Altöttinger Liebfrauenbote

Dritte Altöttinger Fastenpredigt mit Pfarrer Winfried Abel

Über die "Liebe Gottes"

"Gott hat uns in Jesus alles geschenkt", betonte Pfarrer Winfried Abel aus dem Bistum Fulda in der dritten Altöttinger Fastenpredigt am 3. März in der Stiftspfarrkirche. Er predigte zum Thema "Barmherzig sein nach dem Vorbild von Jesus und Maria" und erklärte, was die "Liebe Gottes" so besonders macht, und warum es sinnvoll sein kann, sich zu bücken.

Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Pfarrer Winfried Abel, Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl und Stiftskanonikus Alois Schießl.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker (v.l.), Pfarrer Winfried Abel, Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl und Stiftskanonikus Alois Schießl.

Zur dritten von insgesamt vier Fastenpredigten begrüßte Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl einen ehemaligen Pfarrer im Bistum Fulda, der sich in der Verkündigung in Funk und Fernsehen weit über die Diözesangrenzen hinaus einen Namen gemacht hat; u.a. engagierte sich Pfr. Abel viele Jahre bei Radio Horeb, er verfasste aber auch Gedichte und Bühnenstücke. Seit 2014 ist Pfr. Abel in der Priesterausbildung an der Hochschule Heiligenkreuz in Österreich tätig.

Erst durch den "Sündenfall" sei die Liebe Gottes zur Barmherzigkeit, erst durch Jesus sei diese Liebe offenbar geworden, erklärte Pfr. Abel schließlich in seiner Predigt. Mit den Worten des 1989 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochenen Albert Chmielowski (1845-1916) erläuterte er die Besonderheit der "Liebe Gottes": "Willst du einen wackeligen Tisch abstützen, darfst du ihn nicht belasten, sondern du musst dich niederbeugen und ihn von unten stützen. Das gleiche gilt für das menschliche Elend." Kein Vorwurf sei hieraus zu hören, keine Moralpredigt des polnischen Drittordensbruders und vormaligen Kunstmalers, der später selbst als Obdachloser unter Obdachlosen lebte, stattdessen: ein Mann, der sich bückt, um anderen zu helfen. Pfr. Abel stellte fest: "Das ist auch die Sprache Christi, der sich hat verelenden lassen." Jesus habe die Liebe Gottes in Form der Barmherzigkeit geradezu "verschwendet" an die Menschen, um diese zu retten. Erst in Christus, der "fleischgewordenen Barmherzigkeit Gottes" sei deutlich geworden: "So liebt Gott!"

Wie der verlorene Sohn im gleichnamigen Gleichnis (Lk 15,11-32) gingen Menschen in die Fremde, um sich vom Vater zu emanzipieren, und ähnlich wie der "verlorene Sohn" könnten die Menschen dennoch auf Rettung vertrauen, denn: "Gott ist uns treu geblieben", versicherte Pfr. Abel.

Innere Freiheit

Pfr. Abel warnte aber auch vor Vergessen. "Der Mensch hat Gott aus seinem Leben vertrieben", stellte er fest. Mit Blick auf die Tageslesung (Jer 7, 23-28) sagte er: "Wir haben Ihm den Rücken zugekehrt – nicht ER uns!" Diese Selbstisolation führe dazu, dass wir Jesus nicht mehr ertrügen, mahnte Pfr. Abel und stellte mit Blick auf das Evangelium (Lk 11, 14-23) fest: Nicht Jesus, sondern wir selbst versuchten oft, Dämonen mit Dämonen auszutreiben. Stattdessen sollten die Menschen laut Pfr. Abel auf den "Vater der Barmherzigkeit" vertrauen, der "seinen Sohn für uns hingegeben hat". Ebenso auf die "Mutter der Barmherzigkeit": Weil sich die Gottesmutter Maria mit ihrem "Fiat" eingelassen habe auf den Heilsplan Gottes, weil sie mit ganzem Herzen die Hingabe Jesu mitgetragen habe. "Wir dürfen das Sakrament der Eucharistie feiern, weil Maria uns Ihren Sohn schenkt", erinnerte Pfr. Abel und zitierte Verse aus dem Mariengebet "Salve regina – Sei gegrüßt, o Königin", aus dem auch das Motto für die diesjährige Predigtreihe stammt: "Mutter der Barmherzigkeit (...) wende deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes (...)".

Zum Ende seiner Predigt zitierte Pfr. Abel die sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit (vgl. Mt 25, 34-46), die vielleicht sogar etwas wichtiger seien als die leiblichen, denn: Ein Gefangener könne sich innerlich befreien, aber "die äußere Freiheit nutzt ohne die innere Freiheit gar nichts", stellte Pfr. Abel fest, der u.a. auch 13 Jahre lang als Gefängnisseelsorger in Kassel gewirkt hatte. Jedem Werk der Barmherzigkeit stellte er eine Anrufung der Gottesmutter aus der Lauretanischen Litanei gegenüber.

Text und Foto: Michael Glaß