Altöttinger Liebfrauenbote
1.450 Fußpilger aus der Hallertau zogen heuer in Altötting ein.
1.450 Fußpilger aus der Hallertau zogen heuer in Altötting ein.

56. Hallertauer Fußwallfahrt mit Abt Markus Eller

Pilger sind "begnadete Menschen"

Als einen Weg, auf dem man "im Gebet zur Ruhe" komme beschrieb Pilgerleiter Klaus Nöscher am 2. Oktober die Fußwallfahrt der 1.450 Hallertauer nach Altötting – und das völlig unabhängig vom Wetter, das sich heuer als wenig gnädig erwiesen hatte: zwei Tage lang war es bei spätsommerlichen Temperaturen viel zu warm, der dritte Tag war verregnet. Gebetet aber wurde viel. Vor allem das "Gegrüßet seist du Maria" stellte Abt Markus Eller vom Kloster Scheyern dann in seiner Predigt in der Basilika heraus.

Abt Markus Eller und Pfarrer Hans Braun bei der Feier der Eucharistie.
Abt Markus Eller (r.) und Pfarrer Hans Braun bei der Feier der Eucharistie.

56 Jahre habe es gedauert, bis der Abt von Scheyern als Hauptzelebrant bei der Hallertauer Fußwallfahrt seine Zusage gegeben habe, erzählte der Wolnzacher Pfarrer Hans Braun bei seiner offiziellen Begrüßung der 56. Hallertauer Fußwallfahrt. Augenzwinkernd gestand er jedoch ein: das stimme so nicht ganz, vor 56 Jahren sei Abt Markus ja noch gar nicht auf der Welt gewesen. Der habe ja schließlich heuer einen runden Geburtstag "überstanden" (seinen 50. Geburtstag im Juni dieses Jahres, Anm. d.Red.). Doch Abt Markus Eller, auch nicht auf den Mund gefallen, konterte schmunzelnd, dass er in seiner nunmehr achtjährigen Amtszeit als Abt von Scheyern eigentlich vergeblich auf eine Einladung gewartet habe, dies sei erst heuer offiziell passiert.

Egal, die Fußpilger jedenfalls freuten sich, mit dem Abt und den Konzelebranten Pfr. Hans Braun, Pfr. Przemyslaw Nowak, Gosselthausen, Pfr. Franz Stadler, Förnbach sowie Pfr. Martin Maurer, Dinkelsbühl den Pilgergottesdienst feiern zu dürfen, musikalisch gestaltet vom Wolnzacher Männerchor. Zuvor waren die Pilger über den Kapellplatz zur St. Anna-Basilka durch die Hl. Pforte der Barmherzigkeit gezogen.

"Der Herr ist mit dir"

Einzug der Hallertauer Pilger mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und Pilgerleiter Klaus Nöscher.
Einzug der Hallertauer Pilger mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl (M. ) und Pilgerleiter Klaus Nöscher (l.).

Abt Markus erzählte in der Predigt aus seiner Zeit als Pfarrer in den Klosterpfarreien. Beim Religionsunterricht in den dritten Klassen habe er den Kindern die Geschichte der "Verkündigung des Engels Gabriel an Maria" vorgelesen, gefragt, wie sie sich wohl einen Engel vorstellten und die Kinder schließlich einen Engel zeichnen lassen. Die Darstellungen, so Abt Markus, seien sehr vielfältig ausgefallen: groß und klein, dick und dünn, bunt oder nur einfarbig gezeichnet. Aber eines war auf den Bildern der Kinder gleich: die Engel hatten als wichtigstes Erkennungsmerkmal Flügel. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, einem Engel zu begegnen, reagierten die Kinder ratlos, es sei zu spüren gewesen, dass es eher unangenehm wäre. Die Gottesmutter Maria, so wiederholte der Abt den Abschnitt aus dem Lukasevangelium (Lk 1, 26-38), sei nicht über den Engel – ob mit oder ohne Flügel werde hierbei nicht erwähnt – erschrocken, sondern vielmehr über die Anrede des Engels: "Sei gegrüßt du Begnadete, der Herr ist mit dir!"

Auch bei Gottesdienstbeginn würden die Gläubigen mit einem Teil dieses Grußes "Der Herr sei mit Euch!" angesprochen. Auf den Begriff "begnadete Menschen" eingehend erklärte Abt Eller, dass solche auch in heutiger Zeit zu finden seien, im Bereich der Kunst u.a. Maler, Dichter, Bildhauer, Musiker. Solche Menschen hätten die besondere Gabe, etwas umzusetzen, zu vermitteln, "was uns ein Stück über die Grenzen dieser Welt hinausschauen lässt." Abt Eller weiter: "Diese begnadeten Menschen holen uns manchmal ein Stück Himmel auf die Erde."

Engel, auch wenn wir keine Flügel haben

Begrüßung vor der Hl. Pforte der Barmherzigkeit.
Begrüßung vor der Hl. Pforte der Barmherzigkeit.

Bei Maria sei dies nicht anders gewesen, verdeutlichte Abt Markus. Die Anrede des Engels an Maria sei eine Zusage Gottes für eine besondere Gabe, d.h. Gott traut Maria etwas zu, er mutet ihr etwas zu. Maria habe sich darauf eingelassen, ihre Fähigkeiten erkannt und das Beste daraus gemacht. "Sie hat diesen Jesus geboren und hat versucht, ihm eine gute Mutter zu sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger."

Im Blick auf Maria sieht Abt Markus Eller vor allem eine Ermutigung, unsere eigenen Fähigkeiten zu erkennen. "Wir sind in irgendeiner Weise begnadet", betonte er und nannte Beispiele: als Hausfrauen, Handwerker, Landwirte, Politiker, Beamte und auch als Wallfahrer. Menschen, die ihre Fähigkeiten erkannt und ihren Beruf mit Leib und Seele ausübten, "leben ihre Berufung". Und Fähigkeiten wiederum, so der Prediger, seien eine Notwendigkeit für alle Arten von Gemeinschaften, ob Pfarrgemeinde, politische Gemeinde, ob Verein oder Klostergemeinschaft aber auch für die Familie. "Wenn wir unsere Fähigkeiten annehmen, sie fördern, sie zu unserem eigenen Wohl aber auch zum Wohl der anderen Menschen einsetzen, dass auch sie ihre Fähigkeiten erkennen, daran arbeiten und das Beste daraus machen, dann kann es passieren dass man zu uns sagt: Du bist ein Engel, auch wenn wir keine Flügel haben", schloss Abt Markus.

Nach dem Gottesdienst traf Abt Markus Eller am Basilika-Vorplatz auf einen "begnadeten Hallertauer Fußpilger": zum 39. Mal dabei konnte der "Henamo" Leo Kipfelsberger genau am Ankunftstag in Altötting, 2. Oktober, seinen 79. Geburtstag begehen, d.h. bei seiner 40. Fußwallfahrt nach Altötting gilt es, einen runden Geburtstag zu feiern.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

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