Altöttinger Liebfrauenbote

90. Geburtstag von Papst em. Benedikt XVI.: Sonderausstellung im Geburtsort Marktl am Inn

"Ein dynamischer Kraftraum"

Sie ist deutlich zu spüren in diesen Tagen im Bistum Passau und besonders in Marktl am Inn, diese Welle der Freude und Dankbarkeit. Zum 90. Geburtstag des emeritierten Papstes Benedikt XVI. am Ostersonntag erweist das Geburtsbistum des ehemaligen Kirchenoberhaupts dem großen Theologen und "bayerischen Papst" die Ehre.

Ludwig Raischl, Leiter des Papstgeburtshauses, Bildhauer Josef Alexander Henselmann, Bischof Stefan Oster und Josef Sonnleitner von der Stiftung Papstgeburtshaus.
Eindrucksvolles Motiv der Sonderschau in Marktl am Inn ist der blaue Fisch in Anspielung auf den Fischerring von Papst Benedikt XVI. Beim Gang durch die Ausstellung (von rechts): Ludwig Raischl, Leiter des Papstgeburtshauses, Bildhauer Josef Alexander Henselmann, Bischof Stefan Oster und Josef Sonnleitner von der Stiftung Papstgeburtshaus.

Dreh- und Angelpunkt ist das Papstgeburtshaus am Marktplatz in Marktl am Inn. Am Karsamstag 1927 wurde Joseph Ratzinger in diesem mehr als 200 Jahre alten ehemaligen kurfürstlichen Maut- und Zollhaus geboren. Wenn nun am Ostersonntag, 16. April, der 90. Geburtstag dieses großen und berühmten Sohnes von Marktl gefeiert wird, steht auch im Papstgeburtshaus ein kleines Jubiläum an: Seit zehn Jahren ist es öffentlich zugänglich und macht an Ostern für die Gäste nun wieder seine Pforten auf zum Start in die neue Saison.

Und die Besucher dürfen sich auf eine interessante Sonderausstellung freuen: Anlässlich des Ehrentages des emeritierten Papstes Benedikt XVI. wird die Schau mit dem Titel "Noch nicht im vollen Licht" gezeigt. Präsentiert werden Werke des Münchner Bildhauers Prof. Dr. Josef Alexander Henselmann, der bereits ein Relief des emeritierten Papstes für den Münchner Liebfrauendom zur Erinnerung an Benedikts Bayern-Besuch im September 2006 geschaffen hatte. Der Hintergrund des Titels der Ausstellung: In seinen Erinnerungen "Aus meinem Leben" stellt Joseph Ratzinger Überlegungen über seinen Geburts- und Tauftag an: "Aber je länger ich nachdenke, desto mehr scheint mir das dem Wesen unseres menschlichen Lebens gemäß zu sein, das noch auf Ostern wartet, noch nicht in vollem Licht steht, aber doch vertrauensvoll darauf zugeht!"

Zu einem ersten Rundgang durch die Ausstellung schon vor der offiziellen Eröffnung startet Bischof Dr. Stefan Oster SDB mit Medienvertretern und Ehrengästen: Die Gäste im Geburtshaus betrachten ausgiebig die Werke Henselmanns. Dazu gehören Skizzen, vor allem von den Händen des emeritierten Papstes, aber auch Skulpturen und Bilder. Warum er gerade die Hände so oft abbildet? Dazu der Künstler: "Die Hände von Papst Benedikt sind für mich sehr beeindruckend, sehr bewegend und waren auch ganz wichtig bei der Darstellung von Papst Benedikt auf dem Relief, das im Münchner Dom hängt. Diese Geste ist einzigartig. Man erkennt Papst Benedikt, auch wenn man nur diese Hand sieht, die halb segnend, halb richtungsweisend ist. Zu den Händen habe ich viele Studien gemacht und viele hängen nun groß und klein hier im Haus", erzählte der Künstler, der durch die Ausstellung führte.

Neben den Zeichnungen greift Henselmann in einigen Asche-Bildern Motive der Passions- und Osterzeit auf. Dazu kommt ein großer blauer Fisch in Anspielung auf den "Fischerring" des Papstes. Die Besucher bekommen auch die Rekonstruktion einer Glastür zu sehen, die der Künstler für die Münchner Kirche Heilig Blut geschaffen hat, in der der emeritierte Papst einst als Kaplan aus und ein ging.

Beeindruckende Vielfältigkeit

Zu Ehren von Papst Benedikt XVI. komponierte Dr. Philipp Ortmeier ein Werk für die Osterliturgie und gewann damit den Wettbewerb von Bistum Passau und Stiftung Geburtshaus Papst Benedikt XVI.
Zu Ehren von Papst Benedikt XVI. komponierte Dr. Philipp Ortmeier ein Werk für die Osterliturgie und gewann damit den Wettbewerb von Bistum Passau und Stiftung Geburtshaus Papst Benedikt XVI.

Bischof Stefan Oster ließ beim Rundgang die Werke von Josef Alexander Henselmann auf sich wirken. "Mich beeindruckt die Vielfalt seines künstlerischen Schaffens – von abstrakten Werken mit Asche, von großen Plastiken bis hin zu sehr feinen Zeichnungen. Das ist ein sehr variantenreiches, künstlerisch qualitätsvolles Werk. Was natürlich unmittelbar an Benedikt erinnert, sind die Skizzen, die Studien vor allem der Hände Benedikts, die sehr charakteristisch sind. Nicht zuletzt in den Werken im Geburtszimmer wird das Leben in seiner Fülle, in seinen Herausforderungen, mit seinen Aufs und Abs vorgestellt. Das Thema ,Noch nicht im vollen Licht' kommt auch immer wieder in den Werken zum Ausdruck. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!"

Das Geburtsbistum des früheren Kirchenoberhauptes hatte sich im Vorfeld von dessen Ehrentag aber noch etwas Besonderes einfallen lassen: Gemeinsam mit der Stiftung des Geburtshauses wurde ein Wettbewerb für eine "Osterkomposition" gestartet. Unter den 19 eingereichten Werken ermittelte die Jury unter Vorsitz von Diözesan- und Dommusikdirektor Dr. Marius Schwemmer den Gewinner: Dies ist der gebürtige Passauer Philipp Ortmeier, der mit seinem Werk "Mache dich auf" für vierstimmig gemischten Chor, Gemeindegesang, Schlagwerk und Orgel die Jury überzeugte. Der Komponist über sein Werk: "Licht als österliches Symbol für die Auferstehung und das ewige Leben steht dabei im Zentrum. Für mich ist es eben dieses Zugehen auf das Licht, das im Stück erlebbar werden soll, was ja auch in den Schriften von Benedikt immer wieder auftaucht." Der Komponist ist natürlich sehr glücklich darüber, dass sein Werk nun im Passauer Dom in der Osternacht und in Marktl in der Ostervesper uraufgeführt wird.

Glücklich waren auch die Verantwortlichen im Papstgeburtshaus über die Resonanz beim ersten Rundgang durch die Sonderschau. Theologischer Leiter Ludwig Raischl: "Man beschäftigt sich ja lange und eingehend im Vorfeld damit, bis die Ausstellung steht. Und wenn man dann wie heute beim ersten Rundgang so anerkennende Rückmeldungen bekommt, dann ist das schon schön. Das Geburtszimmer zum Beispiel ist natürlich ein zentraler Raum im Haus – mit den Darstellungen von drei hungernden Kindern, mit der Heiligen Familie, die nach Ägypten auf der Flucht ist, mit Engeln und den Worten Josef Ratzingers zu seiner Geburt – das ist schon ein starker dynamischer Kraftraum!"

Das Papstgeburtshaus in Marktl ist nun wieder bis Allerheiligen normal geöffnet: Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr. Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Am Ostersonntag, dem Geburtstag von Papst em. Benedikt XVI., dürfen alle Geburtstagskinder kostenlos rein und bekommen um 14.30 Uhr von Ludwig Raischl auch eine kostenlose Geburtstagsführung durch die Ausstellung. Um 18 Uhr abends findet dann in der Pfarrkirche, in der Papst Benedikt getauft wurde, eine feierliche Ostervesper mit Bischof Dr. Stefan Oster statt, wobei auch die Osterkomposition von Philipp Ortmeier uraufgeführt wird. Ein Besuch in Marktl lohnt sich, wo sonst kann der Besucher so intensiv in das Leben und die Gedankenwelt des "bayerischen Papstes" eintauchen?

Text: Uschi Friedenberger, Fotos: Werner Friedenberger