Altöttinger Liebfrauenbote

Bruder Konrad-Fest in Altötting

Die Türen öffnen

"Die Türen öffnen, den Menschen begegnen" – dies waren die wesentlichen Botschaften der drei Predigten von Kapuzinerpater Br. Bernd Kober aus Salzburg beim diesjährigen Bruder Konrad-Fest in Altötting – die traditionellen Feierlichkeiten fanden rund um den Festtag des Heiligen am 21. April statt. Dabei erzählte Br. Bernd auch, wie es an der Türe zu peinlichen Situationen kommen kann, wenn man sich nur oberflächlich auf sein Gegenüber einlässt.

Festprediger Br. Bernd Kober.
Festprediger Br. Bernd Kober.

Denn auch bei den Kapuzinern kann es offenbar passieren, das Gäste mal schnell "abgespeist" werden: Br. Bernd, Leiter des Noviziats der deutschsprachigen Kapuziner, erzählte von einem Novizen, der einem "Mann im Regenmantel und mit zerzaustem Haar" einfach ein Stück Brot aus der Armenspeisung in die Hände drückte ohne nach seinen Anliegen zu fragen – tatsächlich aber wollte der junge Mann an der Klostertüre am Novizen-Unterricht teilnehmen. Auch so etwas kann passieren, dies sei ein typisches Beispiel für "zu schnell geschossen", stellte Br. Bernd bei der Festmesse zum Patrozinium der Klosterkirche St. Konrad am 123. Todestag des Heiligen am 21. April fest und schob nach: Einem Br. Konrad von Parzham wäre dies sicherlich nicht passiert. Denn: Br. Konrad habe Menschen nicht einfach nur die Türe geöffnet, sondern sein Gegenüber wahrgenommen, angenommen, sich auf ihn eingelassen; er habe sich Zeit genommen zum Gespräch und zum Zuhören, er habe Verständnis gezeigt und Trost gespendet. Wer das persönliche Gespräch annehme, der lasse auch Veränderungen im eigenen Leben zu, erklärte Br. Bernd außerdem. Damit sei der Klosterpförtner auf den Spuren Jesu gewandelt: "Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet", zitierte Br. Bernd das Evangelium (Lk 11,10).

Jesus auf den Grund gehen

Feierliche Reliquienprozession über den Kapellplatz.
Feierliche Reliquienprozession über den Kapellplatz, vorne Kapuzinerpater Norbert Schlenker.

Das besondere Verhältnis von Br. Konrad zu Jesus Christus war auch Thema der Vorabendmesse am Samstagabend, 22. April. "Br. Konrad war ein Mensch mit einer besonderen Ausstrahlung", stellte Br. Bernd fest und fügte hinzu: "Hinter Br. Konrad stehen die Kapuziner und ihre Tradition - die franziskanische Tradition und der enge Bezug zu Jesus Christus." Jesus auf den Grund zu gehen, riet Br. Bernd den Gottesdienstbesuchern in der St. Anna-Basilika und nannte Br. Konrads Ausspruch "Das Kreuz ist mein Buch" als Richtschnur. Br. Bernd erklärte: Jesus habe den Menschen keine Anweisungen gegeben, er habe Geschichten und Gleichnisse erzählt, Beispiele wie Gott selbst den Menschen begegnet sei. Wer Jesus auf diese Art lese, der könne ebenso "ausstrahlen" wie Br. Konrad. Diesen habe vor allem auch seine Liebe zur Eucharistie ausgezeichnet. Hierzu merkte Br. Bernd an: "Bei der Feier der Eucharistie geht es nicht darum, auf den Knien kleben zu bleiben; nicht das konsekrierte Brot ist das Zentrum. Es geht darum, dass wir es aufnehmen, damit Jesu Leben in uns Gestalt gewinnt." Es gehe um die Verwandlung des eigenen Lebens und auch darum, die Frohe Botschaft zu verkünden.

Einander begegnen und den Frieden suchen

Br. Georg Greimel verteilt Konrad-Weckerl und begrüßt einen ganz jungen Konrad.
Br. Georg Greimel verteilt Konrad-Weckerl und begrüßt einen ganz jungen Konrad.

Hinauszugehen und wie Br. Konrad die Begegnung mit anderen Menschen zu suchen war schließlich Br. Bernds Rat in seiner Predigt zur festlichen Orchestermesse am Sonntag, 23. April in der St. Anna-Basilika. "Jesus tritt ein und wo er eintritt bleibt die Türe offen", bezog sich Br. Bernd auf seine vorherigen Predigten. Mit Verweis auf das Tagesevangelium über die "Beauftragung der Jünger" und "Jesus und Thomas" (Joh 20, 19-31) erklärte er: "Jesus geht auf Thomas' Wunsch ein, seine Wunden berühren zu dürfen, weil er, so glaube ich, die skeptische Seite an Thomas schätzt." Auch im Evangelium gehe es um eine offene Türe: "Jesus möchte nicht, dass die Jünger traurig und ängstlich im stillen Kämmerlein sitzen bleiben, sondern dass sie sich der Welt öffnen, Menschen begegnen und die Frohe Botschaft verkünden." Immer wieder ging Br. Bernd auch auf den hl. Franz von Assisi sowie auf die Gottesmutter ein – auch diese beiden suchten die Begegnung. "Überall, wo uns Menschen begegnen, da begegnet uns auch Jesus Christus", stellte Br. Bernd fest und riet den Gottesdienstbesuchern hinauszugehen und mit dem lebendigen Gott zu rechnen. "Gerade in schwierigen Zeiten gibt es keinen anderen Weg als einander zu begegnen und miteinander den Frieden zu suchen", sagte er auch. Mit Blick auf Jesu' Sendungsauftrag – "Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" (Mk 16,15) – sagte Br. Bernd: "Vertrauen wir darauf, dass Jesus überall mitgeht und uns sendet als seine Botinnen und Boten."

Vor allem die Festmesse am Sonntag war sehr gut besucht. Bereits am Samstagabend war die Bruder-Konrad-Hauptreliquie in die St. Anna-Basilika übertragen worden. Den Samstagabendgottesdienst schloss eine feierliche Lichterprozession ab. Nach der Festmesse am Sonntag zogen Kapuziner und Gottesdienstbesucher, darunter Altöttinger Vereine mit Fahnenabordnungen, in einer feierlichen Reliquienprozession hinauf zum Kapellplatz. Nachdem die Hauptreliquie des Heiligen in die St. Konradkirche zurückgebracht worden war, luden die Kapuziner zu einem geselligen Beisammensein mit Konrad-Weckerl und Freigetränken am Basilikavorplatz ein. Das Fest klang aus mit einer Vesper am Sonntagspätnachmittag in der St. Konradkirche, wo Kapuziner anschließend den Einzelreliquiensegen spendeten.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

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