Altöttinger Liebfrauenbote

Frühjahrshauptfest der Marianischen Männerkongregation mit dem Münchner Generalvikar Prälat Peter Beer

Vertrauen und neu beginnen

"Auf Gott vertrauen und neu beginnen", war kurz zusammengefasst die Botschaft des Frühjahrshauptfestes der Marianischen Männerkongregation Altötting (MC). Über 1.500 MC-Sodalen verfolgten am 6. März die Predigt des Münchner Generalvikars Prälat Peter Beer in der St. Anna-Basilika. Passend zum von Papst Franziskus ausgerufenen "Heiligen Jahr" drehte sich der Festtag vor allem um das Thema "Barmherzigkeit".

Eucharistiefeier mit Domkapitular Georg Auer, Diakon Ulrich Bork, Prälat Peter Beer und MC-Präses Bruder Georg Greimel.
Eucharistiefeier mit (v.l.): Domkapitular Georg Auer, Diakon Ulrich Bork, Prälat Peter Beer und MC-Präses Br. Georg Greimel.
Prälat Peter Beer gratuliert einem Kandidaten zur Lebensweihe.
Prälat Peter Beer gratuliert einem Kandidaten zur Lebensweihe.

Ein Thema, das der gebürtige Niederbayer Prälat Beer sehr pragmatisch und bodenständig anging: "Oh mei, aus dem wird' nix mehr, des is' vorbei", gab er Spott und Häme wieder, die nicht selten über nicht ganz so brave Kinder aus der Nachbarschaft ausgesprochen werden; an die Zuhörer gewandt sagte er: "Stellen Sie sich vor, die Eltern würden so reden! Wenn Kinder von den Eltern abgeschrieben werden, dann macht das alles nur noch schlimmer." Der zweifach promovierte Theologe und Pädagoge legte passend zum "Heiligen Jahr" das "Evangelium vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater" (Lk 15,11-32) aus und stellte fest: "Der Vater denkt über den 'verlorenen Sohn': 'Im Grunde is' er ja ein braver Bua ...' Er vertraut und glaubt an das Gute im Menschen, und der verlorene Sohn traut sich zurückzukommen." Auch der andere Sohn werde schließlich seinen anfänglichen Grant vergessen, sobald sich der Vater auch ihm wieder mehr zuwendet.

Für diese Art der Barmherzigkeit brauche es die "christlichen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung", erklärte der Prediger und fügte hinzu: "Wer wirklich an Gott glaubt, der wird vorsichtig sein mit Urteilen. Wer an Gott glaubt, der weiß, dass er die Liebe ist, und der kann gar nicht anders, als die empfangene Liebe weiterzugeben. Wer hofft, der ist getragen von der Überzeugung, dass Gott alles zum Guten wenden wird." Kurzum: "Wer Glaube, Liebe und Hoffnung hat, der kann vertrauen, der kann an das Gute glauben, der kann Menschen Zeit geben, um umzukehren – der kann barmherzig sein." Der "barmherzige Vater" wiederum habe seine Entsprechung in der "gütigen Himmelsmutter", stellte Prälat Beer fest und erklärte: "Eine Wallfahrt drückt die Hoffnung aus, dass wir umkehren und neu beginnen dürfen." Die Sodalen rief Prälat Beer zur gelebten Barmherzigkeit auf und riet: "Wir sollten so handeln, dass es über uns selbst heißt: 'Im Grunde sand's – wia's hoit so sand – guade Leit'."

"Alle gehören dazu, auch die an den Rand Gedrängten wie Arbeitslose, Ausländer oder Ungeborene"

MC-Präses Kapuzinerpater Bruder Georg Greimel mit der Monstranz.
MC-Präses Kapuzinerpater Br. Georg Greimel mit der Monstranz.
Ein MC-Sodale mit Fahne.
Ein MC-Sodale mit Fahne.

Dass Barmherzigkeit die Grundlage für einen immer wieder notwendigen Neubeginn sei, stellte auch MC-Präses Kapuzinerpater Br. Georg Greimel bei seiner Predigt zur Aufnahmefeier für die Neusodalen am Nachmittag fest. "Barmherzig zu handeln verändert nicht nur die desolate Situation eines Bedürftigen, sie ändert auch den Helfer von innen heraus", sagte er, nachdem er die "Sieben Werke der Barmherzigkeit für Thüringen heute" vorgestellt hatte; diese "Neuübersetzung" der "Sieben Werke der Barmherzigkeit" (vgl. Mt 25,34-46) hatte Bischof Joachim Wanke anlässlich des Elisabeth-Jahres 2006 bekanntgegeben. Zu diesen zählen u.a.: "Du gehörst dazu", "Ich rede gut über dich" und "Ich bete für dich". Dazu sagte Br. Georg: "Alle gehören dazu, auch die an den Rand Gedrängten wie Arbeitslose, Ausländer oder Ungeborene" – "Es fehlt oft an der grundsätzlichen Achtung anderer Menschen, und ja: Manchmal wünscht man sich auch mehr Barmherzigkeit von den Kirchenkritikern" – und: "Wir Christen sollen auch für unsere Feinde beten, und wir müssen gerade dann beten, wenn es Spannungen gibt".

An eine bereits erfolgte gemeinsame Gebetsinitiative der rund 200 MC-Gruppen im Bereich der Kongregation Altötting am 1. Januar dieses Jahres erinnerte Präfekt Stefan Burghart beim Treffen der Obmänner im Kongregationssaal. In Altötting selbst habe das Friedens-Gebet großen Zulauf erfahren. Burghart kündigte u.a. auch eine Teilnahme der MC beim Fest "100 Jahre Patrona Bavariae" 2017 in München an. Auch am Wallfahrtsort ist die MC laut dem Präfekten engagiert: Rund ein Viertel der ab diesem Wallfahrtsjahr eingesetzten ehrenamtlichen Pilgerbetreuer kämen von der MC. Br. Georg dankte den Obmännern für ihr Engagement und stellte außerdem fest, dass über eine Million Euro an Spenden für die Renovierung der St. Anna-Basilika von Sodalen und Gruppen der MC kamen.

55 Fahnenabordnungen

MC-Präfekt Stefan Burghart und MC-Präses Bruder Georg Greimel gratulieren den Neu-Sodalen
MC-Präfekt Stefan Burghart und MC-Präses Br. Georg Greimel gratulieren den Neu-Sodalen.
Kapuzinerbruder Ernst-Konrad Mackenbrook führte im Rahmen des Familienprogramms durch das Br. Konradkloster.
Kapuzinerbruder Ernst-Konrad Mackenbrook führte im Rahmen des Familienprogramms durch das Br. Konradkloster.

Mit über 1.500 Besuchern des Festgottesdienstes am Vormittag erfuhr das Herbsthauptfest heuer wieder eine sehr gute Resonanz. Insgesamt kamen 55 Fahnenabordnungen der einzelnen MC-Gruppen, die größtenteils auch nachmittags an der Prozession zur Gnadenkapelle teilnahmen. Den Festgottesdienst gestaltete die Altöttinger Hofmusik unter Leitung von Karlmann Kanzler musikalisch; bei der Statio vor der Hl. Kapelle sangen die Gebrüder Bernhart. 17 Sodalen legten im Rahmen des Festgottesdienstes ihre Lebensweihe nach einjähriger Mitgliedschaft ab; sieben Männer ließen sich am Nachmittag neu in die MC aufnehmen.

Neben dem Hauptzelebranten Prälat Peter Beer konzelebrierten beim Festgottesdienst MC-Präses Br. Georg Greimel und Domkapitular Georg Auer, der im Bistum Passau für die Männerseelsorge zuständig ist, und Pfr. i.R. Josef Hecker, assistiert von Diakon Georg Hifinger und Diakon Ulrich Bork (Hamburg). Als Ehrengäste begrüßte Br. Georg den Landtagsabgeordneten Martin Huber, den stellvertretenden Landrat Stefan Jetz und Bürgermeister Herbert Hofauer. Auch das Familienprogramm wurde erneut gut angenommen: Claudia Heuwieser führte Eltern und Kinder durch die "Neue Schatzkammer – Haus Papst Benedikt XVI." und die Dioramenschau im Gebäude des Altöttinger Marienwerks. Anschließend gab es Wiener Würstchen im Jugendübernachtungshaus der Kapuziner beim St. Magdalenakloster und nachmittags eine extra Kindersegnung in der Gnadenkapelle.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

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