Altöttinger Liebfrauenbote

Kardinal Raymundo Damasceno Assis aus Aparecida eröffnet Wallfahrtsjahr – Bischof Stefan Oster öffnet Heilige Pforte in der Basilika und sendet Pilgerbetreuer aus

"Hier fühlt man, wie das katholische Herz Bayerns schlägt"

Ein Kardinal aus dem größten Marienwallfahrtsort Brasiliens hat heuer am 1. Mai die Altöttinger Wallfahrtssaison eröffnet: Kardinal Raymundo Damasceno Assis aus Aparecida zelebrierte den traditionellen Festgottesdienst in der St. Anna-Basilika und läutete damit ein besonderes Wallfahrtsjahr ein: Auch in der Basilika ist nun bis zum Ende des von Papst Franziskus ausgerufenen "Heiligen Jahres" eine "Pforte der Barmherzigkeit" geöffnet. Im Rahmen des Gottesdienstes sandte Bischof Stefan Oster erstmals speziell geschulte Betreuer aus, die sich von nun an um Anliegen der Pilger kümmern.

Kardinal, Bischöfe, Priester und Diakone ziehen in die Basilika ein.
Kardinal, Bischöfe, Priester und Diakone ziehen in die Basilika ein.
Bischof Stefan Oster, Kardinal Raymundo Damasceno Assis und Bischof em. Wilhelm Schraml im Gespräch vor der Gnadenkapelle.
Bischof Stefan Oster (v.l.), Kardinal Raymundo Damasceno Assis und Bischof em. Wilhelm Schraml im Gespräch vor der Gnadenkapelle.

"Auch ich, der ich heute meine Wallfahrt hierher mache, komme von einem Ort, wo man ein schwarzes Bild der Gottesmutter verehrt: Unsere Liebe Frau von Aparecida", stellte sich Kardinal Assis während seiner Predigt vor. "Dort, im Nationalheiligtum 'Nossa Senhora Aparecida' fühlt man, wie das religiöse Herz des brasilianischen Volkes schlägt. Und hier fühlt man, wie das katholische Herz Bayerns schlägt", stellte er fest. Mit einem kleinen Unterschied: Das "religiöse Herz" Brasiliens ist etwas größer: über 12 Millionen Pilger zählt die Gemeinde im Südosten des Bundesstaates São Paulo, die immerhin die größte Marienkirche der Welt beheimatet.

Kardinal Assis, der u.a. schon der brasilianischen Bischofskonferenz und dem Rat der Bischöfe Lateinamerikas (CELAM) vorstand und auch schon mit Kardinal Jorge Bergoglio, dem heutigen Papst Franziskus, zusammenarbeitete, predigte kurz und bündig auf deutsch: "Solange Jesus auf Erden weilte, legte er einen "Weg" zurück – den Weg der liebenden Selbsthingabe, des Dienens, der völligen Liebe", erklärte er mit Bezug auf das Tagesevangelium (Joh 14, 23-29). "Nur auf diesem Weg findet der Mensch seine Verwirklichung. Die Gemeinde Jesu muss also auf diesem 'Weg' voranschreiten." An die Pilger gewandt sagte er: "Die Wallfahrer, die in großer Zahl nach Altötting pilgern, zu diesem Heiligtum der Barmherzigkeit, legen auch einen Weg zurück, geführt vom Heiligen Geist, mit dem Wunsch, die süße Gegenwart der heiligen Jungfrau Maria zu spüren, und in ihr die Barmherzigkeit Gottes zu erfahren." Mit Mozarts Credomesse gaben Kapellchor und -orchester dem Pontifikalamt einen festlichen musikalischen Rahmen.

Zweite "Heilige Pforte" in Altötting

Kapuzinerpater Norbert Schlenker begrüßt vor der Basilika die zahlreichen Gottesdienstbesucher.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker begrüßt vor der Basilika die zahlreichen Gottesdienstbesucher.
Bischof Stefan Oster öffnet die "Heilige Pforte" an der Basilika.
Bischof Stefan Oster öffnet die "Heilige Pforte" an der Basilika.

Eine feierliche Prozession hatte den Festtag eingeleitet, Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl trug das Gnadenbild von der Hl. Kapelle in die Basilika. Bevor der Zug in die voll besetzte Basilika einzog, empfingen ihn die Bläser der Altöttinger Hofmusik mit dem Lied "Lobe den Herren" am rechten Hauptportal der Wallfahrtskirche. Dort befindet sich nun bereits die zweite Gnadenpforte in Altötting, die Bischof Stefan Oster feierlich öffnete: Sie "möge uns immer neu daran erinnern, dass wir in die Kirche gehören, in die Gemeinschaft, in der wir Barmherzigkeit erfahren", sagte er bevor er die Pforte segnete. Bereits zuvor hatte der stellvertretende Wallfahrtsrektor, Kapuzinerpater Norbert Schlenker, informiert, dass die Pforte in der Basilika in erster Linie den größeren Pilgergruppen diene. Bereits am Aschermittwoch dieses Jahres hatten die beiden Wallfahrtsrektoren die Gnadenpforte in der St. Magdalenakirche geöffnet; diese ist vor allem für die vielen Einzelpilger gedacht, die in der "Beichtkirche" der Kapuziner das "Sakrament der Versöhnung" empfangen.

P. Norbert begrüßte vor der Basilika die zahlreichen Zelebranten – darunter u.a. Bischof em. Wilhelm Schraml und Generalvikar Dr. Klaus Metzl – sowie Landrat Erwin Schneider, Bürgermeister Herbert Hofauer, Stadträte und Vertreter der Vereine; außerdem auch einzelne Pilgergruppen – unter den Fahnenabordnungen hatte sich neben jenen der örtlichen Gruppen wie etwa der Marianischen Männerkongregation (MC) z.B. auch eine des "Altöttinger Wallfahrervereins" aus Landshut und eine der Fußpilger aus Riedenburg eingereiht.

Pilgerbetreuer ausgesandt: "... damit die Pilger auch dort hinkommen, wo Gott wohnt"

Rund 30 Pilgerbetreuer sandte Bischof Stefan Oster im Rahmen der Festmesse aus; im Bild Sr. Theresa CJ.
Rund 30 Pilgerbetreuer sandte Bischof Stefan Oster im Rahmen der Festmesse aus; im Bild Sr. Theresa CJ.

Nach der Predigt von Kardinal Assis folgte ein weiterer Höhepunkt des Festtages: Bischof Stefan Oster überreichte den neuen Pilgerbetreuern ihre Aussendungsurkunden. "Ich freue mich sehr über diese Initiative", sagte er. Sie gebe Pilgern "nicht nur äußere Orientierung, sondern auch eine für das Herz – damit die Pilger auch dort hinkommen, wo Gott wohnt", stellte er fest.

Tatsächlich soll die Initiative keine bloße Tourismusinformation sein. Zwar können die rund 30 Ehrenamtlichen, die von nun an jedes Wochenende am Kapellplatz anzutreffen sind, auch praktische Fragen wie etwa der nach dem richtigen Weg beantworten. Darüber hinaus wurden sie jedoch speziell in Fragen des Glaubens geschult, um Pilgern auf der Suche nach geistlicher und spiritueller Orientierung ein guter Ansprechpartner zu sein. Unter den Pilgerbetreuern sind Ordensleute von den Hl.-Kreuz-Schwestern, der Congregatio Jesu und den Legionären Christi ebenso wie Laien von der MC oder der Gemeinschaft Emmanuel.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

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