Altöttinger Liebfrauenbote

Törwang pflegt eine besondere Fronleichnamsprozession

Mit Jesus in Höhen und Tiefen

Begleitet von Salutschüssen aus einer historischen Kanone pilgern Hunderte Teilnehmer der Fronleichnamsprozession im bayerischen Törwang alljährlich durch Wiesen und Weiden hinauf zu einer Aussichtskapelle – eine schweißtreibende Tradition.

Die Monstranz mit dem Allerheiligsten unter dem "Himmel" voran ziehen die Törwanger aus dem Dorf hinauf zur Kapelle.
Die Monstranz mit dem Allerheiligsten unter dem "Himmel" voran ziehen die Törwanger aus dem Dorf hinauf zur Kapelle.

Einen Tag vor dem Fronleichnamsfest wird in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Törwang im oberbayerischen Landkreis Rosenheim das Altarbild gewechselt. Und so rücken drei kräftige Gemeindemitglieder mit Akkuschrauber in der Hand an, um ein großflächiges Bild von Maria in Position zu bringen. Überhaupt herrscht reges Treiben. "Das da ist Männersache", verkündet Hilde Auer mit Blick auf die am Altar schuftenden Männer. Seit zwölf Jahren nimmt die 63-Jährige aktiv an der Prozession teil und hilft bei den Vorbereitungen.

"Der ganze Samerberg nimmt morgen an der Prozession teil", erzählt Auer, während sie den sorgfältig verpackten "Himmel" für die Prozession auspackt. 2014 hat sich die Gemeinde einen neuen Stoffbaldachin gegönnt. Und mit dem hat es etwas auf sich in Törwang. "Den Himmel trägt bei uns immer der, der als letzter geheiratet hat", schaltet sich Auers Mann Hans ein, der gerade schnaufend vom Altar zurückkommt. Er muss es wissen, hat er doch vor 38 Jahren seine Hilde genau hier geheiratet.

Damit für die morgige Prozession alles glatt läuft, packen die Männer allerlei Fahnen aus, binden, verschnüren und wickeln sie. Schließlich stecken sie die Fahnenmasten zusammen und bringen die Fahnen an, um sie an den Seiten des Hauptschiffes ihrer Kirche in Halterungen zu stecken.

In Tracht und Uniform

Statio bei der Aussichtskapelle mit der Luitpoldeiche – hinunter geht es dann etwas beschwingter.
Statio bei der Aussichtskapelle mit der Luitpoldeiche – hinunter geht es dann etwas beschwingter.

Früh am nächsten Morgen schmücken die Bewohner des Dörfchens ihre Häuser, befestigen frische Birkenzweige an den Holzzäunen und ziehen sich ihren Sonntagsstaat an. Nach und nach versammelt sich die Gemeinde auf dem Platz vor der ehemaligen Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Törwang. Viele besuchen vor dem Gottesdienst noch die Gräber ihrer Angehörigen auf dem Friedhof direkt neben der Dorfkirche.

Alter Tradition folgend, sind die verheirateten Frauen in schwarzer Tracht gekleidet, haben sich einen "Kassettl-Hut" aufgesetzt und eine Rose in den Ausschnitt ihrer Bluse gesteckt. Derweil kommen die Mitglieder der Samerberger Gebirgsschützen, des Trachtenvereins Hochries-Samerberg und des Leonhardivereins Roßholzen in ihren jeweiligen Trachten. Die Samerberger Feuerwehrmänner erscheinen in schmucker Uniform, und die übrigen Dorfmitglieder treten im Sonntagsstaat auf, also in Samerberger Dirndl oder Lederhose.

Nach dem feierlichen Gottesdienst in der dicht besetzten Pfarrkirche zieht Diakon Günter Schmitzberger mit knapp 400 Gläubigen von Törwang anderthalb Kilometer hinauf zur 1774 erbauten Aussichtskapelle mit Luitpoldeiche. Umringt wird der Diakon auf seinem Weg von Messdienern in rotweißer Tracht; sie tragen das Vortragekreuz und die Muttergottesfahne. Ihnen folgen festlich gekleidete Kommunionkinder, Mitglieder der Gebirgsschützen und Fahnenabordnungen.

Salutschüsse und Glockengeläut

Am Tag vor Fronleichnam werden in der Törwanger Pfarrkirche die Prozessionsstangen und der Himmel vorbereitet.
Am Tag vor Fronleichnam werden in der Törwanger Pfarrkirche die Prozessionsstangen und der Himmel vorbereitet.

So geht es in schmucker Pracht durch das Dorf. Der Weg schlängelt sich zunächst vorbei an den Häusern mit den bunten Geranienblüten an den Holzbalkonen, um sich dann stramm bergauf in freier Natur über Wiesen und Weiden fortzusetzen. Auf einer Wiese feuert ein Gemeindemitglied aus einer historischen Kanone Salutschüsse ab. Bei Ankunft des Prozessionszugs an der ersten Station läuten die Glocken der Kirche. Drei Salutschüsse begleiten die Ankunft der Gläubigen vor der Aussichtskapelle bei Obereck.

"Jetzt ham mer's geschafft", lauten die ersten, noch ein wenig atemlosen Worte des Geistlichen. "Wir haben demonstriert für Christus im Alltag. Jesus geht mit uns in Höhen und Tiefen des Lebens", erklärt der seit 2009 in Törwang tätige Diakon. Von ihrem Standort vor der Kapelle bietet sich den Prozessionsteilnehmern ein herrlicher Blick auf das Rosenheimer Land samt Hochriesmassiv.

Nach einigen Liedern und Gebeten geht es wieder bergab. Die Federn an den Hüten der Trachten wippen im Takt, es geht nun flotter, die Musik ist beschwingter. Wieder erklingen Böllerschüsse. Abschluss des Umzugs ist erneut auf dem Dorfplatz vor der Kirche. Umrahmt vom Törwanger Rathaus mit seiner für die Region typischen Lüftlmalerei, dem Traditionsgasthof "Zur Post" mit dem Schusterhäusl und den anliegenden Bauernhäusern stehen die Dörfler vor ihrer Kirche und singen ein letztes Lied.

Text: Peter Beyer (storymacher) / Fotos: Ruth Bourgeois (storymacher)

Die Fronleichnamsfeier in Törwang beginnt 2016 am 26. Mai um 8.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Törwang. Daran schließt sich – wetterunabhängig – die Prozession an. Weitere Informationen zum Fronleichnamsfest und der Region Törwang: Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH & Co. KG, Felden 10, 83233 Bernau am Chiemsee, Tel. 08051 96555-0, E-Mail: info@chiemsee-alpenland.de.