Altöttinger Liebfrauenbote

50. Altöttinger Pilgerfahrt führte nach Erding und Dorfen

Christ sein und bleiben

Seit nunmehr einem halben Jahrhundert pilgern Pfarrmitglieder aus Altötting und Umgebung am dritten Fastensonntag in ein "Quellgebiet" der Altötting-Wallfahrt. Fünf Omnibusse mit 300 Wallfahrtsteilnehmern machten sich deshalb auch am Dritten Fastensonntag, 28. Februar, auf den Weg um ihr 50. Pilgerjubiläum in den ausgewählten Zielen Erding und Dorfen zu feiern.

Pontifikalamt in der Erdinger Pfarrkirche St. Johann.
Pontifikalamt in der Erdinger Pfarrkirche St. Johann.

Nicht nur die Nähe zum Flughafen, das größte Thermalbad der Welt und das Weißbier machen Erding berühmt – den Altöttingern steht die altbayerische Herzogsstadt und heutige große Kreisstadt mit über 38.000 Einwohnern auch durch ihre langjährige Pilgertreue zum Gnadenort Unserer Lieben Frau nahe. Wenn heuer am Pfingstsamstag nach der Ankunft am Kapellplatz die Kirchenglocken läuten, können die Erdinger ihre stolze 70. Fußwallfahrt nach Altötting feiern. So war es naheliegend dass bei der 50. Altöttinger Pilgerfahrt ein "Gegenbesuch" in Erding fällig war. Die geistliche Pilgerleitung lag in Händen von Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, für die gewohnt perfekte Organisation zeichnete sich wie all die Jahre das Altöttinger Wallfahrts- und Verkehrsbüro unter Leitung von Ulrike Kirnich verantwortlich.

Das Pilgerziel wurde planmäßig gegen 8.30 Uhr erreicht und die Wallfahrtsteilnehmer – darunter Maria-Ward- und Heiligkreuz-Schwestern, die Kapuziner, Vertreter der Stadt, allen voran Bürgermeister Herbert Hofauer mit Gattin Geli, Pfarrgemeinderat, die Fahnenabordnungen der kirchlichen und weltlichen Vereine und Verbände – wurden vom Erdinger Stadtpfarrer Martin Garmaier und einer Ministrantengruppe herzlich willkommen geheißen. Festliche Stimmung machte sich breit, als sich beim Einzug zur Pfarrkirche St. Johann das Geläut der Kirchenglocken mit den Klängen der Musikkapelle Altötting vermischten. Nicht weniger feierlich war der Jubiläums-Pilgergottesdienst mit Hauptzelebrant Bischof em. Wilhelm Schraml und den Konzelebranten Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Erdings Stadtpfarrer Martin Garmaier, dem stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Kapuzinerpater Berthold Oehler sowie Pfarrer i.R. Franz Hecker. Der Pfarrchor aus Altötting-Süd, Pfarrei St. Josef und das Orchester der Max-Keller-Berufsfachschule für Musik unter Leitung von Anselm Ebner sorgten mit der exzellenten musikalischen Gestaltung für wahre Jubiläumsstimmung – auch bei der Eucharistischen Andacht in Maria Dorfen, insbesondere mit Mozart's "Ave verum" zur Ehre der Gottesmutter.

"Nur wer Gott kennt, kennt auch die Menschen"

Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl sowie die beiden Bürgermeister  Maximilian Gotz und Herbert Hofauer beobachten, wie sich Bischof em. Wilhelm Schraml in das Goldene Buch der Stadt Erding einträgt.
Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl (v.l.) sowie die beiden Bürgermeister Maximilian Gotz und Herbert Hofauer beobachten, wie sich Bischof em. Wilhelm Schraml in das Goldene Buch der Stadt Erding einträgt.

Nach kurzen einführenden Worten durch Stadtpfarrer Garmaier ergriff Erdings Oberbürgermeister Maximilian Gotz, das Wort: Menschen die Wallfahren, die für ihren Glauben auf die Straße gehen, zeigten Sinn für eine Werteorientierung, sagte er und lud die Altöttinger Delegation ein zum Empfang ins Rathaus und Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Hier habe sich vor knapp 40 Jahren auch der damalige Kardinal und jetzige Papst em. Benedikt XVI. eingetragen, bemerkte er, "eine ganze Reihe g'standene, gefestigte Leute". Gotz, selbst Handwerksmeister, nannte Erding nicht ohne Stolz "eine Handwerkerstadt". Im Jahr der Barmherzigkeit verwies der Oberbürgermeister auch auf die momentane Flüchtlingssituation – in Erding kämen täglich 5.000 Flüchtlinge ins Erstaufnahmesammellager – und er erklärte: "Wir haben nicht zu urteilen, unsere Aufgabe ist es, zu helfen!" Dabei sah der Oberbürgermeister optimistisch in die Zukunft: "Nach Kriegsende waren in Erding mehr Flüchtlinge als Einwohner!"

Bischof em. Schraml erinnerte in seiner Predigt bei der Festmesse an den großen Erneuerer Romano Guardini, dessen Wort er zitierte: "Nur wer Gott kennt, kennt auch die Menschen." In der Menschwerdung und durch den Sühnetod des göttlichen Sohnes komme die göttliche Barmherzigkeit am stärksten zum Ausdruck, stellte er fest. Schraml empfahl den Gläubigen einen Weg der Nachfolge Jesu Christi, und somit einen Weg des Erbarmens mit den Mitmenschen. Barmherzigkeit lehre uns, den Blick auf die Mitte des christlichen Glaubens – das Kreuz – zu wahren. So könne die Kirche die Schönheit des Glaubens wieder neu entdecken: "Christ sein und bleiben!", appellierte der Altbischof an die Gläubigen.

"Jesus ist da und hilft durch die Stimme Seiner Mutter"

Pilger vor dem Votivbild der Pilgergruppe Unterholzhausen-Teising-Tüssling.
MC-Präfekt Stefan Burghart, Maria Hausberger und Rosi Hermann vor dem Votivbild der Pilgergruppe Unterholzhausen-Teising-Tüssling (siehe Text).
Votivbild in Großaufnahme.
Das Votivbild der Pilgergruppe Unterholzhausen-Teising-Tüssling (siehe Text).

Nach einer Stadtführung und Mittagessen ging's weiter ins 30 Kilometer entfernte Dorfen mit der prächtigen Wallfahrtskirche Maria Dorfen. Nicht zuletzt inspiriert durch eine alte Fußpilgertradition aus Unterholzhausen/Teising und Tüssling – aus Dank, von einem Hagelschlag verschont worden zu sein, eine Votivtafel aus dem Jahr 1830 im linken Mittelgang zeugt davon – hat die Altöttinger Pilgerfahrts-Organisatioren dazu veranlasst, dieses Pilgerziel für die nachmittägliche Eucharistische Andacht mit dem dortigen Stadtpfarrer Johann Eschbaumer auszuwählen. Auch Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner war zugegen und sprach herzliche Grußworte.

Vor dem prächtigen Asam-Altar mit dem Dorfener Gnadenbild hielt Kapuzinerpater Norbert Schlenker die Abschlusspredigt. Im durch Papst Franziskus ausgerufenen Hl. Jahr der Barmherzigkeit war es naheliegend, dass P. Norbert näher auf "Maria, Mutter der Barmherzigkeit" (das Altöttinger Wallfahrtsmotto 2016) einging. Die Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-12) mit Mariens Verweis "Was Er Euch sagt, das tut", deutete P. Norbert dann ausführlich: Jesus verwandle das Wasser des Lebens in edlen Wein. "Jesus ist da und hilft durch die Stimme Seiner Mutter", versicherte P. Norbert. Bevor der Eucharistische Segen durch Altöttings Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl erteilt wurde, legte P. Norbert abschließend nochmals den guten Rat Mariens allen anwesenden Gläubigen ans Herz: "Was Er euch sagt, das tut!"

Mit einer geweihten Votivkerze mit abgebildetem Altöttinger und Dorfner Gnadenbild in Händen traten die Wallfahrtsteilnehmer die Heimreise an – im Bewusstsein eines unvergesslichen Wallfahrtstages mit bereichernden Glaubensimpulsen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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