Altöttinger Liebfrauenbote
Einzug der Fahnenabordnungen in die Basilika, ganz vorne die Fahne der MC Malgersdorf.
Einzug der Fahnenabordnungen in die Basilika, ganz vorne die Fahne der MC Malgersdorf, aus der heuer auch die Ministranten für den Festgottesdienst kamen; seit rund zwei Jahren wird hier gewechselt – zuletzt kamen die jungen Ministranten aus Obertaufkirchen.

Über 1.500 Gläubige feiern Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation

"Männer wie Sie brauchen wir dringend"

Auch heuer haben über 1.500 Gläubige in Altötting das traditionelle Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation (MC) gefeiert. "Männer wie Sie, die ganz zur Kirche gehören wollen und die sich das Evangelium zur Richtschnur des Lebens machen, brauchen wir dringend – in der Gesellschaft und auch in der Kirche selbst", sagte am 18. September in seiner Predigt in der St. Anna-Basilika Barnabas Bögle, Abt im Kloster Ettal und Abtpräses der bayerischen Benediktinerkongregation, zu den MC-Sodalen. Beim anschließenden Obmännertreffen im Kongregationssaal stellte sich der Abt den Fragen der Sodalen. Der Altöttinger MC-Präses Kapuzinerpater Br. Georg Greimel nahm bei der Neuaufnahmefeier am Nachmittag elf neue Mitglieder auf.

Abt Barnabas Bögler während seiner Predigt in der Basilika.
Abt Barnabas Bögler während seiner Predigt in der Basilika.

In seiner Predigt stellte Abt Barnabas die Gottesmutter Maria "als das Vorbild christlicher Existenz" heraus. Anhand von drei Szenen am Anfang des Lukas-Evangeliums verdeutlichte er, "wie Christsein heute möglich" sein könne: "Als Hörer des Evangeliums; als Mensch, der auf andere liebend und helfend zugeht; als Glaubender, dessen Leben immer mehr zum Lobpreis Gottes wird".

Mit Blick auf die "Verheißung der Geburt Jesu" (Lk 1, 26-38) erklärte er: Maria werde hier als die "bescheidene Hörerin des Wortes Gottes" vorgestellt. Auch gläubige Christen sollten ihrem Alltag "eine klare Struktur" geben, "wie und wann wir das Wort Gottes hören" – "Jeden Tag zumindest 15 Minuten ein kleines Kapitel im Evangelium lesen und fragen: 'Herr, was willst Du mir heute sagen?'", empfahl er den Gottesdienstbesuchern. Zur Szene über Marias Weg zu ihrer schwangeren Base Elisabeth (Lk 1, 39f) erklärte der Abt: "Der Mensch, der wirklich klar Christus in die Mitte seines Lebens stellt, der wendet sich den anderen Menschen zu", der hat "immer einen Blick für diejenigen, die ein Wort des Trostes oder ein Wort der Orientierung brauchen". Abt Barnabas forderte einen "Blick für Kranke, Arme und Hilfsbedürftige", aber auch für diejenigen, die uns am "allernächsten" stehen. An die Eltern und Großeltern gewandt sagte er: "Vergessen Sie nie: Sie sind die ersten Religionslehrer unserer Kinder. Seien Sie ein Beispiel des täglichen Gebets und der Nächstenliebe." Zum Kapitel über den "Besuch Marias bei Elisabeth" (Lk 1, 46-55) und zum Magnificat erklärte der Prediger: "Maria stimmte den ersten Lobpreis der Kirche an." Gläubige Christen sollten "mit ihren Brüdern und Schwestern die Eucharistie feiern und am Ende des Tages dem Herrn sagen: 'Ich danke Dir, dass Du mich heute wieder begleitet hast'."

49 Fahnenabordnungen

Abt Barnabas Bögle gratuliert einem Sodalen zur Lebensweihe.
Abt Barnabas Bögle gratuliert einem Sodalen zur Lebensweihe.

Während des Festgottesdienstes, der von der Altöttinger Hofmusik unter der Leitung von Karlmann Kanzler sowie Johanna Kowatschewitsch an der Orgel musikalisch gestaltet wurde, legten 14 MC-Sodalen nach einjähriger Mitgliedschaft ihre Lebensweihe ab. Insgesamt 49 Fahnenabordnungen waren in die Basilika zum Gottesdienst eingezogen.

Als Konzelebranten unterstützten Pfr. i.R. Josef Hecker, MC-Präses Br. Georg Greimel, assistiert von Diakon Ulrich Bork (Hamburg), den Hauptzelebranten Abt Barnabas Bögle. Unter den Gottesdienstbesuchern waren u.a. MdL Martin Huber, Landrat Erwin Schneider und Kreisräte sowie Altöttings Zweiter Bürgermeister Wolfgang Sellner und Stadträte.

"Zeichen der Hoffnung"

MC-Präfekt Stefan Burghart, Abt Barnabas Bögle und Br. Georg beim Obmännertreffen im Kongregationssaal.
MC-Präfekt Stefan Burghart (von links), Abt Barnabas Bögle und Br. Georg beim Obmännertreffen im Kongregationssaal.

"Ich bin beeindruckt, dass heute so viele Menschen am Gottesdienst teilnahmen", erzählte Abt Barnabas beim Treffen der MC-Obmänner im Kongregationssaal. Dies sei "ein Zeichen der Hoffnung – das hat auch mich gestärkt", sagte er, bevor er sich eingehend den Fragen der Sodalen stellte. Themen waren unter anderen der "würdige" Empfang der Kommunion – kniend mit dem Mund oder stehend mit offenen Händen – und die Position des Priesters am Altar bei der Wandlung – mit dem Rücken zum Volk oder mit dem Rücken zum Kreuz am Hochaltar.

Zum zweiten Punkt erklärte der Abt: Altäre seien in den frühen Papstkirchen immer frei in der Mitte gestanden und erst im Laufe der Zeit an die Wand gerückt. Zwar habe Benedikt XVI. den "tridentinischen Ritus" (mit dem Rücken zum Volk) bei der Messfeier wieder zugelassen, doch die "reguläre" Form sei seit dem II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) im "Kreis um den Altar herum" und mit dem Blick aller Beteiligten – Priester und Gottesdienstbesucher – auf das Allerheiligste auf dem Altar. So sei Christus wirklich "in der Mitte".

Zum ersten Punkt erklärte der Abt: Auch hier habe sich viel verändert. Die liturgische Gebärde des Kniens sei erst im ausgehenden Mittelalter aufgekommen, die mehr als tausend Jahre davor galt das Stehen als "würdige Haltung" während der Messfeier. Mit der "Mundkommunion" und mit dem Empfang der Hostie mit der "demütigen Geste der offenen Hände" gebe es zwei von der Kirche anerkannte Grundformen. Heute seien wir "in der glücklichen Situation, dass jeder eine gewisse Freiheit hat, wie er die Kommunion empfangen möchte", erklärte der Abt. Letztlich sei Würde immer auch eine Frage der Haltung – "wichtig ist, was im Herzen vorgeht", stellte er fest.

"Vielfalt und wunderschöne Weite der katholischen Kirche"

Abt Barnabas Bögle begrüßt einen Sodalen.
Abt Barnabas Bögle begrüßt einen Sodalen.

Der Abt warnte indirekt auch vor Fundamentalismus, als er mahnte, nicht zu "meinen, dass man alles bereits verstanden" habe, denn "Gottes Geheimnis" lasse sich von Menschen nicht vollends ergründen. Stattdessen lobte Abt Barnabas die "Vielfalt und wunderschöne Weite der katholischen Kirche". Im Gegensatz zu Protestanten, die viele Formen der Andacht und des Gebets abgeschafft hätten, hätten Katholiken eine reiche Auswahl; als Beispiele nannte er: "Wir können die Kreuzwegandacht feiern, wir können den Rosenkranz beten – wir müssen aber nicht."

Auf eine weitere Frage zum Thema Abtreibung und der "Mit-Verantwortung von Männern" – an diesem Wochenende fand in Berlin der "Marsch für das Leben" statt, an dem sich auch Bischöfe beteiligt hatten – erklärte Abt Barnabas: "Alle Getauften sind in der Pflicht, für das Leben einzutreten." Entscheidend sei, Frauen Respekt entgegenzubringen – "nicht erst während der Schwangerschaft, sondern grundsätzlich" – dann gebe es auch weniger Abtreibungen.

Zehn Jahre Papstbesuch: Positive Resonanz

Neuaufnahmefeier: MC-Präses Br. Georg Greimel gratuliert einem neuen Sodalen.
Neuaufnahmefeier: MC-Präses Br. Georg Greimel gratuliert einem neuen Sodalen. Rechts MC-Präfekt Stefan Burghart.

Bereits zuvor hatte Stefan Burghart die Obmänner herzlich begrüßt. Burghart, der vor genau fünf Jahren zum MC-Präfekten gewählt worden war, blickte auf die gute Resonanz nach den Feierlichkeiten eine Woche zuvor zum zehnjährigen Jubiläum des Papstbesuchs in Altötting zurück – die MC habe daraufhin einige neue Mitglieder gewinnen können, auch eine Neugründung einer MC-Ortsgruppe im benachbarten Österreich stehe in Aussicht.

Burghart wies u.a. auch auf die geplante Feier "100 Jahre Patrona Bavariae" im kommenden Jahr in München hin; außerdem auf das 100-Jahr-Gedenken der Erscheinungen von Fatima, das ebenfalls 2017 begangen werde. Br. Georg animierte die Sodalen dazu, für das "Hl. Jahr der Barmherzigkeit" und die beiden "Heiligen Pforten" in Altötting zu werben.

"Vergebung und Versöhnung"

Eucharistische Prozession in der Basilika.
Eucharistische Prozession in der Basilika.

Das Thema "Vergebung und Versöhnung" stellte MC-Präses Br. Georg Greimel in den Mittelpunkt seiner Predigt bei der Neuaufnahmefeier am Nachmittag. Nicht vorschnell verzeihen, riet er den Gottesdienstbesuchern, dennoch aber nach Wegen zur Vergebung suchen, "damit wir frei werden für ein gutes Miteinander". Mit Blick u.a. auf Jesu Bergpredigt (Lk 6, 12ff) – "Liebt eure Feinde ..." –, auf den Paulus' Brief an die Römer – "Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht!" (Röm 12,17) – und mit Blick auf Jesu Worte am Kreuz – "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." (Lk 23,34) – empfahl Br. Georg "Jesus zum Maßstab unseres Lebens" zu machen.

Die traditionelle Eucharistische Prozession über den Kapellplatz und Statio vor der Gnadenkapelle nach der Aufnahmefeier musste heuer aufgrund des schlechten Wetters abgesagt werden. Stattdessen hielten Priester, Diakon und Ministranten, der MC-Vorstand und die Fahnenabordnungen eine kleine Prozession in der Basilika ab.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Einzug der insgesamt 49 Fahnenabordnungen zum Festgottesdienst in die Basilika.
Einzug der insgesamt 49 Fahnenabordnungen zum Festgottesdienst in die Basilika.
Einzug der insgesamt 49 Fahnenabordnungen zum Festgottesdienst in die Basilika.
Einzug der insgesamt 49 Fahnenabordnungen zum Festgottesdienst in die Basilika.
Einzug der insgesamt 49 Fahnenabordnungen zum Festgottesdienst in die Basilika.
Einzug der insgesamt 49 Fahnenabordnungen zum Festgottesdienst in die Basilika.
Einzug zum Festgottesdienst in die Basilika.
Einzug zum Festgottesdienst in die Basilika.
Abt Barnabas Bögle.
Abt Barnabas Bögle.
Eucharistiefeier in der Basilika.
Eucharistiefeier in der Basilika (v.l.): MC-Präses Br. Georg Greimel, Diakon Ulrich Bork (Hamburg), Hauptzelebranten Abt Barnabas Bögle und Pfr. i.R. Josef Hecker.
Lebensweihe.
Lebensweihe.
Lebensweihe.
Lebensweihe.
Neuafnahmefeier.
Neuafnahmefeier.
Neuafnahmefeier.
Neuafnahmefeier.
MC-Präfekt Stefan Burghart und MC-Präses Br. Georg Greimel auf dem Weg zum Obmännertreffen; im Hintergrund Ehrenpräfekt Maximilian Posch.
MC-Präfekt Stefan Burghart (l.) und MC-Präses Br. Georg Greimel auf dem Weg zum Obmännertreffen; im Hintergrund Ehrenpräfekt Maximilian Posch.
MC-Präfekt Stefan Burghart beim Obmännertreffen im Kongregationssaal.
MC-Präfekt Stefan Burghart beim Obmännertreffen im Kongregationssaal.
Sodalen bei der Lebensweihe.
Sodalen bei der Lebensweihe.
Neusodalen bereiten sich auf die Aufnehmefeier vor.
Neusodalen bereiten sich auf die Aufnehmefeier vor.
Familienprogramm – Claudia Heuwieser führte durch die Schatzkammer im Haus Papst Benedikt XVI.
Familienprogramm – Claudia Heuwieser führte durch die Schatzkammer im Haus Papst Benedikt XVI.