Altöttinger Liebfrauenbote

Zum Gedenktag "Verkündigung des Herrn" 2016

Das "verschobene Hochfest"

Genau neun Monate vor dem Hochfest der Geburt Christi aus Maria der Jungfrau feiert die katholische Kirche das Hochfest der Verkündigung des Herrn (lateinisch: Annuntiatio Domini). Auch die orthodoxen und koptischen sowie die evangelischen und anglikanischen Christen gedenken am 25. März jenes heilsgeschichtlichen Ereignisses, von dem im Lukasevangelium 1,26-38 berichtet wird. Heuer allerdings wird der Gedenktag erst am Montag, 4. April begangen.

Tafelbilder eines unbekannten fränkischen Meisters aus dem frühen 16. Jahrhundert zeigen in der Würzburger Marienkapelle die Verkündigungsszene in der klassischen Darstellungsform: Der Engel Gabriel bringt Maria die Botschaft ihrer Mutt
Beachtenswerte Tafelbilder eines unbekannten fränkischen Meisters aus dem frühen 16. Jahrhundert zeigen in der Würzburger Marienkapelle die Verkündigungsszene in der klassischen Darstellungsform: Der Engel Gabriel bringt Maria die Botschaft ihrer Mutterschaft.

Der Erzengel Gabriel verkündet Maria in Nazareth die Geburt des Erlösers durch das Wirken des Heiligen Geistes. Im Volksmund wird dieses Herrenfest auch "Mariä Verkündigung" genannt. Früher trug es den lateinischen Namen "Ancilla", was zu Deutsch "Magd" bedeutet. Dieser Name rührte von der Antwort der Gottesmutter, die diese dem Engel gab: "Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum verbum tuum" – "Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast" (Lk 1,38).

Die Begegnung des Engels mit Maria in Nazareth und deren Dialog ist gleich Quelle für zwei Grundgebete der Kirche. Zum einen hat der "Engel des Herrn", das "Angelus", seinen Ursprung darin. Er wird am Morgen, am Mittag und am Abend gebetet, stets eingeleitet durch das Glockengeläut. Seine Anfänge gehen in das 13. Jahrhundert zurück, wo auf die Initiative der Franziskaner beim Abendläuten der Komplet auch die Gottesmutter gegrüßt wurde. Der Gruß des Engels an Maria - auch englischer Gruß genannt - stellt die Einleitung des großen Mariengebetes dar: "Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir (Lk 1,28)". In Verbindung mit Elisabeths Gruß an ihre Base Maria – "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes" (Lk 1,42) – ist dieses Gebet seit dem 11. Jahrhundert in der Kirche im Gebrauch. Papst Pius V. ergänzte es im Jahre 1568 offiziell mit der Bitte um den Beistand in der Todesstunde, so kennen wir das Gebet noch heute als "Ave Maria" oder "Gegrüßet seist Du Maria".

Altes Fest in Ost und West

Verkündigungsgruppe von Franz Ignaz Günther (1763/64) in der Augustinerchorherrenstiftskirche in Weyarn/ Oberbayern.
Verkündigungsgruppe von Franz Ignaz Günther (1763/64) in der Augustinerchorherrenstiftskirche in Weyarn/ Oberbayern.

Bereits Mitte des 6. Jahrhunderts wurde das Fest schon im Osten des römischen Reiches, in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, gefeiert. Seine Wurzeln reichen aber schon bis in die Zeit vor dem Konzil von Ephesos (431) zurück. Im Westen wurde es als Fest im Jahre 692 durch Papst Sergius I. eingeführt. Dieser Tag galt damals auch bereits als Frühlingsbeginn. Der Reformator Martin Luther nannte es "eins der fürnehmsten Feste".

In den orthodoxen Kirchen zählt es unter dem griechischen Namen "Euangelismos" – "Verkündigung der Frohbotschaft" – zu den zwölf Hauptfesten. Fällt es in der katholischen Kirche in die Kar- oder Osterwoche, so wird es auf den Montag nach dem Weißen Sonntag verschoben. Das war letztmalig im Jahre 2013 der Fall und heuer wieder. Da der 25. März 2016 der Karfreitag ist, wird es 2016 am Montag, dem 4. April gefeiert. Dies wird deshalb so praktiziert, da die Kar-, Oster- und Osteroktavtage einen höheren heilsgeschichtlichen und daher liturgischen Rang bekleiden. Die Feier der Erlösung durch den Kreuzestod Christi hat Vorrang.

Beliebtes Motiv der christlichen Kunst

Das Tympanon am Nordportal der Würzburger Marienkapelle zeigt eine nicht alltägliche Darstellung der Verkündigung des Herrn, die "conceptio per aurem" – die "Empfängnis im Ohr".
Das Tympanon am Nordportal der Würzburger Marienkapelle zeigt eine nicht alltägliche Darstellung der Verkündigung des Herrn, die "conceptio per aurem" – die "Empfängnis im Ohr".

Bereits im 3. Jahrhundert findet sich in der Priscilla-Katakombe in Rom eine Verkündigungsdarstellung. In allen Epochen der Kunstgeschichte haben Künstler dieses heilsgeschichtlich so entscheidende Ereignis festgehalten, ob die Italiener Fra Angelico (um 1435/1440) und Leonardo da Vinci (um 1472-1475) oder der Niederländer Jan van Eyck im Genter Altar (1432), um nur einige zu nennen. Große kunstgeschichtliche Bedeutung hat auch die Verkündigungs-Darstellung im Regensburger Dom (um 1280), bei der Maria mit einem "lachenden Engel" an den westlichen Vierungspfeilern sozusagen korrespondiert.

Eine nicht alltägliche Darstellung findet sich am Nordportal der Würzburger Marienkapelle. Dort zeigt das Tympanon, eine Schmuckfläche im Bogenfeld des Portals, wie vom Mund Gottvaters der Hauch des Heiligen Geistes in Form eines Schlauches in das linke Ohr Mariens geht. Dort wartet der Heilige Geist und empfängt sozusagen den Sohn Gottes, der auf dem Bauch als kleines Kind den Schlauch hinab zu Maria eilt. "Conceptio per aurem" – die "Empfängnis im Ohr" – wird diese Darstellung genannt.

Text und Fotos: Carl Prämaßing