Altöttinger Liebfrauenbote
Weihbischof Josef Graf segnet vor der Gnadenkapelle die einziehenden Pilger.
Weihbischof Josef Graf segnet vor der Gnadenkapelle die einziehenden Pilger.

Rund 8.000 Regensburger Fußwallfahrer erreichten Altötting – Pilgergottesdienst mit Weihbischof Josef Graf

Neue Kraft trotz schlechten Wetters

Sie trotzten Regen, Wind und Kälte: Schon zum 187. Mal sind am Pfingstsamstag, 14. Mai, die Regensburger Fußwallfahrer in Altötting angekommen. Rund 8.000 waren es beim Einzug über den Kapellplatz, trotz der Wetterkapriolen auf dem über 100 Kilometer langen Marsch kaum weniger als sonst. So eine Fußwallfahrt ist kein Freizeitvergügen, Freude war den Gesichtern der Pilger dennoch abzulesen. Warum dieser dreitägige "Freiluftgottesdienst" auch bei Regen so gut ankommt, verrieten einige Pilger auf Nachfrage. Weihbischof Dr. Josef Graf predigte in der St. Anna-Basilika zum Wallfahrtsmotto: "Sei gegrüßt, Mutter der Barmherzigkeit!"

Einzug in Altötting, links Pilgerleiter Bernhard Meiler, rechts der stellvertretende Pilgerleiter Dionys Ringlstetter.
Einzug in Altötting, links Pilgerleiter Bernhard Meiler, rechts der stellvertretende Pilgerleiter Dionys Ringlstetter.

Feucht. Die Antwort des stellvertretenden Pilgerleiters Dionys Ringlstetter auf die Frage, wie es denn heuer gewesen sei, fiel knapp aus. Etwas mehr verriet dann schon sein zufriedenes Lächeln: Es ist wohl alles gut gegangen. "Wir freuen uns, dass wir trotz des schlechten Wetters so gut angekommen sind", begrüßte Pilgerleiter Bernhard Meiler die vielen Teilnehmer schließlich in der Basilika. Und Pfr. Hannes Lorenz, neben Pfr. Norbert Götz geistlicher Begleiter der Pilger, fasste zu Beginn des Gottesdienstes zusammen: "Nicht jeder Tropfen, den wir an diesen Tagen spürten, waren Freudentränen. Wir haben 'viel Segen von oben' erlebt, doch beim Eintreffen in Altötting auf dem Kapellplatz waren die Freudentränen nicht zu übersehen."

Schuhe unter der Trockenhaube

Ina und Georg in der Basilika.
Ina und Georg in der Basilika.

"Feucht-fröhlich war's!", beantwortete die 47-jährige Ina aus Pfarrkirchen augenzwinkernd die Frage, wie es denn heuer gewesen sei. Ihre nicht ganz so ernst gemeinte Bemerkung "Die Harten kommen schon durch" zeigt, dass diese Wallfahrt wahrlich keine Party war, darüber hinaus, dass sich Pilger auch nicht vom schlechten Wetter entmutigen lassen. Es sei die Gemeinschaft, die einen trage, erklärte sie. Und natürlich der Glaube, für Ina der zentrale Aspekt: "Wenn man den Glauben wirklich spüren will, dann da!" Kaum jemand sei hier nur aus sportlichen Gründen dabei. Zum vierten Mal ging Ina heuer mit nach Altötting, und sie würde die Wallfahrt auf jeden Fall weiterempfehlen: "Wer einmal mitgeht, der geht immer mit", ist sie überzeugt. Auf ihre persönliche Motivation angesprochen verriet sie: "Ich gehe für meine Familie und für meine Freunde."

Die Mutter von Ina beherbergt alljährlich Regensburg-Pilger nach dem zweiten Tag in Unterdietfurt. Auch Ina selbst hatte früher immer mitgeholfen, bis sie dann irgendwann selbst mitgehen wollte. Schmunzelnd erzählte sie: "Das Schuhe-Trocknen war heuer schwierig." Da war dann eben Kreativität gefragt: Die Schuhe im Karton unter dem Ofen zu platzieren war naheliegend, auch der Fön half, und schließlich zogen sie sogar die Trockenhaube heran.

In Unterdietfurt ist durch die Regensburger Wallfahrt eine kleine "Pilgerfamilie" entstanden. Einen der Gäste stellte Ina als ihren "Pilgervater" vor: den 76-jährigen Georg aus Straubing, der heuer zum zehnten Mal mitmarschiert war. Viele Freundschaften entstünden auf der Wallfahrt, erzählte er. Nicht der einzige Grund, weshalb er gerne mitmacht: "Man holt sich hier die Kraft für das ganze Jahr", berichtete er. Insbesondere hob er auch die "erstklassige geistliche Begleitung" hervor (siehe auch unten).

265 Kilometer in einer Woche

Einige der Pilger aus dem Fichtelgebirge, vorne in der Mitte Josef Reichenberger.
Einige der Pilger aus dem Fichtelgebirge, vorne in der Mitte Josef Reichenberger.

Die Stärkung im Glauben nannte auch Josef Reichenberger als Hauptgrund für die Wallfahrt. Außerdem schilderte er: Es gebe nichts Besseres, um mal abzuschalten "vom Stress, von der Hektik, vom Beruf und vom ganzen Alltagsgeschehen". Schon zum 24. Mal pilgerte er heuer mit den Regensburgern nach Altötting. Zum dritten Mal nach 2008 und 2012 machte er gemeinsam mit elf anderen eine ganz besondere Wallfahrt: Insgesamt 265 Kilometer marschierten sie von Kirchenpingarten im Fichtelgebirge zunächst nach Regensburg, dann mit der großen Gemeinschaft weiter nach Altötting. Eine ganze Woche war die Truppe unterwegs, und Josef Reichenberger resümierte: "Es war eine schöne Woche." Die Leute hätten "super harmoniert", und während der ersten Tage sei auch das Wetter perfekt gewesen – bis es dann ab Regensburg zu regnen begann. Die Idee, so weit zu pilgern, sei aus einer Laune heraus entstanden, erzählte er. Und auch wenn es schön war, dreimal seien erst einmal genug. Allein die Strecke von Regensburg nach Altötting hat es ja in sich: "Nach dem ersten Mal hatte ich mir gedacht: 'Ich mache das nicht wieder'. Aber übers Jahr vergisst man die Strapazen", erklärte Josef Reichenberger. Nächstes Jahr will er wieder mit dabei sein.

Dreitägiger Gottesdienst

Ankunft der Regensburger am Altöttinger Kapellplatz.
Ankunft der Regensburger am Altöttinger Kapellplatz.

Die Wallfahrer aus dem Fichtelgebirge waren nicht die einzigen, die einen weiten Weg auf sich genommen hatten, um an der Regensburger Fußwallfahrt teilzunehmen. "Wo die Pilger alle herkommen", wunderte sich auch Pilgerleiter Bernhard Meiler in der Basilika: die allermeisten natürlich aus Regensburg und Umgebung, doch auch "aus Österreich, aus der Schweiz, und sogar aus den USA" seien Wallfahrer angereist.

Es ist schließlich nicht irgendeine Wallfahrt, sondern Deutschlands größte und eine der größten in Europa. Ganz besonders legt Meiler Wert darauf, dass dank des Pilgerfunks über die ganzen drei Tage gemeinsam gesungen und gebetet, also wirklich Gottesdienst gefeiert werden kann. Meiler, der die Pilger mit vielen "Gegrüßet seist Du, Maria" und "Vaterunser" in die Basilika "hereinbetete", dankte nicht nur den vielen Teilnehmern für ihre Treue, sondern auch den zahlreichen Helfern vom Roten Kreuz, von der Polizei, im Organisationsteam, etc.

"Von diesem Wein trinken wir noch heute"

Weihbischof Josef Graf empfing gemeinsam mit Bürgermeister Herbert Hofauer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl die Pilger vor der Gnadenkapelle in Altötting; in der Mitte das Gnadenbild im Schrein.
Weihbischof Josef Graf (v.) empfing gemeinsam mit (v.l.) Bürgermeister Herbert Hofauer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl die Pilger vor der Gnadenkapelle in Altötting; in der Mitte das Gnadenbild im Schrein.

"Gott, der Dreifaltige ist ein uns unbegreifliches Geheimnis der Liebe und Beziehung", erklärte Weihbischof Dr. Josef Graf in seiner Predigt in der Basilika. "Auch wir Menschen bilden etwas ab von diesem Geheimnis. Gott will, dass wir miteinander und füreinander sind." Der Weihbischof versicherte: "Gott ist da!" Er erhöre die Menschen auf die Fürsprache Mariens, und Maria sei "unsere Fürbitterin". Weihbischof Graf stellte Maria als die "Mutter der Mensch gewordenen göttlichen Barmherzigkeit" vor, und mit Blick auf das Evangelium zur "Hochzeit in Kana" (Joh 2,1-12) stellte er fest: "Die Menschen kommen mit ihren Sorgen und Nöten und Maria wendet ihre barmherzigen Augen den Betern zu." Der Wein habe somit einen "tieferen Sinn", sagte er und zitierte den hl. Hieronymus: "Von diesem Wein trinken wir noch heute." Es gehe hierbei um eine (Ver-)Wandlung. Das alte Gesetz sei durch Jesus abgelöst worden durch das neue "Gesetz der Barmherzigkeit". An die Gottesdienstbesucher gewandt sagte Weihbischof Graf: "Ich wünsche Ihnen, dass Sie etwas spüren dürfen von dem Geheimnis des Wunders von Kana". Denn: "Gott wandelt und verwandelt viel großartiger als wir uns das denken können."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner 36, Michael Glaß 5

"Frischluft des Heiligen Geistes" – Pilgergottesdienst mit Pfarrer Hannes Lorenz

Pfarrer Hannes Lorenz, der heuer sein 30-jähriges Pilgerjubiläum feierte, weiß, wie man Pilger motiviert und stärkt; hier im Bild links mit Anliegenrucksack und ...
Pfarrer Hannes Lorenz, der heuer sein 30-jähriges Pilgerjubiläum feierte, weiß, wie man Pilger motiviert und stärkt; hier im Bild links mit Anliegenrucksack und ...
Pfarrer Hannes Lorenz, der heuer sein 30-jähriges Pilgerjubiläum feierte, weiß, wie man Pilger motiviert und stärkt; hier im Bild links mit Anliegenrucksack und ...
... während der Predigt.

Ausdrücklich lobte einer der Regensburger Pilger die geistliche Begleitung (siehe oben). Hauptverantwortlich ist dabei jedes Jahr Pfr. Hannes Lorenz, der die Wallfahrer auch heuer mit Impulsen motivierte und geistlich stärkte. Pfr. Lorenz war es auch, der einen ganz besonderen "Pilgerrucksack" nach Altötting trug: einen Rucksack mit insgesamt über 600 Anliegen der Teilnehmer, die symbolisch zur Muttergottes nach Altötting getragen wurden.

Lorenz zelebrierte u.a. auch die Vorabendmesse am Pfingstsamstagabend in der St. Anna-Basilika und interpretierte in seiner Predigt das Pfingstereignis als großes "Luftholen": Wie "ausgelutschte Luftballons" und ganz verängstigt seien die Jünger kurz vor Jesu Tod im Abendmahlssaal gewesen; erst die Kraft des Heiligen Geistes zu Pfingsten habe sie mit neuer Frischluft erfüllt, erinnerte Pfr. Lorenz. Auch uns Menschen fehle manchmal die Kraft zum Luftholen, sagte er, doch Gott lasse "die Seinen nicht zurück, wenn ihnen die Luft ausgeht". Luft bedeute Lebenskraft, betonte Pfr. Lorenz und blies zur Veranschaulichung einen Luftballon auf. Mit Verweis auf die Bibel erinnerte er: Gott habe der Schöpfung seinen "Lebensatem" eingehaucht (Gen 2,7), und als Jesus die Jünger beauftragt habe, "hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!" (Joh 20,22). Gottes Geist erfülle mit Lebendigkeit, neuer Hoffnung und Zuversicht, erklärte Pfr. Lorenz. Man müsse immer Bereitschaft zeigen, bestehende dünne Luft rauszulassen, um für Frischluft Platz zu machen. Zu Fuß nach Altötting zu marschieren, entfache die Glaubenskraft neu. Pfarrer Lorenz wünschte den Pfingst-Fußwallfahrern, diese "Frischluft des Heiligen Geistes" in ihren "Lebens-Luftballon" aufzunehmen, den "frischen Wind und Atem in uns wirken zu lassen", und diese neue Lebendigkeit des Glaubens zu behalten.

Text: Roswitha Dorfner / Michael Glaß

Impressionen

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