaler "Unbefleckter Empfängnis" von 1613. Wer es weniger verspielt, sondern lieber statisch und monastisch-streng mag, dem sei ein Verweilen vor einem der ergreifendsten Ganzkörper-Porträts des heiligen Franziskus von Assisi empfohlen, 1640 geschaffen von dem genialen Francisco de Zurbaràn.

Märtyrertum, asketische Frömmigkeit oder mystische Vereinigung mit Gott – das waren die Themen der "Goldenen Zeit". So lässt auch der Maler Francisco Ribalta den heiligen Franz von Assisi den Gekreuzigten umarmen, wobei er dessen aus der Seite rinnendes Blut zu schmecken und zu riechen scheint. Das gibt dem Heiligen so viel Kraft, dass er den siebenköpfigen Leoparden, den Johannes in der Apokalypse als Verkörperung des Bösen benennt, mit seinen Füßen zertritt.

Eine derart emotionale Ansprache war gewünscht, wobei die Kirche besonders die Skulpturen hochschätzte, die diese Aufgabe noch mehr erfüllten. Wie etwa der tote Christus im Grab von Gregorio Fernández. Die Augen und die Träne auf den Wangen aus Glas, Elfenbein für die Zähne und Stierhorn für die Nägel lassen den plastischen Corpus lebensecht erscheinen.

Text, Hans Gärtner, Fotos: Hypo-Kunsthalle

Münchner Hypo-Kunsthalle, Theatinerstraße 8, 80333 München, Tel. 089  224412, E-Mail kontakt@kunsthalle-muc.de; bis 26. März täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kunsthalle-muc.de/ausstellungen/details/spaniensgoldenezeit/.

Impressionen

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Francisco Ribalta, "Der Hl. Franziskus umarmt den Gekreuzigten".
Francisco Ribalta, "Der Hl. Franziskus umarmt den Gekreuzigten".
Diego Velázquez, "Die drei Musikanten".
Diego Velázquez, "Die drei Musikanten" (um 1616–1618).
Gregorio Fernández: Der tote Christus.
Gregorio Fernández: Der tote Christus, um 1631-1636, Holz, polychromiert.