Altöttinger Liebfrauenbote
Die Schwestern vom Hl. Kreuz bei der stillen Anbetung in der kunstvoll ausgestalteten Herz-Jesu-Kirche. Besonders hervorzuhben sind der Hauptaltar, die Seitenaltäre und die reich geschmückte Kanzel. Die Kirche ist ein kleines Juwel, das einen Besuch loh
Die Schwestern vom Hl. Kreuz bei der stillen Anbetung in der kunstvoll ausgestalteten Herz-Jesu-Kirche. Besonders hervorzuhben sind der Hauptaltar, die Seitenaltäre und die reich geschmückte Kanzel (s.u.). Die Kirche ist ein kleines Juwel, das einen Besuch lohnt.

100 Jahre Herz-Jesu-Anbetungskirche im Provinzhaus Heilig Kreuz

Ein "Ort der Mitte"

Am 17. Mai ist die Herz-Jesu-Anbetungskirche im Altöttinger Provinzhaus Heilig Kreuz 100 Jahre alt geworden. Den Jahrestag feierten die Schwestern am 29. Mai mit einer Vesper mit Bischof em. Wilhelm Schraml sowie mit Begegnungen im Klostergarten und gestalteten Anbetungsstunden.

Jubiläumsfeier im Provinzhaus Heilig Kreuz: Erst eine Pontifikalvesper ...
Jubiläumsfeier im Provinzhaus Heilig Kreuz: Erst eine Pontifikalvesper ...
... mit Bischof emeritus Wihelm Schraml in der 100 Jahre alten Kirche, ...
... mit Bischof emeritus Wihelm Schraml in der 100 Jahre alten Kirche, ...
... dann ein geselliger Ausklang.
... dann ein geselliger Ausklang.

"Baue meine Kirche auf! Stelle mein Haus wieder her! So spricht der Herr vom Kreuz herab: Baue mit Liebe auf!" – Diese Zeilen stimmte der Schwesternchor bei der "Kirchweihvesper" an. Bischof Schraml bezeichnete in seiner Predigt die Anbetungskirche als "geistigen und geistlichen Ort der Mitte der Ordensgemeinschaft der Heilig-Kreuz-Schwestern".

Das Haus Gottes sei "offen für alle, die suchen und ringen, hoffend auf das Erbarmen und die Liebe Gottes, denn der barmherzige Gott ist mitten unter uns", versicherte Bischof Schraml. Wie beim Auszug aus Ägypten, als Gott sich den Israeliten offenbarte, so sei auch die Gegenwart Gottes in der Herz-Jesu-Kirche während der Eucharistischen Anbetung vor dem Tabernakel bei Tag und Nacht hindurch spürbar. Gottes Gegenwart in der Herz-Jesu-Anbetungskirche bezeichnete Bischof Schraml als "Nahrung für geistiges Ringen, Wachsen und Reifen, als Stärkung zum Dienst, in allen Nöten und Anliegen".

"Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir...", diesen Hymnus habe Thomas von Aquin zum Fronleichnamsfest verfasst und zeige auf, was Anbetung in aller Demut zum Allerheiligsten Gott auslöse: "eine feste Anbindung an Gott, die zur wahren Freiheit führt", betonte Bischof Schraml. Auch Papst Benedikt XVI. habe bei seinem Altötting-Besuch vor zehn Jahren "den Tabernakel als Ort für den eigentlichen Schatz der Kirche durch Gottes ständige Gegenwart im Sakrament" bezeichnet. Bischof Schraml sagte den Schwestern vom Heiligen Kreuz ein herzliches Vergelt's Gott, da sie diesen Schatz der Kirche seit 100 Jahren nicht nur hüteten, sondern mit großer Liebe und Treue heilighielten und pflegten.

In einer kleinen Ausstellung im Vorraum der "Jubiläumskirche" stellte Novizin Regina Maller die Bedeutung von Kirche und Ordensgemeinschaft vom Provinzhaus Heilig Kreuz anschaulich dar. Kunsthistoriker Dr. Stefan Schmitt erklärte in einem Vortrag die Besonderheiten der Kirche. Anschließend luden Provinzoberin Sr. Chiara Hoheneder und die Schwestern vom Heiligen Kreuz zu einem Beisammensein im Klostergarten des Provinzhauses.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Herz-Jesu-Anbetungskirche: Die "neue Gnadenstätte" ist 100

Seit Ende des 19. Jahrhunderts leben Heilig-Kreuz-Schwestern in Altötting – keine 15 Jahre nach Ankunft der ersten Frauen war die junge Ordensniederlassung so angewachsen, dass der Neubau einer eigenen Kirche in Angriff genommen wurde. Der damalige Passauer Bischof, Sigismund Felix von Ow-Feldorf, weihte sie vor 100 Jahren am 17. Mai 1916 und nannte sie eine "neue Gnadenstätte am Gnadenort Altötting".

Provinzoberin Sr. Chiara Hoheneder ist stolz auf die Herz-Jesu-Kirche.
Provinzoberin Sr. Chiara Hoheneder ist stolz auf die Herz-Jesu-Kirche.
Kreszentiaheim und Herz-Jesu-Kirche von außen.
Im Jahr 1901 wurde das Kreszentiaheim (l., heute "Provinz- und Missionshaus Hl. Kreuz") eingeweiht, 15 Jahre später dann der Anbau der Herz-Jesu-Kirche (hinten).
Die Vogelpredigt des hl. Franziskus, Relief von der Kanzel.
Die Vogelpredigt des hl. Franziskus, Relief von der Kanzel.
Franziskanische Spiritualität: Medaillon an der Kirchendecke.
Franziskanische Spiritualität: Medaillon an der Kirchendecke.
Natürlich darf auch der Ortsheilige Br. Konrad nicht fehlen.
Natürlich darf auch der Ortsheilige Br. Konrad nicht fehlen.
Relief der hl. Kreszentia außen am Provinz- und Missionshaus.
Relief der hl. Kreszentia außen am Provinz- und Missionshaus.
Herz-Jesu-Hauptaltar.
Herz-Jesu-Hauptaltar.
Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Josef gewidmet.
Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Josef gewidmet.
Anrührende Darstellung des Gekreuzigten und seiner Mutter.
Anrührende Darstellung des Gekreuzigten und seiner Mutter.
Beeindruckende Darstellung des "Jesus in der Rast".
Beeindruckende Darstellung des "Jesus in der Rast".

Im Jahr 1883 gingen erstmals drei Schwestern vom Hl. Kreuz vom Ursprungsort Menzingen, Schweiz, in die Mission nach Südafrika. Von dort wurde wegen der großen Armut Sr. Elekta Kaltenbach auf Sammelreise nach Europa geschickt. In ihrer Heimat Furtwangen/Baden besuchte sie Frau Kreszentia Löffler, die bereit war, einen Teil ihres Vermögens der südafrikanischen Mission zu geben; mit dem anderen Teil sollte ein Kloster für Anbetung und Mission gegründet werden. Nach schwierigen Suchaktionen konnte Sr. Elekta zu diesem Zweck in Altötting ein Anwesen erwerben. Ab 1896 wurden hier junge Frauen für die Missionen ausgebildet.

1901 bezog die junge Gemeinschaft einen Neubau, das sogenannte Kreszentiaheim, da das ursprüngliche Haus zu klein geworden war. Der Name Kreszentiaheim wurde als Dank an die Stifterin Kreszentia Löffler gewählt und zu Ehren der schwäbischen Mystikerin Kreszentia von Kaufbeuren, die am 7. Oktober 1900 seliggesprochen wurde. 1898 begannen die ersten Missionsaussendungen von jungen Frauen nach Südafrika, bald auch nach Chile, Indien, Sri Lanka, Argentinien und 1931 nach Lettland. Insgesamt zogen vom Kreszentiaheim aus 614 junge Frauen in die Missionen. 1968 wurde das "Kreszentiaheim" Altötting in "Provinz- und Missionshaus Hl. Kreuz" umbenannt.

Trotz des Ersten Weltkrieges entstand 1915/16 ein Vergrößerungsbau des Kreszentiaheims, an den sich der Neubau der Herz-Jesu-Anbetungskirche anschloss. Am 20. Juni 1915 wurde durch den Passauer Dompropst Dr. von Pichler die Grundsteinlegung vorgenommen. Neben der üblichen Urkunde wurden auch Brotmarken, Kriegsbrot und Kriegsgeld eingemauert. Der Altöttinger Liebfrauenbote berichtete zu diesem Ereignis ferner: "Die Bauurkunde war auch unterschrieben von den jetzigen zwölf Novizinnen, gleichsam von zwölf Aposteln des bedeutsam aufblühenden Missionshauses."

Schon am 28. August 1915 wurde mit 45 Arbeitern der Firmen Heinrich und Simon Lehner Richtfest gefeiert. Baumeister Heinrich Lehner ließ bei dieser Gelegenheit im Türmchen ein Herz-Jesu-Bild einfügen. Die Kirche wurde von Architekt Prof. Michael Kurz aus Augsburg erbaut.

Am 17. Mai 1916, dem Fest des heiligen Paschalis von Baylon, dem Patron der eucharistischen Bewegungen, wurde die neue Kirche eingeweiht. Die Weihe zu Ehren des heiligsten Herzens Jesu vollzog der Passauer Bischof, Sigismund Felix von Ow-Feldorf, unter Assistenz von 20 Priestern. Der Bischof sprach von dieser Kirche als einer neuen Gnadenstätte am Gnadenort Altötting und in seiner Diözese, als dem eucharistischen Heiligtum neben dem marianischen Heiligtum der Heiligen Kapelle.

"Dieser 17. Mai 1916 war wohl der schönste Tag, den das Kreszentiaheim bis dahin erleben durfte. Es ließe sich so vieles über diesen auserlesenen Triumph- und Gnadentag sagen, doch die größte Freude hat keine Worte", vermeldet dazu die Haus-chronik. Zu erwähnen ist auch die Anwesenheit von Prinzessin Therese Arnulf aus dem bayrischen Königshaus, der großen Gönnerin des Kreszentiaheims und die Anwesenheit von Regierungsrat Wirth und Bürgermeister Fr. X. Stinglhamer von Altötting, Bruder des 1902 verstorbenen Domkapitulars Johann Stinglhamer. Am Weihetag wurde die Ewige Anbetung von der Hauskapelle in die Kirche verlegt, freilich noch vor geschlossenem Tabernakel wie schon seit dem 16. Juli 1901.

Die Kirche ist im Jugendstil erbaut, der um die Jahrhundertwende die "Einheit von Kunst und Leben" anstrebte. Der Hauptaltar zeigt eine Darstellung des Herzens Jesu, umgeben von Engeln. Jesus hat sein Missionswerk auf Erden vollendet und die Glaubensboten ausgesandt. Der linke Seitenaltar ist der "Patrona Bavariae" geweiht. Er ist der erste Altar, der nach Einführung dieses Festes am 6. Mai 1917 zu Ehren der Schutzfrau Bayerns geweiht wurde. Dargestellt sind Prinzessin Arnulf von Wittelsbach-Liechtenstein mit ihrem gefallenen Sohn und eine in Not geratene Handwerkerfamilie. Sie erbitten die Hilfe der Gottesmutter. Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht, dem Schutzherrn der Kirche. Zu seiner Rechten ist der hl. Franz Xaver, der Patron der Missionen, abgebildet. Zu seiner Linken steht eine Schwester vom Heiligen Kreuz, die ein Kind lehrt. Dies ist ein Hinweis auf das Charisma der Kongregation.

Sechs Medaillons in den Fresko-Deckengemälden erinnern an die franziskanische Spiritualität der Schwestern vom Hl. Kreuz. Das Bild der seligen Kreszentia kann als Dank an die Stifterin des Missionshauses, Kreszentia Löffler, verstanden werden.

Text: red, Fotos: Roswitha Dorfner