Altöttinger Liebfrauenbote

kfD München-Freising pilgert nach Altötting

"Frauen.Arbeit.Gerechtigkeit"

Der Diözesanverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) München-Freising hat am 5. und 6. Oktober wieder zur traditionellen Sternwallfahrt nach Altötting eingeladen. Zum Thema "Frauen.Arbeit.Gerechtigkeit" hielt die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Anna-Maria Mette bei der Andacht am Vormittag eine Ansprache an die Pilgerinnen, am Nachmittag wurde ein Gottesdienst mit P. Dr. Korbinian Linsenmann OSB, St. Bonifaz/München (5. Oktober) sowie mit Pfarrer Sebastian Heindl, Rosenheim (6. Oktober) in der St. Anna-Basilika gefeiert.

Der Vorstand der kfd München-Freising fordert mehr Gerechtigkeit für Frauen in Kirche und Gesellschaft. Vorne im Bild die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Anna-Maria Mette und P. Dr. Korbinian Linsenmann OSB.
Der Vorstand der kfd München-Freising fordert mehr Gerechtigkeit für Frauen in Kirche und Gesellschaft. Vorne im Bild die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Anna-Maria Mette und P. Dr. Korbinian Linsenmann OSB.

Die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft war Thema der Ansprache von Anna-Maria Mette. Diese habe im Laufe der Geschichte einen deutlichen Wandel erfahren, stellte sie fest. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts sei diese auf den häuslichen Herd und das Familienleben beschränkt gewesen, heute hätten Frauen dagegen die Möglichkeit, ihren Lebensweg selbst zu wählen und zu gestalten, gerade durch eine qualifizierte Ausbildung und in der Ausübung verschiedenster Berufe.

Aber dadurch seien nicht alle Schwierigkeiten und Hürden beseitigt, stellte die stellvertretende kfd-Vorsitzende fest. Der Blick auf das biblische Gleichnis von den "Arbeitern im Weinberg" (Mt 20,1-16) zeige auf: "Da kann eine kleine Gabe kostbarer sein, als ein großes Werk." In der realen Arbeitswelt aber sei die Bemessungsgrundlage eine andere: "Hier muss die gerechte Verteilung von Arbeit und eine gerechte Entlohnung der Maßstab sein", forderte Anna-Maria Mette.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Gleichen Lohn für gleiche Arbeit fordert die kdf. Pilgerinnen in Altötting machen mit Schildern darauf aufmerksam, dass Männer  im Schnitt immer noch 21 Prozent mehr verdienen als Frauen.
Gleichen Lohn für gleiche Arbeit fordert die kdf. Pilgerinnen in Altötting machen mit Schildern darauf aufmerksam, dass Männer im Schnitt immer noch 21 Prozent mehr verdienen als Frauen.

Doch von gerechter Entlohnung seien wir weit entfernt, mahnte die Rednerin. Große Probleme bedeuteten für Frauen oft die Rückkehr von der "Familienphase" in die Erwerbstätigkeit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Angebote erhielten diese oft nur noch in Teilzeitstellen oder in typischen "Frauenberufen" im Niedriglohnsektor wie etwa in Pflegeberufen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sei auch ein Thema, das viele Frauenverbände seit vielen Jahren beschäftige. Männer verdienten im Schnitt immer noch 21 Prozent mehr.

Verschiedenen Aussagen der Bibel könne man entnehmen, dass unter Gerechtigkeit die Übereinstimmung mit dem absolut Guten, Wahren und Richtigen zu verstehen sei, eine Übereinstimmung mit den Gesetzen und der Ordnung Gottes. Als Beispiel nannte Anna-Maria Mette aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater (Gal 3,28): "...es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid 'einer' in Christus Jesus ..." Die Realität bedeute: es bestünden nicht nur weiterhin Unterschiede zwischen Völkern und Kulturen, auch der Weg um die Stellung der Frau in der Kirche sei lang und beschwerlich. Mette kritisierte: "Wir leben in einer Kirche, die von Frauen getragen, aber von Männern bestimmt wird." Für eine große Frauengemeinschaft wie der kfd gelte es daher, Gerechtigkeit und Chancengleichheit an den gesellschafts- und kirchenpolitschen Schaltstellen immer wieder zu benennen und einzufordern.

"Ora et labora – bete und arbeite"

Einzug der Fahnenabordnungen in die Basilika.
Einzug der Fahnenabordnungen in die Basilika.

Hauptzelebrant und Prediger am Mittwoch, 5. Oktober, war P. Dr. Korbinian Linsenmann OSB, der sich beim Gottesdienst am Nachmittag mit dem Gesichtspunkt "Arbeit" auseinandersetzte. "Ora et labora – bete und arbeite" sei das Motto der Benediktiner und drücke eine klösterliche Grundeinsicht aus, dass auch das Beten einen Ausgleich brauche.

Gedanken des hl. Ordensvaters Benedikt über die Wertschätzung der klösterlichen Arbeit hob P. Korbinian besonders heraus: Arbeiten gehöre zum Menschsein, zur Würde eines Menschen und entspreche der Wertschätzung Jesu für Menschen, die sich ihr täglich Brot mühsam verdienen mussten. Zum zweiten gebe es keine minderwertigen Arbeiten im Kloster, darüber hinaus sollten Ausbildung und Arbeitstätigkeit nicht vom Status abhängen. Drittens dürfe Arbeit nicht zum Mittel eingesetzt werden, um andere schlecht zu machen. Gleichzeitig müsse der Abt darauf achten, dass Mitbrüder ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt würden, "dass weder sie noch andere frustriert sind".

"Arbeit gibt Würde"

P. Dr. Korbinian Linsenmann OSB.
P. Dr. Korbinian Linsenmann OSB.
Marienfahne im Altarraum.
Marienfahne im Altarraum.

"Was können wir für eine christliche Sicht auf die Arbeit, gerade von Benedikt lernen", hinterfragte P. Korbinian und erklärte: "Arbeit gibt Würde, sie ist ein Teil der Menschenwürde." Dabei sei es unerheblich, in welchem Bereich die Arbeit geleistet und ob und wieviel man dabei verdiene. Wenn Frauen nach der Familienphase nicht mehr in den Beruf zurückfinden können oder für ihre Arbeit weniger bekämen als Männer, so sei das jedoch "gegen ihre Würde" und für Christinnen und Christen nicht hinnehmbar.

P. Korbinian betonte, dass Wert und Würde von Menschen nicht von ihrem Arbeitseinkommen abhingen. "Wenn also beispielsweise Frauen weniger Rente bekommen, weil sie wegen Kinder- oder auch Elternpflege nicht durchgehend verdient haben, dann stimmt etwas nicht", kritisierte er. Nicht zuletzt müsse eine christliche Ordnung von Arbeit und Arbeitsmöglichkeit darauf achten, dass es im Arbeitsleben nicht nur um Machtgefälle und Einkommenssteigerung gehe, sondern auch um Flexibilität, die auf die jeweilige Lebenssituation der Menschen eingehe. Der Benediktinerpater sah es als große Aufgabe, gerade für das Arbeitsleben von Frauen aus christlichem Geist heraus Verbesserungen zu erreichen und bat, diese Anliegen bei dieser Wallfahrt, hier am Gnadenort Altötting ins Gebet zu nehmen.

Die Gottesdienstkollekte fand wieder für das Projekt "Esther" – Hilfe für unverschuldet in Not geratene Frauen – Verwendung.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner