Altöttinger Liebfrauenbote

Erste Maiandacht in der Altöttinger Stiftspfarrkirche mit Kardinal Raymundo Damasceno Assis aus Aparecida

"Mutter der Barmherzigkeit"

Viel Zeit nahm sich Kardinal Raymundo Damasceno Assis für den Feiertag in Altötting am 1. Mai: Nach Festmesse, Rathausempfang, Vesper und Ausstellungseröffnung predigte er abends bei der ersten feierlichen Maiandacht in der Stifstpfarrkirche, die der Maria-Ward-Chor unter der Leitung von Sr. Avita Bichlmaier musikalisch gewohnt beeindruckend gestaltete.

Der Maria-Ward-Chor unter der Leitung von Sr. Avita Bichlmaier gestaltete die Maiandacht mit Kardinal Raymundo Damasceno Assis (im Hintergrund).
Der Maria-Ward-Chor unter der Leitung von Sr. Avita Bichlmaier gestaltete die Maiandacht mit Kardinal Raymundo Damasceno Assis (im Hintergrund).

"Obwohl Maria in die Herrlichkeit des Himmels erhöht ist, verlässt sie uns nicht auf unseren Wegen und in unseren Aufgaben auf Erden. Sie ist für uns das Modell der Jüngerin, und noch darüber hinaus bittet sie für uns und beschützt uns", erklärte der Kardinal über "Maria, Mutter der Barmherzigkeit" in der Hl. Schrift. "Wie sie für die Brautleute in Kana gebeten hat, als sie auf Erden lebte, fährt sie fort, uns vom Himmel aus ihre Gaben zu erflehen, sowohl für die Bekehrung der Sünder und die Linderung der Leiden, als auch für das Gelingen der Einheit in der Kirche und eine wirksame Evangelisierung."

Ausführlich ging Kardinal Assis auch auf das Gebet "Salve regina" ein: Es seien nun beinahe Tausend Jahre vergangen, seitdem Hermann Contractus das "Salve Regina" verfasste, erinnerte Kardinal Assis. "Eine unzählige Menge von Gläubigen hat sich seiner Worte bedient, sich an seiner Andacht inspiriert, und dieses vertrauensvolle Gebet sich zu eigen gemacht." Außerdem erinnerte Kardinal Assis an die "Mutter der Barmherzigkeit" in den Worten von Papst Franziskus.

Text: Michael Glaß, Foto: Roswitha Dorfner

"Maria bezeugt, dass die Barmherzigkeit des Sohnes Gottes grenzenlos ist und alle erreicht, ohne jemanden auszuschließen"

Kardinal Raymundo Damasceno Assis, Erzbischof von Aparecida, überreichte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl eine Kopie des Gnadenbildes von Aparecida, des bedeutendsten Wallfahrtsorts in Brasilien.
Kardinal Raymundo Damasceno Assis, Erzbischof von Aparecida, überreichte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl eine Kopie des Gnadenbildes von Aparecida, des bedeutendsten Wallfahrtsorts in Brasilien.
Das Geschenk des Kardinals ziert die aktuelle "Marienseite" des Altöttinger Liebfrauenboten, daneben ein Gebet von Papst Johannes Paul II. in der neuen Marienwallfahrtskirche von Aparecida am 4. Juli 1980.
Das Geschenk des Kardinals ziert die aktuelle "Marienseite" des Altöttinger Liebfrauenboten, daneben ein Gebet von Papst Johannes Paul II. in der neuen Marienwallfahrtskirche von Aparecida am 4. Juli 1980.

Ausdrücklich verwies Kardinal Assis auf die "Mutter der Barmherzigkeit in den Worten von Papst Franziskus" in der Verkündigungsbulle "Misericordiae Vultus" des Außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Im Folgenden Auszüge aus dem Text:

"(...) Das Heilige Jahr wird am 8. Dezember 2015, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, eröffnet. Dieses liturgische Fest weist darauf hin, wie Gott seit Anbeginn unserer Geschichte gehandelt hat. Nach dem Sündenfall Adams und Evas wollte Gott die Menschheit nicht alleine lassen und dem Bösen überlassen. Darum wollte und erwählte er Maria, heilig und untadelig in der Liebe (vgl. Eph 1,4), um sie zur Mutter des Erlösers des Menschen zu machen. Auf die Schwere der Sünde antwortet Gott mit der Fülle der Vergebung. Die Barmherzigkeit übersteigt stets das Maß der Sünde, und niemand kann der verzeihenden Liebe Gottes Grenzen setzen. Am Festtag der Unbefleckten Empfängnis Mariens werde ich die Freude haben, die Heilige Pforte zu öffnen. Sie wird eine Pforte der Barmherzigkeit sein, und wer durch diese Pforte hindurchschreitet, kann die tröstende Liebe Gottes erfahren, welcher vergibt und Hoffnung schenkt (...)

Unser Gedanke richtet sich nun auf die Mutter der Barmherzigkeit. Ihr liebevoller Blick begleite uns durch dieses Heilige Jahr, damit wir alle die Freude der Zärtlichkeit Gottes wiederentdecken können. Kein anderer hat so wie Maria die Tiefe des Geheimnisses der Menschwerdung Gottes kennen gelernt. Ihr ganzes Leben war geprägt von der Gegenwart der fleischgewordenen Barmherzigkeit. Die Mutter des Gekreuzigten und Auferstandenen ist eingetreten in das Heiligtum der göttlichen Barmherzigkeit, denn sie hatte zutiefst Anteil am Geheimnis seiner Liebe.

Dazu erwählt, die Mutter des Sohnes Gottes zu sein, war Maria von Anbeginn an von der Liebe des Vaters vorbereitet worden, um die Lade des Bundes zu sein, des Bundes zwischen Gott und den Menschen. In ihrem Herzen hat sie die Barmherzigkeit Gottes bewahrt, in völligem Einklang mit ihrem Sohn Jesus. Ihr Lobgesang auf der Schwelle des Hauses der Elisabeth war der Barmherzigkeit gewidmet, die sich erstreckt "von Geschlecht zu Geschlecht" (Lk 1,50). Auch wir waren schon in diesen prophetischen Worten der Jungfrau Maria anwesend. Das wird uns Trost und Stärke sein, wenn wir die Heilige Pforte durchschreiten, um die Frucht der göttlichen Barmherzigkeit zu erfahren.

Unter dem Kreuz ist Maria, gemeinsam mit Johannes, dem Jünger, den Er liebte, Zeugin der Worte der Vergebung, die über die Lippen Jesu kamen. Diese höchste Form der Vergebung für die, die ihn gekreuzigt haben, zeigt uns, wie weit die Barmherzigkeit Gottes geht. Maria bezeugt, dass die Barmherzigkeit des Sohnes Gottes grenzenlos ist und alle erreicht, ohne jemanden auszuschließen. Richten wir an sie das uralte und doch stets neue Gebet des Salve Regina, dass sie nie müde werde, uns ihre barmherzigen Augen zuzuwenden, und uns würdig mache, das Antlitz der Barmherzigkeit zu betrachten, ihren Sohn Jesus Christus.

Unser Gebet richtet sich auch an die Heiligen und Seligen, die die Barmherzigkeit zur Mission ihres Lebens gemacht haben. In besonderer Weise denken wir an die große Apostelin der Barmherzigkeit, die heilige Faustyna Kowalska. Sie, die berufen war, in die Tiefe der göttlichen Barmherzigkeit einzutreten, sei uns Fürsprecherin und erwirke uns die Gnade, stets in der Vergebung Gottes und in dem unverbrüchlichen Vertrauen auf seine Liebe zu leben und zu wandeln (...)"

Fotos: Roswitha Dorfner