Altöttinger Liebfrauenbote

Die Wallfahrt zum Mariahilfberg in Amberg in der Oberpfalz

Ein barockes Kleinod

Beter finden das ganze Jahr über den Weg auf den Mariahilfberg in Amberg, der neben einem reichen geistlichen Programm mit mehreren Messen pro Tag und Predigtreihen auch ein reichhaltiges weltliches Programm zu bieten hat. Spätestens um das Fest Mariä Heimsuchung am 2. Juli ist es mit der Beschaulichkeit hoch über der Stadt vorbei. Tausende von Pilger strömen dann auf den Berg. Die zehn Amberger Traditionsbrauereien sind dabei genauso vertreten wie die unterschiedlichsten Gaumenfreuden. Während der Bergfestwoche ist der Vorplatz der Kirche, der durch eine monumentale dreiseitige Treppenanlage und einem Freialtar geprägt ist, Hauptschauplatz des Wallfahrtsgeschehens. Den Trubel hinter sich lassend, kann der Pilger dann in der Kirche vor dem Gnadenbild der Gottesmutter seine Anliegen vorbringen, die fromme Bitte "Maria hilf!" auf den Lippen.

Gnadenbild aus der Wallfahrtskirche Mariahilf in Amberg, eine Kopie des Originals aus dem Innsbrucker Dom.
Gnadenbild aus der Wallfahrtskirche Mariahilf in Amberg, eine Kopie des Originals aus dem Innsbrucker Dom.

Der Ursprung dieser Wallfahrt, die zu einer der größten in ganz Bayern zählt, ist eine verheerende Pestepidemie in Amberg, die während des Dreißigjährigen Krieges wütete. Auf Rat von Pater Caspar Hell SJ, Rektor des Amberger Jesuiten-Gymnasiums, gelobten die Bürger der Gottesmutter eine Kapelle zu stiften, wenn die furchtbare Seuche ein Ende nehme.

Pater Hell stiftete selbst das Marienbild, eine Kopie des berühmten Gnadenbildes Mariahilf aus dem Innsbrucker Dom, das ein Werk von Lucas Cranach d. Ä. ist. Am 3. September 1634 wurde es in feierlicher Prozession auf den Amberg übertragen und in einem zur Kapelle umfunktionierten Turm aufgehängt. Wenige Wochen später ließ die Pest nach. Die 1641 errichtete Kapelle wurde bald zu klein für die große Zahl der Pilger, so dass ein neues Gotteshaus erbaut werden musste. Der Berg hieß von nun an Mariahilfberg. Auch die unterschiedlichsten politischen Entwicklungen in Bayern konnten in den folgenden Jahrhunderten der Verehrung des Gnadenbildes keinen Abbruch tun.

Beeindruckende Fresken

Fassade der Wallfahrtskirche Mariahilf.
Fassade der Wallfahrtskirche Mariahilf, die von 1696 bis 1702 erbaut wurde, der Turm folgte erst 1726.

In den Jahren 1696 bis 1702 wurde die heutige Wallfahrtskirche im Stil des Barocks erbaut. Die Pläne stammten vom bekannten Baumeister Wolfgang Dientzenhofer, der zu dieser Zeit auch das Jesuitenkolleg in der Stadt umbaute. Die beeindruckenden Fresken sind ein Werk von Cosmas Damian Asam, sie schildern die Geschichte der Wallfahrt: Pest in Amberg 1634 – Übertragung des Gnadenbildes auf den Berg – Rettung des Gnadenbildes während des Brandes 1646 – Weihe der Wallfahrtskirche 1711 und Gläubige pilgern zum Mariahilfberg. Die Stuckarbeiten fertigte Giovanni Battista Carlone, der gemeinsam mit Paolo Allio auch den Hochaltar schuf. In ihm ist in Marmor und Stuck das Gnadenbild eingefasst, das von einem 30 cm breiten Silberrahmen umgeben ist. Das Original von Lucas Cranach d. Ä. wurde nach 1537 geschaffen und unzählige Male kopiert, so dass es zu den meistverehrtesten Marienbildern in Süddeutschland und Österreich zählt. In Bayern wird es neben Amberg u.a. auch in Passau, Neumarkt und Schwandorf und in Vilsbiburg verehrt.

Von Anbeginn der Pilgerfahrten auf den Mariahilfberg waren es die Franziskaner, die sich um die Wallfahrer kümmerten. Sie hatten in der Stadt Amberg seit fast 200 Jahren ein Kloster. Ende des 17. Jahrhunderts wurde auf dem Berg ein kleines Kloster errichtet, damit die Mönche den ganzen Sommer über dort bleiben konnten. Mit der Säkularisation 1804 wurden beide Klöster aufgehoben. Nach der Reformationszeit mussten sie nun ein zweites Mal ihr Kloster verlassen, kamen aber 1832 wieder, als König Ludwig I. von Bayern die Errichtung eines Franziskanerklosters auf dem Berg genehmigte. Aus Personalmangel zogen sich die Franziskaner der Bayerischen Provinz im Jahre 2007 aus Amberg und der Wallfahrtsseelsorge zurück. Ihnen folgten jedoch unmittelbar polnische Mitbrüder der Ordensprovinz "Mutter Gottes von den Engeln" aus Krakau.

Text und Fotos: Carl Prämaßing