Altöttinger Liebfrauenbote

Vierte Altöttinger Fastenpredigt mit Pater Karl Wallner OCist

"Wir lieben Maria"

Zur vierten und letzten Altöttinger Fastenpredigt 2016 konnte Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl am Donnerstagabend, 10. März, zahlreiche Gläubige in St. Josef, Altötting-Süd begrüßen – und tausende Hörer von Radio Horeb, denn der Gottesdienst wurde – wie auch schon die drei Fastenpredigten zuvor – live übertragen. Sie durften sich über eine so anspruchsvolle wie kraftvolle Predigt freuen, für die Zisterzienserpater Karl Wallner, Rektor der Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz im Wienerwald gewonnen werden konnte.

Vor dem großen Fastenteppich von St. Josef, Altötting-Süd im Hintergrund predigte P. Karl Wallner vom Stift Heiligenkreuz in Österreich.
Vor dem großen Fastenteppich von St. Josef, Altötting-Süd im Hintergrund predigte P. Karl Wallner vom Stift Heiligenkreuz in Österreich.

Zum Dreh- und Angelpunkt seiner Ansprache machte P. Karl die marianische Antiphon "Salve Regina" (11. Jh.), Hermann dem Lahmen von Altshausen zugeschrieben. Aus diesem Lied stammt das Leitmotiv der Altöttinger Fastenpredigten 2016: "Wende deine barmherzigen Augen mir zu". Für Wallner ist es "eines der schönsten Marienlieder" und kein Zufall, dass es im Gotteslob unter der Liednummer 666 geführt wird. Das sei in der hl. Schrift die Zahl des Satans, dem wiederum Maria den Kopf zertritt. Wenn in der katholischen Weltkirche eines gewiss sei, dann dies: "Wir lieben Maria!" Zum Salve Regina habe er zudem noch einen besonderen Bezug, da sein Orden – die Zisterzienser – als ältester marianischer Orden jeden Tag im Chorgebet mit dieser Antiphon beschließe.

Auf immer wiederkehrende Kritik seitens anderer Glaubensgemeinschaften eingehend betonte der Prediger, es sei auch keineswegs eine "katholische Verbogenheit", die Gottesmutter Maria zu verehren, denn Gott selber habe sie angesprochen. Schon im 2. Jahrhundert sei das bekannte Mariengebet "Unter deinen Schutz und Schirm wir fliehen" entstanden. "Maria ist keine Konkurrenz zu Gott", so P. Karl, "sie bildet das ab, was Gott von uns Menschen haben will. Marienliebe ist immer auf Gott bezogen."

"Es gibt auf Erden viel Schönes, aber den Himmel haben wir hier nicht"

Eucharistiefeier mit Stiftskanonikus Alois Schießl, Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl, Fastenprediger P. Karl Wallner und Pfarrvikar Deva Gudipalli (St. Josef).
Eucharistiefeier mit (v.l.) Stiftskanonikus Alois Schießl, Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl, Fastenprediger P. Karl Wallner und Pfarrvikar Deva Gudipalli (St. Josef).

Das Salve Regina "ist ein Ruf tiefer Verehrung" und sei nie ein privates Gebet gewesen, sondern sollte in Gemeinschaft gebetet werden: "Es schließt uns zusammen". Regina = Königin, damit, so Wallner, sei keine weltliche Herrschaft gemeint, sondern die Tatsache, dass Maria ganz in der Königsherrschaft Gottes vollendet sei. "Maria ist schon in der Heimat, im Himmel, im Königreich Gottes." Wir Menschen dagegen, erläuterte der Prediger den Liedtext weiter, seien "exsules", Verbannte, Heimatlose: "Es gibt auf Erden viel Schönes, aber den Himmel haben wir hier nicht." Daher hätten wir allen Grund, uns wie im Salve Regina an Maria zu wenden mit den Worten: "Eia ergo...Wohlan denn, uns're Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu. Und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes". Gott, bekräftigte P. Karl, sei Mensch geworden durch Maria – wer könne uns besser den Weg zur Heimat, zum Himmel zeigen als Maria. Zum Abschluss seiner Predigt riet er den Gläubigen: "Pflegen Sie wieder das Bittgebet!"

Am Ende des Gottesdienstes dankte Stadtpfarrer Mandl allen Mitwirkenden für die festliche Gestaltung, besonders auch dem Gesangsensemble der Berufsfachschule für Musik und deren Leiter Anselm Ebner an der Orgel. Pater Karl Wallner überreichte er einen prächtigen Bildband zur Altöttinger Stiftspfarrkirche für seine "herausragende Predigt". Dieser gab das Lob zurück mit den an Mandl gerichteten Worten: "Du bist das Herz von Altötting. In dir schlägt das Herz der Gottesmutter!"

Text und Fotos: Wolfgang Terhörst (wt)

Hermann der Lahme

Der Verfasser des "Salve Regina" ist zwar historisch nicht belegt, es wird aber Hermann dem Lahmen (auch: Hermann von Reichenau oder Hermannus Contractus, 1013-1054) zugeschrieben. Dafür spricht laut P. Karl Wallner, dass das Lied "ein Meisterwerk der Sprachdichtung" sei. Hermann lebte zur Entstehungszeit des Salve Regina als Benediktinermönch im Kloster Reichenau und galt trotz seiner schweren körperlichen Behinderung als einer der bedeutendsten Gelehrten des 11. Jahrhunderts.

Text: wt