Altöttinger Liebfrauenbote

Im Schwarzwaldort St. Peter lebt der uralte Brauch des Osterfeuertragens fort

Glühende Schwämme statt brennende Kerzen

Der Brauch des Osterfeuertragens in der Schwarzwaldgemeinde St. Peter geht auf uralte Zeiten zurück. Bis heute werden dabei am Ostersonntag auf dem Kirchplatz getrocknete Baumschwämme entzündet. Junge Gemeindemitglieder tragen die vom Pfarrer gesegneten glühenden Schwämme dann als Osterlichter von Haus zu Haus.

Das Osterfeuer vor der Pfarrkirche St. Peter und Paul.
Das Osterfeuer vor der Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Dichter Qualm wabert über den Klosterhof. Jungen wie Mädchen drängen sich dicht um das Feuer vor der barocken Pfarrkirche im Schwarzwaldort St. Peter, 20 Kilometer östlich von Freiburg. Manches Auge tränt ob der Rauchschwaden, manches Gesicht wird verzogen, und doch werfen die Kinder eifrig ihre mitgeführten kleinen Drahtkisten in die von Ästen, Zweigen und Reisig gespeisten Flammen. In diese Drahtgestelle haben sie große Pilze gesteckt – Baumschwämme, die sie im Wald gesammelt und dann monatelang getrocknet haben. Die Schwämme werden nun so lange ins Feuer gehalten, bis sie glimmen und kräftig rauchen – aber nicht etwa brennen. Dann trägt die Dorfjugend sie als glühende Osterboten zu den Höfen und Häusern der Umgebung.

"Der Brauch geht in Zeiten zurück, an die man sich nicht mehr erinnern kann", erklärt Klemens Armbruster, Pfarrer in St. Peter. "Ursprünglich ließ man am Karfreitag die Herdfeuer erlöschen, und Ostersamstag bekam man dann von den Osterfeuerträgern das neue Feuer. Mit Umstellung der Liturgie geschieht dies heute am Ostersonntag", fügt der Geistliche hinzu. "Der Brauch soll den Häusern und Höfen neues Feuer bringen und sinnbildlich wie Christus Licht und Wärme verbreiten."

Kerzen waren rar und teuer

Während des Gottesdienstes liegen die Osterschwämme im Altarraum der barocken Pfarrkirche.
Während des Gottesdienstes liegen die Osterschwämme im Altarraum der barocken Pfarrkirche.
Nach der Segnung des Osterfeuers gibt Pfarrer Klemens Armbruster ...
Nach der Segnung des Osterfeuers gibt Pfarrer Klemens Armbruster ...
... das "Startsignal" für die wartenden Kinder und ihre Eltern.
... das "Startsignal" für die wartenden Kinder und ihre Eltern.

Und so tragen die Kinder von St. Peter Jahr für Jahr glühende Osterschwämme durch die Straßen und über Wiesen in ihrer Gemeinde umher, um den Häusern und Höfen die rechte Osterstimmung zu verleihen. Glühende Schwämme statt brennende Kerzen wohl auch deshalb, weil letztere dereinst rar und unerschwinglich waren, Baumpilze jedoch in Hülle und Fülle vorhanden waren. Zurück zur Natur, hieß es daher zum Osterfest, und in St. Peter hat sich diese alte Tradition bis heute erhalten.

Doch bevor sich die Kinder diesem Brauch folgend mit den Schwämmen zu den teils entlegenen Bauernhöfen auf den Weg machen, findet in der schmucken Dorfkirche St. Peter und Paul ein Ostergottesdienst statt. Während Pfarrer Armbruster die hl. Messe feiert, liegen die Bündel mit den Baumschwämmen vor dem Altar. Gegen Ende schwenkt der Geistliche das Weihrauchfass und nebelt Gemeindemitglieder, Osterfeuerträger und Baumschwämme gleichermaßen ein. Endlich geht es hinaus auf den Klosterplatz. Die Ministranten folgen dem Geistlichen und die Kinder mit ihren gesammelten Pilzen. Vor dem Gotteshaus hat Mesner Franz mittlerweile ein Feuer in einem gusseisernen Kasten entfacht, entzündet an der Osterkerze. Punkt 15 Uhr segnet Pfarrer Armbruster das Feuer und die Schwämme. Dann gibt er das Startsignal: "Und los geht's!"

Prompt springen die Kinder dicht ans Feuer und werfen reihum ihre Drahtkästen oder einfach auf einen Draht aufgefädelten großen Schwamm auf das funkensprühende Feuer. "Am besten eignen sich die Schwämme oder eigentlich Pilze, die an Buchen gewachsen sind", fachsimpelt ein Vater, der für seinen noch sehr kleinen Sohn die schwere Last trägt. Nach kurzer Zeit fangen die Schwämme an zu glimmen. Nach und nach zerren die Osterfeuerträger ihre Pilze aus dem Feuer. Munter und fröhlich schwenken sie ihre Last hin und her, stolze Väter machen Fotos von den Jungen, größere Brüder weisen die kleineren ein, geben ihnen Tipps. Lodert ein Schwamm auf, etwa, wenn er zu lange getrocknet wurde, wird das offene Feuer am Schwamm ausgepustet oder mit der Blumenspritze besänftigt.

"Wir bringen das geweihte Feuer"

Die Holz-Schwämme (genauer: -Pilze) sollen nur glühen, nicht brennen.
Die Holz-Schwämme (genauer: -Pilze) sollen nur glühen, nicht brennen.
Die im Wald gesammelten Schwämme werden von den Kindern  in Drahtkörben zum Osterfeuer und dann zu den umliegenden Häusern und Höfen getragen.
Die im Wald gesammelten Schwämme werden von den Kindern in Drahtkörben zum Osterfeuer und dann zu den umliegenden Häusern und Höfen getragen.

Wenn die Kinder das Osterfeuer zu den teils weit verstreuten Höfen der Umgebung tragen, werden sie dort schon erwartet. "Wir bringen das geweihte Feuer", rufen die kleinen Gemeindemitglieder schon von Weitem. Der alten Tradition folgend, schneiden oder brechen sich die Haus- oder Wohnungsbewohner ein Stück vom Schwamm ab und legen es ins Herdfeuer. Gleichfalls nach altem Brauch erhalten die Feuerträger eine Belohnung für ihr Werk, eine Süßigkeit hier, ein bisschen Taschengeld dort. Denn zumindest der Legende nach soll der harzige, würzige Rauch des glimmenden Feuers der Osterschwämme die Häuser vor Blitz, Gewitter und sonstigem Unheil schützen.

Neben der Dorfjugend sind natürlich auch zahlreiche ältere Gemeindemitglieder zum Gottesdienst gekommen. Nach dessen Abschluss freuen sie sich mitanzusehen, wie vor dem Portal der Kirche der alte Brauch in St. Peter gepflegt wird. "Früher war das Osterfeuertragen ein Brauch nur für Jungen, heute dürfen auch Mädchen teilnehmen – dieses Jahr ist aber keines dabei", erklärt Gemeindemitglied und Heimatpflegerin Theresia Respondek. "Früher nahmen bis zu 100 Jungen teil, motiviert durch eine Taschengeldaufbesserung. Aber manchmal gab es als Belohnung auch rohe Eier – und damit auch zerbrochene Eier in Hosentaschen", fügt sie schmunzelnd hinzu.

Text: Peter Beyer (storymacher), Fotos: Ruth Bourgeois (storymacher)

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