Altöttinger Liebfrauenbote
Die neuen Diakone Florian Haider (v.l.), Simon Steinbauer, Michael Osterholzer und Hubertus Kerscher mit den beiden Wallfahrtsrektoren Prälat Günther Mandl und Kapuzinerpater Norbert Schlenker in der Altöttinger Gnadenkapelle.
Die neuen Diakone Florian Haider (v.l.), Simon Steinbauer, Michael Osterholzer und Hubertus Kerscher mit den beiden Wallfahrtsrektoren Prälat Günther Mandl und Kapuzinerpater Norbert Schlenker in der Altöttinger Gnadenkapelle.

Diakonenweihe in Altötting durch Bischof Stefan Oster

Diener der Freude

Im Rahmen eines festlichen Pontifikalgottesdienstes in der Altöttinger St. Anna-Basilika hat Bischof Stefan Oster am Samstag, 9. Dezember, vier junge Männer aus dem Passauer Priesterseminar St. Stephan zu Diakonen geweiht. In seiner Predigt stellte er fest, dass die "zunehmende Tendenz zur Privatisierung des Glaubens" bedenklich sei, aber auch Chancen biete.

Bischof Stefan Oster mit den vier neuen Diakonen (v.l.) Hubertus Kerscher, Michael Osterholzer, Florian Haider und Simon Steinbauer in der Basilika.
Bischof Stefan Oster mit den vier neuen Diakonen (v.l.) Hubertus Kerscher, Michael Osterholzer, Florian Haider und Simon Steinbauer in der Basilika.

Mit einer heiteren Anekdote über einen Taxifahrer, der mit dem Begriff "Diakon" nichts so recht anzufangen wusste und dahinter einen Dia-Apparat vermutete, leitete Bischof Oster seine Predigt ein. Die frisch geweihten Diakone Florian Haider aus Kraiburg, Hubertus Kerscher aus Tiefenbach, Michael Osterholzer aus Kirchham und Simon Steinbauer aus Isarhofen werden ihren Dienst in einer Zeit erfüllen, "in der es gar nicht mehr selbstverständlich ist, dass die Menschen wissen, was ein Diakon ist und was er tut", stellte Bischof Oster fest; mehr noch: oft schämten sich Christen auch, sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Er sprach von einer "Entkirchlichung" und einem wachsenden gesellschaftlichen Konsens, dass Glaube Privatsache sei – eine Entwicklung, die den vier Priesteramtsanwärtern einiges abverlange, aber eben auch Chancen biete: "Dort wo wir selbstverständlich Zeugnis geben, wächst wieder neues Interesse. Dort wo wir das Evangelium auch so herausfordernd verkündigen und leben, wie es die Kirche glaubt, und es nicht weichspülen zu einer Ethik des netten Mitbürgers, dort lassen sich Menschen auch herausfordern und wieder interessieren."

"Nicht daran wie einer von Gott redet, erkenne ich, ob seine Seele durch das Feuer der göttlichen Liebe gegangen ist, sondern daran, wie er von irdischen Dingen spricht."

Zahlreiche Gottesdienstbesucher kamen zur feierlichen Diakonenweihe in die St. Anna-Basilika.
Zahlreiche Gottesdienstbesucher kamen zur feierlichen Diakonenweihe in die St. Anna-Basilika.
Allerheiligenlitanei: die Weihekandidaten legen sich auf den Boden.
Allerheiligenlitanei: die Weihekandidaten legen sich auf den Boden.

Die Begegnung mit Jesus – "in Seinem Wort, in Seinem Sakrament und in den Zeuginnen und Zeugen, die aus Ihm leben" – betonte Bischof Oster als "ein Heil, das uns wirklich befreit von Sünde und der Angst vor dem Tod – und zwar heute schon". Er zitierte die jüdische Philosophin Simone Weil, die das Evangelium so sehr geliebt habe: "Nicht daran wie einer von Gott redet, erkenne ich, ob seine Seele durch das Feuer der göttlichen Liebe gegangen ist, sondern daran, wie er von irdischen Dingen spricht." Daran werde deutlich, ob es einer verstehe, "die irdischen Dinge für die Gegenwart Gottes aufzuschließen, so hinzuzeigen, dass Gott darin begegne, erkannt werde". Auch Jesus habe für seine Gleichnisse vom Reich Gottes alltägliche Begebenheiten gewählt, u.a. Erzählungen von Fischern, Bauern, Handwerkern, von Frauen, die Teig backen, usw. "Mitten im Hier und Jetzt fängt es an, hat es schon angefangen, ist der Herr schon da", erklärte Bischof Oster und appellierte an die neu geweihten Diakone, als "Diener der Freude und der Freundschaft mit Jesus" den Menschen zu helfen, die Gegenwart des Herrn zu entdecken und in sich wirken zu lassen. Wenn wir Christi Gegenwart im Herzen des anderen entdeckten, dann erwachse daraus eine bleibende Frucht: Im Geliebt-sein und in der Liebe.

Feierliche Weihe, zahlreiche Besucher

Bischof Stefan Oster spendet Hubertus Kerscher die Weihe.
Bischof Stefan Oster spendet Hubertus Kerscher die Weihe.
Bischof Stefan Oster überreicht Simon Steinbauer das Evangelienbuch.
Bischof Stefan Oster überreicht Simon Steinbauer das Evangelienbuch.
Bischof Stefan Oster nimmt die neuen Diakone in die Chorgemeinschaft auf.
Bischof Stefan Oster nimmt die neuen Diakone in die Chorgemeinschaft auf.

Nach der Predigt erfolgte der feierliche Akt der Weihe. Dabei erklärten die Kandidaten zunächst ihre Bereitschaft, das Amt des Diakons zu übernehmen; erst danach wurde der eigentliche Weiheritus vollzogen, als Bischof Stefan Oster den vier Weihekandidaten die Hände auflegte. Dann wurden die liturgischen Gewänder, Stola und Dalmatika angelegt und als sichtbares Zeichen symbolisch das Evangelienbuch überreicht.

Viele Verwandte, Bekannte und Freunde der neugeweihten Diakone nahmen am Gottesdienst teil, außerdem zahlreiche Priester: darunter Bischof em. Wilhelm Schraml; für das Passauer Priesterseminar St. Stephan kamen Regens Martin Dengler, Subregens Msgr. Dr. Hans Bauernfeind, Spiritual P. Mirco Legawiec und Präfekt Xavier Prodduturi; als Ständiger Diakon für die Diözese Passau Dr. Anton Cuffari; als die Altöttinger "Haupt-Vertretung" im kirchlichen Amt waren Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl und für die Kapuziner Guardian P. Norbert Schlenker zugegen. Der Pontifikalgottesdienst wurde von Kapellchor und -orchester mit der Missa in G von M. Filke unter der Leitung von Kapellmeister Max Brunner hervorragend musikalisch gestaltet. Nach der Vesper in der Stiftspfarrkirche St. Philippus und Jakobus zogen die vier neugeweihten Diakone in einer kleinen Prozession zur Gnadenkapelle, um der Gnadenmutter in einer Marienweihe ihren persönlichen Dank abzustatten; am Gnadenaltar entzündeten sie die mitgebrachte Votivkerze.

Künftig wirken die Neugeweihten als Diakone im Dienst der Kirche, dürfen segnen, das Tauf- und Ehesakrament spenden sowie "das Wort Gottes auslegen". Am 30. Juni nächsten Jahres erfolgt die Priesterweihe im Passauer Dom. Übrigens: Die Altöttinger dürfen gespannt sein, ist doch durchgesickert, dass unter den vier neugeweihten Diakonen (nach deren Priesterweihe im Juni nächsten Jahres) der zukünftige neue Kaplan zu finden ist, der ab September 2018 im Pfarreienverband St. Philippus und Jakobus mit St. Josef/Altötting-Süd und Mariä Heimsuchung/Unterholzhausen seinen Dienst antreten wird.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner