Altöttinger Liebfrauenbote

Impuls von Kapuzinerpater Stefan Maria Huppert zum Ostersonntag

Weil das Leben leben muss

Lange Flure in der Arbeitsagentur. Unpersönliche Warteräume in der Klinik. Es gibt Orte, liebe Leserinnen und Leser, die einfach keine Hoffnungsorte sind. Wer hier sitzt und wartet, hat kein gutes Gefühl. Ähnlich geht es im Osterevangelium den Frauen. Sie machen sich auf den Weg zum Grab, um den gemarterten, gekreuzigten, erstickten und verendeten Jesus zu salben; ihm etwas von der Menschenwürde zurück zu geben, die ihm durch den Kreuzestod so brutal genommen wurde. Ein Grab also. Kein Hoffnungsort. – Ein Impuls von Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz, München, zum Ostersonntag im Jahreskreis C.

Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz, München, im Porträt.
Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz, München.

Wenn es Orte gibt, an denen sich garantiert nichts verändert, dann ist es doch wohl ein Grab, als Ort des Todes, der Ruhe, des Stillstandes. Darum nutzen vermutlich auch viele von Ihnen die Bänke auf dem örtlichen Friedhof: hier ist Ruhe, hier ist Sicherheit, hier verändert sich mal einfach nichts.

Gut, wenn wir Orte haben, von denen keine Irritationen ausgehen. Die Frauen am Grab Jesu (Joh 20, 1-9) sind jedoch zutiefst irritiert: wieso ist der Stein schon weg? Von dieser Irritation lassen sich die Frauen jedoch keineswegs aufhalten; sie wollen es wissen und gehen in das Grab hinein. Sie betreten den Ort des Todes, steigen ein in ein Gefühl der Verlassenheit, begeben sich an den Nullpunkt. Sie suchen den im Grab, den sie dort nicht finden können. Jesus Christus und Grab passen dauerhaft einfach nicht zusammen, weil das Leben leben muss!

Das erste Erblicken der Engel führt dazu, dass die Frauen den Blick senken. Sie können noch nicht in die Richtung schauen, aus der die Frohe Botschaft der Auferstehung ihres Herrn, unseres Herrn, verkündet wird. Sie fragen sich, ob diese Verkündigung wahr sein kann. Erst in der Erinnerung an Jesu eigene Worte erscheint ihnen die Erfüllung der Verheißung als die erfüllte Vollendung denkbar und fühlbar. In der Rückbindung an ihre Erfahrungen mit dem irdischen Jesus wird eine Bindung an den österlichen Christus vorbereitet. Im Zusammenklang von Vergangenheit und Zukunft wird die Gegenwart in der Dunkelheit des Grabes zunächst zaghaft erleuchtet. Am Tiefpunkt des Lebens, im Tod, erfährt der Tod seinen Tiefpunkt, weil in Christus das Leben am tiefsten wird; ewiges Leben jenseits des Todes den Ton und die Richtung angibt. Das, liebe Mitchristen, ist Ostern!

Das Grab wird zum Hoffnungsort

Der Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit dominiert die Liturgie zu Ostern. Einerseits die Trauer um den Gekreuzigten, andererseits die Hoffnung nach der Auferstehung ... - Im Bild ein Osterchristus in der Altöttinger Sebastianikapelle sowie ...
Der Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit dominiert die Liturgie zu Ostern. Einerseits die Trauer um den Gekreuzigten, andererseits die Hoffnung nach der Auferstehung ... - Im Bild ein Osterchristus in der Altöttinger Sebastianikapelle sowie ...
... ein Auferstehungschristus Stiftspfarrkirche.
... ein Auferstehungschristus Stiftspfarrkirche.

Da wird dann das Grab tatsächlich zum Hoffnungsort für alle Orte und Zeiten. Ostern lässt sich nicht einfach so auf der grünen Wiese finden, wie ein verstecktes Osternest mit Schokoladenosterhase. Die Kraft von Ostern wird erst dann deutlich, wenn wir die Wucht des Karfreitags erlebt haben.

Von der österlichen Kraft berührt und angerührt, aufgerüttelt und wachgerüttelt, machen sich die Frauen auf den Weg, werden zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung des Herrn, eilen zu den Aposteln, um diesen Männern ebenfalls die Augen und die Herzen zu öffnen. So versehen sie einen wichtigen apostolischen Dienst und verkünden als erste Christus als den Auferstandenen. Sie sind es, die den Aposteln und dadurch der Kirche aller Zeiten zurufen: Der Gekreuzigte ist der Auferstandene!

Und es ergeht ihnen, wie es heute mancherorts der Kirche geht; ihr Zeugnis will nicht gehört und nicht für wahr gehalten werden. Die Apostel halten das Zeugnis der Frauen für Geschwätz, Einbildung und Wunschdenken. Petrus jedoch, eine Autorität im Jüngerkreis, macht sich zumindest auf, um der Sache nachzugehen, er macht sich auf einen persönlichen Weg der Suche. Er kommt zum Grab und kommt zum Glauben.

Vielleicht ist genau das unser apostolischer Auftrag in dieser Zeit, liebe Leserinnen und Leser, uns selber aufzumachen zu Christus und andere dazu zu ermutigen, selber nachzuschauen, wo dem Glauben, wo dem lebendigen Gott, begegnet werden kann. Die Kirche ist immer wieder in Bewegung, verkündet anderen und vergewissert sich wieder selber. Ein gesunder Prozess, der immer tiefer in das Geheimnis des Glaubens einführt, das wir in den kommenden 50 Tagen feiern: Christus hat den Tod bezwungen. Und durch unsere Taufe haben wir Anteil daran.

Also: bleiben wir in Bewegung – frohe und gesegnete Ostern!

Ihr P. Stefan Maria Huppertz OFMCap

Fotos: Privat 1, Roswitha Dorfner 2