Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Besonderes Augenmerk liegt freilich jedes Jahr auf den großen Wallfahrtsgruppen aus Regensburg, der Legio Mariae und aus der Oberpfalz. Gerade im Mai kommen aber auch viele weitere Pilgergemeinschaftem – große wie kleine – nach Altötting. – Eine kleine Auswahl:

Genug gebetet – Fußpilger aus Landshut

Der stellvertretende Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker und die Musikkapelle Altötting empfingen am 8. Mai die 197 Fußpilger aus Landshut, die "die Nacht hindurch" 65 Kilometer "durchmarschiert" waren. Pünktlich um 8.45 Uhr war das Pilgerziel erreicht, und auf die Frage, ob die letzte Wegstrecke zum Kapellplatz abwechseln gebetet und unter den Klängen der Musikkapelle zurückgelegt werden solle, war die kurze Antwort von Pilgerleiter Günter Fries: "Gebetet haben wir genug, jetzt seid's Ihr dran!" Die Altöttinger Kirchenglocken vermischten sich mit dem Lied "Wunderschön prächtige, hohe und mächtige, liebreich allselige himmlische Frau...", als die Landshuter Fußpilger die Gnadenkapelle umrundeten, um zum Pilgergottesdienst in den Kongregationssaal einzuziehen. P. Norbert bat die Pilger Platz zu nehmen und erlaubte, auch während der hl. Messe sitzen zu bleiben, denn so eine Wallfahrt am Stück würde einige Rekorde mit sich bringen. Doch was viel mehr zähle: Diese Wegerfahrung in der Gemeinschaft sei wichtig für unseren Glauben.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

"Geh doch mit" – Wallfahrer aus Palling-Tyrlbrunn

Unter der Leitung von Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Hans Mayer gingen am 9. Mai 105 Wallfahrer aus Palling-Tyrlbrunn zur Gnadenmutter nach Altötting. Zum 366. Mal erfüllten sie damit ein Gelübde aus der Pestzeit; ein Votivbild aus dem Jahr 1650 erzählt davon. Bei Kaiserwetter, wie es Diakon Thomas Zauner formulierte, waren die Fußpilger unterwegs gewesen – zur Königin des Himmels, zu Maria, unserer Mutter der Barmherzigkeit. "Geh doch mit", sei oft die Aufforderung der "alten Hasen" unter den Fußpilgern – und dieses Anwerben für neue Wallfahrtsteilnehmer sei ganz wichtig, um auch für die Zukunft ein Glaubenszeugnis für die Welt zu geben. Als Dank für die gut verlaufene Wallfahrt stimmten die Pilger "Segne du Maria" an.

Text und Foto: Roswitha Dorfner

"Verwandelt" am Gnadenort – Riedenburger Fußwallfahrt

Hagl, heftiger Gewitterregen, Blitz und Donner – all das mussten die Riedenburger heuer bei ihrer dreitägigen Fußwallfahrt zur Schwarzen Madonna nach Altötting erleben. Und doch hatte die "Mutter der Barmherzigkeit" ihren Schutzmantel ausgebreitet, jedenfalls sind am Pfingstsamstagmorgen – bis auf ein paar kleinere Blessuren – alle 680 Wallfahrtsteilnehmer wohlbehalten am Gnadenort eingetroffen. Nachdem die Musikkapelle Altötting die Pilger zum Kapellplatz hereingespielt hatte, kniete Pilgerleiter Hans Schlagbauer nieder, um ein Dank- und Bittgebet zur Gottesmutter zu sprechen. Seinen großen Respekt und Dank zollte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl. Mit Blick auf den wieder einsetzenden Regen sagte er: "Wallfahrt bei Regen bringt Glück und Segen!" In einer kurzen Ansprache erinnerte er: Pfingsten werde als Geburtsstunde der Kirche bezeichnet, und damals im Abendmahlssaal, als der Hl. Geist mit Sturm und Brausen und mit Feuerszungen über die Apostel kam, war auch Maria unter ihnen. "Maria ist auch heute unter uns, weiß, wo jedem Einzelnen 'der Schuh drückt', und sie wird Euch nicht ungetröstet zurückschicken", versicherte der Wallfahrtsrektor. Zur großen Freude der Riedenburger feierte der Regensburger Weihbischof Dr. Josef Graf mit ihnen den festlichen Pilgergottesdienst in der St. Anna-Basilika. Dieser griff in seiner Predigt nochmals die Hochzeit zu Kana auf und wünschte den Wallfahrtsteilnehmern, dass deren Strapazen wie das Wasser in Wein gewandelt werde – "sodass wir den Gnadenort Unserer Lieben Frau als 'verwandelte' Menschen, voll Freude und im Zeichen der Gnadenfülle wieder verlassen". Mit einer Urkunde ehrte Pilgerleiter Hans Schlagbauer die Pilgerjubilare für 15, 20, 25, 30 und 55-malige (Begleitfahrzeuglenker Herbert Paar) Teilnahme; im Gedenken an alle verstorbenen Mitpilger wurde am Altar eine Kerze entzündet.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Kein Himmelfahrtskommando – Fußwallfahrt des Pfarrverbands Moosinning

"Gerade als wir um zwei Uhr früh aufgebrochen sind, hat es so richtig geschüttet", berichtete Albert Thurner, der für die DLRG seit Jahren die Fußwallfahrt des Pfarrverbands Moosinning mit den Pfarreien St. Emmeram-Moosinning, St. Joseph-Eichenried und Mariä Himmelfahrt-Eicherloh begleitet. Sonst sei aber alles gut gegangen, so Thurner am Pfingstsamstag um 9.30 Uhr beim Einzug der Pilger über den Kapellplatz nach St. Magdalena. "Eine Wallfahrt ist kein Himmelfahrtskommando – auch wenn man es bei dem Wetter meinen könnte", tröstete Kapuzinerpater Georg Greimel, der die Moosinninger – darunter auch seine eigene Schwester Marlene – vom Kolbergparkplatz aus einbegleitet hatte. Durch die Strapazen unterwegs könne man vielleicht auch besser Solidarität mit den Menschen spüren, "die auf der Flucht sind, die schwere Zeiten durchmachen", regte Br. Georg an. Es gebe immer ein "Vor" und ein "Nach", so Br. Georg weiter: "Ich wünsche euch, dass nach der Wallfahrt etwas mit euch passiert ist!".

Text und Fotos: Wolfgang Terhörst

Kniende Marienverehrung – Fußpilger aus Metten

Trotz des Regens ließen es sich die 40 Fußpilger aus Metten nach ihrer Ankunft am 14. Mai vor der Gnadenkapelle nicht nehmen, kniend ihr Gebet zur Gottesmutter zu entrichten. An der Spitze ein langjähriges eingespieltes Team mit Pilgerleiter Sepp Eidenschink, Standartenträger Josef Heigl und Vortragskreuzträger Siegfried Fellinger. Bis ins Jahr 1939 geht die Pilgertradition zurück – mit einigen Unterbrechungen während des Zweiten Weltkriegs.

Text und Foto: Roswitha Dorfner

Aufstehen für Maria – Fußpilger aus Deggendorf

Am Freitag, 13. Mai, um 3 Uhr früh war Abmarsch für die 800 Fußpilger aus Deggendorf. Am Pfingstsamstag gegen 11 Uhr erreichten sie ihr Pilgerziel. Die letzten 10 km hatte sich auch der Straubinger Pfarrer Peter König eingereiht, um anschließend mit den Deggendorfern in der Stiftspfarrkirche Gottesdienst zu feiern. Für Altöttings Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, dem gebürtigen Osterhofener, war der Empfang der Deggendorfer am Gnadenort quasi "ein Heimspiel"; er sprach angesichts der widrigen Wetterverhältnisse von einem "faden Pilgerbeigeschmack", aber: Ein echter Niederbayer gehe da durch, schließlich heiße es "Wallfahrt bei Regen bringt Glück und Segen! Schön, dass ihr da seid!" In einer kurzen Ansprache erklärte Prälat Mandl: Wer sich frühmorgens zu einem Marienwallfahrtsort aufmache, der stehe für Maria auf. Am Ende des Gottesdienstes wünschte sich Prälat Mandl ein Lächeln auf jedem Pilgergesicht, denn das bedeute, eine innere Wandlung: man verlasse Altötting anders als bei der Ankunft, da seien die Strapazen und die Blasen an den Füßen schnell vergessen. Das eingespielte Pilgerleiterteam, Manfred Bachmeier und dessen Stellvertreter Florian Stallinger, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der 385. Fußwallfahrt: "Wir haben's g'schafft, Gott sei Dank", sagte Bachmeier erleichtert und zollte allen Teilnehmern sowie allen Helfern, Mitorganisatoren und Mitwirkenden seine Anerkennung und seinen Dank; vor allem dankte er für Geschlossenheit und Disziplin. Stolz zeigte sich Bachmeier, dass heuer zum ersten Mal die komplette Wallfahrt auch über Facebook im Internet "miterlebt" werden konnte (siehe auch www.pilgerverein.de/).

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Beweglich – Pilger aus Lalling

Es sei wichtig, beweglich zu bleiben, "damit die Kirche nicht erstarrt", bestätigte Kapuzinerpater Br. Georg Greimel den rund 150 Pilgern aus Lalling, als er sie am Pfingstsamstag im Kongregationssaal begrüßte. Eine Wallfahrt sei ein wichtiges Zeichen, dass wir unseren "Pilgerweg auf Erden" auch wirklich ernst meinen, sagte Br. Georg mit Verweis auf das große Ziel bei Gott. – Bereits zum 183. Mal fand diese traditionsreiche Fußwallfahrt statt, Br. Georg und die Altöttinger Musikkapelle begleiteten die Wallfahrer über den Kapellplatz ein.

Text und Fotos: Michael Glaß

Auf Umwegen – Fußpilger aus Straubing

Mit halbstündiger Verspätung trafen die Straubinger Fußpilger am Pfingstsonntag kurz vor 7 Uhr am Gnadenort ein. "Schuld waren einige Straßensperrungen", erklärte Pilgerleiter Sepp Drescher. Dafür hatten die rund 650 Fußpilger einigermaßen Glück mit dem Wetter: Beim Abmarsch am Freitag gegen 23 Uhr sei bis Landau kein Regen gefallen, und als das heftige Gewitter bei Falkenberg aufzog, konnten alle Pilger sicher "Unterschlupf" finden. Da es in der Nacht auf Sonntag empfindlich abkühlte, setzte der Temperatursturz so manchem Wallfahrtsteilnehmer in Form von Kreislaufproblemen zu. Doch die Pilger waren unterwegs durch viele Helfer und zwei Ärzte in den Begleitfahrzeugen des Malteser Hilfsdienstes bestens versorgt, wie Drescher dankbar betonte. In Altötting empfingen viele Angehörige die Pilger, die über den Kapellplatz zur St. Anna-Basilika zogen. "Pfingsten findet immer wieder statt, wenn Menschen sich dem Heiligen Geist öffnen", stellte der stellvertretende Wallfahrtsrektor P. Norbert Schlenker eingangs des Pilgergottesdienstes fest. Die Musikfreunde Rain sorgten wieder für musikalische "Feststimmung".

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Himmlische Gehhilfe – Fußwallfahrer aus Pförring

Pünktlich konnte Pfarrgemeinderat Josef Wagner am Pfingstmontag um 12 Uhr in der Kirche St. Josef in Altötting-Süd rufen: "Liebe Freunde aus Pförring, herzlich willkommen!" Die 300 Fußwallfahrer aus der Hallertau waren zuvor in der langen Reihe der Legio-Mariae-Wallfahrt über den Kapellplatz an der Gnadenkapelle vorbeigezogen. Nach den 1,5 "Extra-Kilometern" bis St. Josef sorgten der freundliche Empfang und die schwungvolle Musik unter der Leitung von Pilgerführer und "Papstpilot" Martin Ott für neue Kraft. Wie stets mit dabei war auch heuer Pfarrer Thomas Vogl – aus alter Verbundenheit, denn seit 2005 ist er Stadtpfarrer von Waldsassen in der Oberpfalz. Zu Beginn seiner Predigt erzählte Pfr. Vogl die Geschichte eines alten Mannes, der, obwohl selbst bettelarm, einen Wanderer in seiner einsamen Berghütte aufnimmt und großzügig bewirtet. Auf sein Geheimnis angesprochen, wie er denn die Speisen stets aus dem Dorf heraufbekomme, wo er doch selbst kaum gehen könne, erwidert der Alte dem Wanderer lachend: "Das ist kein Geheimnis! Der Himmel schickt uns immer eine Hilfe, wenn wir nicht mehr gehen können". Als diese Gehhilfe entpuppen sich dann schließlich zwei Buben aus dem Dorf, die den Alten stets mit allem versorgen, was er braucht. "Wer könnte den Alten besser verstehen als ihr", richtete sich Pfr. Vogl sodann mit einem Augenzwinkern an die Pförringer Wallfahrer: "Wir können das schon nachfühlen, dass wir manchmal Gehhilfen brauchen." Zu Pfingsten sende uns der Herr den Hl. Geist als Gehhilfe, und Gottes Weg mit den Menschen – besonders erfahrbar auf einer Wallfahrt – sei DIE Gehhilfe schlechthin. Umgekehrt müssten "wir Wallfahrer" selbst zur Gehhilfe werden für Menschen, "denen der Himmel verschlossen ist". So wie der Alte sich bei den Dorfjungen mit einer festen Umarmung bedankt hatte, forderte Pfr. Vogl am Ende seiner Predigt die Pilger auf, es ihm mit den Banknachbarn gleichzutun.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner 5, Wolfgang Terhörst 1

Zeichen für die Welt – Fußpilger aus Oberhausen

60 Kilometer Fußmarsch die Nacht hindurch hatten die 210 Fußpilger aus Oberhausen hinter sich, als sie am Pfingstmontag, 16. Mai, um 13 Uhr in Altötting eintrafen. Wie der Wallfahrtsleiter und Organisator Anton Schachtner erzählte, sei die Oberhauser Fußwallfahrt uralt und gehe auf ein Pestgelübde aus dem Jahr 1713 zurück. Mit einem herzliches Grüß Gott begrüßte Kapuzinerpater Br. Georg Greimel alle Wallfahrtsteilnehmer, darunter auch viele Erstkommunionkinder, Firmlinge und Ministranten, die ein Stück Weges mitgepilgert waren. Der Oberhauser Pfarrer Marius Francescu freute sich beim Pilgergottesdienst in der Stiftspfarrkirche über die Teilnahme vieler junger Christen seiner Pfarrei. Dabei verglich er den Lebensweg Jesu mit einer Wallfahrt; Maria, "seine und unsere Mutter", sei stets an seiner Seite gewesen; sie stehe auch uns heute bei.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Mit Kutschen und Reitern – Pferdewallfahrt aus dem Rottal

Bereits zum zehnten Mal fand heuer die Pferdewallfahrt aus dem Rottal statt. Am Dreifaltigkeitssonntag, 22. Mai gegen 14.30 Uhr zogen 13 Kutschen und 18 Reiter in Altötting ein. Kapuzinerpater Br. Georg Greimel dürfte den Einzug besonders genossen haben, wird er schließlich nicht alle Tage über den Kapellplatz kutschiert. Br. Georg begrüßte die Wallfahrer am Gnadenort und spendete nach einer kurzen Statio vor der Gnadenkapelle Rößern, Kutschern und Reitern den Segen. Gesammelt hatten sich die Pilger mit ihren edlen Tieren in Eisenfelden, von wo aus sie mit den prächtig mit Blumen herausgeputzten Kutschen und den edlen Pferden – darunter waren Süddeutsche Kaltblüter, Haflinger, Schwarzwälder, Friesen – in ihren blankgeputzten und kostbaren Geschirren das Pilgerziel ansteuerten. Organisiert hatte die Wallfahrt erneut Ludwig Mitterbauer aus Dietersburg/Baumgarten. Viele Schaulustige waren am Kapellplatz, um sich den prächtigen Einzug anzusehen. Br. Georg verwies auf den hl. Bruder Konrad, der als Rottaler Bauer 20 Pferde sein Eigen nennen konnte, und doch dem Ruf Gottes folgend, Haus und Hof zurückließ, um als Kapuziner zu leben. Der hl. Br. Konrad und weitere "Tierpatrone" wurden dann fürbittend um Gottes Schutz und Segen angerufen. Am Ende erhielt jeder "Pferdefreund" ein hölzernes Umhängekreuz zur Erinnerung an die Jubiläumswallfahrt.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Versprechen eingelöst – Wallfahrt für das Enkelkind

Am Festtag Christi Himmelfahrt – Vatertag – löste nicht der Vater, aber der Opa, Gerhard Wittmann, sein Versprechen ein: "Wenn das Enkelkind Emily, damals zwei Jahre alt, die Herzoperation gut übersteht, dann laufe ich von Kelheimwinzer nach Altötting" – das sind 121 Kilometer. Nach seiner Ankunft in Altötting hielt Pfarrer Peter König aus "St. Josef" Straubing, vor 20 Jahren Pfarrer von "St. Jakobus" in Kelheimwinzer, in der Gnadenkapelle eine Dankandacht. Zuvor hatte er im Kloster der Heiligkreuzschwestern eine Duschgelegenheit organisiert, "damit der Läufer in der Gnadenkapelle nicht vom Schweiß zusammenbricht". Pfarrer Peter König begrüßte die Pilger in der "guten Stube", besonders den Läufer und die Angehörigen. "Von 100 Briefen sind mindestens 95 Bittbriefe! Wir sind heute hier um zu danken. Dankzusagen für die gelungene Operation am Herz der kleinen Emily", sagte er. Die Dankandacht, gesungen und gebetet mit anschließendem eucharistischen Segen, war tief ergreifend und so manche Träne wurde aus Dankbarkeit vor dem Gnadenbild vergossen. Ein Versprechen, mit viel Schweiß und Anstrengung, wurde eingelöst!

Text und Foto: red