Altöttinger Liebfrauenbote

8. Bauernwallfahrt nach Altötting – Kapellplatz: Segnung von Tieren und Kräutern

Für das "gemeinsame Haus"

"Die Sorge für das gemeinsame Haus" war Thema der achten Bauernwallfahrt nach Altötting am 13. März, an der mehrere hunderte Landwirte teilnahmen. Mit Pfr. Michael Witti aus Feichten feierten sie einen Festgottesdienst in der St. Anna-Basilika. In seiner Predigt warb Pfr. Witti für "eine regional verankerte, an den Bedürfnissen der Menschen wie der Umwelt orientierte Landwirtschaft".

Pfr. Michael Witti bei der Feier der Eucharistie.
Pfr. Michael Witti bei der Feier der Eucharistie.

Papst Franziskus' Umweltenzyklika "Laudato si - Über die Sorge für das gemeinsame Haus" lieferte das Leitwort für die Wallfahrt. Pfr. Witti erinnerte am dritten Jahrestag der Papstwahl an einen Hl. Vater, der immer wieder zu "verblüffen" vermag. Vor allem aber konzentrierte er sich auf Franziskus' Botschaft, die zwar "in der großen Theologie seinen Vorgängern immer nahe stand", aber "von seiner eigenen Lebenserfahrung her ganz neue Perspektiven ins Zentrum unserer Kirche" bringe. Es ist dies eine Botschaft mit einem klaren lebenspraktischen Bezug, die vor allem die "soziale Frage" ins Zentrum stellt: "Zur Verwunderung vieler verknüpfte er diese soziale Frage immer mehr auch mit der Frage nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Ökologie", stellte Pfr. Witti fest. "Es gibt für Franziskus keine Fortschritte in der Ökologie ohne Korrekturen in der Ökonomie, ohne wirkliche Anstrengungen für das soziale Wohl aller Menschen."

"Wir sind nicht Gott. Die Erde war schon vor uns da und ist uns gegeben worden ...", zitierte Pfr. Witti aus der Enzyklika, "... Es ist wichtig, die biblischen Texte in ihrem Zusammenhang zu lesen ... und daran zu erinnern, dass sie uns einladen, den Garten der Welt zu 'bebauen' und zu 'hüten' (vgl. Gen 2,15)." Vor allem das "Hüten" wird laut Pfr. Witti viel zu sehr vernachlässigt: "Bei vielen der großen Pläne zur Zukunft unserer Landwirtschaft wird vor allem die 'Wirtschaft' betont, weniger das 'Land'", kritisierte er. "An den Börsen der Welt wird mit Ernten spekuliert, die noch lange nicht ausgesät sind. Preisspekulationen bringen auch hier einigen wenigen immense Gewinne, die selber noch nie einen Acker bestellt haben. Das Schicksal von Millionen Kleinbauern und bäuerlichen Betrieben scheint dabei ebenso wenig eine Rolle zu spielen, wie die Millionen von Menschen, die von Hunger bedroht sind, wenn zur Freude einiger weniger die Weizenpreise steigen. Die wirkliche Produktion von Lebensmitteln spielt bei all dem eigentlich keine Rolle mehr."

Gott zeigt sich in jedem Geschöpf dem Menschen

Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl segnet die Tiere auf dem Kapellplatz; neben ihm Pfr. Michael Witti und der evangelische Pfarrer Udo Sehmisch.
Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl segnet die Tiere auf dem Kapellplatz; neben ihm Pfr. Michael Witti und der evangelische Pfarrer Udo Sehmisch.

Konkret kritisierte Pfr. Witti auch einen viel zu hohen Fleischkonsum in den "reichen Ländern": "Wenn ich das allein auf die Bundesrepublik hochrechne, wird rasch klar, dass der landwirtschaftlich genutzte Grund und Boden hier kaum das Futter hervorbringen kann, das für die Produktion dieser Fleischberge benötigt wird. Zigtonnenweise importieren wir pflanzliches Mastfutter etwa aus Südamerika. Viel davon wird mit gentechnisch veränderten Pflanzen produziert, gegen die sich hierzulande umgehend Proteste formieren würden. Also hat man mit dieser Produktion quasi ein 'Outsourcing' in ärmere Regionen betrieben. Einmalige Ökosysteme, die nicht zuletzt das Klima unseres ganzen Planeten sichern, müssen, ebenso, wie die Kleinbauern mit ihren Familien, den Großplantagen mit ihren ökologisch bedenklichen Monokulturen weichen, damit Europa Fleisch produzieren kann, das dann so billig auf den Weltmarkt geworfen wird, dass es eigentlich zur fast wertlosen Massenware, zum Wegwerfprodukt verkommt."

Papst Franziskus' Enzyklika "fordert uns auf, aus Gottes Geist heraus, der uns geschenkt ist, auf einen anderen Lebensstil zu setzen, ökologisch umzukehren, wirkliche Friedenspolitik zu betreiben, aber auch Feiertage als geistliche Auszeiten wiederzuentdecken und so eine neue Schöpfungs-Spiritualität zu entdecken und zu leben", fasste Pfr. Witti zusammen. Vor allem den Bauern legte er die Umweltenzyklika ans Herz. Insgesamt aber bleibt das Schreiben eine Herausforderung für alle Christen: Nicht zuletzt spreche Franziskus "in erstaunlicher Weise von den Tieren dieser Welt als Mitgeschöpfen", erinnerte Pfr. Witti. Dies sei "eine außerordentliche Anfrage an die bisherige Theologie und eine noch viel größere Anfrage an unseren Umgang mit den Geschöpfen dieser Welt". Denn: "Es heißt dann aber nichts anderes, als dass Gott sich in jedem Geschöpf dem Menschen zeigt", erklärte Pfr. Witti.

Segen für Menschen, Tiere und Kräuter

Andreas Remmelberger, Agrarpolitischer Geschäftsführer der AbL, begrüßt einen Pilgerin Angie Straßhofer mit Ochsen "Lasse".
Andreas Remmelberger (r.), Agrarpolitischer Geschäftsführer der AbL, begrüßt einen Pilgerin Angie Straßhofer mit Ochsen "Lasse".

Nach dem Gottesdienst zogen die Teilnehmer gemeinsam mit einigen Tieren wie Hahn und Hühnern, Ochs und Pferd, Kälbchen, Schafen und Kaninchen zum Kapellplatz hinauf, wo sie in Gattern untergebracht wurden. Vor der Gnadenkapelle begrüßte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl die Pilger und stimmte ein "Lobe den Herrn an". Auch Prälat Mandl mahnte einen verantwortungsvollen und umsichtigen Umgang mit der Schöpfung an. Der evangelische Pfarrer Udo Sehmisch dankte den Bauern für ihren wertvollen Dienst, für "ihre Berufung", die sie am Tag und oft auch in der Nacht fordere, was viele Menschen gar nicht zu schätzen wüssten. Pfr. Sehmisch wünschte den Bauern, dass sie ihre Arbeit froh mache, und dass Gott sie begleite und schütze. Prälat Mandl spendete abschließend den Segen für "die Menschen, Tiere und Kräuter" und er erbat Gottes Beistand um Schutz vor Gefahr und jeglichen schädlichen Einflüssen.

Die Wallfahrt wurde von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) organisiert, unterstützt vom Bundesverband der Milcherzeuger (BDM), von der Interessengemeinschaft für gesunde Tiere (IggT) und von "Zivilcourage - Agrogentechnikfreie Landkreise". Den Gottesdienst gestaltete der "Astner Singkreis" musikalisch.

Text: Michael Glaß, Foto: Roswitha Dorfner

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